Zittrige Anleger

Stand: 05.07.2007, 20:20 Uhr

Die Investoren hat am Donnerstag der Mut verlassen. Hatte sich der Dax noch am Nachmittag kurz in die Pluszone getraut, ging es danach deutlich bergab. Die EZB sorgte für leichte Verunsicherung in einem nervösen Markt.

Nicht der Zinsentscheid an sich, sondern die Ausführungen von Notenbankpräsident Jean-Claude Trichet ließen nach Beobachtermeinung Raum für Spekulationen. Trichet warnte in der Pressekonferenz in Frankfurt zwar vor Inflationsrisiken, vermied aber Formulierungen, die auf einen klaren Termin für eine weitere Zinsanhebung hingedeutet hätten. Unsicherheit, die an diesem Börsentag schlecht für die Kurse war. Dass die EZB den Leitzins bei 4,0 Prozent belassen würde, war erwartet worden.

Zinssorgen auch in USA

In den USA kamen ebenfalls am Donnerstag Zinssorgen auf. Eigentlich gute Konjunkturdaten wurden an Wall Street mit Befürchtungen verbunden, die US-Notenbank Fed könne ihren Leitzins für längere Zeit auf dem gegenwärtigen Niveau belassen. Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung waren im Rahmen der Erwartungen geblieben. Der ISM-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor stieg sogar von 59,7 auf 60,7 Punkte, anstatt zu fallen.

Wall Street leicht verschnupft
Vor allem die Standardwerte an Wall Street notierten zum Ende des Parketthandels in Deutschland in der Minuszone. Schwache Abssatzzahlen bei General Motors ließen die Aktie des Autokonzerns um mehr als vier Prozent nach unten rutschen.

Der Dax hatte schon zum Ende des Xetra-Handels die Marke von 8.000 Punkten nicht mehr halten können. Der Late-Dax gab bis 20 Uhr noch einmal rund 15 Punkte auf 7.973 Zähler ab. Metro hielt sich auch zum Ende des Parketthandels als einziger Titel minimal im Plus. Viele der Dax-Schwergewichte gaben am Ende deutlich ab, so Eon, ThyssenKrupp, BMW oder die Allianz-Aktie.

Duftmarke durch neuen Siemens-Chef
Für erhöhte Aufmerksamkeit bei der Siemens-Aktie sorgte der neue Vorstandschef des Elektrokonzerns, Peter Löscher. Er will die Strukturen des Konzerns umkrempeln. Siemens solle transparenter und flexibler werden, sagte Löscher am Donnerstag in Berlin. Eine Entscheidung über einen Börsengang oder einen Verkauf der Autozulieferersparte VDO solle noch im Sommer fallen. Die Siemens-Aktie drehte am Nachmittag ins Plus, schloss aber dennoch unter Vortagesniveau.

VW hat neuen US-Chef
Stefan Jacoby, bislang im Konzern für Marketing und Vertrieb zuständig, wird der neue Chef der US-Tochter der Wolfsburger und soll das verlustreiche Geschäft in den USA wieder auf Wachstum und Profitabilität ausrichten. VW hatte seit Jahresbeginn leichte Verkaufsrückgänge im US-Markt zu beklagen.

Telekom hängt an T-Systems
Die Aktie der Deutschen Telekom verlor dagegen mit dem Gesamtmarkt. Der Konzern hat bei der Suche nach einem Partner für die Geschäftskundensparte T-Systems offenbar einen Rückschlag erlitten. Der als Partner favorisierte US-Konzern EDS habe nach Prüfung der Bücher abgewunken, schreibt die Börsenzeitung. Dies sei zwar keine Überraschung, sagen Börsianer. Die Deutsche Telekom wollte aber ursprünglich Mitte 2007 einen Partner für T-Systems präsentieren, dies sei nun unrealistisch.

Air Berlin als Übernahmeziel?
Auch Gerüchte sorgten am Donnerstag wieder für Kursausschläge. Etwa bei der Aktie der zweigrößten deutschen Airline. Sie sprang am Mittag bis zu sieben Prozent nach oben. Der irische Billigflieger Ryanair wolle die Fühler nach Air Berlin ausstrecken, hieß es auf dem Parkett. Nach Händlereinschätzungen ist ein solcher Vorstoß durchaus vorstellbar, die Konsolidierung sei ein Thema in der Branche. Ein Air Berlin-Sprecher wollte auf Nachfrage von irischen Avancen nichts wissen.

Premiere mit Hoffnungsbonus
Hoffnungen auf neue alte Umsätze trieben am Nachmittag die Premiere-Aktie im MDax an. Nach einer Meldung der Nachrichtenagentur epd könnte der Partner Arena doch noch die Live-Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga an Premiere sublizensieren, und das mit Zustimmung des Kartellamtes. Das Amt hat nach Angaben einer Sprecherin vom Donnerstag zumindest keine grundsätzlichen Bedenken mehr gegen den neuen Entwurf einer Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen. Allerdings müssten noch einige Punkte angepasst werden.

Salzgitter legt nach
Der Stahlkonzern hat seine Übernahme der Kloeckner-Werke perfekt gemacht. Wie das Unternehmen am Nachmittag bekannt gab, hat er nach der Freigabe durch die EU weitere 78 Prozent an dem Konkurrenten übernommen und hält nun 83 Prozent. Für die restlichen Aktionäre hat Salzgitter ein Übernahmeangebot von 15 Euro je Kloeckner-Werke-Aktie ausgelobt.

A-Tec legt noch einen drauf
Von 20,9 auf inzwischen gut 25 Prozent hat der österreichische Mischkonzern A-Tec seine Beteiligung an der Kupferhütte Cumerio inzwischen aufgestockt. Nach Angaben des Unternehmens soll dies eine langfristige strategische Beteiligung bleiben. An Cumerio ist seit langem MDax-Konzern Norddeutsche Affinerie interessiert. Eigentlich hatten sich A-Tec und NA heute über die geplante Übernahme der belgischen Cumerio durch die NA verständigen wollen. A-Tec-Vorstandschef Mirko Kovats sagte dieses Treffen allerdings ohne Begründung ab.

Neues IPO in den Prime Standard
Der Maschinenbauer Homag will am 13. Juni an die Börse gehen. Das teilte das Unternehmen am Donnerstagabend mit. Ab Freitag läuft die Zeichnungsfrist für die insgesamt bis zu 6,89 Millionen Papiere. Die Bookbuilding-Spanne reicht von 29 bis 35 Euro. Daraus ergibt sich ein Platzierungsvolumen von 240 Millionen Euro.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr