Marktbericht 20:10 Uhr

Gegenwind aus den USA Zinsängste ziehen Dax nach unten

Stand: 19.05.2016, 20:10 Uhr

Lange war es still, nun ist es wieder aufgewacht: das Zinsgespenst. Die Fed hat Spekulationen auf eine Zinserhöhung im Sommer angeheizt. Die Anleger reagierten verschreckt. Der Dax ging auf Talfahrt. Zusätzlich belastete der Kurssturz von Bayer.

Die mögliche Verbindung von Aspirin und Glyphosat bereitete den Anlegern am Donnerstag Kopfschmerzen. Das geplante Übernahmeangebot für den US-Saatgutriesen Monsanto drückte die Aktien von Bayer um acht Prozent nach unten auf ein Zweieinhalbjahres-Tief von 88,51 Euro. Anleger befürchten, dass sich Bayer neues Kapital aufnehmen muss, um den Hersteller des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat zu schlucken.

Dax unter 9.800 Punkten

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.066,41
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-1,58%

Das deutliche Minus von Bayer machte über die Hälfte der Kursverluste im Dax aus. Der deutsche Leitindex sackte um 1,5 Prozent ab und schloss erstmals seit Mitte April wieder unter 9.800 Punkten. Gegenwind kam von der Wall Street. Der Dow gab zeitweise um über ein Prozent nach und gab seine Jahresgewinne ab. Inzwischen hat er sich wieder etwas gefangen und notiert noch 0,7 Prozent tiefer.

Zinserhöhung möglicherweise schon im Juni

Anleger zeigten sich besorgt über die baldige drohende Straffung der US-Geldpolitik. "Vieles spricht für eine Zinserhöhung im Juni", meinte am Donnerstag Fed-Mitglied Jeffrey Lacker. Ähnlich äußerte sich der einflussreiche US-Notenbanker William Dudley, Präsident der Fed of New York. Ein erneutes Anheben der Leitzinsen wäre im Juni oder Juli möglich, "falls die konjunkturelle Entwicklung meinen Erwartungen entspricht", sagte er. Das am Mittwochabend veröffentlichte Protokoll der letzten Fed-Sitzung hatte zuvor schon die Spekulationen über eine Zinsanhebung im Sommer überraschend angeheizt. Eine Mehrheit im geldpolitischen Ausschuss bezeichnete einen solchen Schritt als "wahrscheinlich angemessen".

Euro und Gold billiger

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1372
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+0,04%

Die Aussicht auf die zweite Zinserhöhung seit Dezember 2015 schob den US-Dollar an. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, legt um bis zu 0,3 Prozent zu. Der Euro rutschte zeitweise auf unter 1,12 Dollar, den tiefsten Stand seit Ende März. Auch der Goldpreis gab am Donnerstag nach. Die Feinunze verbilligte sich um gut ein Prozent auf 1.244 Dollar.

Schlechte Signale aus Philadelphia

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 20.15 Uhr

Die neuesten Konjunkturdaten aus den USA lieferten jedoch keine Signale für eine baldige Zinsanhebung. Der viel beachtete Konjunkturindikator Philly Fed trübte sich nämlich stärker ein als erwartet. Der Index der regionalen Notenbank fiel von minus 1,6 Punkten im März auf minus 1,8 Punkte im April. Volkswirte hatten mit einem Anstieg auf plus 3,0 Punkte gerechnet. Der Philly-Fed-Index misst die wirtschaftliche Aktivität in der Region Philadelphia. Ein Wert unter null signalisiert einen Rückgang der wirtschaftlichen Aktivitäten.

Ölpreise sinken

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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62,30
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-6,48%

Der starke Dollar belastete die Ölpreise. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete am frühen Abend nur noch 47,58 Dollar - das ist ein Rückgang von fast vier Prozent gegenüber dem Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI fiel um über ein Dollar auf 47,02 Dollar. Eine starke US-Währung verteuert Rohöl außerhalb des Dollar-Raums und bremst so die Nachfrage. Zudem verwies die Commerzbank auf die Hoffnung, dass die verheerenden Waldbrände in der kanadischen Ölprovinz Alberta endlich unter Kontrolle gebracht werden könnten. Meteorologen sagen Regenfälle in Alberta voraus.

Merck ragt positiv heraus

Star des Tages im Dax war Merck. Mit einem Plus von fast fünf Prozent standen die Aktien ganz oben in der Gunst der Anleger. Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern ist unter anderem dank der 17 Milliarden- Dollar schweren Rekordübernahme des US-Laborausrüsters Sigma Aldrich mit viel Schwung ins neue Geschäftsjahr gestartet. In der Nacht wurde noch bekannt, dass Merck von der US-Gesundheitsbehörde FDA eine beschleunigte Prüfung des Hautkrebsmedikamentes Avelumab nach guten Studienergebnissen zugesagt wurde.

Deutsche-Bank-Chefkontrolleur verteidigt sich

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,15
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-4,80%

Die Bank-Aktien profitierten von der Hoffnung auf höhere Zinsen. Die Titel der Deutschen Bank stiegen um 1,3 Prozent, die Papiere der Commerzbank um 1,1 Prozent. Auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank, über die boerse.ARD.de direkt berichtete, zeigte sich Aufsichtsratschef Paul Achleitner zuversichtlich, dass "die Deutsche Bank in die richtige Spur gekommen ist". Die Kritik der Aktionäre an ihm wies der Chefkontrolleur zurück und lehnte einen Rücktritt ab. Er wolle über 2017 hinaus auf seinem Posten bleiben.

Saubere Zahlen von Henkel

Der Düsseldorfer Konsumgüterkonzern ist etwas besser als erwartet ins neue Jahr gestartet und bestätigt zudem seine Jahresprognose. Die Erlöse legten im ersten Quartal um 0,6 Prozent zu, das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) lag mit 751 Millionen Euro über den Analystenschätzungen von 731 Millionen Euro. Die Aktie schloss nach einer Berg- und Talfahrt leicht im Plus.

Lufthansa-Chef warnt vor Brexit

Der neuerliche Flugzeugabsturz einer Egyptair-Maschine auf dem Weg von Paris nach Kairo belastete die Airline-Aktien. Die Titel der Lufthansa gaben über ein Prozent nach. Hinzu kommt die Brexit-Angst. Ein Austritt Großbritanniens aus der EU könnte sich negativ auf die Luftfahrtbranche auswirken, erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. "Ich bin sicher, der Brexit würde zu einer Reduzierung des europäischen Wachstums führen, und das führt zu einer Nachfragereduzierung auch beim Kunden."

Daimler senkt Prognose für Lkw-Sparte

Im späten Handel geriet die Aktie von Daimler stärker unter Druck. Der Autokonzern gab am Abend eine Gewinnwarnung für die Lkw-Sparte aus. Die Sparte erwarte für 2016, dass das Ergebnis vor Zinsen und Steuern aus dem laufenden Geschäft sowie der Absatz "deutlich unter den sehr guten Vorjahreswerten" liegen werden.Die seit Monaten schwierige Lage in den globalen Lkw-Märkten habe sich in den vergangenen Wochen weiter verschärft, warnte Daimler. Zudem muss der Autobauer wegen des Airbag-Debakels beim Zulieferer Takata seine Rückrufe in den USA und Kanada ausweiten.

Vorsicht Dividende!

Zu beachten war, dass die Aktien der Deutsche Post (0,85 Euro), von Evonik (1,15 Euro) und von Compugroup (0,35 Euro) heute mit Dividendenabschlag gehandelt wurden.

Saure Aussichten von Südzucker

Aus der zweiten Reihe meldete Südzucker seine Zahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr 2015/16 (per Ende Februar): Das Betriebsergebnis (Ebit) konnte um ein Drittel auf 241 Millionen Euro gesteigert werden. Vor allem bei der Bioethanoltochter Cropenergies lief es gut. Für das laufende Geschäftsjahr peilt Südzucker Erlöse zwischen 6,4 bis 6,6 Milliarden und ein operatives Ergebnis von 250 Millionen Euro an. Analysten hatten sich im Durchschnitt einen Tick mehr erhofft. Die Aktien büßten knapp ein Prozent ein.

Wirecard-Anleger machen Kasse

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
129,60
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-5,81%

Der Zahlungsverkehrsabwickler hat endgültige Zahlen für das erste Quartal vorgelegt. Vor allem das Online-Shopping beflügelte das Geschäft. In den ersten drei Monaten wickelte Wirecard 12,8 Milliarden Euro ab - 35 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Bereits Ende April hatte Wirecard Eckdaten vorgelegt. Die Aktie verlor rund zwei Prozent. Anleger nahmen Gewinne mit.

Telefonica Deutschland herabgestuft

Die rote Laterne im TecDax ging an Telefonica Deutschland. Goldman-Sachs-Analyst Andrew Lee hat das Papier von "Neutral" auf "Sell" herabgestuft und sein Kursziel von 5,10 auf 5,00 Euro reduziert. Lee sieht kurz- und langfristige Risiken für das Mobilfunkunternehmen. So überhole das deutsche Festnetzgeschäft dank neuer Breitbandtechnologien beim Wachstum den Mobilfunk, schrieb der Experte. Bei diesem Trend sei Telefonica Deutschland, zu dem E-Plus und O2 gehören, schlecht aufgestellt.

Halloren will Preise erhöhen

Hohe Einkaufspreise für den Rohstoff Kakao drückten auf die Bilanz des Schokoladenherstellers Halloren. Im ersten Quartal 2016 lag der Verlust vor Steuern bei 1,2 Millionen Euro. Der Umsatz des Kerngeschäfts stieg aber leicht auf 24,88 Millionen Euro. Wegen knapper Rohstoffe bei gleichzeitig hoher Nachfrage geht Halloren davon aus, dass Preiserhöhungen zwingend notwendig seien. Die im Entry Standard der Frankfurter Börse notierte Aktie gab bei geringem Umsatz nach.

Thomas Cook auf Drei-Jahres-Tief

Der drastische Buchungsrückgang für Reisen in die Türkei, nach Ägypten und Tunesien setzt dem britischen Reisekonzern Thomas Cook zu. Im ersten Halbjahr 2015/16 stagnierte der Umsatz bei 2,67 Milliarden Pfund. Für das Sommer-Geschäft zeigte sich Thomas Cook vorsichtig. Der Anbieter von Neckermann Reisen und Öger Tours rechnet für das gesamte Geschäftsjahr nur noch mit einem bereinigten operativen Ergebnis von 310 bis 335 Millionen Pfund. Das liegt am unteren Ende der Markterwartungen. Prompt brachen die Aktien von Thomas Cook um fast 20 Prozent auf ein Drei-Jahres-Tief ein..

Gute Aussichten bei Cisco

Die Cisco-Aktie war nach besser als erwartet ausgefallenen Zahlen für das erste Geschäftsquartal (Februar bis April) nach Börsenschluss an der Nasdaq gefragt und legte rund fünf Prozent zu. Der Netzwerkausrüster berichtete insbesondere über eine gute Nachfrage nach Sicherheitslösungen für Computernetze und gab zudem einen optimistischen Ausblick für das laufende Quartal. Das traditionelle Geschäft schrumpfte allerdings um fünf Prozent.

Walmart besser als erwartet

Der US-Einzelhändler Walmart überraschte mit seinen Quartalszahlen positiv. Die Erlöse stiegen um fast ein Prozent auf 115,9 Milliarden US-Dollar. Der Überschuss ging um knapp acht Prozent auf 3,1 Milliarden Dollar zurück. Die Aktien schossen um neun Prozent nach oben und waren größter Gewinner im Dow.

Tesla erhöht das Kapital

Der Elektroautobauer teilte nach Börsenschluss mit, dass er sich mittels einer Kapitalerhöhung im Volumen von zwei Milliarden Dollar frisches Geld beschaffen will. Tesla will mit dem Geld sein neues Modell schneller auf den Markt bringen. Mit dem für 35.000 Dollar vergleichsweise günstigen "Model 3" will Tesla in den Massenmarkt einsteigen und berichtet über eine gute Nachfrage. Die Tesla-Aktie notiert leicht im Plus.

nb

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat