Zwischen Zahlen und Zaudern

Stand: 08.11.2007, 20:07 Uhr

Dank gewinnstrotzender Quartalsberichte konnte sich der Dax am Donnerstag als Sieger über die US-Börsen fühlen. Nach pessimistischen Äußerungen von Notenbankchef Ben Bernanke geht es an der Wall Street immer weiter bergab.

Bis zum Schluss des deutschen Parketthandels rutschte der Dow Jones Index um ein Prozent talwärts. Noch schlimmer erwischte es die Technologiewerte, die an der Computerbörse Nasdaq fast drei Prozent einbüßten. Sie wurden durch schwache Quartalszahlen von Cisco vom Vorabend belastet.

Bernanke macht (sich) Sorgen

Den gesamten US-Markt dürften aber auch Äußerungen von US-Notenbank-Präsident Ben Bernanke vor dem US-Kongress verunsichert haben. Bernanke sieht die US-Wirtschaft mit einer Abschwächung des Wachstums bei gleichzeitig hoher Inflationsgefahr konfrontiert. Der hohe Ölpreis und der zugleich schwache Dollar sorgten für Inflationsrisiken.

In Euro-Land war der turnusmäßige Zinsentscheid wie erwartet ausgefallen: Die Währungshüter hatten den Leitzins bei 4,0 Prozent belassen. Auch EZB-Präsident betonte Inflationsgefahren und die Wachsamkeit der Notenbank. Allerdings spiele sich der Preisauftrieb in der Euro-Zone noch innerhalb des erwarteten Szenarios ab.

Dax wehrt sich nach Kräften
Ob sich die deutschen Aktienmärkte dem Sog der US-Vorbilder weiterhin entziehen können, wird der Freitagshandel zeigen. Der Late-Dax büßte am Donnerstag gegenüber dem Xetra-Schlussstand am Donnerstag schon einmal einige Punkte ein. Bis zum Ende des Computerhandels in Deutschland hatten sich Dax-Titel aber bravourös behauptet und sogar ein kleines Plus gerettet.

Verkaufsgespräche bei der Postbank?
Geschäftszahlen von insgesamt sechs Dax-Unternehmen waren fast einhellig mit deutlichen Kurszuwächsen quittiert worden. Mit der Postbank hatte der Dax sogar einen Titel, der prozentual zweistellig zulegte. Grund waren, neben guten Quartalsergebnissen, Übernahmespekulationen. Der Chef des Großaktionärs Deutsche Post, Klaus Zumwinkel, hatte gegenüber Analysten angedeutet, dass man langfristig seine Beteiligung an der Bankentochter herunter fahren könne, es gebe "reges Interesse" an der Postbank.

Die Post selbst, konnte von ebenfalls von einem guten dritten Quartal berichten. In dem Zeitraum stieg der Umsatz von 14,89 auf 15,64 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern schrumpfte zwar von 1,03 Milliarden auf 841 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr hob die Post aber ihre Ziele an. Das Ebit soll 3,7 Milliarden Euro erreichen. Die Post-Aktie schloss knapp vier Prozent im Plus.

Siemens im Geldrausch
Auch die Papiere von Siemens, Tui und Adidas legten zwischen vier und acht Prozent zu. Der Siemens Konzern hat im abgelaufenen Geschäftsjahr trotz Sonderbelastungen seinen Jahresgewinn 2006/07 um mehr als ein Fünftel auf 4,04 Milliarden Euro gesteigert. Die Gesamterlöse wuchsen um mehr als zehn Prozent auf 72,45 Milliarden Euro. Siemens will die Dividende um 15 Cent auf 1,60 Euro je Aktie aufzustocken und im kommenden Geschäftsjahr weiter wachsen.

Tui-Aktie und Frenzel obenauf
Die Tui-Aktie schloss fast fünf Prozent im Plus. Am Nachmittag wurde bekannt, dass der Vertrag von Vorstandschef Michael Frenzel bis 2012 verlängert worden ist. Schon vorher gehörte Tui zu den Top-Werten im Dax. Der Konzern hat sein Quartalsergebnis deutlicher als erwartet gesteigert. Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebita) erhöhte sich im dritten Quartal um fast 45 Prozent auf 830 Millionen Euro. Der Konzernumsatz erhöhte sich von Juli bis September um knapp zehn Prozent auf 7,4 Milliarden Euro.

Adidas und Telekom glänzen
Mit Kursgewinnen von mehr als vier Prozent wurden die Geschäftszahlen von Adidas aufgenommen. Beim Sportartikelhersteller konnten die Gewinnerwartungen der Experten übertroffen werden. Adidas hat seinen Überschuss im dritten Quartal um 22 Prozent auf 298 Millionen Euro gesteigert. Der Umsatz legte von Juli bis September währungsbereinigt um drei Prozent zu.

Die Telekom hat auch im dritten Quartal den harten Wettbewerb im Inland zu spüren bekommen und nur im Ausland Umsatzzuwächse erzielt. Mit seinem bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 5,13 Milliarden Euro schlug sich der Konzern gleichwohl etwas besser als Analysten erwartet hatten

SAP und Infineon mit Cisco-Ballast
Im Sog von Cisco gehörten die Technologietitel zu den deutlichsten Verlierern im Dax. SAP verloren am Nachmittag noch rund zwei Prozent. Die Kursverluste bei Infineon wurden auf die bevor stehenden Quartalszahlen der Speicherchip-Tochter Qimonda zurück geführt, deren Bilanz weiter von sinkenden Halbleiterpreisen belastet sein dürfte.

Bei Wacker stimmt die Chemie...
Auch im MDax hatten Anleger am Donnerstag ein Zahlengewitter zu verdauen. Die Zahlen von Wacker Chemie und dem Motorbauer Deutz sorgten dabei für gegensätzliche Kursausschläge. Während Wacker nach Umsatz- und Gewinnanstieg im dritten Quartal um acht Prozent stiegen, fielen Deutz-Papiere im gleichen Maß. Dessen Ergebnisanstieg auf 143,2 Millionen Euro war allerdings vor allem Resultat des Verkaufs der Tochter Power Systems.

Vorfreude bei Fraport?
Die Aktien des Airport-Betreibers konnten am Donnerstagnachmittag ihre Verluste aus dem frühen Handel verringern. Händler verwiesen auf Medienberichte, wonach die am kommenden Dienstag zur Veröffentlichung anstehenden Quartalszahlen besser als erwartet ausfallen könnten. Vor allem der Gewinn dürfte die Erwartungen der Analysten übertreffen, sagte ein Händler.

EADS mit Dubai-Spekulation
Die EADS-Aktie legte am Nachmittag um mehr als sechs Prozent zu. Im Markt ging das Gerücht um, die staatliche Investorengruppe aus Dubai könne ihren Anteil auf 15 Prozent erhöhen. Dabei haben zusätzliche Milliardenausgaben für den Militärtransporter A400M EADS tief in die roten Zahlen gezogen haben. EADS revidierte am Donnerstag wie bereits angekündigt seine Prognose für 2007 und erwartet bei einem sehr geringen Umsatzrückgang nur noch ein operatives Ergebnis (Ebit) an der Gewinnschwelle.

GPC hilft auch keine Partnersuche
Im TecDax lieferten sich GPC Biotech und Conergy ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die rote Laterne. Beide Papiere verloren rund 20 Prozent an Wert. Die nach dem Rückschlag für das Krebsmittel Satraplatin vor einer ungewissen Zukunft stehende GPC ist im dritten Quartal bei gestiegenem Umsatz tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Auch die Mitteilung vom Nachmittag, man wolle sich um einen Partner ei der "Rettung" von Satraplatin bemühen, half nicht mehr.

Dunkle Schatten über Conergy
Beim Solarkonzern Conergy wirkten sich Verkaufsempfehlungen von Analysten verheerend aus. Am Vortag hatte Conergy mitgeteilt, in den vergangenen Wochen sei ein Liquiditätsengpass aufgetreten. Infolge der Krise tritt der langjährige Vorstandschef Hans-Martin Rüter ab.

Rofin Sinar hat volle Auftragsbücher
Mit zwei Prozent im Plus schlossen die Papiere des Laserherstellers Rofin Sinar. Das Ergebnis je Aktie im abgelaufenen Quartal stieg von 0,87 Dollar auf 1,03 Dollar und damit leicht über die Analystenprognose. Der Auftragseingang lag im vierten Quartal bei 133,5 Millionen Dollar, was eine nochmalige Verbesserung der Rekordzahl von 132,5 Millionen Dollar aus dem dritten Quartal darstellt.

ElringKlinger bleibt spitze
Das SDax-Unternehmen konnte ein Kursplus von sieben Prozent verbuchen. ElringKlinger hat seine Geschäftserwartungen für 2007 nochmals hochgeschraubt. Die guten Geschäfte mit Spezialdichtungen und die steigende Diesel-Nachfrage machten voraussichtlich ein Umsatzplus von rund elf Prozent möglich, teilte der Autozulieferer mit. Der um Einmaleffekte bereinigte Konzerngewinn werde 17 bis 19 Prozent über dem Vorjahr liegen. Nach neun Monaten lag der Umsatz von ElringKlinger mit 460 Millionen Euro knapp 16 Prozent über Vorjahr.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 16. August

Unternehmen:

Carlsberg: Halbjahreszahlen, 7:00 Uhr
Swisscom: Q2-Zahlen, 7:15 Uhr
Aegon: Halbjahreszahlen, 7:30 Uhr
Wirecard: Halbjahreszahlen (endg.), 7:30 Uhr
Henkel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Sixt: Q2-Zahlen (endg.), 7:30 Uhr
Walmart: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
Nvidia: Q2-Zahlen, 22.20 Uhr

Konjunktur
Japan: Handelsbilanz 07/18, 01:50 Uhr
EU: Handelsbilanz 06/08, 11:00 Uhr
USA: Philadelphia Fed Index 08/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Baubeginne und -genehmigungen, 14:30 Uhr