Zaghafter Start in die neue Börsen-Woche

Notker Blechner

Stand: 12.04.2010, 20:03 Uhr

Wie gewonnen, so zerronnen: Nach einem starken Auftakt hat der Dax am Nachmittag seine gesamten Kursgewinne wieder abgegeben. Die Anleger warten vor Beginn der US-Quartalsberichtssaison ab. Gefragt waren vor allem Finanztitel - dank des EU-Notfallplans für Griechenland.

Der Höhenflug des Dax ist vorerst gestoppt. Der deutsche Leitindex trat zum Wochenauftakt auf der Stelle und schloss bei 6.250 Punkten. Im späten Parketthandel ging es um sechs Zähler leicht nach oben. Der L-Dax schloss bei 6.256 Punkten - im Sog der leicht anziehenden US-Börse. Am Vormittag hatte der Dax noch ein neuerliches 19-Monats-Hoch bei 6.285 Punkten erreicht.

Die Börsianer sind unschlüssig, ob der Dax noch weiter Potenzial nach oben hat. Während manche Händler die Zeit für eine Konsolidierung gekommen sehen, glauben andere an weiter anziehende Kurse. Denn die Risikofreude am Aktienmarkt ist wieder deutlich gestiegen, hat der Stimmungsbarometer Sentix in seiner wöchentlichen Umfrage festgestellt. Trotz Skepsis der Investoren dürften die Kurse weiter steigen, glaubt Sentix-Analyst Manfred Hübner.

Alcoa eröffnet US-Berichtssaison

Die weitere Richtung an den Aktienmärkten dürfte von den Quartalszahlen der US-Firmen bestimmt werden. Am Abend nach Börsenschluss der Wall Street läutet traditionell der Aluminium-Konzern Alcoa die Berichtssaison ein. Dann geht es Schlag auf Schlag: Nach Alcoa legen in dieser Woche Intel, Google, General Electric sowie JP Morgan Chase ihre Zahlen vor. Experten erwarten viele positive Überraschungen, da es zuletzt kaum Gewinnwarnungen gegeben hatte. Freilich: Die erwarteten guten Zahlen könnten bereits in den Börsenkursen eingepreist sein.

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
22,70
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Infineon hebt Prognose an, Anleger nehmen Gewinne mit
Für eine erste Überraschung sorgte am Nachmittag Infineon. Der Chip-Konzern schraubte seine Prognose für das zweite Quartal 2009/10 nach oben. Der Umsatz in den ersten drei Monaten des Jahres dürfte zehn Prozent über dem Niveau des Vorquartals liegen, kündigte Infineon an. Bisher war bestenfalls eine stagnierende Umsatzentwicklung angepeilt worden. Auch für das gesamte Geschäftsjahr stellte Infineon eine erneute Anhebung der Prognose in Aussicht. Händler sprachen von starken Zahlen und einem erfreulichen Ausblick. Trotzdem drehte die Aktie nur kurzzeitig ins Plus. Zum Xetra-Ende notierte sie mit 3,4 Prozent im Minus und war Dax-Schlusslicht. "Die Aktie ist gut gelaufen, da nehmen einige Anleger gute Nachrichten zum Anlass für Gewinnmitnahmen", erklärte ein Händler.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,57
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Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,27
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Erleichterung über Griechenland-Hilfspaket
Gefragt waren dagegen vor allem Finanztitel. Allianz war mit einem Plus von 0,8 Prozent größter Dax-Gewinner, Commerzbank und Deutsche Bank legten um 0,5 Prozent zu. Die Einigung der EU auf konkrete Hilfen für Griechenland sorgte für Auftrieb. Die deutschen Banken gehören zu den wichtigsten Gläubigern Griechenlands. Laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) steht das Mittelmeerland bei deutschen Geldinstituten mit insgesamt 43,2 Milliarden Euro in der Kreide. Das Rettungspaket für Griechenland verringere die Risiken auch für Europas Großbanken, meinte am Nachmittag Unicredit-Chef Allesandro Profumo in einem Fernseh-Interview.

Aus Freude über die Einigung auf das Rettungspaket für Griechenland stieg die europäische Gemeinschaftswährung zeitweise auf den höchsten Stand seit drei Wochen. In der Spitze kletterte der Euro im frühen Handel bis auf fast 1,37 Dollar, pendelte sich im Tagesverlauf aber wieder bei unter 1,36 Dollar ein.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
79,39
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+0,14%

BMW trotzt Auto-Absatzflaute
Neben Banken- und Versorger-Titeln ragte auch die Aktie von BMW positiv heraus. Sie gewann 0,75 Prozent. Der Premium-Autobauer hat im März 12 Prozent mehr Autos verkauft, vor allem in China. Selbst in Deutschland schafften die Münchener ein kleines Absatzplus. Vertriebschef Ian Robertson kündigte an, dass der Autobauer auch im zweiten Quartal beim Absatz zulegen werde. Die Analysten der Citigroup sehen deshalb weiteres Kurspotenzial für die BMW-Aktie. Sie hoben ihr Kursziel für die Papiere des Autobauers von 40 auf 48 Euro an. Ihre Anlageempfehlung beließen sie auf "Buy".

Merck-Minus täuscht
Auf der Verliererseite standen unter anderem die Aktien von Merck KGaA. Das aber war nur eine optische Täuschung. Denn die Titel wurden am Montag ex Dividende gehandelt. Der Pharma- und Chemiekonzern schüttet 1,00 Euro je Aktie aus. Klammert man die Dividendenzahlung aus, notierte Merck sogar im Plus.

Gerüchte um BASF
Bei BASF brodelte mal wieder die Gerüchteküche. Händler sprachen von Spekulationen, wonach BASF an einer Übernahme des Spezialchemie-Herstellers Cognis interessiert sei. Erste Gespräche hätten bereits stattgefunden. Es bestehe jedoch die Gefahr, dass BASF einen zu hohen Preis bezahlen könnte. Der Wert von Cognis wird auf 2,7 bis 3,0 Milliarden Euro geschätzt.

BASF äußerte sich dazu nicht. Der Chemie-Konzern gab stattdessen eine Restrukturierung des Pigment-Geschäfts bekannt. Einzelne Anlagen sollen geschlossen, einige Produkte verbannt werden. 500 der 2.900 Arbeitsplätze in diesem Bereich werden abgebaut. Die BASF-Aktie erholte sich bis zum Xetra-Ende von ihren Kursverlusten und schloss fast unverändert.

Mobilfunkfrequenzen werden versteigert
In Mainz begann am Montag die bislang größte Auktion von Funkfrequenzen in Deutschland. Die vier deutschen Handybetreiber T-Mobile, Vodafone, E-Plus und Telefonica O2 buhlen um das zur Versteigerung anstehende Paket. In der ersten Runde legte die Telefonica-Tochter O2 das höchste Gebot von 15 Millionen Euro vor, in der zweiten und dritten Runde überbot E-Plus O2 um rund zwei Millionen Euro. Die Versteigerung geht am Dienstag weiter. Experten rechnen nicht mit einem schnellen Ende der Auktion. Wie schon bei der UMTS-Auktion vor zehn Jahren vergibt die Bundesnetzagentur die freien Frequenzen an den Meistbietenden. Seinerzeit spülte die Versteigerung über 50 Milliarden Euro in die Staatskassen. So viel Geld dürfte es diesmal bei weitem nicht werden. Die Aktien der Auktionäre notierten am Montag mit Ausnahme von Telefonica allesamt höher. Die T-Aktie legte 0,4 Prozent zu.

Hugo Boss hat ehrgeizige Pläne
Harte Unternehmens-Nachrichten waren am Montag Mangelware. Zu den Ausnahmen zählte Hugo Boss. Der Modehersteller versprach auf seiner Bilanzpressekonferenz, in diesem Jahr wieder einstellig wachsen zu wollen. Im Krisenjahr 2009 waren Umsatz und Gewinn deutlich geschrumpft. In den kommenden fünf Jahren will Hugo Boss mit zusätzlichen eigenen Läden und einer verstärkten Expansion nach Asien noch kräftiger zulegen und bis 2015 den Umsatz um 60 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro steigern. Die Anleger blieben skeptisch: die Aktie verlor mehr als ein Prozent und zählte zu den größten MDax-Verlierern.

HeidelbergCement: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
69,84
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Zahlreiche Aktien von HeidelCement platziert
Ähnlich schwach entwickelten sich die Aktien von HeidelbergCement, die rund 1,5 Prozent einbüßten. Laut Händlern haben die Commerzbank und die Unicredit über vier Millionen Aktien des Zementherstellers am Markt platziert. Da half es auch nichts, dass sich HeidelbergCement in der Presse zuversichtlich geäußert hatte, mit seinen Gläubigerbanken günstigere Konditionen auszuhandeln.

Analysten entdecken Koenig & Bauer neu
Kräftig nach oben ging es dagegen erneut mit den Aktien von Koenig & Bauer. Die Titel des Druckmaschinenherstellers waren im SDax mit Abstand der größte Gewinner mit einem Plus von über fünf Prozent und erreichten ein 19-Monats-Hoch. Die Papiere profitierten von Heraufstufungen aus der vergangenen Woche. Die Analysten der NordLB und der DZ Bank hatten die Aktie zum Kauf empfohlen.

Delticom auf Rekordhoch
Auch die Aktie von Delticom war zu Wochenbeginn nicht zu stoppen. Sie schnellte nach optimistischen Aussagen von Finanzchef Frank Schuhardt auf ein Rekordhoch von bis zu 34,80 Euro. Schuhardt hatte in einem Interview mit der "Wirtschaftswoche" gesagt, der Umsatz sei in den ersten Monaten 2010 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 20 Prozent gestiegen. Damit stiegen die Chancen, dass Delticom seine Ziele für das laufende Jahr übertreffen wird, schrieb ein Analyst in einem Kommentar.

Ifa Hotel & Touristik auf Erholungstrip
Um über zehn Prozent kletterten die Aktien von IFA Hotel & Touristik nach oben auf fast vier Euro. Der Hotelbetreiber hat 2009 seinen Verlust auf minus 0,5 Millionen Euro reduziert - nach einem Fehlbetrag von 11,4 Millionen Euro im Vorjahr. Als Grund für das negative Ergebnis nannte der Ifa-Konzern die nicht fortgeführte Geschäftstätigkeit in Italien.

Beate-Uhse-Aktien kommen wieder hoch
Positiv nahmen die Börsianer auch die Quartalszahlen von Beate Uhse auf. Die Aktien stiegen um über zwei Prozent. Zwar leidet der Erotikkonzern unter dem Preisverfall bei Sexfilmen, doch trotz Umsatzeinbußen konnte der Konzern sein Ergebnis mit 2,2 Millionen Euro auf dem Vorjahresniveau halten. Nun will sich Beate Uhse verstärkt auf Frauen und Paare ausrichten.

Karstadt bald gerettet?
Einen Freudensprung machte die Arcandor-Aktie: sie kletterte um rund acht Prozent nach oben - wenn auch auf einem niedrigen Kursniveau von 15 Cent. Die Gläubiger der insolventen Warenhauskette Karstadt haben am Nachmittag den Insolvenzplan zur Rettung des Unternehmens gebilligt. Damit ist der Weg frei für den Einstieg eines Investors. Mögliche Interessenten sollen ihre Angebote bis Freitag kommender Woche (23. April) vorliegen. Von sechs Interessenten seien mit einem Kandidaten bereits sehr intensive Gespräche geführt worden, hieß es auf der Gläubigerversammlung. Die Chancen für den Erhalt von Karstadt und der 25.000 Jobs sind somit deutlich gestiegen.

Rohwedder wird liquidiert
Dagegen ist die Uhr für den Automatisierungsspezialist Rohwedder endgültig abgelaufen. Das insolvente Unternehmen werde liquidiert, teilte Rohwedder am Montag mit. Der Geschäftsbetrieb könne mit den vorhandenen finanziellen Mitteln nicht dauerhaft aufrecht erhalten werden. Die Rohwedder-Aktie brach um rund 50 Prozent auf einen neuen Tiefstand von 31 Cent ein.

UBS

UBS: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
12,99
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UBS wieder auf der Gewinnspur
Aus dem Ausland meldete sich die Schweizer Großbank UBS mit überraschend starken vorläufigen Quartalszahlen zu Wort. Demnach hat die Bank im ersten Quartal 2010 einen voraussichtlichen Gewinn vor Steuern in Höhe von mindestens 2,5 Milliarden Franken erwirtschaftet - nach einem Verlust von zwei Milliarden Franken (1,3 Milliarden Euro) im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Gleichzeitig sind die Nettoneugeldabflüsse in der Vermögensverwaltung weiter zurückgegangen. Die Aktie stieg um über drei Prozent.

Palm zu verkaufen
Heiß begehrt waren am Montag Palm-Aktien. Sie stiegen um über 18 Prozent auf über vier Euro. Der Smartphone-Hersteller, der Marktanteile verliert und rote Zahlen schreibt, stellt sich laut einem Medienbericht selbst zum Verkauf. Der taiwanesische Rivale HTC und der chinesische Computerhersteller Lenovo sollen Interesse signalisiert haben.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr