Marktbericht 20:00 Uhr

Leitindex kämpft sich wieder ran Zinsperspektiven stützen den Dax

Stand: 18.08.2016, 20:03 Uhr

Das Geld der Notenbanken bleibt auch künftig billig und damit reichlich vorhanden. Diese Aussicht gefiel den Anlegern, die sich zaghaft wieder zurück wagten an den Aktienmarkt. Der Dax hatte allerdings einige Mühe, ehe es dann doch nach oben ging.

Erst rauf, dann runter, dann wieder rauf. Lange Zeit war nicht klar, ob der Dax seine anfänglichen Gewinne würde ins Ziel retten können. Vor allem am frühen Nachmittag bröckelten diese teilweise bedenklich, der Index sackte im Tagestief bis auf 10.548 Punkte ab - nur knapp über den Vortagesschluss bei 10.537 Punkten.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Am Ende setzten sich dann aber doch noch die Bullen durch nach zwei Verlusttagen zuvor. Der Dax schloss 0,6 Prozent höher bei 10.603 Punkten, das Tageshoch lag bei 10.625 Zählern. "Der Anstieg bislang war getrieben von billigem Geld, das wohl auch weiterhin fließen wird", meinte Jochen Stanzl vom Broker CMC Market.

Zinsfantasie contra Euro-Stärke

Letztlich überwogen die Aussichten auf weiter niedrige Zinsen in Amerika die Sorgen über einen wieder erstarkten Euro. "Solange die US-Notenbank im Nebel stochert, kann der Aktienmarkt im Niedrigzins weiterhin Nährboden finden", sagte auch Marktanalyst Niall Delventhal vom Brokerhaus FXCM.

Am Vorabend hatte das Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung keinen Hinweis auf eine unmittelbar bevorstehende Zinserhöhung gegeben. Die US-Notenbanker waren sich uneinig, unmittelbare Hinweise auf einen Zeitpunkt für eine Zinserhöhung gibt es damit auch weiter nicht. Schon das ganze Jahr rätseln die Anleger, wie es mit der US-Geldpolitik weitergeht.

Zuletzt hatte Fed-Banker William Dudley einen Termin im September ins Spiel gebracht. Aussagen dieser Art gab es aber schon des Öfteren, ohne das etwas passiert ist. Der Markt rechnet derzeit mehrheitlich nicht mehr mit einem Zinsschritt in den USA in diesem Jahr.

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 19.00 Uhr

Alle anderen wichtigen Notenbanken haben ihre Geldschleusen ohehin so weit geöffnet wie noch nie. Damit bleibt das Argument der niedrigen Zinsen zunächst der wohl wichtigste und entscheidendste Treiber für die Aktienmärkte, auch wenn es immer mal wieder Rückschläge gibt.

Dow Jones wenig verändert

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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Der US-Leitindex Dow Jones tritt derzeit auf der Stelle und steht derzeit in der Nähe seines gestrigen Schlussstandes von 18.566 Punkten. Damit konsolidiert der Aktienmarkt in Amerika auf hohem Niveau. Bei allen Indizes bleiben die jüngsten Rekordstände aber weiter in Sichtweite. Auch die Wall Street ist dabei, das gestrige Fed-Protokoll zu verarbeiten.

Die bereits vor dem Börsenstart veröffentlichten Konjunkturdaten bewegten kaum. Der Philly-Fed-Index, der die wirtschaftliche Aktivität in der Region Philadelphia misst, war wie erwartet ausgefallen. Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe war etwas stärker gesunken als vorhergesagt. Die Frühindikatoren des privaten Forschungsinstituts Conference Board fielen mit plus 0,4 Prozent im Juli etwas besser aus als erwartet.

Walmart überzeugt

Immerhin beflügelt nach guten Quartalszahlen die im Dow-Jones-notierte Aktie des weltgrößten Einzelhändlers Walmart die Börse. Das Papier legt knapp zwei Prozent zu und ist damit größter Gewinner im Dow.

Euro legt zu

Im Gegenzug sorgte der Euro heute für Sorgenfalten bei den Investoren. Der Preis für die Gemeinschaftswährung stieg in der Spitze auf 1,1339 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit dem Brexit-Votum vom 23. Juni.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Am Devisenmarkt wird die Kursentwicklung ebenfalls mit dem Sitzungsprotokoll der US-Notenbank erklärt. Das drückt den Dollar und beschert Euro-Exporteuren zunehmend Sorgen. Ihre Produkte werden durch den Euro-Anstieg im Dollar-Raum immer teurer. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1321 (Mittwoch: 1,1276) Dollar fest.

Öl immer teurer

Die Ölpreise setzten ihren steilen Anstieg der Vortage zwar fort, dem Markt half das aber zumindest heute nicht. Am Nachmittag legten die Notierungen nochmals kräftig zu. Ein Barrel der US-Sorte WTI kostet mittlerweile über 48 Dollar, Brent steht bei über 50 Dollar. Gestern hatte das US-Energieministerium einen überraschenden Rückgang der Bestände in den USA bekanntgegeben.

"Ein schwächerer US-Dollar und ein unerwartet kräftiger Rückgang der US-Rohöl- und Benzinlagerbestände" seien verantwortlich für den jüngsten Anstieg der Ölpreise, schrieb Eugen Weinberg, Experte bei der Commerzbank. In den USA waren die Rohölreserven nach offiziellen Angaben vom Vortag zuletzt um 2,5 Millionen auf 521,1 Millionen Barrel gesunken. Experten hatten hingegen einen Anstieg erwartet. Zudem heizt die Diskussion um eine Beschränkung der Förderung durch die Opec Spekulationen um eine weitere Preissteigerung an.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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VW droht der Stillstand

Im Dax schließen VW-Vorzüge unverändert, nachdem sie zuvor unter Druck geraten waren. Der Wolfsburger Konzern befindet sich derzeit im Rechtsstreit mit einem Zulieferer, was erhebliche Konsequenzen nach sich ziehen könnte. Denn ohne die notwendigen Getriebeteile aus Sachsen droht die Produktion in zahlreichen deutschen Werken zu ruhen. Der Konzern schließt Kurzarbeit nicht aus, zumal es praktisch keine größere Lagerhaltung mehr gibt.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Gleichzeitig wurde bekannt, dass das Kraftfahrtbundesamt (KBA) die Umrüstung weiterer 140.000 manipulierter Dieselfahrzeuge mit Zwei-Liter-Motor genehmigt hat. Damit wurde vom KBA bereits insgesamt die Umrüstung von 5,2 Millionen Fahrzeugen gebilligt. Weltweit sind elf Millionen Dieselfahrzeuge betroffen, davon 8,5 Millionen in Europa und 600.000 in den USA.

Fusionsfantasien in der Stahlbranche

Titel von ThyssenKrupp gehörten hingen mit plus 3,1 Prozent zu den größten Dax-Gewinnern, vor allem nachdem kurz vor Handelsschluss Fusiosngerüchte mit Salzgitter die Runde machten. Salzgitter dementierte, ThyssenKrupp wollte sich nicht äußern. Die Fusionsgespräche sollen regierungsgeführt gewesen sein.

Das Salzgitter-Papier gewann im MDax ebenfalls kräftig 6,2 Prozent und war damit Tagessieger. Die Branche wurde zudem durch eine Studie der Unternehmensberatung EY bewegt. Danach könnte die hohe Verschuldung vieler Stahlkonzerne in den kommenden Monaten Fusionen und Übernahmen nötig machen.

Gefragt waren auch Papiere der Deutschen Börse, die zum Umtausch angemeldet sind. Der Frankfurter Börsenbetreiber will bekanntlich mit der Londoner Börse fusionieren, was immer wieder für Fantasie sorgt. Allerdings ist die Zustimmung der Aufsichtsbehörden wegen des Brexit-Votums noch fraglich, so dass die Herrlichkeit auch schnell wieder vorbei sein könnte.

Softbank hat Interesse an T-Mobile US

Die T-Aktie stieg mit dem Markt 0,59 Prozent. Die Telekom-US-Tochter T-Mobile US steht laut Bloomberg auf der Kaufliste des Softbank-Gründers Masayoshi Son, was für Interesse gesorgt hatte. Der japanische Investor will weiterhin seinen US-Mobilfunkanbieter Sprint mit T-Mobile US fusionieren.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Bekannt wurde auch, dass T-Mobile US im Kampf um neue Kunden mit einem neuen Tarif die Datenbindung im Internet aufhebt und zudem unbegrenztes Telefonieren und SMS ermöglicht. Flat Rate total, zukünftig wird es keine Verlangsamung der Übertragungsgeschwindigkeiten im Netz mehr geben.

Gea auf Rekordstand

Der Titel des Anlagenbauers legte 2,75 Prozent zu und schloss bei 49,34 Euro unter Tageshoch freundlich. Mit 50,17 Euro wurde sogar ein neues Allzeithoch markiert. Aktueller Nachlass der Kauflaune ist eine Hochstufung der Aktie durch Analysten der kanadischen Investmentbank RBC Capital. Die bessere Gewinndynamik des Unternehmens sei noch nicht eingepreist.

Siltronic haussieren

Übernahmespekulationen haben die Aktie des Halbleiterspezialisten aus dem TecDax kräftig angeschoben. Am Ende des Tages stand ein kräftiges Plus von 12,53 Prozent auf der Anzeigetafel. Damit lag die Aktie unangefochten an der Spitze des deutschen Technologieindex. Der taiwanesische Konkurrent GlobalWafers hatte am Morgen die Übernahme von SunEdison für 683 Millionen Dollar angekündigt.

Sixt gut vermietet

Die Aktie des Autovermieters stieg im SDax um 3,65 Prozent. Sixt profitiert weiter von guten internationalen Vermietgeschäften. Vor Steuern (Ebt) lag das Ergebnis im zweiten Quartal neun Prozent höher bei 50,8 Millionen Euro. Der operative Umsatz, also ohne Erlöse aus dem Leasingverkauf, kletterte um 11,5 Prozent auf 538,2 Millionen Euro.

Zooplus will noch mehr Plus

Zooplus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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138,00
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Eine Steigerung des Umsatzes im laufenden Jahr auf "mindestens 900 Millionen Euro" kann sich der Tierbedarfs-Händler 2016 vorstellen. Im ersten Halbjahr legten die Erlöse schon einmal um 29 Prozent auf 428,4 Millionen Euro zu. Vor Steuern verdiente das SDax-Unternehmen 5,1 Millionen Euro, nach 3,6 Millionen im Vorjahr.

Singulus schreibt wieder schwarze Zahlen

Der angeschlagene Maschinenbauer sendet ein Lebenszeichen aus. Unter anderem dank eines 110 Millionen Euro schweren Großauftrags aus China für eine Anlage zur Herstellung von Solarmodulen blickt das Unternehmen aus Kahl am Main wieder optimistischer nach vorne.

Singulus, das Maschinen für die Herstellung von DVDs und Blue Rays sowie von Halbleitern und Solarzellen herstellt, weist für das erste Halbjahr einen Sanierungsgewinn von 29 Millionen Euro aus (hauptsächlich aus der erfolgreichen Restrukturierung einer Anleihe) nach zwölf Millionen Verlust im Vorjahr. Operativ bleibt man aber in defizitär. Das Ebit lag bei minus neun Millionen Euro und damit nur geringfügig besser als im Vorjahr.

Da immer mehr Menschen Filme über das Internet herunterladen und keine Scheiben mehr kaufen, steckt das Unternehmen in Schwierigkeiten. Der Großauftrag wird sich erst in späteren Berichtsperioden niederschlagen, im Halbjahresbericht ist er noch nicht berücksichtigt.

Nestlé mit Wachstumsschwäche

Der Schweizer Konsumgüter-Konzern wächst wegen geschwächter Nachfrage auf dem chinesischen Markt mit 3,5 Prozent langsamer als zuletzt. Weiterhin wird konzernweit aber 2016 ein Umsatz von 4,1 Milliarden Franken erwartet. Der Gewinn ging um 400 Millionen auf 4,1 Milliarden Franken zurück. In Kürze nimmt Ex-Fresenius-Chef Ulf Schneider auf dem Chefsessel Platz. Ex-Chef Paul Bulcke, der in den Verwaltungsrat wechselt, mahnte bereits höhere Synergieeffekte, mehr Dynamik und weniger Selbstzufriedenheit an.

rm

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr