Wochenstart mit Fragezeichen

Stand: 16.07.2012, 20:05 Uhr

Gefasst, aber nicht euphorisch starteten die Investoren in die neue Handelswoche. Der Dax trotzte schwachen US-Börsen. Gemischte Konjunkturdaten bremsten die Anleger am Nachmittag aber aus.

Der vielbeachtete Empire State Index, stieg zwar im Juli auf 7,39 Punkte. Doch die Auftragslage der US-Industrie ist nicht allzu günstig, wie Experten in ersten Kommentaren vermerkten. Auch der Rückgang der Einzelhandelsumsätze im Juni um 0,5 Prozent spricht nicht dafür, dass die US-Wirtschaft unter Dampf steht.

Warten auf Bernanke

Der Handel an der Wall Street steht auch unter Spannung, weil Notenbank-Präsident Ben Bernanke am Dienstag nach US-Börsenschluss vor dem US-Senat seinen geldmarktpolitischen Bericht vortragen wird. Investoren erhoffen sich Signale für weitere geldpolitische Lockerungen. Bis dahin dürften die Aktienmärkte wenig Aufwärtspotenzial haben.

Der Late-Dax schloss am Abend leicht unter dem Stand des Xetra-Handels, hielt sich aber dennoch auf dem am Freitag erreichten Niveau deutlich über der Marke von 6.500 Punkten.

Euro auf Berg- und Talfahrt

Zwischen Kursen deutlich unter 1,22 und bis zu 1,2280 Dollar pendelte die Gemeinschaftswährung am Montag. Am Nachmittag schein der Abwärtstrend nach Bekanntgabe der US-Daten zunächst gestoppt zu sein.

Ölpreis zieht an

Auch die Ölnotierungen klettern derzeit wieder. Die Aussicht auf Konjunkturhilfen in China aber auch die politischen Spannungen im Golf von Persien ließen den Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent am Montag auf mehr als 103 Dollar steigen. Auch die US-Sorte WTI zog am Nachmittag an.

Infineon und Metro spitze

Größte Dax-Gewinner waren die Aktien von Infineon und Metro. Papiere des Chip-Konzerns kletterten um knapp drei Prozent. Investoren setzen hier offenbar auf eine weitere Erholung nach der schwachen Performance der vergangenen Wochen. Metro-Papiere profitierten von einer positiven Stellungnahme durch Analysten der Schweizer UBS. Deren Anlageurteil lautet nun "Neutral" nach zuvor "Sell". Der jetzige Aktienkurs spiegele eine angemessene Bewertung wider.

Analysten hieven Lufthansa und Post

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
20,22
Differenz relativ
+0,35%
Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
28,13
Differenz relativ
-1,09%

Dank Analysteneinschätzungen schlossen auch die beiden Aktien der Airline und des Logistik-Konzerns mit Zuwächsen. Das Kursziel der Lufthansa hatte das Analysehaus Independent Research von neun auf 10,20 Euro erhöht. Bei der Post äußerte sich die Commerzbank mit einer Kaufempfehlung, beließ das Kursziel allerdings bei 16,50 Euro.

Citigroup lässt Wünsche offen

Geschäftszahlen der US-Bank Citigroup ließen Investoren am Montagnachmittag nicht recht frohlocken. Das Institut übertraf mit einem Nettogewinn von 2,9 Milliarden Dollar die Erwartungen. Doch rückläufige Gewinne im Investmentbanking des Konzern trübten die Stimmung wiederum.

Commerzbank an der Sparschraube

Aktien der Deutschen Börse sorgten mit minus zwei Prozent für den größten Ausschlag nach unten. Auch Commerzbank-Anteilsscheine verloren mit 1,2 Prozent überdurchschnittlich. Das Institut will laut einem Bericht der "Wirtschaftswoche" weitere Stellenstreichungen, vor allem in der Frankfurter Zentrale vornehmen. Auch der Aufsichtsrat soll danach verkleinert werden.

Deutsche Bank will Kronzeuge sein

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,56
Differenz relativ
-0,44%

In der Libor-Krise hat sich das Institut offenbar ein wenig aus der Schusslinie genommen. Nach Agenturmeldungen will sich die Deutsche Bank bei den Ermittlungen der EU-Kommission und der Schweizer Börsenaufsicht als Kronzeuge zur Verfügung stellen. Damit könnte eine drohende Geldbuße kleiner ausfallen oder ganz erlassen werden.

Solarworld bricht weiter ein

Aktien des Solar-Herstellers verloren rund sieben Prozent, nachdem die Experten der Commerzbank eine Verkaufsempfehlung für das Papier ausgesprochen hatten. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) werde wegen der sinkenden Preise für Solaranlagen weiterhin im negativen Bereich bleiben, so die Begründung.

Bauer mit vollen Büchern

Laut einer Studie der Berenberg Bank wird die gute Nachfrage aus der Baubranche zu einem erwartungsgemäßen Absatz bei dem Maschinenbauer führen. Die Gewinne könnten allerdings schrumpfen, so die Analysten. Bauer-Aktien legten im SDax dennoch mehr als acht Prozent zu.

O2-Börsenpläne werden konkreter

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg bereiten die beiden Großbanken UBS und JP Morgan den Börsengang von O2 Deutschland vor. Die Konzernmutter des Mobilfunk-Unternehmens, die spanische Telefonica will mit dem Erlös aus dem IPO danach vor allem seine Schulden begleichen. Zuletzt war auch über ein Zusammengehen mit der KPN-Tochter E-Plus spekuliert worden.

Glaxo stemmt Milliardenübernahme

Der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline ist beim Übernahmeversuch der US-Biotechfirma Human Genome wohl am Ziel: Ein nachgebessertes Angebot von 14,25 Dollar je Human Genome-Aktie dürfte von der US-Firma akzeptiert werden, so Nachrichtenagenturen am Nachmittag. Die Übernahme hätte damit ein Volumen von 2,8 Milliarden Dollar.

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"