Wieder überwiegen die Optimisten

Detlev Landmesser

Stand: 03.11.2008, 20:29 Uhr

Obwohl die VW-Aktie um mehr als ein Fünftel einbrach, schwang sich der Dax zu Wochenbeginn wieder über die Marke von 5.000 Punkten. Aus Amerika kamen am Abend uneinheitliche Signale.

Der L-Dax beschloss den Tag mit 5.027,58 Punkten. Die Kurserholung war aber nur zum kleineren Teil hausgemacht. An der Wall Street stützte vor allem die Aussicht auf ein Ende des entnervenden US-Wahlkampfs die Kurse, wie es alle vier Jahre üblich ist. Am Abend rutschten die New Yorker Märkte aber teilweise ins Minus, was auch an den verheerenden Oktober-Absatzzahlen der US-Autoriesen GM und Ford lag. Besonders hart traf es General Motors mit einem Absatzeinbruch von 45 Prozent. Ford setzte im Jahresvergleich 30,2 Prozent weniger Autos ab.

Ansonsten haben die Amerikaner mit der trüben Konjunkturwirklichkeit zu kämpfen. Auch der nationale Einkaufsmanagerindex für den Oktober zeigt an, dass die US-Wirtschaft ein tiefes Tal durchschreiten muss. Der aktuelle Wert dieses zuverlässigen Frühindikators rutschte von 43,5 Punkten im Vormonat auf 38,9 Punkte ab. Volkswirte hatten mit einem deutlich moderateren Rückgang auf 41,8 Punkte gerechnet. Die Bauausgaben sanken dagegen im September mit 0,3 Prozent zum Vormonat weniger als erwartet.

Commerzbank bricht das Eis

Als erste private Großbank will die Commerzbank das Rettungspaket der Bundesregierung für die Finanzbranche in Anspruch nehmen - was der Aktie am Montag nicht verübelt wurde. Der Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) werde dem Institut eine stille Einlage in Höhe von 8,2 Milliarden Euro zur Verfügung stellen, teilte die Bank am Morgen mit. Ferner bekommt die Bank als Option eine Garantie für Schuldverschreibungen über 15 Milliarden Euro. Im dritten Quartal rutschte die Commerzbank mit 285 Millionen Euro in die Verlustzone. Dabei musste sie Abschreibungen von 1,2 Milliarden Euro verzeichnen.

Mit der HSH Nordbank und der WestLB schlüpften unterdessen zwei weitere öffentlich-rechtliche Insitute unter den staatlichen Rettungsschirm.

VW-Aktie "entmachtet"
Die Stammaktie von Volkswagen sackte um 21,3 Prozent ab. Damit scheint ein Ausschluss des Titels aus dem Dax vorerst gebannt. Auf Basis des Freitags-Schlusskurses wurde das Gewicht der Aktie in dem Leitindex ab heute von zuletzt über 14 auf zehn Prozent gekappt. Den neuen Regeln zufolge kann die Deutsche Börse nun eine außerordentliche Indexumstellung vornehmen, wenn eine Aktie extrem schwankt und ein zu hohes Gewicht von mehr als zehn Prozent in dem Index erlangt.

Linde schnallt den Gürtel enger
Der Industriegasekonzern Linde rüstet sich mit einem Sparpaket für die erwartete Konjunkturflaute. In den nächsten vier Jahren sollen die Kosten vor allem im Einkauf und in der Informationstechnik um bis zu 800 Millionen Euro gedrückt werden. "In unserem Geschäftsverlauf per Ende September hat sich die Wirtschaftskrise noch nicht bemerkbar gemacht", sagte Linde-Chef Wolfgang Reitzle. Doch könne in Anbetracht der kriselnden Konjunktur nicht ausgeschlossen werden, dass einige Kunden künftig weniger Geld für Gase und Anlagen ausgeben. Im dritten Quartal steigerte Linde den Nettogewinn von 134 auf 177 Millionen Euro. Der Umsatz kletterte um zwei Prozent auf 3,14 Milliarden Euro.

Siemens verkauft Computer-Sparte
Der geplante Ausstieg von Siemens aus dem Computergeschäft und der Verkauf aller Anteile an den bisherigen Joint-Venture-Partner Fujitsu ist offenbar perfekt. Fujitsu und Siemens hätten sich grundsätzlich darauf geeinigt, dass der japanische Konzern die 50-Prozent-Anteile von Siemens an dem Gemeinschaftsunternehmen Fujitsu Siemens Computers voll übernimmt und zur eigenen Tochter macht, heißt es in japanischen und deutschen Medienberichten. Der Preis für die Übernahme dürfte rund 500 Millionen Euro betragen.

Bei BMW stehen die Bänder still
In den bayerischen Werken von BMW stehen ab heute die Bänder still. Rund 40.000 Mitarbeiter bleiben zu Hause. Das Unternehmen hat sich angesichts der schwachen Nachfrage auf den weltweiten Märkten eine Produktionspause verordnet. Betroffen von dem fünftägigen Produktionsstopp sind die Werke München, Regensburg und Dingolfing. Durch die Pausen will BMW die Produktion in diesem Jahr um 25.000 Fahrzeuge zurückfahren.

Fraport-Aktionäre jubeln
Die Fraport-Aktie profitierte vom politischen Scheitern der hessischen SPD-Vorsitzenden Andrea Ypsilanti. Eine rot-rot-grüne Landesregierung hätte den Ausbau des Frankfurter Flughafens erheblich verzögert. Diese Gefahr für den Frankfurter Flughafenbetreiber scheint nun gebannt.

Premiere haussiert
Über 42 Prozent gewann die Premiere-Aktie im MDax. Händler verwiesen neben der technischen Gegenreaktion nach den massiven Verlusten auf einen Pressebericht aus Australien vom Ende der Vorwoche. Laut dem "Sidney Morning Herald" will Rupert Murdoch das Ruder bei dem Bezahlfernsehsender übernehmen und prüft derzeit den Unternehmenswert. Ein weiterer Anleger verwies auf Aussagen der Deutschen Fußball-Liga zur Vermarktung der Bundesliga vom Freitag. Der Markt setze weiter auf die Exklusivrechte für Premiere.

Arcandor für Sparprogramm gefeiert
Die Aktie von Arcandor profitierte weiter von dem Verzichts-Reigen bei dem Handels- und Touristikkonzern. Gemäß der Vereinbarung verzichten die Mitarbeiter auf bis zu zwölf Prozent ihres Jahreseinkommens. Damit will der Konzern über drei Jahre 345 Millionen Euro bei den Personalkosten sparen.

Rhön-Klinikum lässt Finanzchef gehen
Der Aufsichtsrat der Rhön-Klinikum AG hat den Vertrag mit Vorstandschef Wolfgang Pföhler vorzeitig bis Ende April 2014 verlängert. Die Entscheidung für den 55-Jährigen, der seit Sommer 2005 das MDax-Unternehmen leitet, sei einstimmig gefallen, teilte der Klinikbetreiber mit. Der Finanzvorstand Dietmar Pawlik verlasse dagegen das Unternehmen auf eigenen Wunsch. Sein Nachfolger werde Erik Hamann.

Solarworld gut dabei
Der Solartechnik-Konzern Solarworld meldete für sein drittes Quartal einen Gewinnsprung. Vor Zinsen und Steuern stieg das Ergebnis (Ebit) um 67,3 Prozent auf 90,7 Millionen Euro. Damit übertraf Solarworld die Analystenschätzungen um rund 24 Millionen Euro. Der Nettogewinn erreichte im Zeitraum von Juli bis September 35,9 (Vorjahresquartal: 30,6) Millionen Euro und damit sieben Millionen Euro weniger als von Experten geschätzt. Alle derzeit absehbaren Kapitalmarktrisiken seien in der Bilanz berücksichtigt, erklärte Solarworld.

Freenet-Anteil belastet Drillisch
Bei Drillisch sind wegen des Kursverfalls der Freenet-Aktie hohe Abschreibungen fällig geworden. Auf die Beteiligung habe Drillisch zum 30. September Abschreibung von 151,1 Millionen Euro verbucht, teilte das Telekomunternehmen am
Montagabend mit. Drillisch-Chef Paschalis Choulidis sagte zu Reuters, es gebe dennoch keine Pläne, den Anteil an Freenet zu verringern. Zuletzt hielt Drillisch laut Choulidis direkt und indirekt 16 Prozent an Freenet. In den ersten neun Monaten konnte Drillisch nach vorläufigen Zahlen trotz stagnierender Erlöse sein operatives Ergebnis steigern. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erhöhte sich um 13 Prozent auf 30,5 Millionen Euro. Der Umsatz blieb mit 265,6 Millionen Euro auf Vorjahresniveau.

IDS Scheer sieht sich nach Partnern um
Im TecDax legte die Aktie von IDS Scheer um 11,4 Prozent zu. Nach Informationen der "Wirtschaftswoche" schließt Unternehmensgründer und Aufsichtsratsvorsitzender August-Wilhelm Scheer erstmals einen Verkauf der Firma nicht aus. "Es geht um mein Lebenswerk", bekannte er gegenüber dem Magazin. Der Verkauf des in der Krise steckenden Unternehmens wäre "keine unrealistische Entwicklung", erklärte er dem Magazin. Die Gewinnmarge von IDS Scheer schrumpfte von rund 14 Prozent im Jahr 2003 auf sechs Prozent im ersten Halbjahr dieses Jahres und das angepeilte Margenziel für 2008 wurde von acht bis neun auf drei bis vier Prozent gesenkt.

Centrotherm stärkt sich
Das Solarunternehmen Centrotherm Photovoltaics hat seine Kapitalerhöhung abgeschlossen und die Schwesterfirma Centrotherm Thermal Solutions (CTTS) zum Bestandteil der Gesellschaft gemacht. Es seien knapp 5,2 Millionen Papiere gezeichnet worden, teilte das Unternehmen am Abend mit. Aus der Barkomponente der Kapitalerhöhung fließen Centrotherm 18,8 Millionen Euro zu.

Tipp24 von Unsicherheit gebremst
Die weiterhin ungelöste Rechtslage um den deutschen Glücksspiel-Staatsvertrag hat den Anbieter Tipp24 belastet. Zwar stieg der Umsatz in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres um 15,8 Prozent auf knapp 33 Millionen Euro. Auch wuchs das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) gegenüber dem Vorjahr um 20,3 Prozent auf 6,3 Millionen. Doch waren die ersten neun Monate des Vorjahres durch Einmalaufwendungen in Höhe von 1,8 Millionen Euro belastet. Um diese bereinigt, wäre das Ebit gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 10,1 Prozent zurückgegangen.

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