Zurück in den November

Stand: 28.01.2010, 20:05 Uhr

Der Dax war heute erneut hin und hergerissen. Erst ging es auf 5.718 rauf, dann folgte die Rolle rückwärts und der Index fällt zurück auf das Niveau vom November letzten Jahres. Analysten befürchten, dass diese Schwankungen noch eine Weile anhalten könnten.

Die Marktstimmung sei in den vergangenen Wochen zu positiv gewesen, sagt Marktanalyst Giuseppe Amato vom Brokerhaus Lang & Schwarz. "Im Augenblick fehlt es an Fantasie, dass die hohen Erwartungen an die Unternehmensergebnisse deutlich übertroffen werden können."

Immer wieder sorgen vor allem enttäuschende Konjunkturdaten aus den USA für Rückschläge. So auch heute. Als bekannt wurde, dass die Auftragseingänge für langlebige Güter im Dezember hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind und auch die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche nur leicht zurückgegangen ist, drehten die Märkte ins Minus.

Selbst überraschend gut Quartalsberichte wie die von Nokia oder die Rückkehr in die Gewinnzone von Ford konnten den Absturz nicht aufhalten. Vielmehr fokussierten sich die Anleger auf die schlechten Zahlen des US-Mobilfunkzulieferers Qualcomm und des Handyherstellers Motorola.

Nach Verlusten von 102 Punkten im Xetra-Handel hat sich der Rückgang im Parketthandel etwas verlangsamt. Es bleibt ein Minus im Dax von 59 Punkten bei 5.579.

Der Dow Jones Index in New York kann seine Verluste ebenfalls etwas verringern, liegt am Abend aber immer noch 108 Punkte (1,05 Prozent) tiefer bei 10.131.

Euro fällt unter 1,40 Dollar
Derweil gerät auch der Euro weiter unter Druck. Wegen der anhaltenden Sorge um die Solvabilität Griechenlands fällt die Gemeinschaftswährung heute unter die Marke von 1,40 Dollar. Gleichzeitig erreichten die Renditeaufschläge für zehnjährige griechische Staatsanleihen im Vergleich zu den Bundesanleihen neue Rekordhochs. Zudem gerät jetzt auch Portugal ins Visier der Ratingagenturen, was den Euro weiter belasten könnte.

Höhenflieger Nokia
Die im letzten Jahr dramatisch abgestürzte Nokia-Aktie steht heute auf dem Siegertreppchen ganz oben. Zeitweise stiegen die Papiere um knapp 14 Prozent. Damit reagieren die Anleger auf die besser als erwartet ausgefallenen Quartalszahlen. Nokia steigerte seinen Handyabsatz sowohl gegenüber dem Vorjahreszeitraum als auch im Vergleich mit dem Vorquartal. Für 2010 rechnet der Konzern mit einem anhaltend stabilen Marktanteil.

Motorola überzeugt nicht
Dagegen stürzt der Kurs von Motorola zeitweise um mehr als 10 Prozent ab. Der Grund: Im Schlussquartal konnte Motorola sein Handygeschäft noch nicht aus den roten Zahlen führen. Dieser Fakt und die Ankündigung, im laufenden ersten Quartal konzernweit wieder ein kleines Minus zu erwarten, ließen die Anleger reihenweise ihre Aktien auf den Markt werfen.

Ford: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,64
Differenz relativ
+1,73%

Ford wieder im grünen Bereich
Ford hat im vergangenen Jahr einen Gewinn von 2,7 Milliarden Dollar eingefahren und damit zum ersten Mal seit 2005 auf Jahressicht schwarze Zahlen geschrieben. Das Unternehmen habe von Kostensenkungen, Schuldenabbau und dem Verkauf beliebter Modelle profitiert, teilte Ford mit. Der zweitgrößte US-Autokonzern hatte im vergangenen Jahr einen Verlust von 14,6 Milliarden Dollar ausgewiesen. Die Aktie zieht kräftig an.

Procter sticht Rivalen aus
Der weltgrößte Konsumgüterhersteller Procter & Gamble hat zum Jahresende mehr verdient als von Analysten prognostiziert. Der Gewinn im vierten Quartal betrug 1,49 Dollar und damit sieben Cent mehr als erwartet. An der Wall Street wurden die Zahlen positiv aufgenommen: P&G-Titel legten im vorbörslichen Handel 1,3 Prozent zu. 2010 will Procter, wie bisher in Aussicht gestellt, 4,02 bis 4,12 Dollar je Aktie verdienen.

Eli Lilly bleibt solide
Der US-Pharmakonzern Eli Lilly die Erwartungen der Analysten getroffen. Ohne Sonderposten lag der Gewinn im abgelaufenen Quartal bei 0,91 Dollar je Aktie. Analysten hatten hier mit 0,92 Dollar etwas mehr erwartet. Der Umsatz stieg um 14 Prozent auf 5,93 Milliarden Dollar. Analysten hatten hier im Schnitt 5,68 Milliarden Dollar erwartet. Seine Prognose für das laufende Jahr hat das Unternehmen bestätigt.

Trübe Aussichten bei AstraZeneca
Der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca hat im vierten Quartal weniger verdient als erwartet und will weitere 8000 Stellen streichen. Im laufenden Geschäftsjahr rechnet AstraZeneca wegen auslaufender Patentrechte bei zwei Medikamenten in den USA mit einem Umsatzrückgang im einstelligen Prozentbereich. Die Aktie rutscht ab. Händler sprechen von einer ziemlich negativen Überraschung.

Infineon wieder ganz vorne
Infineon-Aktien sind heute größter Dax-Gewinner. Zeitweise stiegen die Titel um über fünf Prozent. Infineon wird von Händlern als Zulieferer für Apples neuen Tablet-Computer "iPad" eingestuft. Zudem profitieren Infineon-Aktien von der Aufstockung des amerikanischen Vermögensverwalters Blackrock. Er hält jetzt mehr als fünf Prozent der Anteile. "Da setzt der eine oder andere wohl auf weitere Zukäufe", sagte ein Händler.

Angst um K+S
K+S sind nach Zahlen eines Wettbewerbers deutlich ins Minus gerutscht. Der kanadische Düngemittelhersteller Potash hat seine Bilanz für das vierte Quartal vorgelegt und gleichzeitig sein Gewinnziel von vier bis fünf Dollar für dieses Jahr angegeben. Analysten hatten sechs Dollar erwartet. Einem Händler zufolge trübe der "gruselige" Ausblick die Stimmung auch für K+S ein.

Siemens streicht, Deutsche Börse auch?
Etwas schlechter als der Markt zeigt sich heute die Siemens-Aktie. Der Industriekonzern verschärft seinen Sparkurs und streicht weitere knapp 2.000 Arbeitsplätze in Deutschland. Betroffen sind die Antriebstechnologie und das Geschäft mit Großanlagen für die Industrie.

Die Aktie der Deutschen Börse reagiert hingegen mit überproportionalen Kursgewinnen auf einen Pressebericht, wonach der Frankfurter Börsenbetreiber bis zu zehn Prozent seiner insgesamt 3.300 Stellen streichen will.

Bechtle gefällt
An der Spitze der TecDax-Firmen glänzen die Aktien von Bechtle mit einem Plus von mehr als sieben Prozent. Nach einer massiven Flaute ist das Geschäft im vierten Quartal wieder kräftig angezogen. Der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum steigt um 2,6 Prozent auf rund 415,2 Millionen Euro. Der Schlussspurt konnte die Einbrüche der vergangenen Monate jedoch nicht ganz wettmachen.

Magix macht Freude
Kräftig nach oben geht es auch mit der Aktie des im Prime Standard notierten Softwareanbieters Magix AG aus Berlin. Die Firma hat nach vorläufigen, ungeprüften Zahlen im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2009/2010 das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) um 48 Prozent gesteigert. Der Vorstand erwartet vor diesem Hintergrund für das im September 2010 endende Geschäftsjahr eine weitere Ergebnisverbesserung.

Wacker Chemie weiter unter Druck
Dagegen knüpft die Aktie von Wacker Chemie nahtlos an ihre Kursverluste vom Vortag an. Nach den enttäuschenden Zahlen zum vierten Quartal stufte JP Morgan den Titel von "Neutral" auf "Underweight" herab und kürzte das Kursziel drastisch von 106 auf 85 Euro. Die DZ Bank änderte das Rating von "Kaufen" auf "Verkaufen" und senkte das Kursziel von 117 auf 90 Euro.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr