Marktbericht 20:05 Uhr

Dax muss Federn lassen Zwischen Grexit-Angst und letzter Hoffnung

Stand: 07.07.2015, 20:05 Uhr

Kommt es beim Sondergipfel der Staatschefs am Abend doch noch zu einer Einigung in Sachen Griechenland? Das Ganze hängt am seidenen Faden, die Anleger müssen starke Nerven haben. Im Späthandel ging es nämlich wieder deutlich nach oben.

Optimismus kam am Abend nach Xetra-Schluss auf, als ein griechischer Regierungssprecher erklärte, die am vergangenen Dienstag gemachten Vorschläge seien weiter gültig. Man strebe eine Einigung an. Auch Italiens Regierungschef Matteo Renzi erklärte, dies sei noch möglich. Prompt legte der L/E-Dax bis zum Handelsschluss um 20:00 Uhr kräftig auf 10.796 Punkte zu. Eine Berg- und Talfahrt par exellence bis zur buchstäblich letzten Minute.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Während der regulären Handelsstunden ist war es den Anlegern angesichts der zugespitzten Lage um Hellas aber immer mulmiger geworden. Dies besonders am Nachmittag, nachdem zahlreiche EU-Politiker den Druck auf Griechenland erhöht und einen Grexit nicht mehr ausschließen wollten. Am Ende verlor der Leitindex 1,96 Prozent und schloss bei 10.676 Punkten. Damit rückt die bei rund 10.600 Punkten stehende 200-Tage-Linie als wichtige technische Unterstützungsmarke immer mehr in den Blickpunkt der Anleger. Fällt auch sie, ist laut Lehrbuch mit weiteren Verlusten zu rechnen.

Chefsache - Griechenland am seidenen Faden

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
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Börse 19.00 Uhr

Es müssen derzeit in Brüssel dramatische Stunden sein. Die Eurogruppe hat den ganzen Tag mit Griechenland um eine Einigung im Schuldenstreit gerungen, ohne dass der neue Finanzminister Euklid Tsakaltos einen substanziell neuen Vorschlag gemacht hätte. Ministerpräsident Alexis Tsipras will morgen im Europaparlament sprechen. Kommt keine Einigung zustande, ist die Zukunft des Landes völlig offen. Denn die seit über einer Woche geschlossenen Banken sind auf Liquiditätshilfen der EZB angewiesen. Diese können aber nicht ewig weiter gezahlt werden, es droht also der Finanzkollaps. Seit 18:30 Uhr beraten die Staatschefs nun auf einem außerordentlichen Gipfeltreffen.

Euro verliert weiter an Boden

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Auch am Devisenmarkt blickte alles gebannt auf die griechische Krise. Der Euro weitete am Mittag seine Verluste aus und fiel im europäischen Handel mit 1,0955 unter die Marke von 1,10 Dollar. "Die Unsicherheit über die Zukunft Griechenlands im Währungsraum hat den Euro belastet", sagte Ralf Umlauf Devisenexperte bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Griechenland hatte zwar auf der Sitzung der Finanzminister der Eurozone einen neuen Hilfsantrag angekündigt, aber keine konkreten Reformvorschläge vorgelegt. "Eine rasche Einigung erscheint sehr unwahrscheinlich", sagte Umlauf.

China-Sorgen belasten

Verluste gab es heute auch an den Rohstoffmärkten. Grund ist die angespannte Lage in China, einem Hauptabnehmer von Erz, der als Ausgangsstoff für die Stahlherstellung benötigt wird. Industriemetalle waren besonders heftig unter Druck, darunter Kupfer mit fast vier Prozent und Nickel mit über sieben Prozent minus. Selbst das Edelmetall Gold verlor heute gut ein Prozent, Silber deutlich mehr. Die Aktienmärkte sind im Reich der Mitte heftig unter Druck, seit Juni haben sie schon rund 30 Prozent eingebüßt.

Wall Street dreht ins Minus

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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Auch in Amerika drückt der Streit um Griechenland und die Sorge um die wirtschaftliche Entwicklung in China die Märkte. Die großen Aktienindizes habne sich aber von ihren Tiefpunkten gelöst, der Dow-Jones ist aktuell nur noch 0,14 Prozent im Minus. Außer den Daten der US-Handelsbilanz für den Mai stehen keine weiteren Konjunkturdaten mehr auf der Agenda. Das Außenhandelsdefizit der USA fiel mit einem negativen Saldo von 41,9 Milliarden Dollar etwas geringer aus als erwartet. Prognostiziert war ein Minus von 42,6 Milliarden Dollar.

Kaum Gewinner im Dax

Die Aktie des Gesundheitskonzerns Fresenius beendete zusammen mit der Henkel-Aktie als einziges Dax-Papier den Tag mit einem Zuwachs. Zuvor hatten die Analysten der US-Investmentbank JPMorgan ihre Kaufempfehlung bestätigt. Nach einem schwachen Jahresauftakt habe sich die Geschäftsentwicklung von Europas Medizintechnikunternehmen im zweiten Quartal verbessert, schrieb Analyst David Adlington in einer Branchenstudie vom Dienstag.

Für die nach dem Übernahmeangebot durch Potash zuletzt extrem starke K+S-Aktie ging es heute hingegen bergab. Das Papier war zusammen mit ThyssenKrupp der größte Kursverlierer im Dax. JPMorgan hat den Dax-Titel um zwei Stufen von "Overweight" auf "Underweight" gesenkt und das Kursziel von 38 auf 33 Euro reduziert. Nach Ansicht der Analysten überschätzt der Markt die Wahrscheinlichkeit einer Übernahme. ThyssenKrupp fielen im Zuge einer schwachen Branchenentwicklung zurück. Davon waren im MDax auch Salzgitter betroffen, die größter Tagesverlierer waren und 6,14 Prozent abgaben.

Infineon im AMD-Sog

Verluste musste im Dax auch die Infineon-Aktie einstecken, die unter schlechten Branchennachrichten litt: Eine Gewinnwarnung von AMD lässt das Papier derzeit über 17 Prozent abstürzen. Der US-Chipentwickler musste seine Umsatzprognose und die erwartete Gewinnspanne im zweiten Quartal zurücknehmen.

Deutsche Bank legt Abwicklungsplan vor

Die Deutsche Bank hat – neben elf weiteren Großbanken – den US-Finanzaufsehern detaillierte Pläne zu ihrer Abwicklung im Krisenfall vorgelegt. Bleibt abzuwarten, ob die Notfallpläne diesmal auf die Zustimmung der Fed und der Einlagensicherung FDIC stoßen werden.

Neuer deutscher Mediengigant?

Im MDax legten Axel Springer zu, ProSiebenSat.1 konnten ihre Anfangsgewinne hingegen nicht halten. Die beiden Konzerne prüfen nach Informationen von Insidern einen Zusammenschluss zu einem neuen deutschen Mediengiganten. Ein früherer Übernahmeversuch Springers war einst am Widerstand des Kartellamts und der Medienaufsicht gescheitert.

Immobilienwerte gesucht

Der Chef von Branchenprimus Deutsche Annington Rolf Buch hat in einem Interview für sein Unternehmen ein positives Wachstumsszenario gezeichnet. Der Konzern tritt ab September unter dem Namen "Vonovia" auf und gilt als heißer Kandidat für die Aufnahme in den Leitindex Dax. Bislang ist unter den 30 deutschen Topwerten kein Immobilienunternehmen vertreten. Auch die Aktien der anderen zahlreich im MDax vertretenen Konkurrenten zogen gegen den Markttrend an.

Airbus übertrumpft Boeing

Der europäische Flugzeugbauer Airbus liegt in diesem Jahr bei den Orderzahlen vor seinem US-Erzrivalen Boeing. In den ersten sechs Monaten erhielten die Europäer nach eigenen Angaben vom Montag bis Ende Juni netto 348 Bestellungen. Bei den Auslieferungen hatte hingegen Boeing die Nase vorn.

Cancom: Das ist der Ausbruch!

Größter TecDax-Gewinner war die Cancom-Aktie, sie zog in der Spitze um 9,0 Prozent an. Die Baader Bank hat den Titel von "Hold" auf "Buy" hochgestuft. Die Aktie kann aus ihrem Abwärtstrend seit April nach oben ausbrechen. Gut möglich also, dass es sich bei der heutigen Kurslücke um ein Break-away-Gap handelt.

SGL Carbon stellt sich neu auf

Mit Jubel hat die Börse auf die vom Unternehmen beabsichtigten Umbaupläne reagiert. Die SGL-Aktie war im SDax Tagessieger und legte 4,23 Prozent zu. Das Unternehmen will sein Kerngeschäft mit Grafitelektroden für die Stahlindustrie sowie Kathoden für die Aluminiumschmelze bis spätestens Ende 2016 rechtlich verselbstständigen.

"Mit der neuen Aufstellung können wir unsere Aktivitäten zielgerichteter ausrichten und öffnen uns zudem für neue strategische Optionen", erklärte Firmenchef Jürgen Köhler. Die Formulierung der strategischen Option deutet auf einen Verkauf der Bereiche hin, deren Geschäfte rückläufig sind. Die beiden anderen Sparten, Corbonfaser und Graphitspezialitäten, sollen im Gegenzug gestärkt werden, auch durch Zukäufe.

Deutsche Pfandbriefbank kommt an die Börse

Der Münchneer Immobilienfinanzierer soll am 16. Juli an die Börse kommen, Aktien werden zwischen 10,75 und 12,75 Euro angeboten. Dies geht aus dem heute veröffentlichten Börsenprospekt vor. Der Bund erhofft sich von der Privatisierung der Tochter der Hypo Real Estate-Tochter Erlöse von bis zu 1,37 Milliarden Euro. Es wäre der größte Börsengang in diesem Jahr. Der Staat, der die Hypo Real Estate in der Krise gerettet hatte, muss auf Geheiß der EU-Kommission den gesunden Kern der einstigen Skandalbank verkaufen. Diese Pflicht wird nun erfüllt.

Monsanto setzt auf Aktionäre

Monsanto-Chef Hugh Grant hält eine feindliche Übernahme des Schweizer Konkurrenten Syngneta für unrealistisch. "Ein feindliches Übernahmeangebot ist unter der Schweizer Regulierung unrealistisch", sagte Grant der Wirtschaftszeitung "Finanz und Wirtschaft" in einem am Dienstag veröffentlichten Interview. er setzt nun darauf, dass die Aktionäre das Syngenta-Managment unter Druck setzen.

Samsung: Probleme beim S6?

Der langjährige Smartphone-Marktführer Samsung rechnet für das zweite Quartal mit einem Rückgang beim operativen Ergebnis um vier Prozent. Nach Einschätzung von Analysten blieb Samsung beim Absatz seiner neuen Flaggschiff-Smartphones Galaxy S6 und S6 Edge unter den Erwartungen.

Warren Buffett spendet Aktien

US-Starinvestor Warren Buffett gibt einen weiteren Teil seines Vermögens für einen guten Zweck her. Der 84-Jährige spendete 2,8 Milliarden Dollar in Form von Aktien seiner Investmentholding Berkshire Hathaway. Leisten kann er sich seine Wohltätigkeit allemal: Das US-Magazin "Forbes" schätzt sein Vermögen auf 67,2 Milliarden Dollar.

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Das Depot von Warren Buffett Elefanten und Cashcows

Coca-Cola: Kursverlauf am Börsenplatz Nyse für den Zeitraum 10 Jahre

Coca-Cola

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Tagestermine am Donnerstag, 22. November

Unternehmen:
RemyCointreau: Halbjahreszahlen, 7.30 Uhr
Jost Werke: Neun-Monats-Zahlen
Siemens Healthineers: Geschäftsbericht.

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise 10/18, 00:30 Uhr
EU: Acea, Nutzfahrzeugzulasssungen 10/18, 8:00 Uhr
EU: EZB-Sitzungsprotokoll v. 25.10.2018
EU: Verbrauchervertrauen 11/18 (vorab), 16:00 Uhr.

Sonstiges:
USA: Feiertag (Thanksgiving), Börse geschlossen.