Marktbericht 20:05 Uhr

Dax schlingert erheblich Zittern und Bibbern um VW

Stand: 29.09.2015, 20:05 Uhr

Die Anleger am deutschen Aktienmarkt bleiben extrem nervös. Das sorgt für viel Hektik im Dax. Vor allem das Drama um den Autobauer VW drückt weiter kräftig die Stimmung. Auch heute kamen die VW-Nachrichten im Minutentakt. Eine war dabei besonders markant.

Denn der Wolfsburger Autobauer ruft fünf Millionen Fahrzeuge der Marke VW in die Werkstätten zurück. Betroffen sind Fahrzeuge, in die der Dieselmotor EA 189 eingebaut ist. Am Nachmittag erklärte die spanische Tochter Seat, es seien 700.000 Fahrzeuge dieser Marke betroffen. VW erklärte sich derweil bereit, Subventionen in Spanien zurückzuzahlen, wie das spanische Industrieministerium bekannt gab. Die Konzernmarke Porsche erklärte derweil, man sei nicht betroffen. Morgen tagt das Präsidium des Aufsichtsrats, um über die Folgen der Abgaskrise Krise zu beraten.

Die im Dax enthaltene VW-Vorzugsaktie war damit erneut diejenige mit dem höchsten Nachrichtenwert. Sie schwankte zwischen dem neuen Jahrestief bei 94,36 Euro und dem Tageshoch bei 101,45 Euro. Am Ende stand ein Minus von 4,13 Prozent auf 95,20 Euro - damit lag das Papier hinter dem Tagesverlierer Fresenius am Dax-Ende. VW-Stammaktien, die nur zu gut zwölf Prozent im Streubesitz sind, gaben 3,55 Prozent nach.

Dax löst sich vom Jahrestief

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Immerhin bis auf 9.536 Punkte war es im Handelsverlauf im Tageshoch im Dax wieder bergauf gegangen, nachdem der Leitindex am Vormittag bei 9.325 Zählern ein neues Jahrestief markiert hatte. Der Index beendete den Handel nach einem uneinheitlichen Nachmittagsgeschäft bei 9.450 Zählern, ein Verlust von 0,35 Prozent. Neben VW sorgen sich die Anleger weiter kräftig um die Lage in China sowie die uneinheitliche Tendenz an der Weltleitbörse in New York. "Die Nervosität ist extrem hoch, entsprechend sind die Ausschläge", sagte ein Händler.

Wall Street ohne klare Richtung

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Die US-Märkte leiden weiter unter dem Zick-Zack-Kurs der Notenbank in der Zinspolitik sowie den Sorgen um ein Ende des China-Booms. Der Leitindex Dow Jones kämpft aktuell mit der Marke von 16.000 Punkten und hat dabei schon des Öfteren das Vorzeichen gewechselt hat. Positiv aufgenommen wurde jedoch ein über den Erwartungen liegendes Verbrauchervertrauen im September. Der Index des privaten Conferene Board lag bei 103 Punkten, erwartet worden waren nur 96,1 Zähler. Das habe die Hoffnung geschürt, dass die weltgrößte Volkswirtschaft eine Zinserhöhung noch in diesem Jahr besser als bislang befürchtet wegstecken könnte, sagte ein Börsianer.

EZB nach schwachen Preisdaten im Blick

Geldpolitische Fantasie und damit Rückenwind für den Aktienmarkt könnte sich hierzulande aus den neuesten Inflationsdaten der Eurozone ergeben. In Spanien sanken die Verbraucherpreise im September nämlich im Jahresvergleich überraschend deutlich um 1,2 Prozent, Experten hatten nur mit einem Minus von 0,6 Prozent gerechnet. In Deutschland stagniert die Teuerung im Jahresvergleich, hier war ein leichter Anstieg erwartet worden. Im Vergleich zum Vormonat sanken die Preise um 0,2 Prozent. Hauptgrund für den Rückgang der Inflation sind rasant gesunkene Energiepreise.

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 17.00 Uhr

Damit liegt die Inflationsrate weiterhin weit hinter dem angestrebten Ziel der EZB von 2,0 Prozent zurück. Sinken die Preise auf breiter Front, sprechen Fachleute von einer konjunkturschädlichen Deflation. In einem solchen Fall halten sich die Konsumenten mit ihren Ausgaben zurück, während die Firmen wegen einer Nachfrageflaute die Produktion einschränken und Mitarbeiter entlassen.

Euro erholt sich vom Tief

Auch am Devisenmarkt ist die Geldpolitik derzeit das beherrschende Thema. In den USA scheint die Notenbank Fed zwar auf eine erste Zinsanhebung nach der Finanzkrise zuzusteuern; allerdings erwarten Marktteilnehmer mehrheitlich eine Zinsanhebung erst im Dezember. Am Freitag wird in Amerika der wichtige Arbeitsmarktbericht für den September erwartet, der auch am Aktienmarkt für Bewegung sorgen dürfte.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Die gute Stimmungslage in Europa hat der Gemeinschaftswährung jedenfalls heute nicht wirklich geholfen. Der Euro, der zwischenzeitlich unter die Marke von 1,12 Dollar gefallen war, konnte sich im Verlauf aber leicht erholen und liegt aktuell bei 1,1241 Dollar. Der Economic Sentiment Indicator (ESI) stieg im September um 1,5 Punkte auf 105,6 Punkte, wie die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel mitteilte. Dies ist der höchste Wert seit Juni 2011. Volkswirte hatten nur 104,1 Punkte erwartet. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,1204 (Montag: 1,1170) Dollar festgesetzt.

RWE und Eon mit NRW-Fantasie

Zu den stärksten Dax-Werten im Dax gehörten die Versorger-Titel. Armin Laschet (CDU), Oppositionsführer in Nordrhein-Westfalen, hat staatliche Hilfen für RWE ins Spiel gebracht, mit denen der Konzern die Kosten des Atomausstiegs bewältigen soll. Es sei keine vorausschauende Politik, "RWE das Geschäftsmodell wegzunehmen und den ganzen Konzern vor die Wand zu fahren".

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Neuer Umsatz für die Post?

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Gut im Rennen lag auch die "Aktie Gelb", die drei Prozent zulegte. Die Deutsche Post plant nämlich für das kommende Jahr die nächste Preiserhöhung. Das berichtet zumindest die "Bild"-Zeitung. Demnach soll das Porto für Standardbriefe zum 1. Januar von 62 Cent um 13 Prozent auf dann 70 Cent steigen. Die Deutsche Post wollte die Preiserhöhung gegenüber der Zeitung nicht bestätigen. Ein Sprecher verwies auf eine noch anstehende "Entscheidung der Bundesnetzagentur über die künftigen Rahmenbedingungen der Preisgestaltung". Erst im Januar hatte der ehemalige Staatsmonopolist das Briefporto schon angehoben.

Gesundheitsaktien nicht gefragt

Aktien der Fresenius-Familie, von Merck und Bayer gehörten zu den schwächsten Werten im Dax. Sie folgen damit den US-Märkten, wo es am Vortag besonders Biotech und Pharma-Aktien besonders hart getroffen hatte. Hier machten sich - wie bereits am Freitag vergangener Woche - Äußerungen der demokratischen Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton sehr negativ bemerkbar. Die ehemalige Außenministerin hatte bei einer Veranstaltung in Iowa einen Plan gegen "Wucher" im Arzneimittelsektor vorgelegt. Aktuell erholt sich die Branche an der New Yorker Börse aber wieder.

Warren Buffett reduziert MüRü-Anteil

Wie die Gesellschaft am Nachmittag bekannt gab, hätten Buffetts Gesellschaften Berkshire Hathaway und National Indemnity Company ihre Anteile von rund 12 Prozent auf 9,7 Prozent reduziert. Buffett war seit fast fünf Jahren mit mehr als zehn Prozent an der Münchener Rück beteiligt. Seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway ist auch selbst im Rückversicherungsgeschäft aktiv. Die MüRü-Aktie reagierte mit Verlusten auf die Nachricht und schloss 1,46 Prozent schwächer.

Axel Springer auf Einkaufstour

Der Medienkonzern Axel Springer baut sein Onlinegeschäft mit der Übernahme der amerikanischen Nachrichten-Website "Business Insider" aus und dringt damit in den US-Markt vor. Springer kauft einen Anteil von 88 Prozent im Wert von 343 Millionen Dollar (rund 306 Millionen Euro) hinzu, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Axel Springer hält bereits neun Prozent und kommt nun auf 97 Prozent. Den Rest hält Amazon-Gründer Jeff Bezos, der 2013 eingestiegen war. Den Anlegern gefiel der Zukauf aber gar nicht, Springer-Aktien waren schwächster MDax-Wert mit einem Tagesverlust von 4,27 Prozent.

SMA Solar traut sich mehr zu

Die Anteilsscheine des Solartechnikkonzerns SMA Solar machten einen gewaltigen Sprung nach oben. Das TecDax-Mitglied hat nach überwiegend enttäuschenden Nachrichten in der Vergangenheit seine Prognose angehoben. SMA rechnet nun mit einem Umsatz von 850 bis 900 Millionen Euro und einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 0 bis 10 Millionen Euro. Bislang hatte SMA Solar von 800 bis 850 Millionen Euro Umsatz und ein Ebit von minus 25 Millionen bis 0 Millionen Euro prognostiziert. SMA verwies auf neue Produkte und niedrigere Kosten.

Pfeiffer Vacuum bekommt neuen Großaktionär

Der Konkurrent Busch-Holding, eine badische Familienholding, hat 15 Prozent der Pfeiffer-Aktien gekauft und will womöglich weiter zukaufen. Allerdings sei nicht geplant, die Marke von 30-Prozent zu erreichen, ab der ein Käufer ein verbindliches Angebot für die gesamte Firma abgeben muss. Busch-Gesellschafter Sami Busch versicherte, eine Übernahme sei nicht geplant. Gleichwohl gilt die Beteiligung als Qualitätsbeweis für Pfeiffer, dessen Kurs zuletzt stark zugelegt hatte. Der Kurs stieg heute bis auf 103,40 Euro, das war der höchste Preis seit zehn Jahren. Der Schlusskurs lag bei 103 Euro, ein Zuwachs von 3,2 Prozent. Die im TecDax notierten Papiere haben in den vergangenen zehn Monaten ihren Wert damit fast verdoppelt.

Dialog dürfte zum Zuge kommen

Der im TecDax notierte deutsch-britische Halbleiterhersteller Dialog Semiconductor kann nun wohl doch den Konkurrenten Atmel kaufen. Das US-Unternehmen Cypress erklärte am Montagabend, zwar jüngst ein Angebot für Atmel vorgelegt zu haben. Inzwischen hat Cypress aber kein Interesse mehr an dem Zukauf. Die Dialog-Aktie die, nach der Ankündigung der Übernahme heftig verloren hatte, stand zunächst erneut unter Drcuk, erholte sich dann aber. Am Ende rückte das Papier 0,76 Prozent vor.

Hornbach Holding bestätigt Gewinnziel

Die Baumarktkette hat in ihrem zweiten Geschäftsquartal prozentual zweistellig zugelegt und damit das schwache erste Quartal hinter sich gelassen. Das Betriebsergebnis (Ebit) stieg um 13,0 Prozent auf 74,4 Millionen Euro, wie der Konzern aus Neustadt an der Weinstraße am Dienstag mitteilte. Den Umsatz konnten die Pfälzer um 6,6 Prozent auf etwas über eine Milliarde Euro steigern. Das Jahresziel für das Geschäftsjahr 2015/16 wurde bestätigt. Erwartet wird ein Umsatzplus im mittleren zweistelleigen Prozentbereich und ein Ebit in etwa auf dem Niveau des Vorjahres von 165 Millionen Euro. Derweil laufen die Vorbereitungen für den geplanten Rechtsformwechsle zu einer KGaA planmäßig, hieß es weiter.

Scout engt Zeichnungsspanne ein

Nach Berichten von Insidern hat Scout seine Zeichnungsspanne für den geplanten Börsengang von bisher 26,50 bis 33 Euro auf 29,50 bis 31,50 Euro eingeengt. Dies sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person am Dienstag der Nachrichtenagentur "Reuters". Anleger können die Aktien noch bis Mittwoch zeichnen, am Donnerstag will der Betreiber der Internet-Kleinanzeigenbörsen ImmobilienScout24 und AutoScout24 sein Debüt an der Frankfurter Börse feiern. Bei hoher Nachfrage könnte der Börsengang bis zu 1,63 Milliarden Euro schwer werden. Verkäufer der Aktien sind die Investoren Hellmann & Friedmann, Blackstone sowie die Deutsche Telekom.

Milliardendeal in der Zigarettenindustrie

Der US-Branchenriese Reynolds verkauft den überwiegenden Teil der Rechte an der Zigarettenmarke Natural American Spirit für rund fünf Milliarden Dollar an den Rivalen Japan Tobacco (JT). Die Rechte für die USA blieben allerdings bei Reynolds, teilte der US-Konzern am Dienstag mit. Mit dem Geschäft will sich Reynolds seine Position auf dem hart umkämpften japanischen Markt sichern.

Google geht in die Produktoffensive

Der Internet-Konzern stellte am Dienstag zwei Smartphones, ein Tablet sowie eine neue Version seines kleines Chromecast-Geräts vor, das Internet-Inhalte auf den Fernseher bringt. Das neue Chromecast Audio soll zudem klassische Hifi-Technik vernetzen. Google will sich damit als Innovator präsentieren.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen