Zinsspekulationen helfen dem Dax

Stand: 27.09.2007, 20:22 Uhr

Positive Nachrichten aus der zuletzt gebeutelten Finanzbranche und die Hoffnung auf weitere Zinssenkungen in den USA haben dem deutschen Aktienmarkt am Donnerstag weiter Auftrieb gegeben. Die 8.000 rückt wieder näher.

Keine 150 Punkte fehlen bis dahin. Der Dax schloss 0,6 Prozent im Plus bei 7.854 Punkten, der L-Dax verlor nur drei Zähler. In den USA war im August die Zahl der Verkäufe neuer Eigenheime unerwartet kräftig gesunken. Dies macht nach Ansicht von Börsianern eine baldige Zinssenkung durch die US-Notenbank (Fed) wahrscheinlicher. Üblicherweise profitieren die Aktienmärkte von einem niedrigeren Zinsniveau.

Finanztitel sind gefragt
Europaweit sorgte in der Finanzbranche ein Medienbericht für Erleichterung, dass sich der US-Milliardär Warren Buffett an der wegen der Immobilienkrise angeschlagenen US-Investmentbank Bear Stearns beteiligen wolle. Das habe die Stimmung gegenüber Finanztiteln verbessert, sagten Händler. Sie verwiesen zudem auf Erwartungen am Markt, wonach in der Finanzkrise das Schlimmste ausgestanden ist. Außerdem erhöhten zahlreiche Analysten ihre Kursziele für Finanztitel.

Die Allianz-Aktie, für die es zudem einen positiven Analystenkommentar gab, legte um 1,9 Prozent zu. Postbank-Titel gewannen 1,7 Prozent. HBOS und Lloyds wurden von Dresdner Kleinwort als "Top-Titel der Branche" bezeichnet und zum Kauf empfohlen. HBOS stiegen daraufhin um über fünf Prozent, Royal Bank of Scotland um 2,3 Prozent. Das zuletzt krisengeschüttelte britische Hypothekeninstitut Northern Rock setzte mit einem Kursanstieg von gut sechs Prozent seinen Aufwärtstrend vom Vortag fort. Die Titel der nach Marktkapitalisierung größten skandinavischen Bank Nordea legten acht Prozent zu. "Eine Reihe von Bankwerten mit einer geringen Belastung durch den US-Subprime-Markt sind im Moment sehr interessant", sagte der Fondsmanager Pierre-Alexis Dumont von OFI Cible.

US-Notenbank gibt neue Finanzspritze
An der Wall Street hält sich der Dow Jones zur Stunde 0,1 Prozent im Plus, der technologielastige Nasdaq Composite liegt 0,3 Prozent über seinem Vortagesschluss.

Derweil pumpt die amerikanische Notenbank (Fed) weiter Geld ins Bankensystem. Sie hat am Donnerstag in vier Einzelaktionen insgesamt 38 Milliarden Dollar (27 Milliarden Euro) temporär zur Verfügung gestellt. Dies geht aus dem von der New Yorker Fed veröffentlichten täglichen Angaben zu temporären Offenmarkt-Operationen vom Donnerstag hervor. Das ist zwar die größte Fed-Liquiditätsspritze seit dem Anfang der durch die Hypothekenprobleme ausgelösten weltweiten Kreditmarktkrise am 10. August. Doch das sei keine alarmierende Entwicklung, meinen Marktbeobachter. Es handele sich vor allem eine zusätzliche Liquiditätsversorgung zum bevorstehenden Quartalsende.

Lufthansa und Siemens treiben
Unter den deutschen Standardwerten schnitten Lufthansa-Aktien am besten ab. Sie setzten sich mit plus 2,7 Prozent an die Dax-Spitze. "Die Aktien haben Nachholbedarf", sagte ein Händler. Neben Allianz und Postbank legten Siemens-Titel deutlich zu. Siemens meldete einen Auftrag. Der Technologiekonzern liefert 62 Windturbinen nach Neuseeland an die staatliche Meridian Energy. Der Wert des Auftrags soll bei 313 Millionen Dollar liegen.

Merck und SAP drücken
Aktien von Merck sanken bis zum Abend um mehr als vier Prozent in die Tiefe bis auf 90,00 Euro. Das US-Pharmaunternehmen Mylan hat den Vorgaben der US-Kartellbehörde FTC im Zusammenhang mit dem Kauf des Merck-Generikageschäfts zugestimmt. Der Preis liegt bei 6,6 Milliarden Dollar. Am Markt hieß es daraufhin, es sei ein etwas höherer Preis erwartet worden. Zudem verweisen einige Händler auf ein Gerücht, wonach die Marge von Merck von 55 auf 40 Prozent fallen soll. Dies sei auf einer Konferenz der UBS gesagt worden.

Die Aktie des Software-Konzerns SAP verliert gut ein Prozent. Am Markt ist ein Gerücht im Umlauf, dass das Unternehmen schwächer als erwartete Zahlen für sein drittes Geschäftsquartal melden könnte. "Ich halte das für Quatsch", sagte ein Börsianer. "Aber es wird darüber geredet und das drückt die Aktie." SAP will die Quartalszahlen am 18. Oktober veröffentlichen.

BMW enttäuscht
Für die BMW-Aktie war der Donnerstag recht kurvenreich. Zunächst freute sich die Börse auf die für den Nachmittag angekündigte neue Langfrist-Strategie des Autobauers. Und insgeheim hoffte man auf eine neue vierte Marke - doch die wird es nicht geben. Wohl aber einige neue Modelle. Neu geplant sind unter anderem ein geländegängiger X1 als kleiner Bruder der erfolgreichen X3 und X5 und eine viertürige sportliche Reise-Limousine (Gran Turismo). Außerdem gab BMW ein Sparprogramm bekannt. Die Aktie büßte ihre starken Gewinne vom Vormittag ein und schloss am Ende sogar mit einem Minus von einem Prozent. Börsianer seien enttäuscht, dass es keinen Aktienrückkauf gibt, sagte ein Händler.

DaimlerChrysler mit neuen Zielen?
DaimlerChrysler-Papiere blieben aber weiter im Plus. Am Markt wird das Gerücht gespielt, dass der Konzern nach einer Aufsichtsrats-Sitzung eine Erhöhung seiner Geschäftsziele melden könnte. Außerdem berufen sich Marktteilnehmer auf ein charttechnisch positives Bild bei der Aktie.

Hornbach gibt Praktiker Kraft
Im MDax begab sich die Praktiker-Aktie mit einem Kursplus von mehr als sechs Prozent an die Indexspitze. Das liegt laut Händlern an den endgültigen Halbjahreszahlen des Rivalen Hornbach. Die Bilanz des Konkurrenten habe keine weitere Verschlechterung des Sektors signalisiert - das sei für Praktiker eine positive Nachricht.

AMB fusioniert Töchter
Nach Xetra-Handelsschluss meldete AMB, man wolle konzernintern die Volksfürsorge Versicherungen mit den Generali Versicherungen fusionieren. Durch den Zusammenschluss sei eine Kostenreduzierung von rund 100 Millionen Euro pro Jahr geplant. Die Aktie baute daraufhin auf dem Frankfurter Parkett ihre Gewinne aus.

Tognum liefert nach Korea
MDax-Wert waren die Anteilsscheine von Tognum mit fast vier Prozent Zugewinn. Der Dieselmotorenhersteller und Index-Neuling liefert 44 Motoren für Koreas Küstenwache im Wert von rund 60 Millionen Euro.

Gute Nachrichten gab es für Südzucker. Die EU hat ihre Zuckermarktordnung nachgebessert. Dadurch dürfte der MDax-Konzern mit geringeren Abgaben belastet werden. Die Aktie steig heute um mehr als drei Prozent. Auch die Papiere des Handelskonzerns Arcandor legten deutlich zu. Das Unternehmen ist beim Verkauf des Versenders Neckermann eigenen Angaben zufolge in die Zielgeraden eingebogen. Arcandor habe mit einem Bieter exklusive Gespräche aufgenommen, sagte ein Sprecher am Donnerstag. Außerdem kündigte Konzernchef Thomas Middelhoff ein starkes drittes Quartal an.

IKB wird verklagt
Morgen wird die in Schieflage geratene Mittelstandsbank IKB ihre Quartalszahlen veröffentlichen. Analysten messen den Daten nur geringe Bedeutung bei. "Ich glaube, dass es wenig Aussagekraft haben wird solange nicht alles auf den Tisch kommt", sagte Andreas Weese von der HypoVereinsbank. Mit neuen Aussagen zum Ausmaß der Krise um das Enagement der Bank auf dem US-Hypothenekmarkt sei aber kaum zu rechnen, solange die Sonderprüfung durch PriceWaterhouseCoopers (PWC) noch laufe. Die IKB hatte ihre Bilanz für die Monate April bis Juni ursprünglich bereits am 14. August vorlegen wollen, den Termin dann aber nach Bekanntwerden ihrer Probleme mit schlecht besicherten US-Hypothekenkrediten (Subprime) auf den 28. September verschoben.

Am heutigen Donnerstag gab es Neuigkeiten anderer Art. So haben knapp 40 Anleger die Bank wegen angeblich falscher Informationen über die US-Immobilienkrise auf Schadenersatz in Millionenhöhe verklagt.

MTU Aero geht leer aus
Im MDax begab sich die MTU-Aktie mit fast vier Prozent Tagesverlust ans untere Index-Ende. Der Triebswerkshersteller hatte eine Offerte für den Konkurrenten Volvo Aero im Volumen von rund einer Milliarde Euro vorbereitet. - und ist damit abgeblitzt. Angeblich hat die schwedische Mutter Volvo einen Verkauf der Sparte angesichts der aktuell guten Branchenkonjunktur abgelehnt.

Auch die Anteilsscheine von MLP kassierten einen Rücksetzer ein. Der Abwärtstrend bei den Aktien des Finanzdienstleisters sei intakt und vor dem Quartalsende wolle kein großer Anleger die Titel im Portfolio haben, sagten Händler zu dem anhaltenden Kursverfall. Es handele sich somit um klassisches "Windowdressing". Es sei seit einiger Zeit ein größerer Verkäufer aktiv, wobei es sich laut Händlern um einen institutionelles Anleger aus London handeln soll.

Die Papiere des Rivalen AWD legten dagegen 3,7 Prozent zu. Börsianer nannten einen Bericht der "Börsen-Zeitung" als Grund. Danach gibt es Startprobleme bei dem Unternehmen Formaxx, das Finanzdienstleistern wie AWD und MLP Konkurrenz machen will. Einem Händler zufolge kommen diese Probleme nicht ganz überraschend, nachdem bereits in der Vorwoche ein Software-Zulieferer von Formaxx abgesprungen sei.

Aixtron will doch keine Dividende zahlen
Im TecDax lagen die Titel von Aixtron, QSC und Ersol vorn. Aixtron stieg wegen Spekulationen über eine mögliche Dividende für 2007. Der Finanzvorstand des Anlagenbauers machte zwar solche Hoffnungen zunichte: Es sehe derzeit eher danach aus, dass Aixtron für das laufende Geschäftsjahr keine Dividende zahlen werde, sagte Wolfgang Breme in einem Gespräch mit Reuters. Die Aktie behielt aber ihre starken Tagesgewinne weitgehend bei. Händler verwiesen auf charttechnische Gründe und die gute Stimmung bei Solarwerten.

Sonnige Zeiten
Ersol legten um rund vier Prozent zu. Das Unternehmen hat von dem Solarmodulhersteller Solar Semiconductor einen Zehn-Jahres-Auftrag erhalten. Dieser hat ein Volumen von rund 126 Millionen Euro.

Manz Automation, ein Maschinenbauer, der vom Boom der Solarindustrie profitiert, legten 19 Prozent zu. Roth&Rau gewannen neun Prozent. Die Credit Suisse hat die beiden Unternehmen mit "Outperform" in ihre Betrachtung aufgenommen.

Dagegen verliert die Aktie von SAG Solarstrom mehr als acht Prozent. Da half auch die PR-Meldung nichts, dass der Systemintegrator zwei neue Kraftwerke in Spanien entwickelt.

Aus dem SDax
Im SDax gehörten die Titel von GfK, Bauer und ElringKlinger zu den größten Gewinnern. Koenig & Bauer legte 1,8 Prozent zu - der Druckmaschinenhersteller hat wegen der anhaltend schwachen Nachfrage nach Maschinen zum Druck von Zeitschriften und Katalogen dieses Segment an den italienischen Konkurrenten Cerutti verkauft. Die Sparte macht etwa fünf Prozent des Konzernumsatzes aus.

Schlusslicht im SDax wurde die Aktie von Escada mit mehr als fünf Prozent Minus - die Quittung für die gesenkte Prognose für das Gesamtjahr 2007. Anleger waren auch mit den Neunmonatszahlen des Modekonzerns unzufrieden.

Einen Abschlag musste auch das Papier von Air Berlin einstecken, das damit zweitschwächster SDax-Wert wurde. Das dürfte wohl mit dem Negativ-Kommentar der Deutschen Bank zusammenhängen, die das Kursziel für die Aktie von 25,00 auf 16,00 Euro senkte. Dies sei eine Reaktion auf die reduzierten Jahresprognosen des Unternehmens nach schwachen Quartalszahlen und der verzögerten LTU-Übernahmegenehmigung, schrieben die Analysten in einer Studie vom Donnerstag. Sie behielten aber ihre "Buy"-Empfehlung bei.

Außerhalb der Indizes fielen Eteleon mit mehr als sechs Prozent Kursplus auf. Offensichtlich fanden die Halbjahreszahlen an der Börse Gefallen. Das Unternehmen meldete deutliche Zuwächse bei Umsatz und Ergebnis.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 16. Juli

Unternehmen:
United Continental: Q2-Zahlen
America Movil: Q2-Zahlen, 22 Uhr

Konjunktur:
China: BIP Q2, 4 Uhr
China: Industrieproduktion, Juni, 4 Uhr
EU:Euro Zone-Handelsbilanz, Eurostat, Mai, 11 Uhr
USA: Empire State Index, Juli, 14:30 Uhr
USA: Einzelhandelsumsatz, Juni, 14:40 Uhr
Sonstiges:
Tokio Märkte wegen eines Feiertags geschlossen