Wieder nix!

Detlev Landmesser

Stand: 26.08.2008, 20:32 Uhr

Am Abend kippte die Laune in den USA dann doch wieder. Amerikas Währungshüter liebäugeln offenbar eher mit steigenden Zinsen. Den ganzen Tag über hatten Konjunkturdaten für ein Wechselbad gesorgt.

Trotz ihrer nach wie vor ernsten Konjunktursorgen sehen die Mitglieder des Geldpolitischen Ausschusses der US-Notenbank als nächsten Zinsschritt "generell" eine Anhebung. Der Zeitpunkt und die Höhe der Zinserhöhungen hänge von der wirtschaftlichen Entwicklung ab, heißt es in dem um 20:00 Uhr veröffentlichten Protokoll der Fed-Sitzung vom 5. August. Die US-Notenbank hatte auf der Sitzung ihren Leitzins unverändert bei 2,00 Prozent belassen.

Die New Yorker Aktienmärkte drifteten daraufhin ins Minus. Sollte es dabei bleiben, wird der Dax, der diese Bewegung nicht mehr nachvollziehen konnte, am Mittwoch sehr wahrscheinlich tiefer eröffnen.

Zuvor hatte die Wall Street den deutschen Aktienmarkt wegen erfreulicher Konsumentendaten nach oben mitgerissen. Das vom Forschungsinstitut Conference Board ermittelte Verbrauchervertrauen stieg im August zum zweiten Mal in Folge und stärker als erwartet. Der entsprechende Index stieg von 51,9 Punkten im Juli auf 56,9, teilte das private Institut um 16:00 Uhr mit. Volkswirte hatten nur mit 53,0 Punkten gerechnet.

Weniger schön waren die neuen Daten vom amerikanischen Immobilienmarkt. Zwar lag die Zahl der Neubauverkäufe im Juli höher als im Juni, stieg aber mit 2,4 Prozent auf 515.000 weniger als erwartet. Die Konsensschätzung lag bei 525.000. Zudem wies der Case-Shiller-Hauspreisindex einen rekordverdächtigen Preisverfall bei den US-Wohnimmobilien aus. Im Juni lagen die Preise fast 16 Prozent tiefer als vor einem Jahr.

Ifo-Index auf Rezessionskurs

Der Dax hatte zunächst an dem erschreckend schwachen Ifo-Index zu knabbern. Sofort nach der Veröffentlichung des Konjunkturindikators um 10:00 Uhr sackte der Dax um weitere 20 Punkte ab. Danach konnte sich der Leitindex aber wieder ins Plus robben, was auch an der Aussicht lag, dass sich die Europäische Zentralbank nun erst recht mit weiteren Zinserhöhungen zurückhält.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel von 97,5 Punkten im Juli auf 94,8 Punkte. Analysten hatten mit 97,1 Punkten gerechnet. Das Ifo-Institut teilte mit, dass die deutsche Wirtschaft zunehmend in schwieriges Fahrwasser gerate. Die lange Zeit eher optimistischen Bankenvolkswirte sprachen daraufhin fast einhellig von zunehmenden Rezessionsgefahren. Diese sowie die hohe Inflation dämpften auch im August die Stimmung der Verbraucher, wie der GfK-Konsumklimaindikator am Morgen zeigte. Der Index sank von revidierten 1,9 Punkten im Vormonat auf 1,5 Punkte.

Dresdner-Coba-Poker in heißer Phase
Auffallend viele Nachrichten gab es zum Fusionspoker zwischen Commerzbank und Dresdner Bank. Angeblich will der Allianz-Aufsichtsrat am Sonntag über den Verkauf der Tochter entscheiden, berichtete das "Handelsblatt". Bei der seit Monaten interessierten Commerzbank sei ebenfalls am Wochenende mit einem außerordentlichen Treffen des Kontrollgremiums zu rechnen.

Die "FAZ" berichtete, die Commerzbank könnte die Dresdner Bank zum Teil mit der Übergabe ihrer Fondsgesellschaft Cominvest an die Allianz bezahlen. Auch die China Development Bank wurde wieder als Interessent genannt. Die Chinesen böten einen wesentlichen höheren Preis als die Commerzbank, hieß es von "FAZ.NET". Das "Manager Magazin" schrieb unterdessen, die Allianz-Tochter solle aufgrund der fehlenden finanziellen Kraft der Commerzbank in zwei Tranchen zu 51 und ein Jahr später zu 49 Prozent verkauft werden. Während die Allianz-Aktie zum besten Dax-Titel avancierte, bildete die Commerzbank das Index-Schlusslicht.

Thyssen baut um
Zu den wenigen Dax-Verlierern gehörte auch ThyssenKrupp. Der Mischkonzern will das Wachstumstempo in seiner Dienstleistungssparte Services deutlich steigern. Dazu will er sich von dem Teilbereich der Sparte, den Industrial Services mit einem Umsatz von 1,7 Milliarden Euro und 23.000 Mitarbeitern im kommenden Jahr weitgehend trennen. Mit den Einnahmen aus den Transaktionen soll weiteres Wachstum finanziert werden. "Wir wollen eine Umsatz-Größenordnung von deutlich über 20 Milliarden Euro erreichen und in einem überschaubaren Zeitraum ein nachhaltiges Ergebnis vor Steuern von einer Milliarde Euro erwirtschaften", sagte der Chef des Segments Services, Edwin Eichler.

Deutsche Börse senkt Preise
Vorübergehend geriet die Aktie der Deutschen Börse unter verstärkten Abgabedruck. Der Konzern kündigte an, dass er seine Preise für den computergestützten Handel (Algotrading) ab September senken wird. Bei unverändertem Transaktionsvolumen würde man auf das Jahr gerechnet etwa 35 Millionen Euro weniger einnehmen, teilte die Börse mit. Der Konzern rechnet aber damit, dass durch die niedrigen Preise auch die Umsätze steigen.

Neues Altes zu Stada
Im MDax war die Stada-Aktie am stärksten gefragt. "Seit Teva Pharmaceuticals den Konkurrenten Barr Pharmaceuticals schlucken will, gibt es immer wieder Spekulationen, dass auch ein Interesse an Stada besteht", kommentierte ein Händler.

Wird Jäger Arques zum Gejagten?
Auch der SDax hat seine Übernahmespekulationen. Die Arques-Aktie gewann 4,7 Prozent. Offenbar will die Beteiligungsgesellschaft Aurelius bei dem Konkurrenten einsteigen. Aurelius habe sich bereits indirekt Zugriff auf Arques-Aktien gesichert, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf Finanzkreise. Das Ziel des Aurelius-Chefs Dirk Markus, der Arques selbst mitgegründet hatte, sei entweder eine Mehrheitsübernahme oder eine maßgebliche Beteiligung. "Es gibt Gespräche", bestätigte eine "informierte Person" den Bericht gegenüber dpa-AFX.

MPC bestätigt gesenkte Prognose
Der im SDax notierte Fondsanbieter MPC Capital hat wegen hoher Abschreibungen bei seiner Beteiligung HCI Capital im ersten Halbjahr einen Gewinneinbruch verbucht. Der Überschuss fiel um 94 Prozent auf 1,2 Millionen Euro. Der Umsatz schrumpfte um ein Fünftel auf 76 Millionen Euro. MPC bestätigte aber seine vor zwei Wochen gesenkte Prognose von bis zu 40 Millionen Euro Gewinn.

Gewinnsprung bei EM.Sport
Die Aktie von EM.Sport Media war ebenfalls gefragt. Der Medienkonzern hat seinen Gewinn im zweiten Quartal kräftig gesteigert. Das Nettoergebnis stieg von 1,8 auf 9,1 Millionen Euro, der Umsatz verbesserte sich um elf Prozent auf 63,2 Millionen Euro.

Solar Millennium weniger profitabel
Solar Millennium hat in den ersten acht Monaten des laufenden Geschäftsjahres den Umsatz um elf Prozent auf 12,3 Millionen Euro gesteigert. Das Nettoergebnis ging von 1,7 auf 0,3 Millionen Euro zurück. Der Konzern begründete den Rückgang mit erst im vierten Quartal erwarteten Umsätzen und Ergebnissen. Das Solarunternehmen geht weiterhin davon aus, dass die Erlöse in diesem Jahr 80 Millionen Euro und der Gewinn 18 Millionen Euro erreichen.

PC-Ware meldet starke Zuwächse
Der IT-Händler PC-Ware hat im ersten Quartal seines Geschäftsjahres Umsatz und Ergebnis kräftig gesteigert. Die Erlöse stiegen um 41 Prozent auf 231 Millionen Euro, das Ebit kletterte um gut ein Drittel auf 2,6 Millionen Euro. Das Wachstum sei im ersten Quartal vor allem vom Service-Geschäft getragen worden, teilte PC-Ware mit.

Silicon Sensor wächst zweistellig
Die Aktie von Silicon Sensor konnte leicht zulegen. Der Chiphersteller hat im zweiten Quartal die eigenen Erwartungen geschlagen. Der Umsatz stieg um 15 Prozent auf 9,1 Millionen Euro, das Ebit wuchs um zehn Prozent auf drei Millionen Euro. Der Auftragsbestand sank allerdings um acht Prozent.

EquityStory trotzt der Krise
Die Aktie von EquityStory ging unverändert aus dem Xetra-Handel. Das auf Investor Relations spezialisierte Unternehmen hat im zweiten Quartal den Umsatz um 13 Prozent auf 2,3 Millionen Euro gesteigert. Das Ebit kletterte um acht Prozent auf 739.000 Euro. Vorstandschef Achim Weick sagte, dass das Unternehmen wegen fehlender Börsengänge kaum Neukunden gewinnen konnte, trotzdem aber ein gutes Ergebnis erzielt habe.

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