Marktbericht 20:05 Uhr

Aktienmärkte im Sog der Krim-Krise Wochenauftakt im Minus

Stand: 24.03.2014, 20:05 Uhr

Ein schwer bekömmlicher Cocktail aus chinesischen Konjunkurdaten und der schwelenden Auseinandersetzung mit Russland setzte den Finanzmärkten am Montag zu. Der Dax beendete eine längere Gewinnserie.

Sechs Handelstage in Folge hatte das deutsche Börsenbarometer mit Zuwächsen geschlossen, am Montag gab es einen herben Rücksetzer. Gleich am Morgen hatte ein schwacher Einkaufsmanager-Index in China den Handelsauftakt belastet. Die chinesische Wirtschaft stehe vor einer unerwartet deutlichen Abkühlung hieß es in Experten-Kommentaren. Der Index war mit 48,1 Punkten deutlich unter der Schwelle von 50 Zählern gemeldet worden, die Wachstum signalisiert.

Eskalation auf Abruf?

Alles andere als Wachstumsimpulse für die Weltwirtschaft und die Geschäftsaussichten vieler börsennotierter Unternehmen kommen weiterhin von der politischen Front. In der Krim-Krise wollen die stärksten Industriestaaten aus dem G8-Gipfel eine Zusammenkunft der G7, also ohne Russland, machen. Das sagte am Abend auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Zuvor hatte Russland Sanktionen gegen Kanada verhängt. Und US-Präsident Barack Obama zeigte sich "besorgt" über russische Truppenkonzentrationen an der Grenze zur Ukraine.

Wall Street am Abend erholt

Für die Finanzmärkte ist die Gemengelage eine harte Probe. Die scheinen die US-Börsen besser zu bestehen als die europäischen Aktienmärkte. Der Dow-Jones-Index war am Abend sogar dabei, die zwischenzeitlich deutlichen Verluste wieder aufzuholen. Deutlicher ins Minus waren die Technologieaktien an der Nasdaq gerutscht.

Sie verloren in etwa so deutlich an Boden wie der Dax. Der deutsche Leitindex hatte den Xetra-Handel 1,7 Prozent leichter und unterhalb der Marke von 9.200 Punkte beschlossen. Im späten Parketthandel kletterte der Late-Dax wieder über diese Marke.

Gold runter, Euro rauf

Heftige Bewegungen gab es auch am Devisen- und Edelmetall-Markt. Der Euro schwang sich am Abend binnen weniger Minuten wieder über die Marke von 1,38 Dollar. Der US-Dollar scheint als Krisenwährung nicht mehr recht zu taugen. Gleiches galt zumindest am Montag auch für Gold. Der Preis für eine Feinunze des Edelmetalls sank weiter in Richtung 1.300 Dollar und schwankte am Abend um 1.310 Dollar. Auch Silber bleibt unter Druck, eine Feinunze kostete am Montag zeitweise weniger als 20 Dollar.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Post hält die Fahne hoch

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Allein die "Aktie Gelb" der Deutschen Post konnte sich zum Ende des Computerhandels im Plus halten. Nach einem Bericht der "Welt am Sonntag" peilt Vorstandschef Frank Appel für das Brief-Geschäft mit einem Ergebnis von 1,6 Milliarden Euro im laufenden Jahr mehr an als bislang geplant. Appel will Anfang April die neue Firmenstrategie vorstellen.

Autobauer verängstigt

Besser als der Gesamtmarkt schloss auch die Aktie von BMW. In der vergangenen Woche hatten die Münchener ihre Gewinnziele für 2014 hochgeschraubt, nun gibt es reihenweise Analystenhochstufungen. Das Bankaus Lampe etwa hat den Titel am Montag auf "kaufen" nach oben gestuft. Die übrigen Auto-Konzerne litten am Montag allerdings unter den trüben Aussichten aus Russland. Der politische Konflikt und der schwache Rubel könnten die Umsätze und Ergebnisse der Branche nachhaltig belasten.

Conti lässt weiter rollen

Einen guten Ausblick lieferte dagegen Continental. Das Reifengeschäft bleibt auch im laufenden Jahr die wichtigste Ertragsperle des Autozulieferers. Wie aus dem am Montag veröffentlichten Geschäftsbericht hervorgeht, soll der Bereich 2014 eine Gewinnmarge von 15 Prozent erreichen. Bereits 2013 hatte der Verkauf von Reifenprodukten die Hälfte des operativen Ergebnisses ausgemacht, dabei sorgt es inzwischen nur noch für ein Viertel des Umsatzes. Die Conti-Aktie schloss in etwa so schwach wie der Gesamtmarkt.

Bayer muss Niederlage einstecken

Schwächster Dax-Wert war zu Wochenbeginn die Bayer-Aktie. Das Unternehmen muss eine kleine Schlappe bei seinem Hoffnungsträger Xofigo hinnehmen. Das britische Gesundheitsamt will das Krebsmedikament wegen hoher Kosten nicht zur Behandlung empfehlen.

Lufthansa vorab mit Streikschäden

Die Lufthansa-Aktie war am Montag erneut in Turbulenzen. Laut einer Firmensprecherin müssen Unternehmen und Passagiere bereits am kommenden Donnerstag mit einem Streik rechnen. Neben dem Ausstand der eigenen Piloten stehen wohl auch weitere Arbeitsniederlegungen beim Flughafen-Betreiber Fraport an.

Talanx erhöht Dividende

Im MDax verteidigte die Aktie des Versicherungskonzern am Montag einen kleinen Kursgewinn. Talanx hat Anleger mit einem kräftigen Gewinnsprung 2013 von 22 Prozent auf 762 Millionen Euro überzeugt. Die hohen Flut- und Hagelschäden wurden mehr als ausgeglichen durch den Rekordgewinn der Tochter Hannover Rück. Anleger können sich über eine überraschend hohe Dividende von 1,20 Euro je Aktie freuen.

Ukraine-Schock für Stada-Aktionäre

Das Generika-Unternehmen aus dem hessischen Bad Vilbel hat wegen der Krim-Krise seinen Ausblick für das laufende Jahr leicht revidiert, die Aktie schloss rund 14 Prozent unter Vortagsniveau. Umsatz und Ergebnis sollen 2014 nur noch leicht gesteigert werden können. Die Abwertung des russischen Rubels und der ukrainischen Griwna seien dafür hauptverantwortlich. Im Jahr 2013 konnte der Umsatz noch um zehn Prozent auf 2,01 Milliarden Euro gesteigert werden. Der Konzerngewinn stieg sogar um 40 Prozent auf 121,4 Millionen Euro.

Airbus verkauft an Tigerair

Airbus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Flugzeugbauer hat eine Order der "Tigerair" aus Singapur erhalten, die die Auftragsbücher weiter füllt. 37 Maschinen des Typs A320neo sollen zwischen 2018 und 2025 ausgeliefert werden - Listenpreis 2,7 Milliarden Euro.

ElringKlinger ist zuversichtlich

Schon vor Veröffentlichung der kompletten Bilanz 2013 hat der Autozulieferer ElringKlinger aus dem MDax seinen Dividendenvorschlag bekannt gegeben. Obwohl das Unternehmen im vergangenen Jahr die eigenen Ziele bei Umsatz und Ergebnis nicht erreicht hat, soll die Dividende zulegen - von 0,45 auf 0,50 Euro je Anteilsschein. Dies wäre die fünfte Anhebung in Folge. Die Aktie schloss ein Prozent leichter.

LPKF kommt nicht gut an

Die Bilanz des Laser-Spezialisten LPKF aus dem TecDax kam am Montag nicht gut bei Anlegern an - die Aktie schloss neun Prozent leichter. Der Spezialmaschinenbauer steigerte seinen Umsatz um 13 Prozent und das Ergebnis ähnlich stark. Schub gibt die so genannte LDS-Technologie, die bei der Smartphone-Herstellung genutzt wird. Analysten und Investoren gefiel aber der Auftragseingang sowie der Ausblick nicht recht.

Nordex: Erster Gewinn seit drei Jahren

Erstmals seit drei Jahren hat das Windenergie-Spezialist ein Geschäftsjahr mit einem Überschuss abgeschlossen. Nach den endgültigen Zahlen verdiente Nordex 2013 netto 10,3 Millionen Euro, nach einem Vorjahresverlust von mehr als 94 Millionen Euro. Der Aktie hilft auch die Aussage von Vorstandschef Jürgen Zeschky, dass die Orderbücher prall gefüllt sind.

Sixt legt Gewinnsprung hin

Gut zwei Prozent Gewinn verbuchte die Aktie des SDax-Mitgliedes Sixt. Deutschlands größter Autovermieter überrascht mit einem Gewinnsprung von fast einem Fünftel auf 94 Millionen Euro. Vor allem im europäischen Ausland lief es für Sixt angesichts erster Erholungszeichen in den lange von der Krise gebeutelten Ländern erheblich besser. Das Ziel, die Nummer eins in Europa zu werden, hat Erich Sixt inzwischen ad acta gelegt. Wichtiger scheint derzeit der wachsende US-Markt zu sein.

Loewe-Aktie mit letztem Zucken

Auf einen eher irrationalen Freudensprung folgte bei der Aktie des TV-Herstellers Loewe am Nachmittag der Abstieg in die Minuszone. Das Unternehmen vom Finanzinvestor Stargate Capital gerettet und wird seinen Geschäftsbetrieb fortführen. Die Aktie aber wird von der Börse genommen, die Aktionäre gehen leer aus.

Air Berlin vor Fusion mit Alitalia?

Laut einem Bericht der "WirtschaftsWoche" will der Großaktionär, die arabische Airline Etihad, ihren Anteil an Air Berlin auf 49,9 Prozent aufstocken. Die Airline soll angeblich mit der italienischen Alitalia fusioniert werden. Die Aktie solle delistet und die Kleinaktionäre abgefunden werden, so das Magazin. In der Hoffnung auf ein lukratives Abfindungsangebot schloss die Aktie drei Prozent höher.

Deutz und Villeroy am SDax-Ende

Der schwächste Wert im SDax war am Montag die Aktie des Motorenbauers Deutz. Ein negativer Kommentar durch Analysten von HSBC und ein laut Händlern schlechtes "charttechnisches Bild" zogen klar ins Minus. Nur "optisch" schwächster Wert war Keramik-Spezialist Villeroy & Boch. Die Aktie wurde am Montag mit einem Dividendenabschlag von 0,42 Euro oder rund drei Prozent gehandelt.

AB

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 16. Juli

Unternehmen:
United Continental: Q2-Zahlen
America Movil: Q2-Zahlen, 22 Uhr

Konjunktur:
China: BIP Q2, 4 Uhr
China: Industrieproduktion, Juni, 4 Uhr
EU:Euro Zone-Handelsbilanz, Eurostat, Mai, 11 Uhr
USA: Empire State Index, Juli, 14:30 Uhr
USA: Einzelhandelsumsatz, Juni, 14:40 Uhr
Sonstiges:
Tokio Märkte wegen eines Feiertags geschlossen