Marktbericht 20:11 Uhr

Euro-Erholung und Unklarheit über Fed-Kurs Zeit für Gewinnmitnahmen

von Notker Blechner

Stand: 17.03.2015, 20:11 Uhr

Einen Tag vor der mit Spannung erwarteten Zinssitzung der Fed haben Anleger Kasse gemacht. Im Sog des stärkeren Euros unterbrach der Dax seine rasante Rekordjagd und fiel unter 12.000 Punkte. Händler sprachen von einer gesunden Korrektur.

Fällt der Euro, steigt der Dax. Steigt jedoch der Euro, fällt der Dax. Dies zeigte sich mal wieder am Dienstag. Die Erholung der europäischen Gemeinschaftswährung auf rund 1,06 Dollar drückte den Dax nach unten. Er sackte um 1,5 Prozent auf knapp 11.981 Punkten ab. Die Luft nach dem gestrigen Sprung über die psychologisch wichtige Marke von 12.000 Punkten ist erst mal raus.

"Gesunde Korrektur"

Börsianer zeigten sich erleichtert. "Das ist eine mehr als gesunde Korrektur", meinte FXCM-Analyst Jens Klatt. Es sei inzwischen Zeit für Gewinnmitnahmen, sagten Händler.  Seit Jahresbeginn ist der Dax um über 2.000 Punkte oder rund 24 Prozent nach oben geschossen und hat fast täglich neue Rekorde aufgestellt.

Anleger schalten Gang zurück

Der EuroStoxx 50 musste ebenfalls Federn lassen. Der Leitindex der Eurozone verlor knapp ein Prozent auf 3.672 Punkte.  Die Märkte hätten nach der wochenlangen Rekordjagd den Korrekturmodus eingeschaltet, meinten Händler. Auch an der Wall Street ging es abwärts. Der Dow stand zwei Stunden vor Handelsende 0,6 Prozent im Minus. Der marktbreite S&P-500-Index sank um 0,5 Prozent auf 2070,92 Punkte.

Bleibt die Fed geduldig?

Anleger hielten sich vor der Zinssitzung der Fed am Mittwoch zurück. Investoren sind gespannt, welche Wortwahl die US-Notenbank wählt. Wird in der Abschlusserklärung der Passus gestrichen, die Fed könne die Zinswende "geduldig" angehen, droht womöglich schon im Frühsommer die erste Zinserhöhung. Dann könnte es mit dem Börsen-Höhenflug fürs erste vorbei sein. Allerdings rechnen die meisten Experten auch dann nicht mit einem Kurssturz. "Jeder Rücksetzer wird von denen genutzt, die die Party bis jetzt an sich vorbeiziehen haben sehen", meint Analyst Klatt.

Frostiger Winter bremst US-Baukonjunktur

Nach den jüngsten ernüchternden Konjunkturdaten und dem Dollar-Anstieg sieht es freilich nicht nach einer rascheren Zinserhöhung aus. Wegen des frostigen Winters brach im Februar die US-Baukonjunktur ein. Die Zahl der neu begonnen Wohnungen schrumpfte um 17 Prozent auf annualisiert 897.000 Einheiten. Das ist das niedrigste Niveau seit Januar 2014. Ökonomen hatten nur einen leichten Rückgang erwartet.

ZEW-Index steigt langsamer

In Deutschland hingegen haben sich die Konjunkturerwartungen aufgehellt. Der ZEW-Index stieg auf 54,8 Punkte. Volkswirte hatten freilich mit einem noch stärkeren Anstieg auf 58,2 Zähler gerechnet. Trotzdem stoppte der Euro seine Talfahrt. Seit Ende Februar hat der Euro zum Dollar fast zehn Cent eingebüßt.

Niedrigerer Ölpreis beflügelt Lufthansa

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Im Dax gab es nur zwei Gewinner: die Lufthansa und Eon. Die Lufthansa-Aktier profitierte vom erneiuten Rückgang der Ölpreise. Die Nordseeöl-Sorte Brent verbilligte sich um rund zwei Prozent auf 52,75 Dollar je Barrel. Zudem trieben Aussagen von Konzernchef Carsten Sphor die Aktie an. Er sagte, die Lufthansa sei für neue Partnerschaften offen. Der Pilotenstreik am Mittwoch ließ die Anleger relativ kalt. Dier Lufthansa-Aktien sind zuletzt dem Dax deiutlich hinterhergehinkt.

Eon-Aktionäre können Dividende teils in Aktien tauschen

Der Kurs von Eon legte ebenfalls leicht zu. Der Versorger bietet in seiner Einladung zur Hauotversammlung den Aktionären an, einen Großteil ihrer Dividende in Aktien des Unternehmens einzutauschen. In diesem Fall würden nur 14 Cent der angekü+ndigten Ausschüttung von 50 Centb je Aktie bar auisgezahlt. Die Hauptversammlung findet am 7. Mai in Essen statt. Die Telekom hat mit dem Tausch von Dividenden in Aktien gute Erfahrungen gemacht.

RWE entdeckt das Solargeschäft neu

Der RWE-Konzern baut derweil sein Geschäft mit erneuerbaren Energien aus. Die Essener stiegen beim Solaranlagenbauer Conergy ein. Über eine Kapitalerhöhung habe der Energieriese eine Minderheitsbeteiligung erworben, teilte der Conergy-Mutterkonzern Kawa Capital mit. Insgesamt fließen Conergy 45 Millionen Dollar zu. RWE will am weltweiten Solarboom teilhaben, der derzeit vor allem außerhalb Europas stattfindet.

UBS zieht Daimler nach unten

Schlusslicht im Dax war Daimler - wegen der UBS. Das Schweizer Geldhaus hat Daimler von "Neutral" auf "Sell" abgestuft, das Kursziel aber von 67 auf 85 Euro angehoben. Der Autobauer sei wieder zurück auf dem deutschen Auto-Thron, doch seien bereits sämtliche positiven Aspekte in der mehr als großzügigen Bewertung berücksichtigt.

Lanxess wechselt Finanzchef

Bei Lanxess geht derweil das Stühlerücken im Vorstand weiter. Ein Jahr nach dem Wechsel an der Unternehmensspitze tauscht der Spezialchemie-Konzern auch den Finanzchef aus. Bernhard Düttmann räumt seinen Posten zum 1. April. Nachfolger wird Michael Pontzen. Am Donnerstag präsentiert Lanxess seine Jahresbilanz.

Deutsche Bank bleibt global

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Bei der Deutschen Bank zeichnet sich scheibchenweise die mit Spannung erwartete neue Strategie ab. Auf einer Bankenkonferenz in Frankfurt deutete Co-Chef Anshu Jain an, das das Geldhaus eine globale Bank mit einem starken Investmentbanking bleiben werde. Eine Fokussierung auf den deutschen Heimatmarkt sei keine Option. Entscheidungen über eine Abspaltun des Privatkunden-Geschäfts ist insidern zufolge bislang nicht gefallen. Derweil kündigte der neue EU-Finanzmarkt-Kommissar Jonathan Hill ein baldiges Ende der Regulierungswelle an.

Hugo Boss ohne Permira

Im MDax gehörte die Hugo-Boss-Aktie zu den größten Verlierern mit einem Minus von über drei Prozent. Der Finanzinvestor Permira steigt bei Hugo Boss komplett aus und bietet 8,4 Millionen Aktien entsprechend einem Anteil von rund zwölf Prozent institutionellen Investoren zum Kauf an. Laut Bloomberg lag der geforderte Preis bei 112,50 bis 113 Euro je Anteilsschein.

Ausblick von Leoni überzeugt nicht

Die von Leoni in Aussicht gestellte höhere Dividende konnte der Aktie keinen Auftrieb geben. Im Gegenteil: sie büßte gut drei Prozent ein. Der Ausblick sorgte für Enttäuschung: Der Kabelspezialist investiert 2015 die Rekordsumme von 240 Millionen Euro.

Dividenden-Coup von Wacker Chemie

Der Spezialchemiekonzern und Halbleiter-Zulieferer Wacker Chemie will die Dividende nach einem robusten Jahr verdreifachen. Je Aktie sollen für das abgelaufene Jahr 1,50 Euro ausgeschüttet werden. Analysten hatten im Schnitt deutlich weniger erwartet. Für das laufende Jahr zeigte sich der Konzern zudem optimistisch. Dennoch büßte die Aktie gut zwei Prozent ein.

Kurssprung von Stabilus

Aus der Dax-Familie ragte Stabilus hervor. Mit einem Plus von über sieben Prozent war die Aktie größter SDax-Gewinner. Großaktionär Triton platziert 4,2 Millionen Aktien bei institutionellen Investoren Der Preis betrug 28,635 Euro pro Aktie. Damit erhöht sich der Streubesitz von Stabilus auf 99 Prozent.

Rekordjahr von Sixt

Deutschlands größter Autovermieter Sixt hat im vergangenen Jahr mehr Geld verdient als je zuvor. Unterm Strich blieb ein Rekordgewinn von 110 Millionen Euro - das sind 16,5 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Aktionäre sollen deshalb für 2014 mehr Dividende bekommen. Die Aktie verlor knapp zwei Prozent.

Celesio verdient operativ weniger

Der Pharmahändler Celesio hat im Geschäftsjahr 2014 ein Umsatzplus von 4,3 Prozent auf 22,3 Milliarden Euro erzielt. Das bereinigte Ebit ging um 3,0 Prozent zurück auf 410,9 Millionen Euro. Das von McKesson beherrschte Unternehmen schüttet eine Garantiedividende von 0,83 Euro aus. Die Celesio-Aktie verlor rund ein Prozent.

Asian Bamboo: Insolvenzanträge gestellt

Die Asian-Bamboo-Aktie ist einer der größten Wertvernichter auf dem Frankfurter Parkett. Nun haben zwei Gläubiger Insolvenzanträge für die Gesellschaft gestellt. Asian Bamboo hingegen betonte, man habe genügend Mittel, um alle offenen Forderungen zu begleichen. Man wolle den Vorgang unter allen rechtlichen Aspekten prüfen.

Apple kommt im Herbst mit Online-TV-Dienst

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Apple will laut dem "Wall Street Journal" seinen Online-TV-Dienst in den USA, über den schon seit Jahren spekuliert wird, schließlich im kommenden Herbst starten. Es gehe dabei um ein Angebot aus etwa 25 Fernsehkanälen. Es solle über die Box Apple TV sowie auf iPhones und iPads verfügbar sein.

American Airlines bald im S&P 500

Die Gruppe um die US-Fluggesellschaft American Airlines wird ab Freitag nach Handelsschluss im renommierten US-Aktienindex S&P 500 zu finden sein. American Airlines ersetzt das Pharmaunternehmen Allergan, das voraussichtlich am Dienstag vom Konzern Actavis erworben werden soll. Die Aktien von American Airlines ziehen am Dienstag um sieben Prozent an.

Tagestermine am Donnerstag, 22. November

Unternehmen:
RemyCointreau: Halbjahreszahlen, 7.30 Uhr
Jost Werke: Neun-Monats-Zahlen
Siemens Healthineers: Geschäftsbericht.

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise 10/18, 00:30 Uhr
EU: Acea, Nutzfahrzeugzulasssungen 10/18, 8:00 Uhr
EU: EZB-Sitzungsprotokoll v. 25.10.2018
EU: Verbrauchervertrauen 11/18 (vorab), 16:00 Uhr.

Sonstiges:
USA: Feiertag (Thanksgiving), Börse geschlossen.