Wochenziel 5.000 erreicht

Stand: 05.06.2009, 20:00 Uhr

Etwas ging dem Dax die Luft am Freitag aus, aber die Bilanz dieser Woche ist durchaus positiv zu bewerten. An vier von fünf Handelstagen gab es Kursgewinne, und am Freitag schloss der Dax oberhalb der wichtigen 5.000-Punktemarke.

Knapp 80 Punkte machte der deutsche Leitindex in dieser Woche gut, und schloss bei 5.077 Zählern. Die Charttechniker werden das zu schätzen wissen, gilt die 5.000-Punktemarke als schwer zu überwindende psychologische Sperre.

Am Freitag nun ließen es die Anleger geruhsam ausklingen. Gerade einmal ein viertel Prozent oder 12 Punkte konnte der Dax noch gewinnen, im Tagesverlauf hatte er, unter dem Eindruck guter amerikanischer Konjunkturdaten, bis zu zwei Prozent zulegen können. Dass es dabei nicht blieb, lag an der Wall Street. Dort waren die Investoren skeptischer, die Indizes rutschten am Nachmittag sogar kurzzeitig ins Minus.

Der Grund für die Kursverwirbelungen in Frankfurt waren die amerikanischen Arbeitslosenzahlen. Diese waren mit "nur" 345.000 verlorenen Jobs im Mai deutlich besser als erwartet, die Arbeitslosenquote war jedoch etwas höher als prognostiziert.

Am Devisen- und Ölmarkt wurden die Zahlen jedoch als weiteres Zeichen für Konjunkturerholung interpretiert. Der Euro fiel um zwei Cent auf unter 1,40 Dollar, das Barrel Öl stieg auf über 70 Dollar.

Staatsbank Nr.2: Commerzbank
Durch den Eintrag in das Handelsregister wurde am Freitag der Einstieg des Bundes bei der Commerzbank besiegelt. Nach einer Kapitalerhöhung im Volumen von 1,8 Milliarden Euro besitzt der Bund nun 25 Prozent plus einer Aktie. Die Aktionäre hatten Mitte Mai einer Kapitalerhöhung zugestimmt. Commerzbank-Aktien verloren 0,7 Prozent.

RWE verkauft etwas American Water
Rund 200 Millionen Dollar erlöst der Energiekonzern RWE aus dem teilweisen Verkauf seines Anteils bei American Water auf knapp unter 50 Prozent. Die US-Tochter führte zugleich eine Kapitalerhöhung durch. Positiv für RWE ist auch, dass American Water nun nicht mehr in der eigenen Bilanz konsolidiert werden muss und somit Schulden von 4,5 Milliarden Euro wegfallen. RWE-Aktien gaben 0,7 Prozent ab.

SAP will zukaufen
Der Softwarehersteller SAP will Milliarden für Zukäufe aufwenden. Etwa 2,5 Milliarden Euro könne man ausgeben, verriet SAP-Chef Leo Apotheker. Die gleiche Summe könne SAP über Kredite aufbringen. "SAP wird weiterhin organisch und nicht-organisch wachsen", sagte Apotheker der französischen Tageszeitung "Le Figaro". Die SAP-Aktie schloss fast unverändert.

Arcandor will fast eine halbe Milliarde
Die Arcandor-Aktie verlor im Tagesverlauf 1,1 Prozent. Das schuldengeplagte MDax-Unternehmen, der bis Ende kommender Woche einen 600-Millionenkredit finanzieren muss, hat bei der Bundesregierung einen Antrag auf ein Darlehen über 437 Millionen Euro gestellt. Den Kredit würde Arcandor von der staatseigenen KfW-Bankengruppe erhalten, die Bundesregierung müsste ihn zuvor absegnen.

Porsche hat mehr Aufträge
Der Sportwagenhersteller Porsche hat sich optimistisch zu den Geschäften im Inland geäußert. Der Auftragseingang sei nach Angaben der Firma um ein Viertel gestiegen, in den ersten fünf Monaten erhielt Porsche Bestellungen für 5.958 Autos. Der "positive Trend setze sich fort", teilte der Konzern weiter mit. Die Aktie schloss fast unverändert.

Personalien bei ProSiebenSat.1
Der im MDax notierte und mit 3,5 Milliarden Euro verschuldete Senderkonzern ProSiebenSat.1 hat einen neuen Aufsichtsratschef. Der Aufsichtsrat wählte dazu Johannes Huth, der das Europageschäft des Großaktionärs KKR leitet. Sein Vorgänger Götz Mäuser, Partner beim zweiten Großaktionär Permira, wird stellvertretender Leiter des Aufsichtsrats. KKR und Permira besitzen 90 Prozent der Stimmaktien. Die Aktie verlor am Freitag 7,1 Prozent.

Freenet will Strato verkaufen
Im TecDax legte die Freenet-Aktie 9,4 Prozent zu. Gerüchteweise will die Firma ihre Webhostingtochter Strato verkaufen. Etwa 300 bis 400 Millionen Euro will der Konzern dadurch erzielen, hieß es in Medienberichten. "Damit könnte bei Freenet sogar wieder die Dividendenfähigkeit hergestellt werden", zitierte die "Welt" Unternehmenskreise. Die Sparte, die Speicherplatz im Internet vermietet, beschäftigt rund 500 Mitarbeiter.

OVB und Tipp24 neu im SDax
Die Deutsche Börse hat zwei Änderungen im SDax beschlossen. Der Finanzbetrieb OVB und der Wettanbieter Tipp24 steigen in den Kleinwerteindex ein. Dafür müssen das Immobilienunternehmen Vivacon und der Modekonzern Escada den Index verlassen. Die Änderungen treten am 22. Juni in Kraft. Die OVB-Aktie gewann 4,4 Prozent, Papiere von Tipp24 legten ein halbes Prozent zu.

Escada ist Primera jetzt ganz los
Der noch bis 22. Juni im SDax notierte Modehersteller Escada hat seine noch verbliebene Primera-Marke Biba verkauft. Das Modeunternehmen Gelco übernehme die Marke, teilte Escada am Freitag mit. Damit sei der Verkaufsprozess für die Primera-Gruppe abgeschlossen, hieß es weiter. Die Aktie schloss zwei Prozent fester.

Rauf und runter
Eine ganze Reihe von Analysteneinschätzungen haben die Kurse am Freitag beeinflusst. Im Dax sorgte die Herabstufung von Beiersdorf durch Goldman Sachs für fallende Beiersdorf Kurse. Die Aktie ging 1,8 Prozent niedriger aus dem Handel.

Im TecDax wurde IDS Scheer von der Unicredit als verkaufswürdig bewertet, die Softwareaktie verlor 3,9 Prozent. Solarunternehmen notierten tendenziell besser als der Markt, Barclays hatte den europäischen Solarsektor hochgestuft.

Im SDax gewannen Sixt-Aktien 5,9 Prozent. Die Commerzbank verbesserte ihre Bewertung von "Hold" auf Buy".

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 20. Juli

Unternehmen:
Faurecia: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Hermès: Q2 Umsatz, 07:00 Uhr
Rémy Cointreau: Q4-Zahlen
Thales: Q1 Umsatz, 07:30 Uhr
Stanley Black & Decker: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
General Electric: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Schlumberger: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr
Honeywell: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise für Juni, 01:30 Uhr
Deutschland: Juli-Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im Juni, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Euro-Zone im Mai, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Farnborough: Fortsetzung der Internationalen Messe für die Luft- und Raumfahrt (bis 22. Juli)