Zittern, was das Zeug hält

Detlev Landmesser

Stand: 07.02.2008, 21:10 Uhr

Welch ein Wechselbad: Mehrmals machten sich die US-Indizes ins Plus auf, um dann wieder zurückzufallen. Der deutsche Aktienmarkt stand dagegen den ganzen Tag über unter Druck.

Rund eine Stunde vor Handelsschluss notierten die großen US-Indizes leicht im Minus, nachdem sie zeitweise kräftig im Plus gelegen hatten. Der L-Dax ging mit 6.801,77 Punkten aus dem Handel, womit sich das Tagesminus auf 0,15 Prozent verringerte.

Zunächst hatten ein enttäuschender Ausblick von Cisco Systems und schwache Umsatzzahlen des Einzelhändlers Wal-Mart die Kurse belastet. Dazu kam ein neues Schwächesignal vom amerikanischen Immobilienmarkt. Die Zahl der noch nicht abgeschlossenen Hausverkäufe sank im Dezember gegenüber dem Vormonat um 1,5 Prozent. Von Thomson Financial befragte Volkswirte hatten mit einem Anstieg um 0,5 Prozent gerechnet. Die so genannten "schwebenden Hausverkäufe" gelten als ein wichtiger Frühindikator für den US-Immobilienmarkt.

Auch die Pressekonferenz von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet war nicht nach dem Geschmack der Börsianer: Trichet sprach weiterhin von "Aufwärtsrisiken bei den Preisen" - die EZB zögert also nach wie vor, den Leitzins zu senken. Wie erwartet, hatten die Währungshüter den Leitzins zuvor unverändert bei 4,00 Prozent belassen.

Deutsche Bank behauptet sich

In Deutschland waren die Zahlen der Deutschen Bank das Hauptthema, die insgesamt gut ankamen. Am Nachmittag konnte sich der Dax-Titel wieder ins Plus retten. Im Schlussquartal 2007 hatte der deutsche Branchenprimus 970 Millionen Euro verdient, im Gesamtjahr 6,5 Milliarden Euro. Beide Werte lagen über den Erwartungen. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte zudem keine bösen Überraschungen in der Bilanz wegen der Subprime-Krise zu vermelden. Die Dividende soll um 50 Cent auf 4,50 Euro je Aktie erhöht werden.

Was dem Markt weniger gefiel, waren die Warnungen Ackermanns vor neuen Belastungen für die Finanzbranche. Die derzeitigen Probleme bei den US-Kreditversicherern könnten für die Finanzmärkte zu einem "Tsunami" vergleichbar mit der Subprime-Krise werden, sagte Ackermann. Er gehe davon aus, dass die Kreditkrise noch sechs bis neun Monate anhalte.

Ackermann beflügelt Postbank
Stärkster Titel im Dax war einmal mehr die Postbank. Der Finanztitel setzte seine kleine Sonder-Hausse fort, nachdem Ackermann Gesprächsbereitschaft zu einer Übernahme des Instituts signalisiert hatte.

Qimonda verdirbt Infineon-Bilanz
Über sieben Punkte Minus im Dax gingen auf das Konto der Infineon-Aktie. Nach einer Reihe von Herabstufungen wurde der Titel zeitweise mehr als 19 Prozent unter Vortagesniveau gehandelt. Der Chipkonzern hat im ersten Quartal einen Verlust von 396 Millionen Euro eingefahren, deutlich mehr als im Vorjahr (minus 280 Millionen Euro). Die schlechten Geschäfte bei der Speicherchip-Tochter Qimonda waren dafür hauptverantwortlich.

BMW startet verhaltener ins Jahr
Der rekordverwöhnte Autobauer BMW hat zum Jahresauftakt weniger Autos verkauft. Der weltweite Absatz ging im Januar auf 92.629 Fahrzeuge der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce zurück, das sind 1,6 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. BMW geht aber davon aus, dass die Markteinführung des 1er Cabrio und des Luxus-Geländewagens X6 in den nächsten Monaten Schwung in die Verkaufszahlen bringen wird.

Neue Gerüchte um Norddeutsche Affi
Übernahmegerüchte sind derzeit fast der einzige denkbare Kurstreiber. Im MDax setzte sich im Verlauf die Aktie der Norddeutschen Affinerie an die Spitze. Wie das Wirtschaftsmagazin "Format" in seiner am Freitag erscheinenden Ausgabe berichtet, soll der russische Oligarch Wladimir Potanin ein Übernahmeangebot für die größte europäische Kupferhütte erwägen. Nach Gerüchten in deutschen Investmentbanker-Kreisen sei Potanins Minengigant Norilsk Nickel angeblich bereit, 35 Euro pro Aktie zu zahlen.

Kuka-Aktie dreht ins Minus
Die Aktie von Kuka konnte sich nur vorübergehend im Plus halten und rutschte dann deutlich ab. Dabei hat der Maschinenbauer sein Betriebsergebnis 2007 deutlich verbessert. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) kletterte auf 70,4 Millionen Euro, das ist mehr als vier Mal so viel wie im Jahr zuvor. Analysten hatten im Schnitt ein Ebit von 69 Millionen Euro erwartet. Der Umsatz legte um 10,5 Prozent auf 1,29 Milliarden Euro zu, etwas weniger als erwartet. Laut einem Händler hatten einige Anleger auf eine noch höhere Prognose und genauere Angaben zur Höhe der Dividende gehofft.

Douglas kommt voran
Nur verhaltene Begeisterung lösten auch die Zahlen von Douglas aus. Dank eines guten Auslandsgeschäfts und gestützt durch Zukäufe hat der Parfüm- und Buchhändler sein Ergebnis vor Steuern im ersten Geschäftsquartal 2007/08 von 139,2 auf 140,2 Millionen Euro gesteigert. Der Umsatz legte in den letzten drei Monaten des Jahres 2007 um 5,6 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro zu.

Solar-Fantasie entweicht
Wieder verloren die Solarwerte im TecDax deutlich. Am stärksten unter Druck stand erneut die Aktie von Conergy, die nach schwachen Geschäftszahlen bereits am Mittwoch heruntergeprügelt worden war.

Auftragssegen für Nordex
Auch die Nordex-Aktie geriet in den Sog, obwohl der Windkraftanlagenbauer einen neuen Großauftrag über 350 Millionen Euro meldete. Das entspricht 30 Prozent des Auftragseingangs des gesamten Jahres 2007. Der dänische Großkunde Greentech Energy Systems habe 135 Turbinen mit einer Nennleistung von 330 Megawatt bestellt, teilte das Hamburger Unternehmen mit. 55 davon sollen in zwei Windparks in Italien zum Einsatz kommen. Sie sollen größtenteils im kommenden Jahr geliefert werden. Über die Lieferung weiterer 80 Turbinen schloss Nordex mit Greentech einen Rahmenvertrag ab.

Carl Zeiss macht sich unbeliebt
Beim Medizintechnik-Hersteller Carl Zeiss Meditec sorgte ein rückläufiges operatives Ergebnis im ersten Geschäftsquartal für zweistellige Kursverluste. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) ist im Auftaktquartal 2007/08 um 14,2 Prozent auf 14,5 Millionen gesunken, teilte das Unternehmen mit.

Balda-Aktie bricht ein
Im SDax fiel die Balda-Aktie mit einem Absturz von bis zu 31 Prozent auf. Der Handy-Zulieferer hatte für 2008 ein Vorsteuerergebnis von 35 Millionen Dollar in Aussicht gestellt. Die Konzerngruppe soll im begonnenen Jahr auf einen Umsatz von 600 Millionen Dollar kommen. Detaillierte Ergebnisse für 2007 will Balda am 19. März veröffentlichen.

Vivacon-Spekulation verfliegt
Am späten Nachmittag gab es Klarheit über die strategischen Absichten von Vivacon - womit zwischenzeitliche Übernahmespekulationen verflogen. Das Immobilienunternehmen meldete die Übernahme von 80 Prozent der Anteile am Gebäudeverwalter Curanis, ohne Angaben zum Kaufpreis zu machen. Der SDax-Titel rutschte daraufhin ins Minus, nachdem er zwischenzeitlich um fast neun Prozent zugelegt hatte. Die Spekulationen waren aufgekommen, nachdem das Unternehmen kurzfristig eine Strategie-Pressekonferenz am Freitag anberaumt hatte.

Broker meistern die Krise
Wie zu erwarten war, haben die Onlinebroker Comdirect und Sino von den Börsenturbulenzen im Januar profitiert. Bei Comdirect wurden 1.026.293 Wertpapierorders ausgeführt nach 595.289 im Vormonat. Das betreute Kundenvermögen fiel dabei von 20,37 auf 19,14 Milliarden Euro. Bei Sino wurden im Januar 167.486 Trades abgewickelt, eine Steigerung von 38,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat und die zweithöchste Orderzahl in der Unternehmensgeschichte.

Süss gnädig behandelt
Das ehemalige TecDax-Mitglied Süss Microtec wartete mit vorläufigen Geschäftszahlen für 2007 auf. Zwar schrumpfte der Umsatz um 6,4 Prozent auf 146 Millionen Euro, und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 16 auf 5,9 Millionen Euro. Anleger hatten aber offenbar noch schlechtere Zahlen erwartet, denn die Aktie schlug sich gut.

OHB will weiter wachsen
Der Prime Standard geführte Technologiekonzern OHB will im laufenden Jahr sowohl Umsatz als auch Ergebnis um 30 Prozent steigern. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen nach vorläufigen Zahlen 220 Millionen Euro erlöst und vor Steuern und Zinsen ein Ergebnis von 17 bis 18 Millionen Euro erreicht.

Agrarboom beflügelt Syngenta
Rasantes Wachstum verzeichnet der weltgrößte Agrarchemie-Konzern Syngenta. Der Reingewinn kletterte im Jahr 2007 auf 1,11 Milliarden Dollar, ein Zuwachs von 75 Prozent. Den Umsatz steigerte der in Basel ansässige Konzern um 15 Prozent auf 9,24 Milliarden Dollar.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 24. September

Unternehmen:
Manchester United: Q4-Zahlen, 8:00 Uhr
Total: Strategie-Update, 8:00 Uhr
Roche: Business-Update, 17:00 Uhr
Nike: Q4-Zahlen, 22:15 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Großhandelspreise 8/18, 8:00 Uhr
USA: FHFA-Index 7/18, 15:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 09/18, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Hong Kong/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen