Wilde Berg- und Talfahrt

Stand: 28.09.2010, 20:02 Uhr

Der Einbruch des US-Verbrauchervertrauens hat die Märkte am Nachmittag tief ins Minus gedrückt. Der Dax verlor zeitweise 1,3 Prozent und stürzte unter die Marke von 6.200 Punkte. Doch dann kehrten die Käufer zurück.

Nachdem der Dax im Xetra-Handel seine Verluste nahezu komplett wieder wettmachen konnte, schließt er im Abendhandel gut 15 Punkte oder 0,2 Prozent niedriger als gestern bei 6.267. "Die nach wie vor schwachen Umsätze verdeutlichen die derzeit unter den Marktteilnehmern herrschende Verunsicherung", erklärten die Marktstrategen der Helaba.

Belastet wurden die Kurse vom Einbruch des US-Verbrauchervertrauens. Der vom Conference Board berechnete Index sank von revidiert 53,2 Punkten im Vormonat auf 48,5 Zähler, wie das private Forschungsinstitut am Nachmittag mitteilte. Volkswirte hatten hingegen mit einem leichten Anstieg auf 54,0 Punkte gerechnet.

Auch an der Wall Street geht es nach einem heftigen Einbruch wieder bergauf. Bei Börsenschluss in Frankfurt steht der Dow Jones-Index sogar 55 Punkte (0,5 Prozent) höher als gestern bei 10.867. Händlern zufolge hoffen die Investoren, dass die amerikanische Zentralbank Fed angesichts der schwächelnden Konjunktur noch mehr Geld in den Markt pumpen und damit die Wirtschaft stützen wird.

Euro steigt und steigt
Derweil hat der Euro seine Kursgewinne ausgeweitet. Die Gemeinschaftswährung steigt bis zum Börsenschluss am Abend auf 1,3582 Dollar und ist damit so teuer wie zuletzt im April. Händler erklären den Anstieg mit dem Einbruch des US-Verbrauchervertrauens.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,64
Differenz relativ
-0,21%

Schuldenkrise drückt Banken
Neuerliche Sorgen um das europäische Finanzsystem belasten die Bankentitel. Mit einem Abschlag von über zwei Prozent ist die Deutsche Bank der schwächste Wert im Dax. Auch die Aktie der Commerzbank ist unter Druck. Spekuliert wird nach Angaben von Händlern über mögliche Abstufungen der Kreditwürdigkeit Irlands. Die Rating-Agentur Standard & Poor's warnte am Mittag, falls die Regierung mehr als die veranschlagten 35 Milliarden Euro in die marode Anglo Irish Bank pumpen müsse, drohe Irland eine weitere Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit.

Merrill redet HeidelCement schlecht
Zu den Verlierern gehören auch die Aktien von HeidelCement. Ein skeptischer Kommentar der Analysten von Merrill Lynch zur europäischen Zementbranche lässt die Titel des gesamten Sektors abrutschen. Dabei beließ die Bank die HeidelCement-Aktie auf "Neutral" mit dem Kursziel 37,00 Euro.

Kepler beflügelt ThyssenKrupp
Dagegen ist die Aktie des Stahlkonzerns einer der stärksten Werte Im Dax. Das Analysehaus Kepler Equities hat die Einstufung für ThyssenKrupp nach einem Treffen mit Finanzchef Alan Hippe auf "Buy" mit einem Kursziel von 30 Euro belassen. Die Umstrukturierung des Stahlkonzerns scheine auf gutem Weg zu sein, schrieb Analyst Rochus Brauneiser in einer Studie vom Dienstag. Die Inbetriebnahme neuer Werke in Nord- und Südamerika stelle in den kommenden zwei bis drei Jahren neben den Bemühungen um ein besseres Kreditrating die größte Herausforderung dar.

Metro von Konsum stimuliert
Überdurchschnittlich zulegen können auch die Papiere von Metro. Grund ist Händlern zufolge der überraschend gute GfK-Konsumklimaindex für Deutschland. Er ist jetzt mit 4,9 Punkten auf ein Dreijahreshoch geklettert.

Stada: Serben bezahlen Rechnungen nicht
Wegen Liquiditätsproblemen serbischer Großhändler derzeit ertragsbelastende einmalige Sondereffekte in Höhe von insgesamt 29,5 Mio. Euro vor Steuern, die im laufenden dritten Quartal 2010 ausgewiesen werden. Das operative Jahresziel für den Konzern hält das Unternehmen unter der Voraussetzung einer im Zuge der veränderten Geschäftspolitik nun angestrebten Erholung des serbischen Geschäfts noch für knapp erreichbar. Die Stada-Aktie schmiert um über neun Prozent ab.

BayernLB refinanziert Deutsche Wohnen
Die BayernLB stellt der verschuldeten Immobilienfirma Deutsche Wohnen einen Kredit über 255 Millionen Euro zur Verfügung, wie Deutschlands zweitgrößte im SDax notierte Wohnungsgesellschaft mitteilte. Damit seien rund 60 Prozent des im Jahr 2012 auslaufenden Kreditvolumens vorzeitig refinanziert werden, teilte die Firma mit. Die Aktie legt um gut zwei Prozent zu.

Kuka: Wyser-Pratte zieht sich zurück
Finanzinvestor Guy Wyser-Pratte seinen Anteil an dem Roboterhersteller Kuka von 7,75 auf 4,74 Prozent gesenkt. Die Anteile wurden zum großen Teil von Großaktionär Grenzebach übernommen, der bereits zuvor 25,2 Prozent an dem SDax-Unternehmen hielt. Noch liegt die Beteiligung aber unter 30 Prozent. Die Kuka-Aktie gibt leicht nach.

Q-Cells-Aktie erholt sich
Die Aktie des Solar-Herstellers Q-Cells hat die am Mittag abgeschlossene Kapitalerhöhung verdaut und legt sogar leicht zu. Mit Hilfe neuer Aktien und der Ausgabe einer Wandelschuldverschreibung sollen dem im Umbau befindlichen Unternehmen insgesamt bis zu 336 Millionen Euro in die Kasse fließen.

Moody's schiebt Tui an
Einer der stärksten Werte im Mdax ist die Aktie des Tourismus-Konzerns Tui. Die Ratingagentur Moody's hat ihr Urteil von "negative" auf "stable" angehoben. Die Neuordnung der Finanzen bei der Reederei-Tochter Hapag-Lloyd diente dazu als Begründung.

Japanische Takefuji Bank ist pleite
Japans größter Anbieter von Konsumentenkrediten ist unter einem Schuldenberg von gut vier Milliarden Euro zusammengebrochen. Wegen der gerichtlich angeordneten Rückerstattung überhöhter Zinsen, einer Verschärfung der Finanzregeln sowie des harten Wettbewerbs beantragte Takefuji nach eigenen Angaben am Dienstag Gläubigerschutz. Dem Institut fehlt aber die Rückendeckung durch eine große Bank des Landes. Der Aktienkurs schmiert ab.

Michelin am Milliardentropf
Um bis zu zehn Prozent rauscht die Aktie des französischen Autozulieferers Michelin in die Tiefe. Damit reagiert der Markt auf eine Kapitalerhöhung um 1,2 Milliarden Euro. Anteilseigener sollen für elf Aktien zwei neue Papiere dazu erhalten. Der Konzern will mit den frischen Mitteln Investitionen finanzieren, die ab 2011 bei 1,6 Milliarden Euro liegen sollen.

Tagestermine am Dienstag, 18. Dezember

Unternehmen:
FedEx: Q2-Zahlen
Navistar: Q4-Zahlen
Micron Technology: Q1-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklima 12/18, 10:00 Uhr
USA: Baubeginne und Genehmigungen 11/18, 14:30 Uhr