Zaghafte Hoffnung auf Krisenlösung

Stand: 19.10.2011, 20:02 Uhr

Die Hoffnung auf Bewegung in der europäischen Schuldenkrise hat den Börsen heute ins Plus verholfen. Allerdings bleiben die Gewinne äußerst moderat.

Nach einem nervösen Auf und Ab zwischen 5.874 und 5.977 Punkten beendet der Dax den elektronischen Handel 0,6 Prozent höher als gestern bei 5.913. Der Late-Dax, der sich gestern kräftig um 1,3 Prozent hervorgewagt hatte, schließt heute nahezu unverändert bei 5.899 Punkten.

Dementis aus Berlin und Brüssel über eine Einigung auf eine billionenschwere Aufstockung des EFSF-Rettungsschirm sorgten am Nachmittag für einen deutlichen Dämpfer. Ein Sprecher von Finanzminister Wolfgang Schäuble hatte am Nachmittag betont, dass die Obergrenze des Rettungsschirms bei 440 Milliarden Euro bleiben werde. Darauf halbierte der Dax seine Gewinne auf nur noch 0,6 Prozent, nachdem er zuvor 1,2 Prozent höher notiert hatte bei 5.953 Punkten. Auch drückten das enttäuschende Quartalsergebnis von Apple und die Herunterstufung Spaniens durch die Ratingagentur Moody's auf die Stimmung.

Die Ankündigung eines Blitzbesuches von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy in Frankfurt, wo Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso den scheidenden EZB-Chef Jean-Claude Trichet verabschieden, stützte die Kurse im späten Geschäft aber. Auch gute Konjunkturdaten aus den USA, wo im September mehr Wohnbaubeginne gemeldet werden als erwartet, wurden positiv aufgenommen

Aktienstratege Markus Reinwand von der Helaba sprach von einer ausgesprochen stark politisch geprägten Börse." Alles drehe sich darum, wie mit der Schuldenkrise umgegangen werden soll.

US-Börsen verlieren an Schwung
Gestützt wird der Dax auch von den US-Börsen. Dort sind die Standardwerte nach der ersten Handelsstunde ins Plus gedreht. Positiv aufgenommene Quartalszahlen von Morgan Stanley sorgten für eine leicht positive Stimmung, sagten Marktteilnehmer. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow Jones-Index aber nur noch 0,2 Prozent höher bei 11.602 Punkte.

Auch der Euro notiert im Tagesverlauf niedriger und rutscht knapp unter die Schwelle von 1,38 Dollar. Der Goldpreis kann übrigens von der Verunsicherung der Anleger in der Euro-Schuldenkrise nicht profitieren. Das Edelmetall verbilligte sich am Mittwoch um 0,5 Prozent auf 1650 Dollar je Feinunze - seit Wochenbeginn hat der Preis 1,7 Prozent verloren.

Morgan Stanley rechnet sich schön
Nur ein Recheneffekt hat der US-Investmentbank Morgan Stanley im dritten Quartal zu einem Milliardengewinn verholfen. Morgan Stanley schrieb 3,4 Milliarden Dollar auf die eigenen Verbindlichkeiten ab, weil deren Marktpreise fielen. Dadurch erreichte die Bank einen Nettogewinn von 2,2 Milliarden Dollar. Ein Jahr zuvor hatte ein gegenläufiger Effekt die Bank noch in die Verlustzone abrutschen lassen. Im Handel, dem Investmentbanking und der Vermögensverwaltung musste Morgan Stanley wie die Konkurrenten erhebliche Einbußen hinnehmen.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,66
Differenz relativ
+0,12%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,50
Differenz relativ
-1,04%

Bankaktien an der Spitze
Die Hoffnung auf eine Rettung Griechenlands treibt die Papiere von Commerzbank und Deutscher Bank an die Dax-Spitze mit Aufschlägen von mehr als fünf Prozent. Auch die Papiere der Allianz sowie der im MDax notierten Aareal Bank steigen überdurchschnittlich. Damit reagieren die Papiere auf die Hoffnung auf eine Einigung der Schuldenkrise auf dem EU-Gipfel am kommenden Wochenende.

Porsche bleibt zuversichtlich
Porsche-Chef Matthias Müller sieht auf die gesamte deutsche Autoindustrie trotz aufziehender Wolken am Konjunkturhimmel gute Jahre zukommen. Die deutschen Hersteller hätten "alle Trümpfe in der Hand, um den absehbaren weltweiten Mobilitätsboom ganz wesentlich mitzugestalten". "Konjunkturelle Auswirkungen können die Entwicklung zwar vorübergehend einbremsen", sagte Müller heute bei einem Automobilkongress in Nürtingen. "Auf längere Sicht stehen die Signale aber klar auf Wachstum."

United Technologies hebt Prognose an
Der US-Mischkonzern United Technologies ist auch im dritten Quartal unbeirrt gewachsen. Das Unternehmen hob seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr an. Der Umsatz kletterte um neun Prozent auf 14,8 Milliarden Dollar, der Gewinn je Aktie erreichte wie erwartet 1,32 Dollar. Im Gesamtjahr dürfte der Gewinn je Aktie nun 5,47 Dollar betragen, statt 5,35 bis 5,45 Dollar.

Software AG überzeugt die Anleger
Zweistellig zulegen kann die Aktie der Software AG. Das im TecDax notierte Darmstädter Unternehmen hat im dritten Quartal besser gewirtschaftet als erwartet. Trotz eines minimalen Umsatzrückgangs konnte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 69,1 Millionen Euro auf 71 bis 73 Millionen Euro verbessert werden.

Singulus mit Ergebnisswing
Eine ebenfalls überdurchschnittliche Zuwachsrate verzeichnet die Aktie von Singulus. Der Spezialmaschinenbauer hat in den ersten neun Monaten 2011 mit 121,8 Millionen Euro bereits mehr umgesetzt als im vergangenen kompletten Geschäftsjahr. Das Ebit lag bei plus 6,3 Millionen Euro nach einem Vorjahresminus von 13,1 Millionen Euro. Das TecDax-Mitglied bestätigt zudem seine Jahresprognose.

SAF Holland kommt gut an
Kräftig bergauf geht es auch mit der im SDax notierten Aktie des LKW-Zulieferers SAF Holland. Im dritten Quartal konnte das Unternehmen seinen Umsatz um 22 Prozent auf rund 209 Millionen Euro steigern. Das bereinigte Ebit kletterte auf 14,9 Millionen Euro von 11,4 Millionen, eine Verbesserung um 31 Prozent. Alle drei Geschäftsfelder haben zu der Entwicklung beigetragen. SAF-Holland bestätigt seine Erwartung, in diesem Jahr ein Umsatzplus von bis zu 25 Prozent zu erreichen. Das Ergebnis wird sich ebenfalls deutlich verbessern.

American Airlines weiter in den Miesen
Kursverluste von mehr als fünf Prozent muss dagegen die American Airlines-Mutter AMR verzeichnen. Hohe Spritpreise und Währungsschwankungen machen dem Unternehmen weiter zu schaffen. Die drittgrößte US-Fluggesellschaft verzeichnete im dritten Quartal einen Verlust von 162 Millionen Dollar nach einem Gewinn von 143 Millionen Dollar vor einem Jahr. Damit kommt die Nummer drei der Branche nach United Continental und Delta nicht aus den roten Zahlen heraus, in denen der Konzern bereits seit mehreren Quartalen steckt. Der Umsatz lag bei 6,4 Milliarden Dollar. Analysten hatten mit einem besseren Ergebnis gerechnet.

Blackstone steigt bei Leica ein
Der Finanzinvestor Blackstone steigt beim Traditionsunternehmen Leica ein. Die Blackstone Group soll eine Minderheitsbeteiligung von 44 Prozent an dem Kamera-Hersteller übernehmen und damit die internationalen Expansionspläne des Unternehmens unterstützen, wie Leica am Mittwoch im mittelhessischen Solms mitteilte. Das Unternehmen will seine Geschäfte auf neue Märkte ausweiten.

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier