Zuversicht setzt sich durch

Detlev Landmesser

Stand: 28.11.2008, 20:26 Uhr

Erstmals seit Ende Oktober konnte der Dax im Wochenvergleich wieder einen Gewinn einfahren. Zu dem erfreulichen Wochenabschluss trugen vor allem die Allianz und die Commerzbank bei.

Der L-Dax ging mit 4.665,15 Punkten ins Wochenende. "Die Woche war mehr als schön", freute sich ein Händler. Auf Xetra-Basis betrug das Wochenplus 13 Prozent.

Unterstützung kam von der Wall Street, die in ihrer verkürzten Sitzung nach der "Thanksgiving"-Pause weitere Kursgewinne einfuhr. Vor allem Finanztitel waren gefragt, in der vagen Hoffnung, dass die jüngsten Liquiditätsspritzen erste Erfolge zeigen.

Der richtungsweisende Ölpreis legte in New York in Erwartung eines weiteren Förderkürzungsbeschlusses durch die Opec am Wochenende bis zum Abend um gut einen Dollar auf 55,20 Dollar zu.

Coba-Dreba-Deal kommt gut an

Die Commerzbank-Aktie legte um 4,9 Prozent zu, während die Allianz sogar neun Prozent an Wert gewann. Wie in der Nacht bekannt wurde, will die Commerzbank früher als geplant die Allianz-Tochter komplett übernehmen und dafür 1,4 Milliarden Euro in bar statt in Aktien zahlen.

Damit erhält die Commerzbank die Dresdner Bank für einen Schnäppchenpreis von 5,1 Milliarden Euro, rund die Hälfte des im August verhandelten Verkaufspreises von knapp zehn Milliarden. Die Allianz hingegen erhält bares Geld für die Dresdner Bank und nicht nur - seit August um zwei Drittel gefallene - Commerzbank-Aktien.

Aus dem öffentlich-rechtlichen Bankensektor wird der Staat indessen um weitere 30 Milliarden Euro angepumpt. Die Zukunft der schwer angeschlagenen Bayerischen Landesbank soll mit Finanzspritzen und Garantien von mehr als 30 Milliarden Euro gesichert werden.

ThyssenKrupp erwartet Schrumpfung
Den Tag der Zahlenvorlage konnte die ThyssenKrupp-Aktie schließlich doch noch im Plus beenden. Der Mischkonzern meldete für das Geschäftsjahr 2007/08 zumindest beim Umsatz Zuwächse. Während die Erlöse von 51,7 auf 53,4 Milliarden Euro stiegen und damit die Analystenprognose übertrafen, ging das Ergebnis vor Steuern von 3,3 Milliarden auf 3,1 Milliarden Euro zurück. Jedoch war auch dies besser als erwartet. Das laufende Geschäftsjahr soll allerdings schwieriger werden. ThyssenKrupp erwartet einen konjunkturbedingten Umsatzrückgang.

MAN plant Kurzarbeit
Angesichts neuer Krisenindizien gehörte die MAN-Aktie zu den schwächsten Dax-Titeln. Wie zahlreiche Autokonzerne verlängert auch die MAN-Lastwagensparte ihre Weihnachtsferien auf vier Wochen. Normalerweise legt MAN um Weihnachten rund eine Woche Ferien ein. Wahrscheinlich werde für die drei Werke noch im Dezember Kurzarbeit beantragt, sagte ein Sprecher.

Telekom vor Netzagentur teilweise erfolgreich
Anders als es noch am Donnerstag erschienen war, darf die Deutsche Telekom von ihren Konkurrenten künftig mehr Geld für die Durchleitung von Telefonaten nehmen. Der Bonner Konzern war mit einem Antrag auf Gebührenerhöhung bei der Bundesnetzagentur teilweise erfolgreich. Der Regulierer teilte am Freitag mit, die Telekom könne die Netzdurchleitungsentgelte zum 1. Dezember im Schnitt um 4,4 Prozent anheben. Damit blieb die Netzagentur aber unter der vom Marktführer geforderten Erhöhung von im Schnitt zehn Prozent. "Die Entscheidung der Bundesnetzagentur ist ein wichtiger erster Schritt in die richtige Richtung, auch wenn unsere Kosten nicht in vollem Umfang anerkannt wurden", sagte Telekom-Festnetzchef Timotheus Höttges.

Arcandor wechselt Finanzvorstand
Der angeschlagene Touristik- und Handelskonzern Arcandor wechselt überraschend den Finanzvorstand aus. Peter Diesch habe den Aufsichtsrat gebeten, ihn aus "persönlichen Gründen" zum Jahresende von seinem Amt zu entbinden, teilte Arcandor mit. Der Aufsichtsrat habe mit "außerordentlichem Bedauern" dem Wunsch entsprochen. Dieschs Nachfolger wird Infineons Kurzzeit-Finanzvorstand Rüdiger Andreas Günther. Günther war im Frühjahr 2007 zu Infineon gekommen und nur drei Monate später wegen "unüberbrückbarer Differenzen" vor die Tür gesetzt worden.

Indus bleibt zuversichtlich
Die auf die Beteiligung an mittelständischen Unternehmen spezialisierte Indus Holding hat eine gemischte Bilanz für das dritte Quartal vorgelegt. Während die Erlöse um fünf Prozent auf rund 243 Millionen Euro zulegten, ging das Ebit um etwa zehn Prozent auf 23,3 Millionen Euro zurück. Indus sieht daher nachlassende Dynamik, hofft aber, dass die Planziele in diesem Jahr dennoch erreicht werden.

Catoil verdient weniger
Die Aktie von Catoil verlor über acht Prozent. Der im SDax notierte Anbieter von Öl- und Gasfelddienstleistungen hat seine Neunmonatsbilanz mit Zuwächsen beim Umsatz und einem leichten Gewinnrückgang abgeschlossen. Der Umsatz stieg um etwa ein Drittel auf 212 Euro, das Ebitda erreichte 41,4 Millionen Euro, was 1,3 Millionen weniger sind als vor einem Jahr. Catoil verwies auf die hohen Kosten für Materialen und Verbrauchsgüter sowie höhere Löhne.

KWS Saat verringert Verlust
KWS Saat hat im ersten Quartal seines Geschäftsjahres den Umsatz erhöht und die Verluste verringert. Die Erlöse des SDax-Unternehmens stiegen auf 82,8 Millionen Euro, das Betriebsergebnis betrug minus 11,2 Millionen Euro, nach 15,3 Millionen Euro vor einem Jahr. Der Saatguthersteller bestätigte seine Jahresprognose eines zehnprozentigen Umsatzanstieges. Die Aktie gewann 2,3 Prozent.

Strabag leicht unter Prognose
Der österreichisch-deutsche Baukonzern Strabag SE hat das dritte Quartal mit etwas mehr Gewinn abgeschlossen. Das Betriebsergebnis erhöhte sich auf 177 Millionen Euro, was leicht unter der Analystenprognose von 183 Millionen Euro lag. Für das kommende Jahr erwartet die Firma, wie für 2008 auch, ein Gesamtjahresergebnis von 400 Millionen Euro. Allerdings will Strabag angesichts der angespannten Wirtschaftslage die Investitionen halbieren. Die Aktie verlor über sechs Prozent.

DEAG-Aktie bricht ein
Die Aktie der DEAG Deutsche Entertainment verlor ein Viertel an Wert. Der Konzertveranstalter hat wie erwartet das dritte Quartal mit einem Verlust abgeschlossen. Das Ebitda betrug minus 0,6 Millionen Euro, wie die Firma aus Berlin mitteilte. Der Umsatz stieg leicht auf 27 Millionen Euro. Die DEAG begründete den Verlust mit der unterschiedlichen Belegung der Konzerte. Der Schwerpunkte des Geschäftes, beruhigte die Firma, werde im vierten Quartal liegen.

Realtech rudert deutlich zurück
Die Aktie von Realtech rutschte um 18,4 Prozent ab. Das Softwareunternehmen gab bekannt, dass es im vierten Quartal die Wachstumsziele bei Umsatz und Ebit nicht erreichen werde. Statt einem Umsatzplus von 14 Prozent und einem Ebit-Plus von elf Prozent strebt der Vorstand nun ein Wachstum von etwa acht Prozent und ein Ebit in der Größenordnung des Vorjahres (6,6 Millionen Euro) an. Hintergrund der Neubewertung seien Projektverschiebungen in größerem Umfang.

Aragon kommt voran
Der Finanzvertriebskonzern Aragon hat das dritte Quartal trotz der Finanzkrise mit mehr Umsatz und mehr Gewinn abgeschlossen. Die Erlöse stiegen minimal auf 87,6 Millionen Euro, das Ebitda kletterte wegen eines Veräußerungsgewinnes um 68 Prozent auf 10,5 Millionen Euro. Aragon will den "existenziellen Druck insbesondere auf kleine und mittlere Finanzvertriebe" für weitere Zukäufe nutzen.

Balda haussiert
Die Balda-Aktie machte mit einem Kurssprung von 121 Prozent auf 73 Cent Furore. Nach Angaben des angeschlagenen Handyausrüsters vom Nachmittag ist die neue Finanzierung endlich in trockenen Tüchern. Die Banken hätten der Firma nach der Tilgung von 7,5 Millionen Euro einen Kredit über 76,5 Millionen Euro bis Ende 2009 gewährt, teilte das Unternehmen aus Bad Oeynhausen mit. Vor einem Jahr wurde der ehemalige SDax-Titel noch über zehn Euro gehandelt.

Kleinere Bilanzen
Am Abend meldete Splendid Medien einen Neunmonatsumsatz von 24,1 Millionen Euro, was einer Steigerung von 22,3 Prozent entsprach. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) habe mit 1,2 Millionen Euro auf dem Vorjahreswert gelegen. Unter dem Strich verdiente das Kölner Unternehmen rund 500.000 Euro, nach einem Null-Ergebnis in den ersten neun Monaten 2007.

Der Medizintechnikhersteller Biolitec erzielte im ersten Quartal seines Geschäftsjahres einen Umsatz von 7,4 Millionen Euro, der Gewinn vor Zinsen erreichte 0,5 Millionen Euro.

Der IT-Spezialist Teles meldete für das dritte Quartal ein Umsatzplus von zwölf Prozent auf 6,1 Millionen Euro. Der operative Quartalsverlust (Ebit) verringerte sich von minus 3,0 auf minus 2,4 Millionen Euro. Darüber hinaus sei das Gesamtergebnis durch einen weiteren Wertverlust von rund 9,1 Millionen Euro durch die bis August gehaltene Beteiligung an Freenet belastet worden, teilte das Unternehmen weiter mit.

Das IT-Unternehmen Caatoosee meldete für den Neunmonatszeitraum 2008 einen unveränderten Umsatz von 13,9 Millionen Euro. Das Nettoergebnis sei durch hohe Einmalaufwendungen von 2,2 Millionen geprägt und liegt mit minus 2,2 Millionen Euro entsprechend deutlich unter dem Vorjahresergebnis von 0,6 Millionen Euro.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr