Roter Würfel mit Prozentzeichen mit angelehnter Leiter schwimmt im Wasser

Was passiert, wenn die Zinsen steigen? In der Immobilienfalle

Stand: 12.04.2018, 15:20 Uhr

Als die Europäische Zentralbank (EZB) im März 2016 den Leitzins auf das Rekordtief von 0 % festlegte, war dies der vorläufige Höhepunkt einer bereits seit Jahren anhaltenden Niedrigzinsphase in Europa. Doch nun könnte ein Ende der Niedrigzinspolitik anstehen. Seit Wochen mehren sich die Anzeichen für eine „Zinswende“. Aber was geschieht, wenn die Zinsen tatsächlich im Laufe des Jahres wieder steigen?

Unter den Finanzexperten rumort es seit einigen Wochen. Immer mehr Stimmen werden laut, die für 2018 eine „Zinswende“ und damit wieder steigende Zinsen in Deutschland und Europa vermuten. Anzeichen dafür gibt es genug: Die amerikanische Federal Reserve Bank (FED) hat kürzlich bereits zum vierten Mal in Folge den Leitzins erhöht. Angesichts der guten Konjunktur und des unerwartet starken Wirtschaftswachstums in der EU im vergangenen Jahr gehen der EZB die Gründe für den niedrigen Leitzinssatz aus. Es wird daher erwartet, dass die Zentralbank bald mit der Erhöhung der Zinsen nachzieht. Obwohl EZB-Chef Mario Draghi zuletzt erneut betonte, dass der Leitzins „bis weit nach Auslaufen des Anleihe-Kaufprogramms“ auf dem 0 %-Niveau bleiben solle, zeigt der Finanzmarkt eine andere Entwicklung.

Anzeichen für eine „Zinswende

Der Anleihenzins ist in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Zum Vergleich: Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe beträgt aktuell 0,7 Prozent (Stand April 2018), im Dezember 2017 waren es noch 0,3 Prozent. Bisher entwickelten sich die Zinsen für Immobilienkredite parallel zum Anleihenmarkt und lagen immer konstant einen Prozentpunkt über den Anleihenzinsen - ein weiteres Anzeichen für steigende Zinsen.

Was bedeuten erhöhte Zinsen für den Immobilienmarkt?

Eine Erhöhung des Leitzinses schlägt sich unmittelbar in steigenden Zinssätzen für Kredite und Darlehen nieder. Das wirkt sich auch auf den Immobilienmarkt aus. Während der Niedrigzinsphase hat es sich kaum gelohnt zu sparen. Gleichzeitig war die Finanzierung von Immobilien so günstig wie nie. Entsprechend sind die Nachfrage nach Immobilien und damit auch die Immobilienpreise erheblich gestiegen. Steigen die Zinsen nun wieder an, können sich potenzielle Käufer mit der gleichen monatlichen Belastung nur noch kleinere Darlehen leisten oder sie müssen über einen längeren Zeitraum ihren Kredit tilgen. Es geht also um die Frage, wie viel Haus oder Wohnung sich Interessenten noch leisten können oder auch wie hoch die monatlichen Kosten bei einer Anschlussfinanzierung eines auslaufenden Festzinssatzes ausfallen.

Entsprechend werden sich in der Folge auch die Immobilienpreise verändern: Da alle von den steigenden Finanzierungskosten betroffen sind, müssen die Verkäufer die Preise für ihre Objekte senken, um ein Kaufgeschäft abzuschließen. Außerdem wird durch die höheren Finanzierungskosten erfahrungsgemäß die generelle Nachfrage sinken. Inwieweit sich dieses Szenario auf die Baukonjunktur auswirken wird, ist momentan noch nicht absehbar.

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Lena Eckermeier mit Material von bpb, Handelsblatt und tagesspiegel.de