Wieder nur Verluste

Stand: 20.11.2008, 20:00 Uhr

Der Donnerstag endete so, wie er begonnen hatte. Mit Kursverlusten. Dass der Dax "nur" drei Prozent verlor, lag an der leidlich freundlichen Wall Street. Am Abend kam noch Leben in die Bude.

Am frühen Abend machten zunächst Gerüchte die Runde, dass eine "überparteiliche Gruppe" von US-Senatoren eine Einigung zur Unterstützung der maroden US-Autokonzerne erreicht hätten. Die Wall Street reagierte, ohne dass Händler Details über die Übereinkunft kannte, elektrisiert. Binnen einer halben Stunde der Dow Jones um 350 Punkte. Die Aktien der Autokonzerne legten zweistellig zu.

Später am Abend meldeten sich kritische Stimmen. Der Mehrheitsführer im Senat, der demokratische Abgeordnete Harry Reid, sagte, es liege kein Plan vor, der im Kongress mehrheitsfähig wäre. Auch an der Börse machte sich Ernüchterung breit, der Dow Jones notierte um 20 Uhr, beim Ende des Parketthandels in Frankfurt, ein halbes Prozent im Plus, bei allerdings stark volatilem Kursverlauf.

Dax minus drei Prozent
Der Dax setzte am Donnerstag seine Talfahrt fort. Die Anleger befürchten, dass viele Unternehmen ihre Umsatz- und Gewinnziele nicht halten können und verkauften branchenübergreifend Aktien. Am härtesten erwischte es wieder einmal die Finanzbranche.

Aufgeschreckt von dem Milliardenverlust, den die Hypo Real Estate bereits am Dienstag bekannt gab, verlor die HRE-Aktie 16,5 Prozent, die Deutsche Bank 9,4 und die Commerzbank 8,5 Prozent.

Amerikanische Konjunkturzahlen zeigten eindrücklich die schwierige Lage der US-Wirtschaft. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA stiegen auf 542.000. Im Vierwochenschnitt stiegen die Zahlen damit auf den höchsten Stand seit Ende 1982. Volkswirte hatten mit einem leichten Rückgang gerechnet. Auch die Frühindikatoren fielen mit einem Wert von minus 0,8 schlechter aus als erwartet.

Volkswagen steuert gegen
Volkswagen reagiert auf die weltweite Absatzschwäche mit einer neuen Modellpolitik. Künftig sollen mehr spritsparende Autos und alternative Antriebe wie Elektromotoren angeboten werden, kündigte VW an. Damit will der Konzern die Zahl der Fahrzeuge mit Emissionswerten unter 100 Gramm Kohlendioxid je Kilometer deutlich steigern. Zugleich kündigte Volkswagen an, Investitionen und Ausgaben zu überprüfen. Ausgaben sollen zum Teil gestreckt, Prestigevorhaben gestrichen und die Produktivität erhöht werden. Die Volkswagen-Aktie verlor sechs Prozent.

Die Autokrise und ihre Töchter
Auch die Unternehmen, die die Autokonzerne beliefern, müssen mit Problemen kämpfen. Am Mittwoch kündigte BASF an, wegen Absatzproblemen 80 Werke vorrübergehend stillzulegen. Bayer stellt sich ebenfalls darauf ein, weniger zu produzieren, falls die Nachfrage einbrechen sollte. Dies gab der Konzern am Donnerstag bekannt.

Der Klebstoffhersteller Henkel, der ebenfalls die Automobilbranche beliefert, sieht hingegen derzeit keine Absatzkrise und will deshalb die Produktion nicht einschränken.

Metro erwartet stabiles Weihnachtsgeschäft
Der Handelskonzern Metro rechnet nicht damit, dass das Weihnachtsgeschäft einbrechen wird. Finanzvorstand Thomas Unger sagte zudem, dass die Refinanzierung des Konzerns bis 2011 "weitgehend" gesichert sei. Aktien des Handelskonzerns verloren trotzdem 4,4 Prozent.

2009 wird für Nordex zum Problem
Der Windanlagen-Hersteller Nordex hat im dritten Quartal seinen Umsatz noch um 85 Prozent auf 315 Millionen Euro gesteigert. Auch das Ergebnis vor Zinsen und Steuern legte um 163 Prozent auf 21 Millionen Euro zu. Das kommende Jahr soll alllerdings schwierig werden. Nordex erwartet, dass Kunden ihre geplanten Windparks nicht mehr finanzieren können, die Aktie verlor 6,7 Prozent.

Suzlon verzichtet auf Repower-Rest
Laut einem Zeitungsbericht will der indische Großaktionär Suzlon darauf verzichten, das Windkraftunternehmen Repower komplett zu übernehmen und einen Beherrschungsvertrag abzuschließen. Die Aktionäre des im TecDax notierten Unternehmens sind enttäuscht, das Papier verlor 18,1 Prozent.

Freenet will Mitarbeiter entlassen
Der Telekomkonzern Freenet will angesichts der schwierigen Marktlage rund 1.000 Vollzeitstellen streichen. Der Konzern will damit "zentrale Bereiche verschlanken" und sich auf "kundennahe Bereicht" konzentrieren. Ende des dritten Quartals beschäftigte Freenet etwa 7.700 Mitarbeiter. Freenet-Aktien, im TecDax notiert, verlor fast zehn Prozent.

Gagfah senkt Prognose
Die Aktie des Immobilienkonzerns Gagfah verlor 2,3 PRozent. Das Neunmonatesergebnis des MDax-Konzern war recht unerfreulich. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern lag bei 95,1 Millionen Euro, nach 103,9 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Gagfah senkte zudem die Gewinnprognose für 2008. Kurstreibend war bis zum frühen Nachmittag die Mitteilung, dass der Konzern bis zu zehn Prozent der eigenen Aktien zurückkaufen wolle.

Escada bleibt zuversichtlich
Der Modekonzern Escada rechnet damit, dass er trotz des Einbruchs am Markt für Damenmode seine Ziele für das Geschäftsjahr 2007/2008 erreichen werde. Obwohl die Nachfrage im Oktober drastisch zurückgegangen sei, sagte Escada-Chef Bruno Sälzer der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, sehe er keine Auswirkungen mehr auf das Ergebnis für das Ende Oktober beendete Geschäftsjahr. Die Escada-Aktie verlor 5,1 Prozent.

Arques lässt Kerngeschäft ruhen
Die Beteiligungsgesellschaft Arques hat das dritte Quartal mit einem Nettoverlust von 84,2 Millionen Euro abgeschlossen und erwartet nun auch hohe Verluste im Gesamtjahr. Der Umsatz soll nun nur noch fünf statt wie geplant sechs Milliarden Euro betragen. Angesichts der Probleme kündigte Arques, das Kerngeschäft, den Unternehmenskauf, ruhen zu lassen und die Beteiligungen nur noch zu verwalten. Die SDax-Aktie fällt um fast zwölf Prozent.

Sixt senkt Prognose
Papiere des Autovermieters Sixt verloren 6,1 Prozent. Sixt senkte nach einem deutlichen Gewinnrückgang in den ersten neun Monaten seine Erwartungen: Das Vorsteuerergebnis werde 2008 voraussichtlich nur noch 100 Millionen Euro erreichen.

MVV legt zu
Der Energieversorger MVV hat im Geschäftsjahr 2007/08 vom Stromverkauf an Industrie- und Gewerbekunden profitiert. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern ohne den Energiehandel stieg im abgelaufenen Geschäftsjahr um ein Viertel auf 249 Millionen Euro. Prognostiziert hatte MVV mehr als 240 Millionen Euro. Der Umsatz kletterte um 17 Prozent auf mehr als 2,6 Milliarden Euro. Die MVV-Aktie notiert etwa unverändert.

Petrotec mit höheren Verlusten
Der Biodieselhersteller Petrotec hat die ersten neun Monate mit einem deutlichen Verlust abgeschlossen. Der operative Verlust betrug 14,4 Millionen Euro, nach 2,3 Millionen vor einem Jahr. Petrotec verwies auf höhere Materialkosten und Rückstellungen. Die Aktie verlor sechs Prozent.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr