Zwischen Hoffen und Bangen

Stand: 08.07.2010, 20:02 Uhr

Weniger Arbeitslose in den USA, die Aussicht auf anhaltend niedrige Zinsen in Europa und die Hoffnung auf einen positiven Ausgang der Belastungstests für Banken haben dem Dax heute weitere Zugewinne beschert. Doch die Anleger bleiben äußerst vorsichtig.

"Nur nicht so weit aus dem Fenster lehnen". Nach dem überraschenden Anstieg gestern in New York hat auch der deutsche Leitindex heute den Vorwärtsgang eingelegt und sogar die Marke von 6.000 Punkten übersprungen. Aber von der Euphorie an der Wall Street ließen sich die hiesigen Anleger nicht anstecken.

Im Tagesverlauf rückt der Dax zwar bis auf 6.057 vor, muss bis zum Börsenschluss einen Teil seiner Gewinne aber wieder abgeben. Im Abendhandel schließt der Leitindex gut 36 Punkte höher als gestern bei 6.034. Gestützt wurde der Markt Händlern zufolge von den Aussagen des EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet, wonach es derzeit keine Inflationsgefahren gebe. Im Kern habe Trichet aber keine Überraschungen geliefert. Schließlich erwarte niemand eine baldige Abkehr von der expansiven Geldpolitik der Notenbanken.

Stresstests veröffentlichen
Auch die Hoffnung auf ein glimpfliches Ende der Stresstests der europäischen Banken, darunter 14 deutschen Häusern, hat die Anleger stimuliert. Trichet verteidigte während der Pressekonferenz zum monatlichen Zinsentscheid den Stresstest. "Es ist gut, dass die Finanzmärkte die Resultate der Tests sehen werden. Das wird zur Vertrauensbildung beitragen", sagte Trichet. Entsprechend positiv reagieren die Finanztitel.

Auch an der Wall Street legt der Leitindex Dow Jones weiter zu, verliert im Handelsverlauf allerdings deutlich an Schwung. Positive Einzelhandelsdaten vom Juni und niedrigere Arbeitslosenzahlen stützen. Chipwerte wie Intel und auch Bankaktien gehören aber zu den Verlierern. Bei Börsenschluss in Deutschland steht der Dow Jones bei 10.061 Punkten, gut 43 Zähler höher als gestern.

Euro legt zu
Die europäische Gemeinschaftswährung steigt in der Spitze bis auf 1,27 Dollar. Das war der höchste Stand seit dem 12. Mai. Bis zum Abend büßt auch der Euro wieder an Wert ein und fällt auf 1,2668 Dollar zurück.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,33
Differenz relativ
+1,12%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,51
Differenz relativ
+2,84%

Deutsche Bank ganz entspannt
Größter Gewinner im Dax ist die Aktie der Deutschen Bank. Sie scheitert nur knapp an der Hürde von 50 Euro. Der Grund: es zeichnet sich ab, dass Deutschlands führendes Geldhaus den von der EU durchgeführten Stresstest ohne Probleme bestehen wird. Auch die Commerzbank notiert leicht im Plus. Sie gehört ohnehin zu einem Viertel dem Staat und muss den Stresstest ebenfalls nicht fürchten.

Konjunkturgewinner ThyssenKrupp
Die Rohstahlproduktion in Deutschland ist im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 64,4 Prozent gestiegen, wie die Wirtschaftsvereinigung Stahl mitteilte. Im Juni sei die Produktion um 53,4 Prozent auf 3,9 Millionen Tonnen gestiegen. Kein Wunder also, dass besonders die Aktie von ThyssenKrupp heute überdurchschnittlich zulegen kann.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
84,55
Differenz relativ
+1,21%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
56,88
Differenz relativ
+0,99%

BMW und Daimler vor schwerer zweiter Halbzeit?
BMW und Daimler-Aktien gehören zu den schwächsten Werten im Dax. Die japanische Bank Nomura hat ihre Anlageempfehlung für die beiden Auto-Aktien gesenkt. Daimler bewerten die Analysten nur noch mit "reduce" von bisher "neutral". Die Einstufung für BMW nahmen sie von "buy" auf "neutral" zurück. Die deutschen Autokonzerne hätten ein gutes erstes Halbjahr gehabt, die meisten positiven Aspekte seien jedoch mittlerweile eingepreist, hieß es.

Daumen runter für Henkel
Noch heftiger als die Titel der beiden Autokonzerne hat es die Henkel-Vorzugsaktie getroffen. Die Credit Suisse senkte ihr Anlageurteil von "Neutral" auf "Underperform". Henkel-Aktien seien angesichts des Margendrucks wegen steigender Materialkosten und einer Verlangsamung bei den Kosteneinsparungen zu teuer.

Solarwerte heiß begehrt
Aktien von Solarworld, QSC und Manz Automation sind die stärksten Werte im TecDax. Auslöser sind unter anderem Analystenstudien, nachdem die Bundesregierung nun endlich über die künftige Struktur der Subventionen entschieden hat. Deshalb hat die WestLB das Ziel für Solarworld-Aktien von 11,00 auf 12,50 Euro hochgestuft. Von der Sonderkonjunktur durch die geplanten Absenkung der Einspeisevergütung in Deutschland profitiert auch aleo solar.

Leoni ganz stark
Eine Kaufempfehlung des Anlegermagazins "Der Aktionär" hat Leoni Händlern zufolge Auftrieb gegeben. Die Papiere des Automobilzulieferers gewinnen mehr als fünf Prozent sind damit größter Gewinner im MDax. "Die Aktie profitiert davon, dass sie in das Musterdepot des Magazins aufgenommen wurde", sagte ein Händler. "Der Aktionär" rechnet damit, dass Leoni bald seine Prognose anheben wird.

Moeller Maersk schiebt TUI an
Auch die Aktien des Hapag-Lloyd-Großaktionärs Tui legen um gut fünf Prozent zu gehören zu den stärksten Werten im MDax. Die Titel des Hamburger-Hafenbetreibers HHLA laufen ebenfalls überdurchschnittlich. Grund sind Aussagen der weltgrößten Containerreederei Moeller Maersk aus Dänemark, die ihren Geschäftsausblick angehoben hat.

Wacker Chemie am Index-Ende
Schwächster Wert im MDax ist dagegen die Aktie von Wacker Chemie. Dabei wurden die Titel erst am Dienstag von Credit Suisse von "underperform" auf "neutral"hochgestuft.

Airbus vor Boeing
Der Flugzeughersteller Airbus hat im Konkurrenzkampf mit Boeing bei den Auslieferungen weiter die Nase vorn. Zum wiederholten Male produzierte das europäische Gemeinschaftsunternehmen mehr Verkehrsmaschinen als der Erzrivale aus den USA. Bei Airbus rollten im zweiten Quartal dieses Jahres 128 Flieger aus den Werkshallen, Boeing kam nach einer Mitteilung vom Donnerstag auf 114 Stück. Die Aktie der Airbus-Mutter EADS kann von der Meldung allerdings kaum profitieren

US-Pharmariese Merck setzt Rotsift an
Acht Forschungseinrichtungen sowie acht Produktionsstätten sollen nach und nach geschlossen werden, kündigte der Arzneimittelhersteller an. "Diese Veränderungen sind für die Ankurbelung künftigen Wachstums entscheidend", begründete Konzernchef Richard Clark den Schritt. In Deutschland, wo der Konzern aktuell etwa 2000 Beschäftigte hat, soll die Forschungsstätte Waltrop nördlich von Dortmund geschlossen werden.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"