Zuviel ist zuviel!

von von Detlev Landmesser

Stand: 09.04.2008, 20:25 Uhr

Der Mittwoch hielt für die Anleger einen schwer verdaulichen Cocktail bereit. Neben den üblichen Krisensorgen meldete sich der Ölpreis mit einem neuen Rekordstand zurück.

Nach einem überraschendem Rückgang der US-Rohölvorräte kletterte der richtungsweisende US-Ölfuture um mehr als dreieinhalb Dollar auf einen historischen Höchststand von zeitweise 112,20 Dollar. Die Rohöllagerbestände waren in der vergangenen Woche um 3,2 Millionen auf 316,0 Millionen Barrel gesunken. Experten hatten dagegen mit einem Anstieg um 2,5 Millionen Barrel gerechnet.

Daraufhin rutschten die US-Indizes ins Minus, was auch den Dax weiter nach unten zog. Der L-Dax beendete die Sitzung 0,8 Prozent tiefer bei 6.704,34 Punkten.

Auch der wiedererstarkte Euro belastete den europäischen Handel. Die Gemeinschaftswährung überschritt wieder die Marke von 1,58 Dollar, was Devisenhändler vor allem mit den jüngst geäußerten Konjunktursorgen der Fed begründeten.

UPS nährt Sorge um Unternehmensgewinne

An der Wall Street bestärkte die Gewinnwarnung von United Parcel Service (UPS) die Sorge vor einer schwachen Berichtssaison zum ersten Quartal 2008. Der weltgrößte Paketzusteller rechnet nur noch mit einem Quartalsergebnis von 0,86 bis 0,87 Dollar pro Aktie. Analysten waren im Schnitt von 0,93 Dollar ausgegangen. Das belastete auch den UPS-Rivalen Deutsche Post.

Dagegen hielt sich die Boeing-Aktie hervorragend, obwohl der US-Flugzeugbauer weitere Verzögerungen bei seinem Langstrecken-Jet 787 Dreamliner eingeräumt hatte. Das erste Flugzeug werde nun erst im dritten Quartal 2009 ausgeliefert, räumte Boeing ein. Ursprünglich sollte dies schon in diesem Mai der Fall sein. Dennoch bestätigte Boeing seine Ziele für 2008, was für Erleichterung sorgte.

Gut aufgelegt war auch Bankschwergewicht Citigroup. Das US-Institut will nach Medienberichten seine Bilanz um ein Kreditpaket im Volumen von zwölf Milliarden Dollar erleichtern. Angeblich wollen drei Finanzinvestoren Investoren, darunter TPG und Blackstone, umgerechnet rund 7,6 Milliarden Euro dafür zahlen. Was in den USA als Befreiungsschlag und Hoffnungsschimmer für die gesamte Branche gewertet wird, konnte die deutschen Finanztitel diesmal kaum stützen.

Bankaktien fallen wieder zurück
Größter Dax-Verlierer war die Hypo Real Estate, aber auch Postbank und Commerzbank standen unter Druck. Händler führten die schwindende Übernahmefantasie um die Postbank sowie vage Gerüchte um eine Gewinnwarnung der Post-Tochter dafür an.

Auch die Pleite der kleinen Weserbank war nicht geeignet, die Stimmung für die Branche zu heben - wenn auch unklar blieb, ob die Finanzkrise der Hauptgrund für die Schließung des Instituts aus Bremerhaven war.

Merck-Aktie erholt
Bester Dax-Titel war die Merck KGaA. Die französische Bank Exane BNP hat die Aktie des Darmstädter Pharmakonzerns auf "Outperform" hochgestuft und das Kursziel von 99 auf 110 Euro angehoben.

Mordaschow hält ein Zehntel an Tui
Auch die Tui-Aktie war zeitweise stark gefragt. Der russische Großaktionär Alexej Mordaschow hat seinen Anteil an dem Reise- und Reedereikonzern wie angekündigt aufgestockt. Der russische Stahlmagnat halte nun 10,03 Prozent, teilte Tui am Nachmittag mit. Zuvor waren es fünf Prozent. Der Schritt stärkt Tui-Chef Michael Frenzel den Rücken. Frenzel hatte vor Kurzem gemeinsame Aktivitäten mit Mordaschow in Russland angekündigt.

OTE-Einstieg der Telekom steht kurz bevor
Die Deutsche Telekom soll sich mit Griechenland auf einen Einstieg bei der Hellenic Telecom (OTE) geeinigt haben. Die Entscheidung werde voraussichtlich innerhalb der nächsten 24 Stunden bekanntgegeben, zitierte die Nachrichtenagentur dpa aus "mit dem Vorgang vertrauten Kreisen". Die Regierung werde von ihrem Aktienpaket etwa drei Prozent an die Telekom verkaufen. Der Bonner Konzern könne über die Börse weitere 2,1 Prozent erwerben. Mit der Marfin Investment Group (MIG) hat die Telekom bereits den Erwerb von knapp 20 Prozent von OTE vereinbart. Künftig würden die Telekom wie auch der griechische Staat jeweils 25 Prozent plus eine Aktie halten, hieß es.

Lufthansa sieht sich (noch) auf Kurs
Die Lufthansa kommt offenbar mit den Auswirkungen der Finanzkrise und der hohen Treibstoffkosten bislang einigermaßen gut zurecht. Nach Aussage von Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber gegenüber der "Berliner Zeitung" heben sich hoher Ölpreis und schwacher Dollar für sein Unternehmen "zum Teil wieder auf". Mayrhuber räumte allerdings ein, dass eine Konjunkturkrise sich auf die Geschäfte des Dax-Konzerns auswirken könne. Die Verkehrszahlen für den Monat März belegten jedenfalls eine geringere Auslastung des Carriers.

Daimler-HV stützt die Aktie
Daimler-Chef Dieter Zetsche sieht sein Unternehmen trotz US-Rezession auf gutem Weg, das Gewinnziel 2008 zu erreichen. Eine Steigerung des Vorjahresergebnisses vor Zinsen und Steuern (8,7 Milliarden Euro) sei möglich, erklärte der Manager auf der Hauptversammlung. Für 40 Prozent des Geschäfts im Dollarraum habe man Währungsabsicherungen vorgenommen. Auf der Aktionärsversammlung schlug Zetsche auch eine Erhöhung der Dividende auf zwei Euro pro Aktie vor. Die Aktie hielt sich besser als der Gesamtmarkt.

Warren Buffett an Münchener Rück beteiligt
Der US-Investor Warren Buffett ist laut einem Zeitungsbericht bei der Münchener Rück eingestiegen. Buffetts Holding Berkshire Hathaway habe innerhalb des vergangenen halben Jahres eine Million Aktien des Rückversicherers gekauft, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vorab aus ihrer Donnerstagsausgabe unter Berufung auf Finanzkreise. Das entspreche einer Beteiligung von 0,5 Prozent. Allerdings sei nicht klar, ob Buffett - laut dem US-Magazin "Forbes" der reichste Mensch der Welt - die Papiere noch halte.

Celesio weiter auf dem Rückzug
Im MDax litt die Aktie des Pharmahändlers Celesio wie schon am Dienstag unter neuer Konkurrenz. Die Drogeriemarktkette dm plant offenbar den bundesweiten Verkauf von Medikamenten. Bereits im Sommer soll es erste "Pharmapunkte" außerhalb von Nordrhein-Westfalen geben, hatte eine dm-Sprecherin gesagt. Damit entsteht für Celesio ein neuer Mitbewerber.

A-Tec reduziert Anteil an Norddeutscher Affi
Der österreichische Industrielle Mirko Kovats hat den ersten Schritt zum vom Bundeskartellamt angeordneten Verkauf seiner Beteiligung an der Norddeutschen Affinerie unternommen. Er habe seinen Anteil an Europas führendem Kupferhersteller um knapp fünf auf neun Prozent reduziert, teilte Kovats Mischkonzern A-Tec am Mittwoch mit. Nun liefen Gespräche mit Investoren und der Commerzbank über den Verkauf des verbliebenen Pakets.

Conergy sieht 2008 als "Turnaround-Jahr"
Die Conergy-Aktie konnte ihre frühen Verluste im Verlauf fast egalisieren. Belastet von der harten Sanierung wird der Solarkonzern auch im laufenden Geschäftsjahr rote Zahlen schreiben. "Auch 2008 wird ein Turnaround-Jahr", erklärte Vorstandschef Dieter Ammer und stellte einen Vorsteuerverlust vor Sondereffekten im zweistelligen Millionenbereich in Aussicht. Die Sondereffekte würden ebenfalls einen zweistelligen Millionenbetrag erreichen. Eine Erholung erwartet die Gesellschaft erst für 2009.

Escada-Aktie in der Zange
Für die Aktionäre von Escada war es ein besonders trüber Tag: Zunächst wurde bekannt, dass die Verhandlungen über einen Einstieg des Finanzinvestors Apax bei dem Modehersteller aus dem SDax abgebrochen wurden. Daraufhin brach der SDax-Titel um bis zu 12,9 Prozent ein. Nach Xetra-Schluss reichte Escada eine Umsatz- und Gewinnwarnung für das laufende Geschäftsjahr 2007/08 nach. Das Unternehmen erwartet nun einen Umsatzrückgang im "höheren einstelligen" Prozentbereich. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) werde voraussichtlich etwa 25 Prozent unter dem Vorjahreswert liegen. Das gab dem Titel den Rest: Zum Ende des Frankfurter Parketthandels notierte die Aktie 13,9 Prozent tiefer bei 13,69 Euro.

Auch kein Interesse an QSC
Auch dem Internet-Anbieter QSC zeigte Apax die kalte Schulter. Die Gesellschaft ließ am Mittwoch verlauten, dass es "keinerlei" Kontakt mit QSC gebe. Daraufhin rutschte der TecDaxTitel um 6,8 Prozent ab. Auch hier hatten Übernahme-Fantasien den Kurs in den vergangenen Tagen angetrieben.

Nordex im Aufwind
Die Nordex-Aktionäre konnten sich über einen Kursaufschlag von mehr als vier Prozent freuen. Der Windanlagenbauer rechnet 2008 mit einem Umsatzschub auf eine bis 1,2 Milliarden Euro. Die Umsatzrendite soll nach 5,4 auf sechs bis acht Prozent steigen. 2007 hatte Nordex seinen Vorsteuergewinn auf rund 40 Millionen Euro verdreifacht.

Großauftrag für Mühlbauer
Die Aktie von Mühlbauer profitierte von einem Großauftrag für den Spezialmaschinenbauer. Das im Prime Standard notierte Unternehmen meldete "einen Großauftrag eines europäischen Landes" für den Technologietransfer zur Herstellung von elektronischen ID-Dokumenten. Das Projektvolumen betrage rund 30 Millionen Euro, teilte Mühlbauer mit.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr