Zinssorgen ade?

von Detlev Landmesser

Stand: 13.06.2007, 20:33 Uhr

Mehr wirtschaftliche Aktivität, und das ohne zusätzlichen Preisdruck: Das ist ganz nach dem Geschmack der Börse. Der Konjunkturbericht der Fed beflügelte am Abend die Wall Street.

SIn dem um 20:00 Uhr veröffentlichten "Beige Book" führten die US-Notenbanker aus, sie hätten im Zeitraum Mitte April bis Mitte Mai insgesamt keinen wachsenden Preisdruck festgestellt. Gleichzeitig sei die amerikanische Wirtschaft weiter gewachsen.

Daraufhin zogen die Kurse an der Wall Street deutlich an, was am Donnerstag auch den deutschen Makrt stützen sollte. Der L-Dax hatte den Tag etwas tiefer bei 7.679,48 Punkten beendet.

Mit ihrem Statement könnte die Fed einen vorläufigen Schlussstrich unter die jüngsten Zinssorgen gezogen haben. Schon zuvor hatten die US-Aktienmärkte vor allem wegen der Erholung am US-Rentenmarkt zugelegt. Die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen fiel zunächst auf 5,23 Prozent zurück, nachdem sie im europäischen Handel auf ein Fünf-Jahres-Hoch von 5,33 Prozent gestiegen war. Dabei ignorierte der Rentenmarkt die jüngsten robusten US-Konjunkturdaten: Sowohl die Entwicklung der Importpreise als auch der Einzelhandelsumsatz im Mai lagen über den Erwartungen.

Der Dow Jones wurde auch von Boeing gezogen. Der Flugzeughersteller hat seine Prognose für das Wachstum des Flugzeugmarkts leicht nach oben geschraubt. Bis zum Jahr 2027 soll der Markt ein Volumen von 2,8 Billionen US-Dollar erreichen.

Telekom kurz vor dem Durchbruch?

Auch die T-Aktie konnte ihr Minus im Verlauf abbauen. Die Deutsche Telekom erwartet eine schnelle Einigung mit der Gewerkschaft Verdi nach dem fast fünfwöchigen Streik wegen des geplanten Unternehmensumbaus. "Ich bin fest entschlossen, dass wir in den nächsten Tagen zu einer Einigung kommen", sagte Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger vor der Wiederaufnahme der Verhandlungen. Sattelberger bekräftigte, die Telekom sei kompromissbereit. Die Telekom will rund 50.000 Mitarbeiter zum 1. Juli in drei neue konzerneigene Gesellschaften versetzen, wo sie für weniger Geld länger arbeiten sollen.

Fantasie für Volkswagen
Die VW-Aktie lag noch besser im Rennen. Händler verwiesen auf Medienberichte, nach denen der Autobauer in seinem US-Geschäft den Verlust im ersten Halbjahr reduzieren wird und ab 2008 Umsatzzuwächse erwartet. Zudem berichtete der "Platow Brief", VW bereite in Schweden das Feld für die bereits oft diskutierte LKW-Allianz. Noch vor Juli sollen Gespräche über einen engeren Zusammenschluss der Nutzfahrzeugaktivitäten von MAN, Scania und VW beginnen.

Goldman Sachs mag Infineon
1,5 Prozent Aufschlag gab es für die Infineon-Aktie. Der Chiptitel wird ab heute auf der "Tech Conviction Buy List" bei Goldman Sachs geführt.

Heideldruck unter Druck
Im MDax verlor die Aktie von Heidelberger Druck 2,6 Prozent. Der Druckmaschinenhersteller erwartet für das laufende Geschäftsjahr nur einen moderaten Umsatzanstieg. Bis 2010 will der weltgrößte Hersteller von Bogendruckmaschinen den Erlös um zehn bis 15 Prozent steigern. Die Dividende will Heidelberger Druck für das abgeschlossene Bilanzjahr auf 95 Cent je Aktie anheben, Analysten hatten mit 99 Cent gerechnet.

Die EADS-Aktie drehte im Verlauf ins Plus. Die Konzerntochter Airbus will ab 2009 jährlich etwa 500 Flugzeuge ausliefern. Beim Großraumflugzeug A380 und beim Langstreckenjet A350 liege man voll im Plan, sagte Airbus-Chef Louis Gallois. In diesem Jahr will der Konzern etwa 440 bis 450 Flugzeuge an die Kunden ausliefern.

Papiere des Maschinenbaukonzerns Gea wurden von einer Analysteneinschätzung belastet. Goldman Sachs senkte die Empfehlung für Gea-Aktien von "Buy" auf "Neutral".

10 Euro Sonderdividende von Freenet?
Besser als der TecDax schnitt die Freenet-Aktie ab. Die drei Großaktionäre Vatas, Drillisch und ACM drängen nach Informationen eines Börsenmagazins auf die Ausschüttung einer Sonderdividende in Höhe von zehn Euro je Aktie. Bisher hatte das Unternehmen eine Sonderdividende von 5,50 Euro in Aussicht gestellt.

Wavelight verspricht die Wende
Das Lasertechnikunternehmen Wavelight hat in den ersten neun Monaten des aktuellen Geschäftsjahres 2006/07 erneut Verluste verzeichnet. Das Ebit betrug minus 1,3 Millionen Euro, der Umsatz verbesserte sich jedoch auf 53,5 Millionen Euro. Angesichts "weitreichender Umstrukturierungsmaßnahmen" will Wavelight das Gesamtjahr mit einem positiven operativen Ergebnis abschließen.

Milliarden-IPO noch im Juni?
Die US-Beteiligungsgesellschaft Blackstone wird offenbar noch in diesem Monat an die Börse gehen. In der Woche ab dem 25. Juni werde der Börsengang stattfinden, wurde aus dem Umfeld beteiligter Banken bekannt. Die Gesellschaft, die unter anderem an der Deutschen Telekom beteiligt ist, will mit dem Börsengang bis zu 4,1 Milliarden Euro einnehmen.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr