Zitterpartie am Abend

Detlev Landmesser

Stand: 25.03.2009, 21:08 Uhr

Die New Yorker Aktienmärkte boten am Abend ein kurioses Bild: Alle drei großen Indizes gerieten unter Druck und rangen gleichzeitig mit wichtigen runden Marken. Doch es gab ein Happy End.

Nach zeitweise deutlichen Verlusten sprangen Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq Composite im späten Geschäft wieder deutlich nach oben. Besondere Signalwirkung ging vom S&P 500 aus, der die zwischenzeitlich verlorene kritische Marke von 800 Punkten wieder erobern konnte.

Nach glänzendem Start hatten an der Wall Street zuvor Gewinnmitnahmen eingesetzt, die den L-Dax auf 4.159,61 Punkte schickten.

Ermutigende US-Konjunkturdaten stützten die Märkte. So stiegen die Auftragseingänge für langlebige Güter im Februar unerwartet um 3,4 Prozent zum Vormonat, während Volkswirte eigentlich mit minus 2,0 Prozent gerechnet hatten. Auch die Neubauverkäufe lagen im Februar deutlich über den Erwartungen.

Erstmals trat die US-Notenbank am Mittwoch als Käuferin von Staatsanleihen auf den Plan. Nach der überraschenden Ankündigung des Ankaufsprogrammes im Volumen von bis zu 300 Milliarden Dollar kaufte sie nun die ersten Papiere im Volumen von 7,5 Milliarden Dollar. Den nächsten Kauf soll es am Freitag geben. Mit dem Aufkauf will die Fed die langfristigen Zinsen unter Druck bringen und zusätzliches Geld in den Wirtschaftskreislauf pumpen.

Ifo gibt keine Entwarnung

Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer, der Ifo-Geschäftsklimaindex, fiel indessen im März von 82,6 im Vormonat auf 82,1 Punkte und damit etwas stärker als erwartet. "Der Index lässt nur wenig Raum für Hoffnungen auf eine konjunkturelle Stabilisierung in der zweiten Jahreshälfte", kommentierte Ulrich Wortberg von der Helaba. Positiv zu werten sei allerdings der dritte Anstieg der Ifo-Erwartungskomponente.

Hektik am Devisenmarkt
Trotz der Konjunkturdaten machte sich der Euro plötzlich nach oben auf und übersprang mehrfach die Marke von 1,36 Dollar. Auch der Goldpreis machte einen Satz nach oben. Den Schwächeanfall der US-Währung führten Experten auf missverständliche Äußerungen von US-Finanzminister Timothy Geithner zurück. Geithner hatte zunächst erklärt, er sei "ziemlich offen" für eine Anregung Pekings, die die Rolle des Dollar als Leitwährung schwächen würde, bevor er wieder etwas zurückruderte.

Commerzbank satt im Plus
Die Aktie der Commerzbank schloss an ihre jüngste Gewinnserie an, was offenbar an der anhaltenden Fantasie lag, dass die Institute mit Staatshilfe ihre Bilanzen von Schrottpapieren reinigen können. Seit ihrem Tiefststand von 2,22 Euro am 6. März hat die Aktie rund 40 Prozent gewonnen. Die Commerzbank-Tochter Eurohypo stellte indessen weitere Einbußen in Aussicht. Vor allem die Risiken bei gewerblichen Immobilienkrediten bezeichnete der größte deutsche Pfandbrief-Emittent als "sehr kritisch".

Zwei Kurstreiber für VW
Die VW-Stammaktie fiel mit einem zuletzt selten gewordenen Kursplus von 10,7 Prozent auf. Porsche hat sich eine neue Kreditlinie im Volumen von zehn Milliarden Euro gesichert. Damit dürften die Chancen steigen, dass der VW-Großaktionär seinen Anteil weiter ausbaut. Zudem will der Bund die Abwrackprämie nun doch verlängern - eine gute Nachricht für Europas größten Autobauer.

Siemens vor Gewinnwarnung?
Die Siemens-Aktie wurde nach einer indirekten Gewinnwarnung des Mischkonzerns ans Dax-Ende durchgereicht. Wie das "Handelsblatt" berichtete, deutete Konzernchef Peter Löscher eine Revision der Gewinnprognose an. "Seit Januar ist das Umfeld noch einmal erheblich schlechter geworden", sagte Löscher der Zeitung.

Hochtief bedingt zuversichtlich
Die Hochtief-Aktie gewann bescheidene 0,4 Prozent. Nach der hervorragenden Bilanz für 2008 bremste der vom Baukonzern prognostizierte Auftrags- und Umsatzrückgang die Kauflaune. Im laufenden Jahr will Hochtief immerhin das Ergebnisniveau halten.

Gagfah trotz Gewinneinbruchs gefragt
Die Jahreszahlen von Gagfah kamen gut an. Unterm Strich brach der Gewinn des Immobilienkonzerns um 92 Prozent auf 46,1 Millionen Euro ein. Doch hatten Beobachter mit noch höheren Wertberichtigungen auf die Wohnungsbestände gerechnet. Außerdem überzeugen die hohen liquiden Mittel. Dass der Deutschland-Chef Burkhard Drescher heute überraschend vorzeitig seinen Posten räumte, störte offenbar niemanden.

Tui verspricht bessere Zeiten
Tui ist im vergangenen Jahr noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht als zunächst vermutet. Unter dem Strich lag das Minus des Reisekonzerns bei 121 Millionen Euro. Analysten hatten mit einem Verlust unter 100 Millionen gerechnet. Wegen höherer Synergien im Reisegeschäft und der Erlöse aus dem Verkauf des Hapag-Lloyd-Anteils rechnet der Vorstand für 2009 aber wieder mit schwarzen Zahlen. Der Blick nach vorn half dem MDax-Titel deutlich nach oben.

Conergy-Spekulation hält an
Im TecDax setzte sich der massive Kursanstieg von Conergy bis auf 0,85 Euro fort. Händler verweisen auf anhaltende Spekulationen, wonach der Kurs der Solar-Aktie über die Grenze von einem Euro gebracht werden soll. Erst ab diesem Kursniveau könnte die angeschlagene Gesellschaft eine weitere Kapitalerhöhung durchführen.

Escada-Aktie haussiert
Einen rätselhaften Kurssprung von 40,6 Prozent auf 2,39 Euro legte auch die Escada-Aktie aufs Parkett. Noch am Dienstag hatte die Credit Suisse das Kursziel für den SDax-Titel von 2,94 auf 1,58 Euro gesenkt und auf den kurzfristigen Liquiditätsbedarf des defizitären Modeunternehmens verwiesen. Ob von den entsprechenden Kreditverhandlungen positive Nachrichten durchgesickert sind?

Patrizia schafft Refinanzierung
Patrizia ist schon einen Schritt weiter. Hier ist die Refinanzierung eines Ende März fälligen Kredits in Höhe von 530 Millionen Euro geglückt. Daneben meldete die Immobiliengesellschaft allerdings für 2008 einen Verlust von 34,1 Millionen Euro.

Balda tiefer in Rot
Die Balda-Aktie stand unter Druck. Der Handyzulieferer hat trotz Umsatzzuwächsen 2008 seinen Verlust von 2,8 auf 14,2 Millionen Euro ausgeweitet. Für dieses Jahr schließt der Vorstand einen Umsatzeinbruch nicht aus. Das operative Ergebnis werde sich aber voraussichtlich verbessern.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr