Winterferienwoche abgehakt

Stand: 08.01.2010, 20:01 Uhr

Die vergangene Woche war geprägt durch relative Nachrichtenarmut, das Ringen um die Marke von 6.000 Punkten und einem Happy End. Am Freitag gelang dem Dax der späte Sprung über die 6.000, die Woche ist gerettet.

Eine engagierte Handelswoche sieht anders aus. Bei sehr geringem Handelsvolumen driftete der Dax mal nach oben, mal und unten, meist seitwärts. Am Freitag immerhin legte der Leitindex leicht zu (0,3 Prozent) und schloss 38 Punkte oberhalb der wichtigen runden Marke von 6.000 Punkten.

Die erste Januarwoche war für die meisten Investoren noch gar keine echte Börsenwoche. Zum einen waren viele schlicht noch im Winterurlaub, zum anderen beginnt erst kommende Woche die wichtige Nachrichtensaison, mit den Quartalszahlen des amerikanischen Aluminiumkonzerns Alcoa, der traditionell die Berichtssaison in den USA einläutet.

So ganz nachrichtenlos war dieser Freitag dann auch nicht. Am Nachmittag gab es mit den amerikanischen Arbeitslosenzahlen den wichtigsten Konjunkturindikator der Woche, der dann auch - zumindest für kurze Zeit - die Kurse beeinflusste.

85.000 Stellen gingen der amerikanischen Wirtschaft im Dezember verloren, das waren 85.000 mehr als prognostiziert. Der erhoffte Aufschwung am Arbeitsmarkt war damit im letzten Monat des Jahres 2009 ausgeblieben, eine handfeste Enttäuschung. Die Börsen reagierten kurz äußerst verschnupft, um sich aber ebenso rasch wieder zu erholen. Die Begründung: Schlechte Wirtschaftsnachrichten müssen für die Akteure am Kapitalmarkt nicht unbedingt schlecht sein, weil die Notenbank Fed gezwungen sein könnte, ihre expansive Geldpolitik länger als erwartet fortzuführen.

Außerdem waren die Zahlen zum deutschen Export und die Industrieproduktion für den Monat November einigermaßen erfreulich. Zwar trafen sie die Erwartungen nicht punktgenau, doch deuten sie an, was die Börse längst glaubt: Die Rezession ist vorbei und der Aufschwung ist da.

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
28,40
Differenz relativ
+0,71%

Die Banken und die Post
Im Dax waren die Aktien der Banken gefragt. Die Analysten der UBS hatten am Morgen eine Reihe guter Bewertungen für die Branche veröffentlicht. Unter anderem hob die UBS den Sektor der europäischen Investmentbanken auf "Buy", die Deutsche Bank bekam ein neues Kursziel von 60 Euro zugesprochen. Die Aktie der Deutschen Post stieg um 2,4 Prozent, nachdem der amerikanische Konkurrent UPS seine Gewinnschätzung für das vierte Quartal angehoben hatte.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
22,48
Differenz relativ
+9,13%

Mit einem Kursgewinn von 1,9 Prozent ging die Aktie des Stahlkonzerns ThyssenKrupp aus dem Handel. Die Commerzbank hatte das Kursziel auf 31 Euro erhöhe. Und die Infineon-Aktie profitierte von Chip-Absatzzahlen aus Taiwan profitiert, das Papier verteuerte sich um 1,7 Prozent.

JP Morgan mag die Metro nicht
Eine neue Studie setzte die Aktie der Metro unter Druck. JP Morgan hat den Handelskonzern von "Overweight" auf "Neutral" gesenkt und auf die anstehenden Umsatzzahlen verwiesen. Die Aktie schloss 2,3 Prozent schwächer.

K+S erhöht Streusalzproduktion
Der strenge Winter hat in Deutschland zu einer regelrechten Streusalznot geführt, die jetzt der Düngemittel- und Salzhersteller K+S beheben will. Die Firma kündigte am Freitag an, man wolle die Streusalzproduktion wegen der hohen Nachfrage um ein Fünftel anheben. Zu diesem Zwecke habe man in einigen Kaliwerken die Produktion so umgebaut, dass dort jetzt Streusalz hergestellt werde. Die Aktie notierte, nach den deutlichen Kursgewinnen der vergangenen Tage, am Freitag etwas schwächer.

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,68
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+0,80%

Milliarden für Eon, RWE, Siemens und Hochtief?
Großbritannien hat für den geplanten größten Offshore-Windpark vor der Küste Englands erste Aufträge verteilt, auch an deutsche Firmen. RWE soll mit seiner Tochter Innogy gleich zwei Windparks errichten. Auch Eon und Siemens sollen an den Projekten beteiligt werden, wie britische Behörden am Freitagnachmittag mitteilten. Hochtief soll die Fundamente der Windräder legen und für die Baulogistik sorgen. Bis 2020 sollen die Windparks gebaut sein und ein Viertel des britischen Energiebedarfs decken.

Praktiker abgestuft, Anleger verkauften
Nach den gestrigen schwachen Umsatzzahlen haben einige Analysten ihre Einschätzung zu Praktiker überdacht und den Daumen gesenkt. JP hat den Baumarktkonzern auf "Neutral" gesenkt und das Kursziel gesenkt. Auch Morgan Stanley senkte das Kursziel. Die Aktie verlor fünf Prozent.

Comdirect und Sino berichteten
Die Direktbanktochter der Commerzbank, Comdirect, hat im November deutlich mehr Kundenorders ausgeführt. Bei den 1,69 Millionen Aufträgen waren insbesondere die Geschäftskunden aktiv, bei den Privatkunden verzeichnete die Comdirect schwindende Aufträge. Der deutlich kleinere Konkurrent Sino veröffentlichte stark rückläufige Auftragszahlen, hier gingen die Orders um 13 Prozent zurück.

Fantasie bei OHB hält an
Dass die Bremer Firma OHB mindestens 14 Satelliten für das europäische Navigationssystem Galileo bauen wird, hatte die Anleger schon am Donnerstag elektrisiert. Am Freitag setzte sich der Kursaufschwung um knapp 14 Prozent fort. Nicht ganz unschuldig am anhaltenden Run auf die Aktie war nach Ansicht von Händlern, dass es die Meldung bis in die Hauptnachrichten der großen Fernsehsender geschafft hat.

Kusgewinne bei Conergy und Dialog
Im TecDax fielen die hohen Kursgewinne bei Conergy und Dialog Semiconductor auf. Während die Aktie des Chipspezialisten Dialog Semiconductor wegen der offenbar guten Geschäftsaussichten 9,4 Prozent zulegte und die 10 Euro-Marke durchbrach, sorgte bei Conergy eine Agenturmeldung für einen Kursgewinn von 34 Prozent. Offenbar, meldete Reuters und zitierte ein Schreiben eines Rechtsanwaltes, stünden die Aussichten auf eine Einigung mit dem Siliziumproduzenten MEMC nicht schlecht. Conergy hatte mit MEMC vor zwei Jahren einen milliardenschweren Liefervertrag geschlossen und will diesen den neuen Begebenheiten, vor allem den drastisch gefallenen Preisen, anpassen. MEMC hatte dies bisher stets abgelehnt.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 18. Juli

Unternehmen:
NovartisVW: Q2-Zahlen, 6:45 Uhr
Cassiopea: Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Software: Q2-Zahlen, 7 Uhr
ASML: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Akzo Nobel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Ericsson: Q2-Zahlen, 8 Uhr
Easyjet: Q3-Zahlen, 8 Uhr
Morgan Stanley: Q2-Zahlen, 13 Uhr
Abott Laboratories: Q2-Zahlen, 13:45 Uhr
American Express: Q2-Zahlen, 22 Uhr
Alcoa: Q2-Zahlen, 22:05 Uhr
Ebay: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
IBM: Q2-Zahlen, 22:30 Uhr

Konjunktur:
EU: Verbraucherpreise (endgültig), 06/18, 11 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen 06/18, 14:30 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr