Zuversicht aus Amerika

Lothar Gries

Stand: 12.05.2008, 19:30 Uhr

Nach einem feiertagsbedingt orientierungslosen Börsentag in Europa richten sich die Blicke der Anleger am Abend auf die Wall Street. Dort steigt die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Finanzkrise. Davon profitiert auch der Dax.

Nachdem der Leitindex mit einem leichten Plus von 32 Punkten bei 7.035 Zählern aus dem elektronischen Handel gegangen war, ging es im Abendhandel kräftiger aufwärts. Der Dax testete gar die Marke von 7050 Zählern.

Grund war die Hoffnung auf ein baldiges Ende der US-Hypothekenkrise. Sie hat die New Yorker Aktienbörsen am Montag ins Plus getrieben. Finanzwerte profitierten von einem anziehenden Geschäft des weltgrößten Anleiheversicherers MBIA. Der musste zwar 2,4 Milliarden Dollar abschreiben, zu Verlusten werde es aber dennoch nicht kommen, versicherte der Konzern. Unterstützt wurden die Kurse an der Wall Street auch von stärker als erwartet ausgefallenen Zahlen von Europas größter Bank HSBC. Für gute Stimmung sorgte zudem eine Höherstufung der Papiere von Wal-Mart. Die Citigroup begründete ihre Entscheidung damit, dass das weltweite Wirtschaftswachstum die schwächelnde US-Konjunktur ausgleichen werde.

Keine Entwarnung gab es dagegen beim Ölpreis. Der hat heute einen neuen Rekord aufgestellt. Mit 126,4 Dollar kostete das Fass (159 Liter) am späten Nachmittag mehr denn je zuvor.

Größter Gewinner im Dax waren die Papiere von ThyssenKrupp, die um 2,9 Prozent zulegten. Händlern zufolge profitierten sie von einer positiven Studie der Credit Suisse zum kleineren Konkurrenten Salzgitter, dessen Aktien um 4,5 Prozent zulegen und sich den ersten Platz der Tagesgewinner im MDax sichern.

Erdbeben in China trifft Aktienmarkt
Nach dem schweren Erdbeben in China werden morgen zahlreiche Aktien vom Handel ausgesetzt bleiben. Die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete unter Berufung auf die Börsenaufsicht in Schanghai, bislang sei es nicht gelungen, zu 45 gelisteten Firmen Kontakt herzustellen. Der Handel mit den Aktien dieser Unternehmen werde aber erst dann wieder freigegeben, wenn sie mitgeteilt hätten, welchen Einfluss das Beben auf den Betrieb der Firmen habe.

HSBC steigert Gewinn
Aktien der deutschen Finanzinstitute reagieren kaum auf einen guten Zwischenbericht der britischen Bank HSBC. Die Bank hat ihren Gewinn im ersten Quartal trotz der Finanzmarktkrise gesteigert. Solides Wachstum in Asien und anderen Teilen der Welt habe die Belastungen durch die US-Hypothekenkrise ausgeglichen, erklärte das Institut bei der Bekanntgabe seiner Handelszahlen. Genaue Angaben zum Ergebnis machte die Bank nicht. Die Aktien des Instituts kletterten nach Veröffentlichung des Berichts um 2,48 Prozent auf 887,50 Pence.

Metro wartet mit Kaufhof-Verkauf
Der Handelskonzern Metro sieht sich bei einem möglichen Verkauf seiner Warenhaussparte Kaufhof nicht unter Zeitdruck. "Wir sind noch in der internen Prüfungsphase und führen gegenwärtig keine Gespräche", sagte Metro-Vorstandschef Eckhard Cordes der "Frankfurter Allgemeinem Zeitung" (Dienstagausgabe). "Wie gesagt: Wir haben keinen Zeitdruck." Der Verkauf sei eine Möglichkeit, allerdings nur zu einem guten Preis. "Darüber hinaus sind wir noch von externen Faktoren wie der Entwicklung an den Kapitalmärkten abhängig", sagte Cordes.

Ex Dividende
"Unechte" Kursverluste verzeichnen die Aktien von Drägerwerk und Comdirect. Die Aktien werden heute ex Dividende gehandelt. Drägerwerk hatte 55 Cent ausgeschüttet, die Aktie verliert 4,47 Prozent, Comdirect-Aktien notieren 4,6 Prozent schwächer. Dyckerhoff-Papiere hingegen notieren trotz einer Ausschüttung von 1,32 Euro je Aktie, was einem Abschlag von 2,9 Prozent entspricht, praktisch unverändert.

Deutsche Post trotzt FedEx-Gewinnwarnung
Nach anfänglichen Verlusten können sich die Aktien der Deutschen Post von den schlechten Nachrichten des US-Paketzustellers FedEx befreien. Der hat seine Gewinnerwartungen gesenkt und bis zum Nachmittag auch die Papiere des Bonner Unternehmens ins Minus gedrückt. FedEx erwartet einen Gewinn je Aktie im vierten Quartal zwischen 1,45 und 1,50 US-Dollar. Bisher war FedEx von 1,60 bis 1,80 Dollar ausgegangen. Analysten hatten zuletzt mit 1,69 Dollar gerechnet. UPS hatte bereits Ende April seine Jahresprognose gesenkt.

Ryanair drückt Air Berlin zu Boden
Aktien von Air Berlin gehören heute zu den größten Verlierern im S-Dax, nachdem Ryanair-Chef Michael O'Leary dem deutschen Unternehmen das baldige Aus prophezeit hat. "Air Berlin ist verloren", erklärte der Ryanair-Chef in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" und verwies auf den hohen Ölpreis. In fünf Jahren werde es daher auf dem deutschen Markt nur noch Lufthansa und Ryanair geben. Diese Aussage belastet die Air-Berlin-Aktie, sie fällt um 3,5 Prozent.

Renault will Tata Konkurrenz machen
Der französische Autobauer Renault will mit einem eigenen Billigauto dem indischen Hersteller Tata Motors und dessen Kleinwagen Nano Konkurrenz machen. Renault wolle in Indien künftig Autos zum Marktpreis von 1.600 Euro bauen, dafür werde ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem indischen Autohersteller Bajaj Auto gegründet, teilte das Unternehmen am Montag in Paris mit. Die Aktie verliert gut drei Prozent.

Kuka plant Zukäufe
Der Roboter- und Anlagenbauer Kuka will in diesem Jahr durch Übernahmen wachsen. "Wir werden in diesem Jahr Firmen kaufen, die zwischen 50 und 100 Millionen Euro Umsatz haben", sagte Finanzchef Jürgen Koch der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Dabei habe die MDax-Firma Firmen mit dem Schwerpunkt auf dem Robotergeschäft, auch Anwendungen außerhalb der Autoindustrie, im Visier. Trotz der geplanten Zukäufe will Kuka auch im kommenden Jahr eine Dividende ausschütten. Anleger reagieren misstrauisch, die Aktie gibt leicht nach.

Sprint Nextel weiter in den Miesen
Der von der Deutschen Telekom ins Visier genommene drittgrößte US-Mobilfunkanbieter Sprint Nextel Corp ist im ersten Quartal dieses Jahres tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Der Konzern verbuchte einen Verlust von 505 Millionen Dollar oder 18 Cent je Aktie, nach einem Verlust von 211 Millionen ein Jahr zuvor, teilte der Mobilfunkbetreiber am Montag mit. Bereinigt entsprach dies einem Gewinn von vier Cent je Aktie, Analysten waren von zwei Cent ausgegangen. Der Kurs der Telekom reagiert nicht auf die schlechte Nachricht und legt gut ein Prozent zu.

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr