Zündet der Dax jetzt den 5.000er-Turbo?

Angela Göpfert

Stand: 20.05.2009, 20:05 Uhr

Der Mittwoch hat dem Dax ein neues Jahreshoch und die erfolgreiche Rückeroberung der 5.000er-Marke beschert. Einige Marktbeobachter macht so viel Optimismus ganz bange, sie warnen vor einem "Strohfeuer". Andere Experten meinen: Das könnte erst der Anfang sein.

Aus charttechnischer Sicht hat der Sprung über die 5.000 dem Dax weiteres Aufwärtspotenzial verschafft, das den deutschen Leitindex kurzfristig sogar bis an die Marke von 5.300 Punkten heran tragen könnte. Zumal der Dax bereits zu Wochenbeginn die 200-Tage-Linie überwunden und damit ein wichtiges technisches Kaufsignal gesandt hatte.

Wall Street drückt Dax im späten Handel
Vor allem institutionelle Investoren, die größtenteils immer noch als unterinvestiert gelten, könnten die Rückeroberung der 5.000er-Marke nun zum Anlass nehmen, ihre Investments in Aktien weiter hochzufahren.

Im späten Parketthandel musste der Dax aber erst mal Federn lassen. Hatte er den Xetra-Handel noch bei einem Stand von 5.038 Punkten beendet, standen bei Parkettschluss nur noch 5.008 Zähler auf der Kurstafel. Das war vor allem der Wall Street geschuldet. Nach einem starken Start notierte der Leitindex Dow Jones zu Parkettschluss nur noch 0,4 Prozent im Plus.

Nach 20 Uhr rutschte der Dow gar kurzzeitig ins Minus. Schuld daran waren die Minutes der US-Notenbank: Danach korrigierte die Fed ihre BIP-Prognose für 2009 von bislang minus 0,5 bis minus 1,3 Prozent auf minus 1,3 bis minus 2,0 Prozent nach unten. Allerdings hielt die Fed in ihrem Sitzungsprotokoll vom 28./29. April auch fest, es gebe Anzeichen, dass das Tempo des konjunkturellen Abschwungs nachlässt.

Patient USA auf dem Weg der Genesung?
Zu US-Handelsauftakt hatten noch positive Nachrichten aus der Finanzbranche die Kurse beflügelt. So verkündete US-Finanzminister Timothy Geithner: "Es gibt wichtige Anzeichen dafür, dass unser Finanzsystem zu gesunden beginnt." Die Banken-Stresstests hätten das Vertrauen in das US-Finanzsystem gestärkt.

Auch der Bank-of-America-Chef hatte Positives zu verkünden. Das Geldhaus habe mit der Einnahme von 13,5 Milliarden Dollar durch die Ausgabe neuer Aktien einen großen Schritt zur Deckung seines Kapitalbedarfs gemacht. Zudem sieht er den Wirtschaftsabschwung gestoppt. "Wir stehen an der Schwelle einer langsamen, aber nachhaltigen wirtschaftlichen Erholung."

Ölpreis auf Sechs-Monats-Hoch
Zum grassierenden Konjunkturoptimismus trugen derweil auch die gesunkenen US-Öllagerbestände bei. Der Preis für ein Barrel der Sorte WTI stieg daraufhin bis auf 62,14 Dollar - ein neues Sechs-Monats-Hoch. Der Ölpreis profitierte dabei auch vom anhaltenden Dollarverfall, der den Euro die Marke von 1,37 Dollar nach oben durchbrechen ließ. Marktbeobachter sehen darin auch ein Anzeichen für die gestiegene Risikobereitschaft der Anleger.

Chemie-, Stahl- und Pharma-Titel gefragt
Angesichts der Hoffnungen auf eine Stabilisierung der Konjunktur zählten Chemie- und Stahlaktien im Dax zu den größten Gewinnern. Die Aktien des Chemie-Branchenprimus BASF stiegen um 5,5 Prozent. Die Papiere der beiden Stahlkocher ThyssenKrupp und Salzgitter verteuerten sich um 3,0 respektive 5,7 Prozent. Bayer-Titel gewannen 6,4 Prozent, der Leverkusener Konzern erhielt für sein Krebsmittel Nexavar eine weitere Zulassung in Japan.

K+S an Dax-Spitze
Mit Abstand größter Dax-Gewinner war aber die K+S-Aktie mit einem Plus von 6,7 Prozent auf 53,20 Euro. Der Titel profitierte von einer Hochstufung auf "Overweight" und einer Kurszielanhebung auf 60 Euro durch HSBC Trinkaus. Analyst Thomas Nagel von Equinet nannte zudem charttechnische Gründe für den Kursanstieg.

Bishop will Lufthansa zwingen
Lufthansa-Aktien profitierten von den jüngsten Zahlen des Konkurrenten Air France-KLM und stiegen um 3,9 Prozent auf 9,88 Euro. Investoren reagierten zudem erleichtert auf die Nachricht, dass die Übernahme der britischen Fluggesellschaft BMI womöglich doch nicht durchgezogen wird. Der Dax-Konzern sieht nämlich nicht alle Bedingungen für den Zukauf erfüllt. Das sieht BMI-Gründer und Hauptaktionär Michael Bishop natürlich ganz anders: Er will nun vor Gericht erzwingen, dass Lufthansa die Übernahme wie geplant vollziehen muss.

Eher unbeliebt: MAN und die Versicherer
Am Dax-Ende litten MAN-Anteilsscheine unter einer Herabstufung durch Goldman Sachs von "Neutral" auf "Sell". Zudem zeigte eine Hiobsbotschaft von der Konkurrenz Wirkung: Der weltweit zweitgrößte Lkw-Hersteller Volvo lieferte im April 63 Prozent weniger Fahrzeuge aus. MAN-Aktien verloren 3,1 Prozent. Unbeliebt waren auch die Versicherer: Münchener Rück, Allianz und Hannover Rück büßten bis zu 2,3 Prozent ein.

Löst Porsche sein Schuldenproblem?
Darüber hinaus standen an der Börse erneut Autotitel im Fokus. Porsche-Aktien verbuchten einen Aufschlag von 8,7 Prozent nach Meldungen über intensive Verhandlungen mit einem Kapitalgeber aus dem Nahen Osten. Die Stuttgarter drücken Schulden von neun Milliarden Euro. Die schwierige Finanzsituation von Porsche gilt als ein Knackpunkt bei den festgefahrenen Verhandlungen über ein Zusammengehen mit VW.

Rollentausch bei Schaeffler und Conti
Dass Davids den Kampf gegen die Goliaths der Börsenwelt nur selten gewinnen, das haben Porsche und VW beispielhaft demonstriert. Nun scheint auch der Autozulieferer Continental den Spieß umzudrehen. Wegen der Finanzprobleme Schaefflers könnte die geplante Conti-Übernahme in einem so genannten "Reverse Take-over" enden und Conti könnte Schaeffler schlucken. Conti-Aktien wurden daraufhin an der Börse bereits wieder als potenzielle Dax-Rückkehrer gehandelt und schossen um 18,2 Prozent auf 23,60 Euro in die Höhe.

Pfleiderer und ProSiebenSat.1 ganz stark
Noch etwas stärker präsentierte sich heute die Pfleiderer-Aktie mit einem Plus von 18,5 Prozent. Zwar konnte sich der Hersteller von Parkettböden und Küchenplatten zu Jahresbeginn nur knapp in den schwarzen Zahlen halten. Trotzdem fiel die Quartalsbilanz des Unternehmens damit besser aus als erwartet. Pleiderer sieht bereits erste zarte Anzeichen einer Erholung, aber noch keine Trendwende.

Mit einem Aufschlag von 10,9 Prozent gingen die Aktien der Fernsehgruppe ProSiebenSat.1 aus dem Handel, nachdem die Analysten von Nomura das Kursziel auf sieben Euro hochgesetzt hatten.

Vossloh bevorzugt
Auch Vossloh-Aktien zählten mit einem Plus von rund sieben Prozent zu den großen Gewinnern im MDax. Der Konzern sieht sich trotz erster Krisenzeichen weiter auf Kurs. Vorstandschef Werner Andree stellte auf der HV fest: "Wir sind durch die Eigenarten unserer Märkte ein wenig bevorzugt, weil im Bahnmarkt generell langfristiger geplant wird." Vossloh macht das meiste Geschäft mit Schienenbefestigungen und Weichen.

Am MDax-Ende ging die Postbank-Aktie mit einem Minus von 5,4 Prozent aus dem Handel.

VIP-Status für Medigene
Im TecDax tat sich die Medigene-Aktie mit einem Kursplus von 6,1 Prozent positiv hervor. Medigene winken für das in der Entwicklung befindliche Krebsmedikament EndoTag-1 sieben Jahre Exklusivvermarktung in den USA, sollte das Präparat dort zugelassen werden.

Julius-Bär-Pläne umstritten
Im Fokus der Investoren am Schweizer Aktienmarkt standen Anteilsscheine von Julius Bär: Die Privatbank wird ihren Assetmanagement-Teil abspalten und künftig als reiner Vermögensverwalter auftreten. Die Pläne stießen jedoch nicht nur auf Zustimmung. So entstehe zwar mit der Trennung vom "Problemkind" GAM unter dem Dach der Julius Bär Group eine sehr gut kapitalisierte Privatbank. Einige Analysten fragen sich jedoch, ob der addierte Wert der zwei Einheiten den Wert der Bank in ihrer heutigen Form wirklich übersteigt. Aktien von Julius Bär büßten bis zum Ende der Sitzung den größten Teil ihrer frühen Gewinne ein.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
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