Zwischen Hoffen und Bangen

Stand: 20.09.2007, 20:05 Uhr

An den Weltbörsen scheint Geduld das Gebot der Stunde. Weder in Deutschland noch an Wall Street wollten sich Anleger am Donnerstag festlegen. Der Stillstand an den Aktienbörsen wurde von turbulenten Entwicklungen an den Devisen- und Rohstoffmärkten begleitet.

Der Euro außer Rand und Band. Am frühen Donnerstagabend erklomm die Gemeinschaftswährung ein neues Allzeithoch gegenüber dem Dollar. 1,4099 war die Gemeinschaftswährung für kurze Zeit wert. Am Abend stabilisierten sich die Notierungen bei 1,4080 Dollar.

Goldige Zeiten

Indirekt eine Folge des schwachen Dollar war der kleine Goldrausch, der am Donnerstag einsetzte. Mit rund 731 Dollar je Feinunze kostete Gold soviel wie seit rund 27 Jahren nicht mehr. Und auch die Ölnotierungen lagen mit mehr als 82 Dollar je Barrel US-Leichtöl wieder in Reichweite zu historischen Hochs.

Bernanke sieht Unsicherheiten
Investoren an den Aktienmärkten sind dagegen weiterhin verunsichert, wohin die Reise geht. Die Auswirkungen der Hypothekenkrise hatten am Dienstag zu einer Zinssenkung in den USA geführt. Am Donnerstag erläuterte Notenbank-Chef Ben Bernanke seine Entscheidung vor dem US-Kongress. Den Konjunkturausblick beurteilt die Notenbank noch immer als "unsicher".

US-Daten ohne klare Richtung
Am Nachmittag schien sich diese Unsicherheit durch eine Reihe unterschiedlich ausgefallener US-Konjunkturindikatoren zu bestätigen. Zwar bleiben die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung mit 311.000 leicht unter den Erwartungen der Volkswirte. Der Sammelindex der US-Frühindikatoren allerdings sank im August um 0,6 Punkte, etwas stärker als von Experten prognostiziert. Der viel beachtete Philly Fed-Index sendete ein positives Signal und stieg überraschend deutlich von 0 auf 10,9 Punkte.

In New York tasteten die Indizes entsprechend vorsichtig um den Vortagesstand herum. Zum Ende des deutschen Parketthandels rutschten Dow Jones- und Nasdaq-Index allerdings deutlicher ins Minus. Der Late-Dax verlor gegenüber dem Xetra-Schluss noch rund zehn Punkte.

Bankaktien in Sippenhaft
Bankenwerte standen auf der Verkaufsliste der Anleger am Donnerstag ganz oben. Hypo Real Estate, die Deutsche Bank, aber auch die Postbank verloren zwischen zwei und drei Prozent. Am späten Nachmittag gesellte sich auch die Aktie der Commerzbank zu ihnen. Das Institut erwägt nach eigenen Angaben eine Übernahme der Mittelstandbank IKB, die durch Spekulationen mit US-Subprime-Krediten in eine Schieflage geraten war.

Ackermann reumütig
Zu den Kursverlusten der Deutschen Bank hatten vor allem Äußerungen von Vorstandschef Josef Ackermann beigetragen. Das Kreditinstitut rechnet wegen der Krise an den Kapitalmärkten mit einer Ergebnisbelastung. Man sei in der allgemeinen Markteuphorie zu Beginn des Jahres übertriebene Kreditengagements eingegangen, so Ackermann.

FMC langfristig optimistisch
Der Dialysespezialist hat seine mittelfristigen Geschäftsziele in einer am Abend bekannt gewordenen Präsentation bekräftigt. Danach soll im Jahr 2010 ein Umsatz von mehr als 11,5 Milliarden Dollar erwirtschaftet werden. 2007 geht man von Erlösen in der Größenordnung von 9,5 Milliarden Dollar aus. Der Nettogewinn soll bis 2010 jährlich im niedrigen bis mittleren prozentualen Bereich zulegen.

Munkeln um Metro
Für die stärksten Aufwärtsbewegungen im Dax sorgten zwei Führungswechsel an der Spitze von Dax-Konzernen. Der bisherige Metro-Aufsichtsratsvorsitzende Eckhard Cordes wird den bisherigen Vorstandsvorsitzenden Hans-Joachim Körber ab Oktober ersetzen. Metro-Aktien schlossen den Xetra-Handel mit rund sechs Prozent im Plus. Am Abend trat Cordes über einen Sprecher noch Gerüchten entgegen, das Unternehmen wolle sich von der Börse zurück ziehen. Die Börsenaufsicht BaFin prüft unterdessen, ob Metro bei der Bekanntgabe des Führungswechsels gegen Veröffentlichungspflichten verstoßen hat.

RWE: Roels geht, Großmann kommt
Auch RWE-Papiere legten am Nachmittag noch rund ein Prozent zu. Der amtierende RWE-Chef Harry Roels wird bereits am 1. Oktober seinem Nachfolger Jürgen Großmann weichen.

Börsenbetreiber im Übernahmefieber
Auch die Aktie des Börsenbetreibers schloss am Donnerstag rund 1,5 Prozent im Plus. In die internationale Börsenlandschaft kommt Bewegung. Die Börse Dubai und die US-Börse Nasdaq gehen eine Überkreuzbeteilung ein, durch die Dubai Großaktionär bei der Londoner Börse LSE wird. Zudem wird die arabische Börse ihr bestehendes Übernahmeangebot für den nordeuropäischen Börsenbetreiber OMX vorantreiben. Das wiederum wird vom Golfstaat Katar offenbar torpediert. Katar hat in großem Stil Aktien von OMX und der LSE gekauft.

Sonne über Siemens
Ein Großauftrag sorgte am Donnerstagnachmittag doch noch für ein deutliches Plus bei der Aktie des Elektronikkonzerns. Das Unternehmen hat den Auftrag zur Lieferung von 140 Windenergieanlagen erhalten.

Premiere an der MDax-Spitze
Deutlicher Spitzenreiter im MDax war am Donnerstag die Aktie des Pay-TV-Senders Premiere. Die Titel gewannen mehr als vier Prozent. Dafür ist einerseits eine Kaufempfehlung der Aktie durch die WestLB verantwortlich. Zum anderen treibt das Interesse an Bezugsrechten für neue Aktien, die Premiere im Rahmen einer Kapitalerhöhung ausgibt die Papiere.

Hängepartie um Condor
Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin will die Thomas-Cook-Tochter Condor im Februar 2009 im Rahmen eines Aktientausches mehrheitlich übernehmen. Thomas Cook ist eine Tochter des Arcandor-Konzerns. Allerdings steht das Vorhaben unter dem Vorbehalt, dass die Lufthansa ihr Vorkaufsrecht für Condor nicht geltend macht. Arcandor drängt auf eine schnelle Entscheidung, die Lufthansa will sich dagegen erst einmal Zeit lassen. Arcandor-Aktien hielte sich am Donnerstag ebenso wie Air Berlin-Papiere leicht im Plus.

KlöCo wird europäisch
Der Stahlhändler will sich in eine Europa-AG umwandeln. Diese Rechtsform spiegele die internationale Aufstellung der Gruppe wider, begründete das Unternehmen am Donnerstag das Vorhaben, das der Hauptversammlung im nächsten Jahr zur Genehmigung vorgelegt werden soll. Die Aktie gehörte am Donnerstag mit minus zwei Prozent zu den größten Verlierern im MDax.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 24. September

Unternehmen:
Manchester United: Q4-Zahlen, 8:00 Uhr
Total: Strategie-Update, 8:00 Uhr
Roche: Business-Update, 17:00 Uhr
Nike: Q4-Zahlen, 22:15 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Großhandelspreise 8/18, 8:00 Uhr
USA: FHFA-Index 7/18, 15:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 09/18, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Hong Kong/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen