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Welle von Börsengängen erwartet Hier kommen die Einhörner

von Lothar Gries

Stand: 29.03.2019, 13:36 Uhr

Der Börsengang des Fahrdienstleisters Lyft gibt den Startschuss für eine Welle von Börsengängen, wie sie die Wall Street seit der Dotcom-Blase 1999 nicht mehr gesehen hat.

Tatsächlich scheint der Appetit der Anleger für die schnell wachsenden Techfirmen groß zu sein, die Bewertungen erreichen teils schwindelerregende Höhen. Das zeigt das große Interesse an dem Fahrvermittler Lyft, der am Freitag als erster den Sprung auf das Börsenparkett gewagt hat.

Gemeinsam mit dem Fahrdienst Uber, dem Foto-Netzwerk Pinterest sowie dem Unterkünfteanbieter Airbnb könnte die Gruppe der an die Börse strebenden "Einhörner" das Kürzel LUPA ergeben, und damit die bei Anlegern bekannte und beliebte Gruppe FAANG ablösen, die sich aus Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google zusammensetzt. Analysten glauben, dass viele Anleger bei der nächsten Generation der Tech-Unternehmen früh einsteigen wollen, um mögliche Kursgewinne nicht zu verpassen.

Schwergewicht Uber

Als veritables Schwergewicht in der Liste dieser innovativen Unternehmen gilt der Fahrdienstanbieter Uber. Glaubt man den Experten von Goldman Sachs und Morgan Stanley, ist das Unternehmen sagenhafte 120 Milliarden Dollar wert - mehr als die drei Autobauer General Motors, Ford und Fiat Chrysler zusammen.

Im Dezember 2018 soll bereits ein vertraulicher Antrag für eine Aktienplatzierung gestellt worden sein. Der Börsengang wurde dabei für das erste Quartal 2019 in Aussicht gestellt, bisher aber nicht vollzogen. Vielleicht ist es ja im April soweit. Uber und die beratenden Banken hüllen sich in Schweigen. Fakt ist, dass Uber im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben den Umsatz um 43 Prozent auf 11,3 Milliarden Dollar gesteigert hat.

Verluste verringert

Dabei entstand ein Nettoverlust von 370 Millionen Dollar, nach 4,5 Milliarden Dollar im Vorjahr - also ein deutlicher Rückgang. Nach Angaben des "Wall Street Journal" hat das Unternehmen in Dokumenten für Investoren angekündigt, dass es in frühestens drei Jahren Gewinne erwartet.

Zuletzt ist das Wachstum von Uber allerdings stetig kleiner geworden. Für das vierte Quartal meldete das Unternehmen ein Umsatzplus von 25 Prozent. Im dritten Quartal waren es noch 38 Prozent, im zweiten Quartal belief sich das Wachstum sogar auf 63 Prozent.

Lyft macht den Auftakt

Der Taxi-Konkurrent ist allerdings nicht der erste aus der Gruppe, der den Sprung aufs Börsenparkett gewagt hat. Das 2012 gegründete Unternehmen, das mit dem Logo eines lila Schnurrbarts bekannt wurde, ist deutlich kleiner und fokussierter als Uber, schreibt aber tiefrote Zahlen. Der Verlust im vergangenen Jahr betrug 911 Millionen Dollar und war damit ein Drittel höher als 2017. Es ist damit das Start-up mit den höchsten Verlusten, das sich an die Börse wagt.

Auch ist nicht klar, wann Lyft profitabel sein will. Bis 2022, so weit reicht der Ausblick, ist das nicht vorgesehen. Lyft liefert sich mit Uber einen Kampf um Preis und Marktanteile. Marktführer Uber kommt in den USA auf einen Marktanteil von 65 Prozent, Lyft dagegen nur auf 34 Prozent.

Dennoch ist der Börsengang geglückt. Der Mitfahrdienst platzierte seine Aktien zu 72 Dollar, über der ursprünglichen Spanne von 62 bis 68 Dollar. Die Bewertung des Uber-Konkurrenten liegt damit bei knapp 25 Milliarden Dollar - mehr als die Fluggesellschaft United Continental.

Pinterest folgt sogleich

Pinterest, eine Plattform für Bilder und Shopping, plant ihren Börsengang im April. Es ist der erste Facebook-Konkurrent seit Snap, der sich an die Börse wagt. Snaps Börsengang war zunächst erfolgreich, doch dann stürzte die Aktie ab und notiert inzwischen deutlich unter dem Ausgabepreis.

Pinterest erreicht laut eigenen Angaben rund 250 Millionen Nutzer, zwei Drittel davon Frauen. Dies entspricht einem Anteil von 43 Prozent aller US-Internetnutzer. Und das Geschäft entwickelt sich blendend: 2018 ist der Umsatz um 60 Prozent auf 756 Millionen Dollar gestiegen. Dabei entstand ein Verlust von 63 Millionen Dollar, nach 130 Millionen 2017. Derzeit wird Pinterest mit zwölf Milliarden Dollar bewertet.

Pinterest definiert sich nicht als soziales Netzwerk. Doch die Plattform besitzt viele Elemente, die Nutzer aus sozialen Medien kennen. So können sie Profilen folgen oder Inhalte teilen. Die Firma beschreibt sich in den Börsenunterlagen als Ort, um "Ideen zu entdecken" für Suche, "Träume" und "Produktivität".

Airbnb will im Sommer folgen

Im Sommer könnte dann der Wohnraumvermittler Airbnb aufs Parkett streben. Zuletzt wurde Airbnb von Analysten auf etwa 31 Milliarden Dollar geschätzt. Durch das starke Wachstum könnte es in diesem Jahr in Richtung 40 Milliarden Dollar gehen. Laut einer von der US-Tech-Seite "Recode" veröffentlichten Erhebung hat Airbnb sich mittlerweile schon ein Fünftel des privaten Übernachtungsmarktes in den USA gesichert und vom Umsatz die Hotelkette Hilton überholt.

Zudem wachsen die Erlöse zweistellig. So hat Airbnb im dritten Quartal 2018 erstmals in einem Dreimonatszeitraum mehr als eine Milliarde Dollar eingenommen. 2017 hatte Airbnb noch 2,6 Milliarden Dollar erlöst und dabei einen Gewinn von 100 Millionen Dollar eingefahren. Auch 2018 sei profitabel gewesen.

Die Beispiele zeigen, dass ein Engagement bei diesen Start-ups mit erheblichen Risiken verbunden ist, aber auch immense Chancen bietet.

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Diese Einhörner stehen in den Startlöchern Von Airbnb bis We

Lyft-Gründer John Zimmer

Lyft
Als erste der innovativen Firmen wagte in diesem Jahr der Fahrdienstleister Lyft den Sprung an die Börse.

Der Börsengang war zunächst ein voller Erfolg. Der erste Kurs lag mit 87,24 Dollar rund 20 Prozent über dem Ausgabepreis von 72 Dollar. Zu diesem Ausgabepreis war das Unternehmen damit rund 25 Milliarden Dollar wert. Lyft hatte zuvor wegen hoher Nachfrage die Ausgabespanne von 62 bis 68 Dollar pro Aktie deutlich erhöht. Mittlerweile ist die an der Nasdaq notierte Aktie aber wieder bis auf 61 Dollar zurückgefallen.