Marktbericht 20:05 Uhr

Dax an technischer Unterstützung Zitterpartie am Aktienmarkt

Stand: 22.08.2016, 20:02 Uhr

Der Dax ist wieder auf sein jüngstes Ausbruchsniveau bei 10.500 Punkten zurückgefallen. Hält die Unterstützung? Für Spannung ist jedenfalls gesorgt, auch wenn die umsatzarme Urlaubszeit für so manche Kurskapriole sorgen kann.

Nachdem es zunächst nach einem erfolgreichen Wochenstart ausgesehen hatte, drehte sich das Blatt am deutschen Aktienmarkt am frühen Nachmittag. Der Dax fiel nach plötzlich aufgekommenem Druck vom Terminmarkt relativ schnell zurück bis auf sein Tagestief bei 10.443 Punkten.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.341,00
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Er unterschritt dabei auch die charttechnisch wichtige Unterstützungsmarke bei 10.500 Zählern. Bei dieser Marke war der Index zuletzt nach oben ausgebrochen, nun gilt sie als wichtige Unterstützung.

Am Ende sackte der Leitindex knapp darunter. Der Schlussstand lag bei 10.494 Punkten, ein Tagesverlust von 0,47 Prozent. Erhöhter Verkaufsdruck war vor allem im späten Geschäft aufgekommen, als einige Anleger offensichtlich zunehmend nervöser wurden. Im Späthandel ging es wieder auf 10.506 Punkte leicht bergauf.

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 19.00 Uhr

Im Tageshoch hatte der deutsche Leitindex immerhin bei 10.656 Zählern gelegen. Händler betonten allerdings, dass solche Bewegungen während der umsatzarmen Urlaubszeit nicht unüblich seien. Deshalb gelten die Kurse als besonders anfällig für charttechnische Signale.

Zinsdiskussion kommt wieder auf

Janet Yellen

Janet Yellen. | Bildquelle: Imago

Fundamental steht der Markt derzeit mal wieder ganz im Zeichen der Zinsdiskussion in Amerika. Zuletzt heizte Fed-Vize-Chef Stanley Fischer die Spekulationen an. Er erklärte, dass die Fed ihre Ziele "nahezu erreicht" habe. Was immer dies auch genau bedeuten mag, das am Donnerstag beginnende Notenbankertreffen im amerikanischen Jackson Hole wirft nach Meinung von Marktexperte Jens Klatt jedenfalls schon seine Schatten voraus. Auch Fed-Chefin Janet Yellen wird sich am Freitag äußern.

Euro befestigt sich

Der Devisenmarkt diskutiert mangels neuer US-Konjunkturdaten ebenfalls darüber, wann die Fed ihre Zinswende fortsetzt, die sie im Dezember 2015 begonnen hatte. Zuletzt gab es neben den immer wieder unterschiedlichen Signalen aus den Reihen der Notenbank mehrfach Kritik an der Kommunikationspolitik der amerikanischen Währungshüter.

Der Euro behauptete sich derweil bei impulslosem Handel stabil und über der Marke von 1,13 Dollar. Die Gemeinschaftswährung holte anfängliche Verluste auf und tendierte damit insgesamt wenig verändert zum Vortag. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1306 (Freitag: 1,1326) US-Dollar fest.

Kaum Bewegung an der Wall Street

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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56,60
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An der New Yorker Börse steht der Leitindex Dow Jones derzeit leicht im Minus, behauptet sich aber über 18.500 Punkten. Insgesamt sind die Schwankungen gering. Negativ aufgenommen wird der fallende Ölpreis. Hier sinkt der Optimismus der Marktteilnehmer, dass sich die Produzenten auf eine Deckelung der Förderung im September einigen können.

Zudem kommen an der Wall Street vermehrt Zinsspekulationen auf. Gibt es einen weiteren Zinsschritt schon im September? Wird er womöglich in Jackson Hole schon vorbereitet? "Die Märkte werden etwas nervös", kommentierte Marktstratege Robert Pavlik vom Vermögensverwalter Boston Private Wealth.

Beachtung findet aber der neue Milliarden-Deal im Pharmasektor. Dow-Jones-Mitglied Pfizer bestätigte den Kauf der auf Krebsmedikamente spezialisierten Firma Medivation für 14 Milliarden Dollar, entsprechend 81,50 Dollar je Aktie. Fusionsgerüchte waren schon zuvor im Markt gewesen.

Tagessieger FMC, Thyssen und Deutsche Börse am Ende

Die Aktie des Dialyse-Spezialisten FMC blieb bis zum Schluss an der Dax-Spitze, und schloss unter Tageshoch freundlich. Das Unternehmen hat sich nach eigenen Angaben in den USA kein Fehlverhalten zu Schulden kommen lassen. US-Behörden untersuchen derzeit, ob einige Firmen Patienten aus staatlichen Gesundheitsprogrammen treiben.

Verkauft wurden hingegen ThyssenKrupp, die aber in der Vorwoche gestiegen waren. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen. Vor dem Wochenende hatte ihnen ein Medienbericht, wonach sich die Verhandlungen mit dem indischen Wettbewerber Tata Steel über ein gemeinsames Stahlgeschäft in Europa in der Endphase befinden, auf den höchsten Kurs seit Jahresbeginn verholfen. Titel der zum Umtausch angemeldeten Deutschen Börse gaben ebenfalls nach. Noch immer ist nicht klar, ob die Regulierer einer Fusion mit der London Stock Exchange zustimmen.

Eon gefragt nach Uniper-Zahlen

Ein ähnliches Bild wie Tagessieger FMC bot die Eon-Aktie, die sich ebenfalls im Plus behauptete. Auch Branchenkolleg RWE zog im Sog mit an. Die Kraftwerks-Tochter Uniper legte heute Zahlen für das erste Halbjahr vor und sieht sich auf Kurs für ihren Börsengang.

VW-Aktie legt zu

Volkswagen und der Zulieferstreit bestimmt mehr die Medien als die Börse. VW-Vorzüge legen gegen den markt soagr moderat zu. Der Konzern hat derzeit unter den Produktionsproblemen durch fehlende Zulieferungen leiden. VW streitet mit Lieferanten über Verträge und Preise. Laut Experten könnte das ganze für VW aber noch sehr teuer werden. Es geht um einen dreistelligen Gewinnbeitrag.

WCM macht Laune

Die Aktie des SDax-Mitglied legte 2,10 Prozent zu und reagiert damit auf erfreuliche Halbjahreszahlen. Der Gewerbeimmobilien-Spezialist hat sein Immobilienportfolio um 13,8 Prozent auf 575,6 Millionen Euro ausgebaut. Die Ertragskenngröße FFO I wurde von 0,2 auf 8,3 Millionen Euro gesteigert. WCM plant erstmals seit der Neustrukturierung des Unternehmens eine Dividende.

Syngenta sieht Fusion als gelungen

"Keine wesentlichen Auflagen", sieht der Schweizer Saatguthersteller für die 43-Milliarden-Dollar-Fusion mit dem staatlichen chinesischen Chemiekonzern. Der US-Ausschuss CFIUS des Außenministeriums hat den Weg für den Zusammenschluss frei gemacht, schreibt Reuters. Beide Firmen gehen davon aus, den Deal bis Jahresende abzuschließen. Das Syngenta-Papier legt kräftig zu.

Rekordstrafe für ArcelorMittal

Die südafrikanische Tochter des Stahlkonzerns ist von der Wettbewerbsbehörde des Landes zur Zahlung der Rekordsumme von umgerechnet 97,7 Millionen Euro verurteilt worden. Es ist die höchste Kartellbuße, die jemals in Südafrika verhängt wurde. ArcelorMittal wurde wegen verbotener Preisabsprachen verdonnert und räumte die Verfehlungen selber ein. Die südafrikanische Arcelor-Tochter ist schon lange defizitär, schöpft jetzt aber Hoffnung. Denn die Regierung hat Strafzölle auf Stahlimporte verhängt.

Boeing erwartet weniger Verkäufe

Boeing erwartet einem Medienbericht zufolge für dieses Jahr weniger Bestellungen für Verkehrsflugzeuge als bislang angenommen. Das Ziel liege bei 535 Maschinen, berichtete das Fachblatt "Aviation Week" am Montag unter Berufung auf Firmenunterlagen. Das offizielle Ziel des Airbus -Rivalen liegt bislang zwischen 740 und 745 Jets. Ein Boeing-Sprecher erklärte aber, man bleibe bei der Prognose.

rm

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"