Zu wenig Schub für die Börsen

Stand: 13.12.2011, 20:26 Uhr

Der überraschend gestiegene ZEW-Index konnte die Stimmung der Anleger nur vorübergehend aufhellen. Am Nachmittag kehrten die Sorgen um die europäische Schuldenkrise zurück und bremsten die Dax-Erholung aus. Nach Börsenschluss meldete sich die Fed zu Wort.

Die US-Notenbank beließ wie erwartet den historischen niedrigen Leitzins bei null bis 0,25 Prozent und kündigte keine neue Konjunkturspitze an. Die Währungshüter versicherten, den Schlüsselzins bis 2013 extrem niedrig halten zu wollen. Trotz erhöhter globaler Risiken geht die Fed von einem moderaten Wirtschaftswachstum in den USA aus. Allerdings gebe es signifikante Abwärtsrisiken. Gleichzeitig gaben die Notenbanker Entwarnung bei der Inflation. Der Preisdruck habe abgenommen, teilten sie mit. Experten wie Marktanalyst Heino Ruland warten im Vorfeld vor der Gefahr einer Deflation in den USA, also einer Abwärtsspirale bei den Preisen.

US-Verbraucher halten sich zurück
Ein Warnsignal sind die November-Daten aus dem US-Einzelhandel. Die Umsätze stiegen lediglich um 0,2 Prozent. Analysten hatten einen Anstieg von 0,6 Prozent erwartet. Das ist ein schlechtes Omen für das Weihnachtsgeschäft. Im Oktober waren die Einzelhandelsumsätze noch gestiegen.

Nach dem Zinsentscheid büßte die Wall Street einen Teil ihrer Kursgewinne ein. Der Dow notierte 0,5 Prozent im Plus. Bereits am Nachmittag waren die Kursgewinne etwas abgebröckelt. Das zog den Dax um 0,2 Prozent auf 5.774 Punkte nach unten. Im späten Parketthandel schloss der L/E-Dax bei 5.791 Zählern. Bis zum Nachmittag hatte der Dax noch im Plus notiert.

Merkel sagt erneut nein
Doch dann erwies sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mal wieder als Spielverderberin. Sie sprach sich erneut gegen die Anhebung der Haftungsobergrenze des dauerhaften Euro-Rettungsschirms ESM von 500 Milliarden Euro aus. "Jede Hoffnung auf mehr Geld, die erstickt wird, führt derzeit zu solch deutlichen Kursreaktionen", erklärte ein Händler.

Konjunkturzuversicht in Deutschland
Am Vormittag hatten noch mehrere positive Impulse die Kurse beflügelt. Der ZEW-Konjunkturindex stieg überraschend um 1,4 Punkte auf minus 53,8 Zähler. Volkswirte hatten einen Rückgang auf minus 55,4 Punkte prophezeit. "Es scheint die Bodenbildung erreicht worden zu sein", meinte ZEW-Präsident Wolfgang Franz.

Erfolgreiche Auktion von Spanien
Hinzu kamen gute Nachrichten aus Spanien. Das südeuropäische Land besorgte sich insgesamt fast fünf Milliarden Euro über zwei Auktionen von Geldmarktpapieren mit Laufzeiten von 12 und 18 Monaten zu günstigeren Kondition. Für die Einjahres-Papiere war nur noch eine Rendite von rund vier Prozent fällig - nach mehr als fünf Prozent bei der letzten Auktion im November.

Die erfolgreiche Auktion Spaniens konnte aber an den Rentenmärkten für keine Beruhigung sorgen. Die Renditen der zehnjährigen italienischen und spanischen Anleihen zogen wieder an. Die italienischen Anleihen rentierten bei fast 6,8 Prozent, die spanischen Anleihen bei etwas über 5,9 Prozent.

Euro nur noch knapp über 1,30 Dollar
Am Abend warnte die US-Ratingagentur Standard & Poor's erneut vor einer Herabstufung von Staaten und Banken in Europa gewarnt. Auf der Liste für ein potenzielles Downgrade stünden inzwischen 25 staatliche Schuldner und 42
Banken aus Europa, erklärte S&P-Analystin Diane Vazza. Zudem knöpfte sich die Ratingagentur Fitch mehrere osteuropäische Staaten vor. Sie senkte den Ausblick für die Bonitätsnoten von Bulgarien, Tschechien, Litauen und Lettland von positiv auf stabil. Der Euro geriet weiter unter Druck und rutschte nahe der Marke von 1,30 US-Dollar. Das ist der tiefste Stand seit Mitte Januar.

K+S springt an Dax-Spitze
Größter Dax-Gewinner war am Dienstag K+S mit einem Plus von rund 2,5 Prozent. Händler sprachen von einer technischen Gegenreaktion auf die jüngsten Kursverluste. Seit Monatsbeginn sind die Titel des Düngemittelspezialisten um 16 Prozent abgerutscht.

Hoffnung in der Börsen-Hängepartie
Gefragt waren auch die Aktien der Deutschen Börse. Sie stiegen um 1,6 Prozent. In der Hängepartie um die Zustimmung aus Brüssel für die Börsen-Mega-Fusion keimt neue Hoffnung auf. Mit weiteren Zugeständnissen wollen Deutsche Börse und NYSE Euronext die Bedenken der EU-Kommission gegen die Fusion aus dem Weg räumen. Sie reichten bei der Kommission einen überarbeiteten Vorschlag ein, der auf deren Vorbehalte eingeht. Demnach soll der Verkauf von weiteren Unternehmensteilen angeboten worden sein. Laut Insidern seien die Börsen gar bereit, das europäische Geschäft mit Derivaten auf Einzelaktien der Liffe abzustoßen. Die Zugeständnisse würden nach Analysten-Einschätzungen die künftigen Geschäftsperspektiven der fusionierten Börse nicht übermäßig
beschneiden.

Ruhepause für den US-Deal der Telekom
Über ein Prozent legten die T-Aktien zu. Das Kartellverfahren um den Verkauf des US-Mobilfunkgeschäfts der Deutschen Telekom an AT&T kommt in Bewegung: "Wir prüfen, ob und wie wir unsere aktuelle Transaktion überarbeiten können, um die erforderlichen Genehmigungen zu erhalten", teilten beide Unternehmen mit. Telekom und AT&T beantragten, das laufende Kartellverfahren bis zum 18. Januar ruhen zu lassen. Sowohl das US-Justizministerium als auch der Netzregulierer FCC hatten sich gegen den 39 Milliarden Dollar schweren Verkauf ausgesprochen.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
20,15
Differenz relativ
-0,89%

ThyssenKrupp profitiert von Studie
Eine positive Studie von Barclays beflügelte die Stahlwerte. Die ThyssenKrupp-Aktie gewann knapp ein Prozent. Die Branchenstimmung und die Stimmungsindikatoren seien zwar negativ, schrieb der zuständige Analyst. Historisch betrachtet folgten auf Pessimismus jedoch Phasen mit einer überdurchschnittlichen Kursentwicklung, meinte er. Außerdem seien viele Unternehmen gesund genug, um eine deutlich schlechtere Konjunkturentwicklung zu verkraften. Zu den Favoriten zählte ThyssenKrupp.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
145,58
Differenz relativ
-1,03%

Audi überholt Mercedes
In der Autobranche ist es zu einem überraschenden Überholmanöver gekommen. Die VW-Tochter Audi wird nach Einschätzung von Vorstandschef Rupert Stadler Mercedes beim Absatz abhängen. Bis November verkaufte Audi 1,19 Millionen Autos, Mercedes aber nur 1,14 Millionen Fahrzeuge. Spitzenreiter bleibt BMW. Der VW-Konzern setzte im November insgesamt 14,5 Prozent mehr Fahrzeuge ab. Die VW-Aktien tendierten 0,3 Prozent höher.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,60
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-1,88%

Commerzbank in der Gerüchteküche
Schlusslicht im Dax war erneut die Commerzbank mit einem Minus von fast fünf Prozent. Am Markt gab es Spekulationen, dass das Geldinstitut mit der Bundesregierung über neue Staatshilfen spreche und eine Komplettverstaatlichung drohe. Das wurde aber rasch dementiert. Die Commerzbank will den milliardenschweren Kapitalbedarf weiterhin ohne neue staatliche Hilfen stemmen.

Unter den Verlierern befand sich auch die Deutsche Bank. Offenbar nimmt die Unsicherheit im europäischen Bankensystem immer mehr zu. Die Geschäftsbanken haben sich in dieser Woche bei der EZB mit 291,6 Milliarden Euro eingedeckt. Das ist so viel wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr.

Eon warnt
Über ein Prozent rutschten die Eon-Aktien ab. Der größte deutsche Energiekonzern kämpft mit Milliardenabschreibungen und schraubte die Bandbreite seiner Prognose für das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf 9,1 bis 9,3 Milliarden Euro zurück. Zuvor hatte Eon bis zu 9,8 Milliarden Euro angepeilt. In Italien und Spanien seien Abschreibungen von 2,1 Milliarden Euro fällig, in weiteren Ländern von knapp einer Milliarde Euro.

HeidelbergCement: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
57,26
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-8,59%

HeidelCement holt sich frisches Geld
Ähnlich große Kursverluste wie Eon verzeichneten die Aktien von HeidelCement. Sie büßten 1,3 Prozent ein. Der hochverschuldete Baustoff-Konzern hat sich knapp 290 Millionen Euro frisches Kapital besorgt - über ein Schuldscheindarlehen. Die Aussicht auf eine Konsolidierung der Branche half HeidelCement nicht. Am Montagabend hatte der US-Baustoffkonzern Martin Marietta Materials angekündigt, den Konkurrenten Vulcan Materials für fünf Milliarden Dollar schlucken zu wollen.

Übernahme-Fantasie bei Kabel Deutschland
Im MDax waren die Papiere von Kabel Deutschland am meisten begehrt. Sie sprangen um über vier Prozent hoch. Laut Presseberichten will das Bundeskartellamt die Übernahme von Kabel BW durch den US-Kabelnetzkonzern Liberty Global genehmigen. Damit könnte nun Liberty Global mittelfristig an der Übernahme von Kabel Deutschland interessiert sein. "Das bringt Fantasie in die Aktie", meinte ein Händler.

Tui zieht den Joker
Tui-Titel stiegen zeitweise um sechs Prozent. Am Ende blieb noch ein Plus von rund 2,5 Prozent. Der Reisekonzern setzt im Verkaufspoker um Hapag-Lloyd seine Miteigner unter Zugzwang. Der Vorstand des Konzerns hat mit Zustimmung des Aufsichtsrats beschlossen, einen Anteil von 33,3 Prozent an Hapag-Lloyd dem Hamburger Konsortium Albert Ballin anzudienen. Damit macht Tui von seinem Ausstiegsrecht Gebrauch. Die Gesellschafter des Ballin-Konsortiums, der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne und die Stadt Hamburg, hatten Insidern zufolge vorher versucht, die Tui von ihrem Vorhaben abzubringen. Sie wollten angeblich mindestens 20 Prozent von Hapag-Lloyd übernehmen.

SMA Solar: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,25
Differenz relativ
-4,51%

Öko-Aktien erholen sich
Im TecDax entdeckten die Anleger wieder ihr Herz für Öko-Aktien. Mit einem Aufschlag von rund sieben Prozent beendete Solarworld den Tag als Spitzenreiter. SMA und Centrotherm stiegen um rund drei Prozent. Echte Nachrichten gab es keine.

Solon meldet Insolvenz an
Am Mittwoch könnte sich die Stimmung für Solaraktien aber wieder eintrüben. Denn nach Börsenschluss kündigte der Modulhersteller Solon an, Insolvenz anzumelden. Die Verhandlungen über eine einvernehmliche Lösung mit den Gläubigerbanken und Investoren seien gescheitert. Solon ist das wohl bislang prominenteste Opfer der Auslese in der deutschen Solarbranche. Die Solon-Aktien schlossen bereits zum Xetra-Schluss 13 Prozent tiefer und fielen erstmals unter die Marke von einem Euro.

DuPont voller Optimismus für 2012
In den USA erfreute der Chemieriese DuPont die Anleger mit einem überraschend guten Ausblick für 2012. Der BASF-Rivale kündigte einen deutlich höheren Überschuss für das kommende Jahr an als erwartet. Der Gewinn je Aktie werde zwischen 4,20 und 4,40 Dollar je Aktie liegen. Analysten hatten im Schnitt nur 4,233 Dollar je Titel prognostiziert. Noch am Freitag hatte DuPont die Anleger mit einer Gewinnwarnung für 2011 geschockt. Die Prognose wurde auf 3,87 bis 3,95 Dollar je Aktie gesenkt. Die DuPont-Aktien legten gut zwei Prozent zu.

Morgan Stanley schließt Rechtsstreit ab
Auch die Papiere von Morgan Stanley waren gefragt mit einem Plus von zwei Prozent. Die US-Bank hat einen milliardenschweren Rechtsstreit über Kreditausfallversicherungen beendet. Morgan Stanley einigte sich mit dem Anleihenversicherer MBIA und kann nun riskante Derivate-Kontrakte aus seiner Bilanz streichen. Morgan Stanley kann unter verschärften Vorschriften sein Eigenkapital um 0,75 Prozentpunkte steigern. Beim Streit ging es um hypothekenbesicherte Wertpapiere im Besitz von Morgan Stanley, für die die
Investmentbank Anleihenversicherungen bei MBIA abschloss.

Tagestermine am Freitag, 19. Oktober

Unternehmen:
Procter & Gamble: Q1-Zahlen
Villeroy&Boch: Neunmonatszahlen
Schlumberger: Q3-Zahlen
Software AG: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Remy Cointreau: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
London Stock Exchange: Trading Update, 08:00 Uhr
State Street Corp: Q3-Zahlen, 14:30 Uhr
Honeywell: Q3-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
China: Industrieproduktion, September, 04:00 Uhr