Zu früh gefreut

Stand: 23.10.2009, 20:01 Uhr

Ein bitterer Freitag für Aktionäre. Der Dax begann seinen Handel hoffnungsfroh und nahm Kurs auf das Jahreshoch. Dann kam ein alter Spielverderber hinzu und versalzte den Investoren die Suppe. Der Dax sackte ab und schloss mit Verlusten. Sogar die Wochenbilanz ist negativ.

Wie immer, wenn am Nachmittag die Börsen in Amerika öffnen, beginnen die Börsen in Europa ihren Zombielauf. Am Freitag nun gab der Dow ein klägliches Bild ab, der Dax folgte, gab seine zwischenzeitlichen Gewinne wieder ab und schloss 0,4 Prozent schwächer bei 5.740 Punkten. Selbst ein gestiegener Ifo-Index konnte den Dax nicht halten. Über die Woche betrachtet kam der Leitindex kaum von der Stelle, er verlor 0,1 Prozent.

Dass die Wall Street einen schwachen Freitag hinlegte, lag vor allem an einer uneinheitlichen Nachrichtenlage. Zwar konnte die Bilanz des Softwarekonzerns Microsoft konnte die Märkte zunächst stützen. Die Firma, die mit Windows 7 gerade die neueste Version seines PC-Betriebssystems herausgebracht hat, setzte im Quartal 12,92 Milliarden Dollar um und gewann 0,4 Dollar je Aktie. Die Aktionäre waren ziemlich begeistert, die Aktie legte rasch mehr als sechs Prozent zu.

Auch die Statistik verkaufter bestehender Eigenheime war nach dem Gusto der Marktteilnehmer. Diese stieg, wie am Nachmittag bekannt wurde, sprunghaft an. Auf das Jahr hochgerechnet wurden mit 5,57 Millionen 9,4 Prozent mehr Häuser verkauft. Analysten hatten mit deutlich weniger gerechnet. Andererseits lieferten die IT-Konzerne Broadcom und MEMC schwache Ergebnisse ab, und auch der große Ölfeld-Dienstleister Schlumberger enttäuschte: Schlumberger rechnet damit, dass sich das Erdgasgeschäft erst Ende 2010 erholt.

Es habe viele gute Bilanzen gegeben, sagte Thomas Nyheim von Christiana Band & Trust, aber nicht genug. Damit entstünde die Befürchtung, dass die wirtschaftliche Erholung am Arbeitsmarkt vorbeigehen würde.

Dax-Gewinner und die Lufthansa
Von den vielen Verlaufs-Gewinnern im Dax blieben am Ende noch ein par übrig. Am meisten legte noch die K+S-Aktie zu, die aber am Donnerstag erheblich verloren hatte. Wacker schlugen sich auch die Aktien von Lufthansa, BMW und MAN. Diese Aktien gewann immerhin etwas mehr als ein Prozent. Lufthansa-Aktien verteuerten sich um 1,7 Prozent. Der Konzern will die restlichen freien Aktionäre der übernommenen österreichischen Fluggesellschaft Austrian Airlines zwangsabfinden. Der Konzern hält bereits 95,4 Prozent an der AUA und will nun den verbliebenen Anteilseignern 0,50 Euro je Aktie zahlen. Die Abfindung sei erstaunlich niedrig, finden Beobachter.

MAN im Fahrwasser von Volvo
MAN-Aktien schlossen 1,1 Prozent fester. Der schwedische Lkw-Hersteller Volvo hat das dritte Quartal mit einem Milliarden-Verlust abgeschlossen und dennoch besser abgeschnitten als von Analysten erwartet. 3,3 Milliarden Kronen Miese verbuchte der Konzern, das sind 322 Millionen Euro. Analysten hatten jedoch mit 4 Milliarden Kronen gerechnet, dementsprechend entspannt reagieren die Aktionäre - auch jene des deutschen Konkurrenten MAN.

Evotec-Aktionäre im TecDax-Vorfreudefieber
Der Softwarekonzern Software AG hat seinen Anteil an IDS Scheer auf mehr als 90 Prozent aufgestockt. Damit hat das Darmstädter Unternehmen seinem Saarbrücker Kollegen die Existenzgrundlage für den TecDax entzogen, weil für einen Verbleib im Index ein Streubesitz über zehn Prozent erforderlich ist. IDS Scheer wird deshalb in den kommenden Tagen den TecDax verlassen müssen, die Deutsche Börse dürfte bald darüber entscheiden. Heißester Nachrückkandidat für IDS Scheer ist das Biotechnologieunternehmen Evotec, das nun wohl bald wieder, nach längerer Zeit der Abstinenz, im TecDax notieren wird. Die Aktie legte deshalb außerordentlich zu und gewann 4,7 Prozent.

Analysten bewerten Fuchs
Im MDax fielen Kursgewinne bei Fuchs Petrolub auf. Der Schmierstoffhersteller hatte am Donnerstag vorläufige Geschäftszahlen vorgelegt und dabei beim operativen Ergebnis "erstaunlich" gut abgeschnitten. Das sagten zumindest die Analysten der WestLB, worauf die Aktie um mehr als fünf Prozent zulegte.

BKN Biostrom senkt Prognose
Aktien des Biogas-Projektentwicklers BKN Biostrom verloren 10,7 Prozent. Die Firma teilte mit, dass sie ihre Jahresprognose nicht erreichen werde. Weil man den Verkauf der Biodieselsparte kurzfristig verschieben müsse, werde BKN die Biodieselaktivitäten "deutlich" abschreiben müssen und damit die bisherigen Planungen verfehlen, teilte die Gesellschaft mit. Einige Großaktionäre des Unternehmens, darunter die Beteiligungsgesellschaft Rupag, wollen sich zudem noch im laufenden Jahr von ihren Anteilen trennen.

Syngenta und Danone sind optimistisch
Kursgewinne verbuchte der Schweizer Agrarchemiekonzern Syngenta. Zwar hat die Firma im dritten Quartal mit einem Umsatzrückgang zu kämpfen, doch seien alle "Bedingungen für weiteres Wachstum im nächsten Jahr da", sagte Syngenta-Chef Mike Mack. In Frankreich profitiert der Lebensmittelkonzern Danone ebenfalls von seiner Prognose. Die im Eurostoxx 50 notierte Firma erhöhte am Morgen ihre Jahresprognose und rechnet vor allem mit einem deutlich besseren Geschäft mit Milchprodukten.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat