Marktbericht 20:10

Dax bekommt wieder Flügel Wird die EZB nur neuen Fed?

Stand: 28.03.2014, 20:10 Uhr

Neue Zinsfantasie in Europa hat zum Wochenschluss den DAX angeschoben. Nach schwachen Preisdaten steigt in der Eurozone die Deflationsgefahr, die Börsianer hoffen nun auf weitere Lockerungsschritte der EZB. Das hat auch für Bewegung beim Euro gesorgt.

Die Anleger haben zum Wochenschluss am deutschen Aktienmarkt kräftig zugegriffen. Der Leitindex Dax schloss am Tageshoch bei 9.587 Punkten, ein Plus von 1,44 Prozent. Alle 30 Dax-Werte legten dabei zu, auf Wochensicht legte der Index damit 2,61 Prozent zu. Im Späthandel allerdings gab der Dax einen Teil der Gewinne wieder ab, der L/E-Dax schloss bei 9.563 Zählern.

EZB immer mehr im Blick

Nach überraschend niedrigen Inflationsdaten aus der Eurozone steigt an der Börse die Hoffnung, dass die EZB die Geldschleusen weiter öffnet, um deflationäre Tendenzen zu bekämpfen. Anzeichen für eine solche Entwicklung gab es heute genug. So fielen die Verbraucherpreise in Spanien um 0,2 Prozent, in Deutschland stiegen sie im März nur um ein Prozent. Dagegen strebt die Notenbank ein Inflationsziel von knapp zwei Prozent an. "Die Märkte positionieren sich für die nächste Ratssitzung der EZB", sagte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. "Die Anleger erwarten, dass die Währungshüter in irgendeiner Form aktiv werden."

Bereits am Dienstag hatte Bundesbankpräsident Jens Weidmann überraschend Wertpapierankäufe durch die EZB nicht mehr ausgeschlossen und damit den Stein ins Rollen gebracht. Am Donnerstag tagt die EZB um über die weitere Geldpolitik zu beraten. Russland-Sorgen traten in den Hintergrund, auch wenn das Thema natürlich jederzeit wieder auf die Tagesordnung kommen kann.

Euro fährt Achterbahn

Der Euro war im Tagestief schon bis nahe an die Marke von 1,37 Dollar gefallen, hat sich danach aber wieder erholt und notiert aktuell bei 1,3746 Dollar. Die EZB setzte den Kurs bei 1,3759 Dollar fest, das Tageshoch lag bei 1,3769 Dollar. Damit bleibt die Volatilität hoch, die eine nervöse Grundstimmung am Devisenmarkt signalisiert.

Die Deflationszahlen aus Spanien waren am Markt ein großes Thema, denn sie bieten der EZB quasi eine Steilvorlage, die geldpolitischen Zügel weiter zu lockern. Das würde dann den Euro weiter schwächen, zumal gleichzeitig die US-Notenbank im Rahmen ihres Tapering-Prozesses die Dollar-Liquidität sukzessive verringert.

"Viele Vertreter der EZB haben immer wieder ihre Bereitschaft zu weiteren Lockerungsmaßnahmen signalisiert", hieß es in einem Kommentar von BNP Paribas. Die Frankfurter Währungshüter entscheiden nächsten Donnerstag über den geldpolitischen Kurs.

US-Märkte im Aufwind

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
25.558,73
Differenz relativ
+1,58%

Die New Yorker Börse tendiert weiter freundlich, auch wenn der Dow-Jones sein Tageshoch nicht halten kann. Aktuell legt er gut ein Viertel Prozent zu. Der Aktienmarkt profitiert von Aussagen des chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang, der die Entschlossenheit der Regierung bekräftigte, sich gegen einen Wirtschaftsabschwung zu stemmen.

Die Verbraucherausgaben im März lagen mit einem Anstieg von 0,3 Prozent im Kältemonat Februar derweil genau im Rahmen der Erwartungen. Volkswirt Johannes Jander von der Helaba kommentierte: "Der erneute Anstieg der privaten Einkommen im Februar sowie das fortgesetzte Wachstum bei den Konsumausgaben bestätigen das Wachstumsszenario in den USA." Das von der Universität in Michigan veröffentlichte Verbrauchervertrauen für den März fiel gegenüber dem Vormonat allerdings leicht zurück.

Pilotenstreik bei der Lufthansa

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
23,19
Differenz relativ
+1,80%

Wie die Pilotengewerkschaft Cockpit am Mittag bekannt gab, wollen die Piloten von Mittwoch bis Freitag einschließlich streiken. Das Unternehmen forderte die Gewerkschaft derweil auf, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die Lufthansa-Aktie behauptete sich trotzdem und legte 1,74 Prozent zu.

Daimler und Bayer setzen auf China

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
55,29
Differenz relativ
+0,44%
Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
77,05
Differenz relativ
-4,63%

Zu den stärksten Dax-Werten gehörte die Daimler-Aktie. Das Unternehmen will laut einem Bericht der dpa beim Besuch von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping in Berlin eine Vereinbarung über rund eine Milliarde Euro mit seinem chinesischen Partner Beijing Automotive (BAIC) unterzeichnen. Dabei geht es um den Ausbau der Auto- und Motorenproduktion.

Auch der Bayer-Konzern erklärte, er wolle seine Medikamentenproduktion in China deutlich ausbauen und dafür rund 100 Millionen Euro investieren. Geplant sei die Erweiterung der Produktion speziell bei Medikamenten gegen Herzkreislauf-Erkrankungen und Diabetes am Bayer-Standort Peking. Bayer ist in China aktuell die Nummer Vier unter den internationalen Pharmakonzernen. Auch das Bayer-Papier rückte vor.

Allianz wegen Pimco-Fond unter Druck

Allianz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
185,88
Differenz relativ
+1,02%

Die Allianz-Aktie, die lange Zeit als einzige Dax-Aktie im Minus notierte, lag heute im Leitindex hinten. Grund ist eine schwache Wertentwicklung des Pimco Total Return Fund, auf den die Fonds-Ratingagentur Mornigstar hinwies. Der milliardenschwere Flaggschiff-Fonds der zum Allianz-Konzern gehörenden US-Tochtergesellschaft Pimco hat seit Jahresbeginn nur 1,28 Prozent erwirtschaftet, das sind 75 Basispunkte weniger als die Benchmark. Damit liegt er weit hinter der Konkurrenz zurück.

Pimco wegen des überraschenden Rücktritts von Firmenchef Mohamed El-Erian im Januar in die Negativschlagzeilen geraten. Es gab Streit zwischen El-Erian und Fondsmanager Bill Gross - wegen der schwachen Kursentwicklung des Fonds.

BMW baut US-Werk kräftig aus

Die Münchener wollen wegen der starken Nachfrage nach ihren Sport-Geländewagen die Fertigungskapazität im US-Werk Spartanburg in South Carolina kräftig auf 450.000 Fahrzeuge ausweiten. Das wären anderthalb mal so viele Autos wie heute. Spartanburg würde damit das größte BMW-Werk werden und auch den Standort im bayerischen Dingolfing überholen. In Spartanburg werden die Modelle X3, X5 und X6 gebaut, die in Amerika sehr beliebt sind. Zukünftig solle es mit dem X7 ein noch größeres Modell mit einer dritten Sitzbank geben. Mit dem Beginn der Produktion wird aber nicht vor 2018/2019 zu rechnen sein.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
81,80
Differenz relativ
+0,60%

RWE verkauft Dea

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,21
Differenz relativ
+0,19%

Der politisch umstrittene Verkauf der Öl- und Gasfördertochter Dea ist unter Dach und Fach, wie das Unternehmen nach Börsenschluss bekannt gab. Für 5,1 Milliarden Euro kommt die Investorengruppe LetterOne unter der Führung eines russischen Oligarchen zum Zuge. RWE will mit dem Ertrag Schulden abbauen. Der Verkauf war im Zuge der Russland-Krise von deutschen Politikern in Frage gestellt worden.

Salzgitter zahlt Dividende

Salzgitter: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
38,25
Differenz relativ
+0,34%

Trotz des bereits bekannt gegeben Vorsteuerverlusts von fast einer halben Milliarde Euro will der Stahlkonzern Salzgitter Geld an die Aktionäre ausschütten. Die Dividende für 2013 soll bei 20 Cent je Aktie liegen. Bei der Restrukturierung des Unternehmens sieht Salzgitter-Chef Heinz Jörg Fuhrmann Fortschritte. Auf die Frage, ob dies auch für den gesamten Konzern gelte, antwortete Fuhrmann, er werde sich nicht dazu äußern, da diese Auskunft ad-hoc-pflichtig sei.

Xing verdient etwas weniger

Xing: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
300,50
Differenz relativ
-0,99%

Nach einer anfänglichen Kursschwäche lief die Xing-Aktie noch zu Form auf und war zweitbester TecDax-wert. Grund für den morgentlichen Fehlstart waren anfängliche Irritationen des Marktes wegen des aus Bewertungsründen nach unten korrigierten Gewinnes. Nach Angaben von Xing hat das aber keine Auswirkungen auf Liquidität und Cashflow. Xing hält daher an der geplanten Dividendenanhebung und der Sonderausschüttung fest. Die Deutsche Bank hat ihr Kursziel für den Wert von 73 auf 110 Euro hochgeschraubt.

Stratec ist guten Mutes

Die Aktie des Medizintechnikunternehmen Stratec Biomedical war nach den Geschäftszahlen für 2013 gefragt und gehörte im TecDax ebenfalls zu den größten Gewinnern. Gut kommt an, dass Stratec seine Dividende erhöhen will, konkreter wurde das Management aber noch nicht. Das erste Quartal sei stark gelaufen, hieß es zudem.

Nemetschek übertrifft sich

Größter Gewinner im TecDaxwar die Aktie des Bau-Softwareanbieters Nemetschek. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr besser als erwartet abgeschnitten und will im laufenden Jahr weiter wachsen. Der Umsatz soll um 11 bis 14 Prozent auf 207 bis 212 Millionen Euro zulegen.

Manz stellt Anleger zufrieden

Der Maschinenbauer Manz hat seinen Verlust im vergangenen Jahr um den Faktor zwölf verringert. Dennoch lag das Minus bei 2,7 Millionen Euro. Im laufenden Jahr soll der Umsatz stark wachsen und sich das Ergebnis vor Zinsen und Steuern deutlich verbessern. Manz-Aktien waren im TecDax ebenfalls gefragt.

Deutsche Wohnen boomt

Deutsche Wohnen: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
41,83
Differenz relativ
+1,41%

Der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen aus dem MDax hat die operative Kennziffer Funds From Operations (FFO) im vergangenen Jahr um 68 Prozent auf 114,5 Millionen Euro nach oben geschraubt. Im laufenden Jahr soll sie ohne Verkäufe dank der Übernahme des Konkurrenten GSW von 114,5 auf mindestens 210 Millionen Euro zulegen. Die Anleger waren jedenfalls zufrieden, die Aktie legte zu.

TAG verkauft an Apollo

Index- und Branchenkollege TAG Immobilien gab am Abend bekannt, dass er ein Portfolio an Gewerbeimmobilien für 297 Millionen Euro an den Investor Apollo. Die Transaktion werde leicht gewinnerhöhend sein für TAG, teilte das Unternehmen mit. Mit dem Vollzug wird im zweiten Quartal gerechnet.

ElringKlinger auf Kurs

Die Elring-Aktie führte mit einem Zugewinn von sechs Prozent deutlich den MDax an. Der Autozulieferer sieht sich fürs laufende Jahr gut gerüstet. Zum Jahresende 2013 lag der Auftragsbestand mit 595 Millionen Euro rund 30 Prozent über dem Vorjahresstand, wie das Unternehmen mitteilte. Im laufenden Jahr will das im MDax gelistete Unternehmen seinen Umsatz um fünf bis sieben Prozent verbessern und das Ebit von 145 auf 150 bis 155 Millionen Euro steigern.

Ströer schreibt schwarz

Der Werbevermarkter Ströer hat im vergangenen Jahr erstmals seit 2010 wieder Geld verdient. Das Plus lag bei 5,1 Millionen Euro nach einem Vorjahresverlust von 1,8 Millionen. Der Umsatz stieg um 13 Prozent auf 635 Millionen Euro. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt für das Gesamtjahr mit einem Umsatz von 631 Millionen Euro und einem Überschuss von 3,5 Millionen Euro gerechnet. Die Aktie, die bereits im Vorfeld gut gelaufen war, stieg weiter.

Epigenomics kommt kräftig unter die Räder

Epigenomics-Aktien stehen hingegen heftig unter Druck, das Papier verlor kräftig 12,6 Prozent. Das Biotech-Unternehmen hat seine Jahresergebnisse und den Ausblick für 2014 veröffentlicht. Danach wird Epigenomics erneut einen Verlust im Bereich von acht Millionen Euro machen und einen Barmittelabfluss von sieben bis Millionen Euro haben. Ende 2013 betrug die Liquidität der Gesellschaft einschließlich marktgängiger Wertpapiere 8,0 Millionen Euro.

Masterflex mit Licht und Schatten

Der Spezialist für Hightech-Schläuche und Verbindungssysteme blickt nach den Worten von Firmenchef Andreas Bastin auf ein zufriedenstellendes Geschäftsjahr 2013 zurück. Der Umsatz stieg von 55 auf 57,9 Millionen Euro, ein Wachstum von 5,3 Prozent. Operativ verdiente das Unternehmen aus dem Prime Standard 6,1 Millionen Euro, das sind 19,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Grund waren hohe Vorlaufkosten für die Internationalisierung, hauptsächlich Personalkosten. Die Anleger waren wenig begeistert und verkauften die Aktie.

Blackberry weiter tiefrot

Der kanadische Smartphone-Pionier hat im Ende März abgeschlossenen vierten Quartal einen Verlust von 423 Millionen Dollar eingefahren. Das Minus lag damit allerdings deutlich unter dem des Vorquartals. Die Aktie, die zunächst zulegte, ist mittlerweile deutlich ins Minus gedreht.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 17. August

Unternehmen:

Grand City Properties: Q2-Zahlen, 7:00 Uhr
Volkswagen: Absatz 07/18
Maersk: Halbjahreszahlen
Schindler: Halbjahreszahlen, 6:30 Uhr

Konjunktur
Deutschland: Verarbeitendes Gewerbe 06/18, 8 Uhr
EU: Verbraucherpreise 07/08 endgültig, 11:00 Uhr
USA: Frühindikatoren 07/18, 16 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen 08/18 vorläufig, 16 Uhr