Marktbericht 20:04 Uhr

Dax in Wartestellung Wohin geht die Reise?

Stand: 31.08.2015, 20:04 Uhr

War der August nur ein heftiger Warnschuss, oder bahnt sich womöglich Schlimmeres an? Am Aktienmarkt ist noch keine Entscheidung gefallen - entschieden wird der weitere Weg wohl zwischen China und Washington.

Zwischen diesen beiden Polen dürfte sich das Handelsgeschehen demnächst abspielen. Wie wird sich Chinas Wirtschaft entwickeln und ist das Schlimmste schon vorbei - und wann macht die US-Notenbank mit ihrer ersten Zinserhöhung nach neun Jahren endlich ernst?

Den Anlegern ist heute jedenfalls keine Antwort eingefallen. Und so war es ein relativ lustloses Positionsgeschiebe, was heute an der Börse stattfand. Bei magereren Umsätzen als sonst (Londons Börse war wegen eines Feiertages geschlossen) dämmte der Dax zum Handelsschluss seine Verluste noch ein und schloss mit einem leichten Minus von 0,38 Prozent bei 10.259 Punkten. Das Tageshoch lag bei 10.273 Punkten, knapp unter dem Schlussstand vom Freitag bei 10.298 Zählern.

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Börse 19.00 Uhr

An der Wall Street bietet sich aktuell ein ähnliches Bild. Die Marktteilnehmer warten auf neue Konjunkturdaten im Laufe der Woche und bewegen sich kaum. Der Dow fällt aktuell ein halbes Prozent. Der Euro hat derweil am Montag leicht zugelegt. Am Spätnachmittag kostet die Gemeinschaftswährung 1,1194 US-Dollar, nachdem sie in der Nacht noch bis auf zeitweise 1,1162 Dollar gefallen war. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am frühen Nachmittag auf 1,1215 (Freitag: 1,1268) Dollar fest.

Rund zehn Prozent Verlust im August

Insgesamt war es ein ganz schwacher Börsenmonat. Der August brachte dem Dax ein Minus von 9,28 Prozent - der stärkste Rückgang seit 2011. Unter den Tops und Flops waren Fresenius waren mit einem Plus von 0,3 Prozent der einzige Gewinner. Stärkster Verlierer waren RWE mit einem katastrophalen Minus von 29,3 Prozent - rund drei Mal so viel wie der Markt. Verluste dieser Art können nicht mehr einfach nur auf globale Wirtschaftssorgen geschoben werden, dem eigentlichen Auslöser der Kursverluste zur Monatsmitte. Auch bei der Deutschen Bank, ThyssenKrupp und Eon lief es überdurchschnittlich schlecht.

Versorger unter Druck

Für die leidgeplagten Aktionäre der beiden Versorgeraktien war der Tag eine weitere herbe Enttäuschung. Sowohl RWE als auch Eon gehörten am Ende zu den größten Dax-Verlierern. Monatsverlierer RWE kamen nach einem Bericht der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" unter Druck, nach der kommunale Aktionäre eine Dividendenkürzung befürchten. "Tatsächlich ist wohl mit einem spürbaren Dividendenrückgang auf 0,50 bis 0,60 Euro zu rechnen", sagte Essens Kämmerer Lars Martin Klieve der Zeitung. Bereits die im vergangenen Jahr ausgezahlte Dividende hatte der Energiekonzern auf 1 Euro je Aktie halbiert.

Die RWE-Sorgen zogen das Eon-Papier ebenfalls nach unten. Auch der potenzielle Dax-Absteiger Lanxess und die Lufthansa Aktie tendierten schwächer als der Markt. Einziger nennenswerter Gewinner war das Papier von Chiphersteller Infineon. Analysten hatten das niedrige Kursniveau zuletzt als Einstiegsgelegenheit bezeichnet.

Auto-Aktien: China schaltet einen Gang zurück

Auto-Aktien verloren ebenfalls, hat doch der Verband der Automobilindustrie angesichts nachlassender Autoverkäufe seine Absatzprognose für China gesenkt. Für das gesamte Jahr rechnet der VDA nun mit einem Plus von maximal vier Prozent auf 19,1 Millionen Pkw. Zu Jahresbeginn hatte der VDA für 2015 noch ein Plus von sechs Prozent erwartet.

VW/Suzuki: Bitterer Scheidungskrieg beendet

Nach einer Entscheidung des Schiedsgerichts der Internationalen Handelskammer (ICC) muss VW wie von Suzuki gefordert seinen knapp 20-prozentigen Anteil am japanischen Unternehmen verkaufen. Die Wolfsburger hatten den Suzuki-Anteil einst für knapp 1,8 Milliarden Euro gekauft. Auf Basis des aktuellen Kurses liegt der Wert des Aktienpakets bei knapp 3,4 Milliarden Euro. VW-Vorzüge gaben gut ein Prozent nach.

Bayer: Die Unerschrockenen aus Leverkusen?

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Pharma- und Pflanzenschutzkonzern Bayer will seine Kunststoff-Tochter Covestro Kreisen zufolge trotz der aktuellen Marktturbulenzen noch in diesem Jahr an die Börse bringen. Möglicherweise werde das Unternehmen seine Absicht im September oder sogar schon in der kommenden Woche bekanntgeben, berichtete Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Postbank-HV stimmt für Aus für Kleinaktionäre

Die Hauptversammlung der Postbank stimmte am Freitagabend mit großer Mehrheit dafür, die verbliebenen Minderheitsaktionäre, die noch einen Anteil von 3,2 Prozent an der Postbank halten, gegen eine Barabfindung von 35,05 Euro zwangsweise aus der Gesellschaft zu drängen. Die Deutsche Bank will ihre Tochterfirma abspalten und 2016 erneut an die Börse bringen.

Gerresheimer und Deutsche Euroshop gefragt

Im MDax haben jeweils positive Analystenkommentare die Aktien des Verpackungsherstellers Gerresheimer und der Deutschen Euroshop beflügelt. Beide Aktien legten gegen den Markt kräftig zu. Auch Kassenautomatenhersteller Wincor Nixdorf legte zu. Wincor war am Freitag ein 50:50 Joint-Venture mit der norwegischen Firma Nokas eingegangen. Größter Tages- und auch Monatsflop im MDax waren Wacker Chemie, ohne das es Neues gegeben hätte.

Analystenvotum beflügelt GFT

Tagessieger im Technologieindex waren GFT Technologies, nachdem die Landesbank Baden-Württemberg für die Aktie die fundamentale Empfehlung von "Halten" auf "Kaufen" und das Kursziel von 21 auf 22 Euro erhöht hat. Analyst Thomas Hofmann geht beim IT-Dienstleister für die Finanzwirtschaft von einer dynamischen Geschäftsentwicklung aus. Diese werde hauptsächlich durch regulatorische, weniger durch konjunkturelle Anforderungen bestimmt. Die Risiken seien daher überschaubarer, so der Experte. Gefragt waren auch Stratec Biomedical, die aktuell zu einer fulminanten Aufholjagd ansetzen, nachdem der Titel vom Hoch im Juli kräftig verloren hatte.

Größte Verlierer im TecDax waren Manz und QSC. Bei QSC hatte Finanzvorstand Stefan Baustert hat in einem Interview mit der "Börsen-Zeitung" das bisher so feste Bekenntnis zur Dividendenzahlung zumindest für das laufende Jahr in Frage gestellt. Es sei zwar die unveränderte Absicht auszuschütten, "allerdings unter einer Nebenbedingung: Wir müssen auch das Geld erwirtschaftet haben".

Hermle bestätigt Prognose

Die im Frankfurter Regulierten Markt gehandelten Hermle-Vorzugsaktien bewegen sich nach den Halbjahreszahlen des Unternehmens kaum. Das Betriebsergebnis (Ebit) blieb mit 28,1 Millionen Euro etwa auf Vorjahreshöhe, der Umsatz erhöhte sich um fünf Prozent auf 162,0 Millionen Euro. Netto blieben 20,6 nach 20,7 Millionen Euro. Der Vorstand bestätigte trotz einer belebteren Nachfrage sein Jahresziel, nach dem das Ergebnis leicht unter dem guten Vorjahresniveau liegen soll. 2014 wurden 346,8 Millionen Euro umgesetzt und operativ 79 Millionen Euro verdient. Das Familienunternehmen stellt Präzisionswerkzeugmaschinen her, unter anderem Fräsmaschinen, die in den verschiedensten Branchen zum Einsatz kommen.

Bei Syngenta hängt der Haussegen schief

Nach dem geplatzten Übernahmeangebot des US-Konkurrenten Monsanto wächst der Druck auf das Syngenta-Management. Aktuell liegt der Kurs der Aktie bei 308 Franken und damit rund 40 Prozent unter dem Angebotspreis der Amerikaner von 449 Franken. Kein Wunder, dass Analysten und Aktionäre unbequeme Fragen stellen, zumal Syngentas Margen im Agrochemiegeschäft deutlich unter denen von Bayer und Monsanto liegen.

Die Experten von Merrill Lynch meinen, dass die Aktionäre mit Aktienrückkäufen besänftigt werden sollen. Trotzdem hängt der Haussegen schief. Ein Syngenta-Großaktionär kommentierte: "Wir sind sehr frustriert über das Verhalten von Syngenta. Es ist nicht akzeptabel, dass das Unternehmen keine ernsthaften Gespräche mit Monsanto aufgenommen hat." Heute legte die Syngenta-Aktie an der Züricher Börse gut zwei Prozent auf 308 Franken zu.

Toshiba weiter im Tal der Tränen

Der Bilanzskandal beim japanischen Technologieriesen ist immer noch nicht zu Ende. Eigentlich sollten heute reguläre Zahlen vorgelegt werden, jetzt wird die Präsentation bis auf den 7. September weiter verschoben. Grund sind neu entdeckte Unregelmäßigkeiten bei Tochterfirmen.

Eine unabhängige Kommission war zu dem Ergebnis gekommen, dass der Konzern den Gewinn sieben Jahre lang um mindestens 152 Milliarden Yen (1,1 Milliarden Euro) aufgepumpt hat. Der Konzernchef und führende Manager mussten bereits gehen. Schon 2011 gab es einen Bilanzskandal, als Anlageverluste von über einer Milliarde Euro verschleiert worden waren.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"