Marktbericht 20:25 Uhr

"Zinserhöhung angemessen" Yellen bremst Börsen-Höhenflug

Stand: 27.05.2016, 20:25 Uhr

Sell in May and go away? Von wegen. Der Dax hat auf Wochensicht fast vier Prozent zugelegt und dürfte den Wonnemonat im Plus beenden. Am Freitag ging's gemächlicher zu. Erst am Abend sorgte die Fed-Chefin für Bewegung.

Janet Yellen, Präsidentin der US-Notenbank, hat die Märkte auf eine baldige Zinserhöhung vorbereitet. Wahrscheinlich sei eine geldpolitische Straffung "in den kommenden Monaten angemessen", sagte Yellen am Freitag an der Harvard University in Cambridge. Das Wachstum in den Vereinigten Staaten scheine anzuziehen und sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt weiter zu verbessern, sagte Yellen. Falls das Wachstum weiter anziehe und die Lage am Arbeitsmarkt sich wie von ihr erwartet weiter verbessere, seien schrittweise und vorsichtige Schritte nach oben angebracht.

Dow gibt Gewinne ab

Yellen ließ indes offen, ob sie eine Erhöhung im Juni oder erst im Juli oder September anvisiert. Händler schätzten nach der Yellen-Rede die Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung bei 34 Prozent. Die Reaktion an der Wall Street war verhalten: Der Dow gab seine moderaten Gewinne wieder ab. Der marktbreite S&P 500 und die Nasdaq behaupteten sich im Plus.

Dax rettet sich ins Plus

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Vor der Rede Yellens waren die Anleger auch in Europa wie gelähmt. Der Dax pendelte um seinen Vortagesschluss, schaffte dann aber doch ein kleines Plus von 0,1 Prozent. Die Wochenbilanz fällt dafür um so beeindruckender aus: der deutsche Leitindex hat seit Montag 3,7 Prozent gewonnen. Der EuroStoxx50 verbuchte ein ähnlich starkes Plus von knapp vier Prozent. Der Dow rückte lediglich rund zwei Prozent vor.

Yellen stärkt den Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Yellens Aussagen an der Harvard University trieben den Dollar an. Der Dollar-Index stieg um 0,4 Prozent. Der Euro fiel im Gegenzug auf 1,1110 Dollar. Am Donnerstag war die Gemeinschaftswährung zeitweise über 1,12 Dollar geklettert.

US-BIP nach oben korrigiert

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
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Börse 20.15 Uhr

Die US-Wirtschaft läuft offenbar doch besser als jüngst prognostiziert. Die Wachstumsrate im ersten Quartal wurde in der zweiten Schätzung von 0,5 Prozent auf 0,8 Prozent nach oben korrigiert. Experten hatten aber noch mehr erwartet. Die Prognosen lagen bei 0,9 Prozent. Auch das von der Universität Michigan ermittelte Verbrauchervertrauen hat sich weniger stark aufgehellt als vorhergesagt. Der Indikator stieg von 89,0 Punkten auf revidierte 94,7 Punkte. Allerdings war in einer ersten Erhebung für Mai noch ein Anstieg auf 95,8 Punkte ermittelt worden. Volkswirte hatten lediglich mit einer Revision auf 95,4 Punkte gerechnet.

Ölpreise wieder unter 50 Dollar

Als weitere Stimmungsbremse an den Börsen erwiesen sich die Ölpreise. Sie rutschten nach ihrer gestrigen Rally ab. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete 49,08 US-Dollar - gut 50 Cent weniger als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 30 Cent auf 49,18 Dollar. Am Donnerstag hatten die Ölpreise die Marke von 50 Dollar geknackt.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Gold wird billiger

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Die Aussicht auf eine baldige Zinsanhebung in den USA belastete den Goldpreis. Das gelbe Edelmetall verbilligte sich um ein Prozent auf 1.208 Dollar je Feinunze. Damit notiert Gold auf dem tiefsten Stand seit acht Wochen. Das gelbe Edelmetall leidet bereits seit Wochen unter den anhaltenden US-Zinsspekulationen.

Infineon überholt Siemens

Zum Spitzenreiter im Dax avancierte Infineon mit einem Plus von 1,5 Prozent, dicht gefolgt von Siemens und Beiersdorf. Im Tagesverlauf hatte es ein wildes Bäumchen-wechsle-Dich-Spiel an der Dax-Spitze gegeben. Echte kursbewegende Nachrichten gab es freilich keine.

Salzgitter will keine Fusion mit ThyssenKrupp

Zeitweise größter Dax-Verlierer war ThyssenKrupp. Salzgitter-Chef Heinz Jörg Fuhrmann wies die immer wieder hochkochenden Spekulationen über einen Zusammenschluss mit der Stahlsparte von Thyssenkrupp erneut zurück. Salzgitter wolle die von Überkapazitäten und Billig-Importen ausgelöste Branchenkrise aus eigener Kraft überstehen. "Wir führen mit niemandem Kooperations- oder Fusionsgespräche", sagte Fuhrmann in einem Interview der "Börsen-Zeitung".

Hedgefonds TCI unterstützt die "Super-Börse"

Überraschend Rückendeckung erhält die Deutsche Börse von Hedgefonds-Manager Christopher Hohn. Er beurteilte den geplanten Deal mit der Londoner Börse positiv. Vor elf Jahren hatte er noch als Aktionär der Deutschen Börse die Übernahme der LSE verhindert. Die Unternehmensführung der neuen Gruppe lehne sich stärker an das angelsächsische Modell an, sagte Hohn dem "Spiegel". Jüngst hatte der TCI-Hedgefondsmanager die Führung von VW attackiert.

Philips Lighting strahlt an der Börse

Im MDax gehörte die Osram-Aktie nach dem Börsengang des Rivalen Philips Lighting zu den Favoriten. Die Papiere der Lichtsparte von Philips starteten erfolgreich aufs Parkett: Mit 22 Euro beendeten die Aktien den ersten Handelstag zehn Prozent zum Ausgabepreis von 20 Euro gestartet.

Noch mehr Interessenten für Stada

Stada: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Bei Aktien aus der zweiten Reihe sorgten vor allem Übernahmegerüchte für Kursgewinne. So legten die Aktien von Stada nochmals 3,4 Prozent zu. Die Papiere des Arzneimittelherstellers sind mittlerweile so teuer wie seit Juli 2008 nicht mehr. Laut dem "Handelsblatt" spricht Stada offenbar mit weiteren Finanzinvestoren über eine Übernahme. Am Mittwoch war durchgesickert, dass Stada mit CVC verhandle.

DMG Mori wird komplett japanisch

Der japanische Großaktionär DMG Mori Co kann künftig beim westfälischen Werkzeugmaschinenbauer DMG Mori AG (ehemals Gildemeister) durchregieren. Der Vorstand beschloss, dem Abschluss des Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrages zuzustimmen. Demnach können die verbliebenen Aktionäre mit Beteiligungen von insgesamt rund 24 Prozent auf eine Abfindung von 37,35 Euro je Aktie hoffen. DMG Mori Co hält derzeit rund 76 Prozent an der deutschen Tochter.

Wilder Kurssprung von SGL

Positiv aus dem SDax ragte SGL Group heraus. Die Aktie sprang um rund 27 Prozent nach oben. Der angeschlagene Kohlenstoffspezialist steht einem Pressebericht zufolge im Visier des chinesischen Chemiekonzerns ChemChina. Angeblich hat Chem-China-Chef Ren Jianxin bereits Gesdpräche mit SGL-Chef Jürgen Köhler und Großaktionärin Susanne Klatten geführt.

Chinesische Offerte spaltet Kuka-Aktionäre

Widerstand gegen eine mögliche Übernahme durch die Chinesen gab es auf der Hauptversammlung von Kuka. Roland Klose von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) warnte vor einem Ausverkauf von deutschen Schlüsseltechnologien ins Ausland. "So etwas wäre in den USA und vermutlich auch in Frankreich nicht möglich - und wahrscheuinblich auch nicht in China.". Der Chef des Roboterbauers, Till Reuter, äußerte sich dagegen vorsichtig positiv über das milliardenschwere Angebot der chinesischen Midea.

UBS stuft KlöCo ab

Klöckner & Co.: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Ein negativer Analystenkommentar schickte die Papiere von Klöckner & Co auf Talfahrt. Die Aktien des Stahlhändlers übernahmen die rote Laterne im SDax. Experten der UBS stuften ihre Einschätzung für die Papiere auf "Sell" zurück von "Neutral". Das Kursziel beließen sie bei 8,00 Euro.

Gewinnmitnahmen bei WCM

Unter Druck stand auch WCM. Die Aktien der Immobilienfirma rutschten um fast drei Prozent ab. Ein Händler sprach von Gewinnmitnahmen nach den Quartalszahlen und der starken Kursentwicklung seit Jahresbeginn. Die WCM Beteiligungs- und Grundbesitz-AG hat ihren profitablen Expansionskurs im ersten Quartal 2016 fortgesetzt. Der Wert des Immobilienportfolios stieg um 4,9 Prozent auf 530,5 Millionen Euro. Der FFO I stieg auf 4,4 Millionen Euro gegenüber minus 0,2 Millionen Euro in der Vorjahresperiode.

ZhongDe Waste verringert Verlust

Der chinesische Müllverbrennungsanlagen-Betreiber macht nach eigenen Angaben leichte Fortschritte. Dank des Betreibermodells in Lanzhou verdoppelte sich der Umsatz auf 26,6 Millionen Euro. Der Verlust konnte reduziert werden auf 1,7 Millionen Euro. Die Anleger schöpfen ein Quentchen Hoffnung. Die Aktien von ZhongDe Waste zogen um acht Prozent an. Auf Einjahres-Sicht haben sie fast 30 Prozent verloren.  

Kalte Dusche für 4SC

Um rund 20 Prozent sackten die Aktien von 4SC zum Wochenschluss ab. Die Biotech-Firma gab Ergebnisse der Phase-II-Studie des japanischen Partners Yakult Honsha mit Resminostat in Kombination mit Sorafenib als Erstlinientherapie bei Leberkrebs bekannt. Demnach wurde der primäre Endpunkt eines statistisch signifikant verlängerten Zeitraums bis zum Fortschreiten der Erkrankung nicht erreicht. Yakult Honsha wird daher keine Studie zur Zulassung von Resminostat in Kombination mit Sorafenib durchführen.

Studienerfolg für Roche

Positive Studienergebnisse konnte dagegen der Schweizer Pharmakonzern Roche erzielen - mit seinem Blutkrebsmedikament Gazyva. Eine Phase-III-Studie mit Patienten, die an einer speziellen Form des Non-Hodgkin-Lymphoms erkrankt sind, hat den so genannten primären Endpunkt vorzeitig erreicht. Das verspricht einen Umsatzschub für den Hoffnungsträger. Die Aktien von Roche zogen um vier Prozent an und hievten europaweit die Pharmawerte nach oben.

Google wehrt Oracle-Klage ab

An der Nasdaq ging es mit den Aktien der Google-Mutter Alphabet um mehr als ein Prozent nach oben. Der Konzern wehrte eine milliardenschwere Klage des Software-Konzerns Oracle bezüglich des Smartphone-Systems Android vor Gericht ab. Die Geschworenen des Bundesbezirksgerichts in San Francisco sahen es als erwiesen an, dass der Suchmaschinenbetreiber nicht Oracles Rechte an der Programmiersprache Java verletzte, als er sie für Android benutzte. Oracle hatte neun Milliarden Dollar Entschädigung gefordert.

Facebook und Microsoft machen gemeinsame Sache

Facebook und Microsoft wollen gemeinsam ein neues Internet-Kabel zwischen Europa und den USA legen. Die schnelle Glasfaser-Leitung soll durch den Atlantik vom US-Bundesstaat Virginia nach Spanien führen. Die beiden US-Konzerne taten sich dafür mit dem spanischen Telekommunikations-Konzern Telefónica zusammen.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 26. September

Unternehmen:
Deutsche Bank: Rede von Bank-Chef Sewing bei der Schmalenbach-Gesellschaft
Nestlé: Rede von Vorstandschef Schneider zum Thema "Nestle - current growth strategies in the food and beverage industry", 18:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20 Uhr, Pk ab 20:30 Uhr
Deutschland: DIW-Konjunkturbarometer
USA Eigenheimabsatz, August, 16 Uhr

Sonstiges:
Hannover: Fortsetzung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September)