Wieder mehr Zuversicht

Stand: 08.09.2010, 20:02 Uhr

Die Stimmung an den Börsen hat sich heute überraschend wieder aufgehellt. Bessere Nachrichten von der Schuldenkrise haben die Anleger beruhigt. Zudem verdichten sich die Hinweise auf ein geschwächtes aber anhaltendes Wirtschaftswachstum.

Folglich klettert der Dax auch im Abendhandel um gut 43 Punkte (0,7 Prozent) auf 6.159. Eine erstaunliche Kehrtwende, war der Leitindex doch am Vormittag auf 6.062 Punkte eingebrochen - allen voran wegen der Sorge um den hohen Kapitalbedarf der Banken.

Um die Mittagszeit kommt es dann zu einer überraschenden Wende und der Dax dreht ins Plus. Grund für die plötzliche Zuversicht ist die Rückendeckung der EU für die Sanierung des angeschlagenen irischen Bankensektors. Gleichzeitig versichert der irische Finanzminister, dass sich die Banken des Landes selbst refinanzieren können und es folglich keine Lücken zum Monatsende geben werde. Dazu soll soll die verstaatlichte Anglo Irish Bank in zwei eigenständige Teilinstitute aufgespalten werden.

Beflügelt wurden die Märkte auch von der erfolgreichen Emission portugiesischer Staatsanleihen. Zuletzt hatten die wieder kräftig gestiegenen Risikoaufschläge für die Anleihen der südeuropäischen Staaten wieder Schatten auf die Finanzmärkte geworfen.

Langsameres Wachstum
Auch scheinen die Anleger inzwischen davon überzeugt zu sein, dass die amerikanische Wirtschaft nicht in die Rezession (Double-Dip) abdriftet, sondern weiter wachsen wird, wenn auch abgeschwächt. Beruhigt hat die Anleger offenbar auch die jüngste Zinserhöhung in Kanada.

An der Wall Street geht es ebenfalls bergauf. Der Dow Jones-Index steigt bei Börsenschluss in Europa um 40 Punkte auf 10.380. "Ich glaube, wir werden nun einige Anzeichen dafür sehen, dass sich die Wirtschaft auf eine langsame Wachstumsrate einspielen wird", sagte Peter Cardillo, Chef-Marktanalyst von Avalon Partners in New York. "Zusammen mit Zinsen auf dem derzeit niedrigen Niveau ist das positiv für den Aktienmarkt."

Mehr zur Lage der amerikanischen Wirtschaft gibt es am Abend, wenn die Notenbank Fed ihren monatlichen Konjunkturbericht (Beige Book) vorstellt.

Bieterschlacht schiebt K+S an
Stärkster Wert im Dax ist die Aktie des Düngemittel-Produzenten K+S. Grund ist eine überraschende Wende im Poker um die milliardenschwere Übernahme des kanadischen Kali-Konzerns Potash. Singapurs Staatsfonds Temasek könnte dem staatlichen chinesischen Ölkonzern Sinochem beiseite springen, um den australischen Bergbaukonzern BHP Billiton zu übertrumpfen. Das Duo müsste mehr als 39 Milliarden Dollar aufbringen - soviel bietet BHP für die Kanadier.

Neben K+S gehören auch die Aktien von BMW und Daimler zu den größten Gewinnern im Dax. Sie nähern sich inzwischen wieder ihren diesjährigen Höchstständen von Anfang August.

ThyssenKrupp im Glück
Um mehr als zwei Prozent nach oben geht es zu dem mit der Aktie von ThyssenKrupp. Das Unternehmen will die Preise für Stahl angesichts der brummenden Konjunktur und steigender Rohstoffpreise zum ersten Januar um bis zu 50 Prozent anheben. Zudem profitiert Thyssen von einer Kaufempfehlung durch die UBS.

UBS lässt Infineon fallen
Dagegen drückt eine Studie der Schweizer Großbank UBS die Infineon-Aktie ans Dax-Ende. Zwar kann sich der Wert von seinen Kursverlusten von zeitweise knapp vier Prozent wieder etwas erholen, doch es bleibt ein Minus von mehr als einem Prozent. Das Kursziel für Infineon-Aktien senkte Analyst Nick Nelson von 5,35 auf 4,70 Euro, die Einstufung ließ er auf "Neutral".

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,41
Differenz relativ
+8,36%

Bankwerte schwächeln weiter
Schwer wiegt die Frage nach zusätzlichem Kapital auf den Werten der Finanzbranche. Laut Bundesbank-Präsident Axel Weber dürften sich die Notenbanker und Bankaufseher bereits an diesem Wochenende auf schärfere Eigenkapitalvorschriften einigen. Danach müssen die Banken ab künftig zwischen acht und zehn Prozent Eigenkapital vorhalten, statt sechs Prozent derzeit. Kapitalerhöhungen sind also programmiert. Diese Aussicht setzt die Papiere der Commerzbank und der Deutschen Bank und der Allianz unter Druck. Bei der Deutschen Bank wirkt zusätzlich ein negatives Urteil des Brokerhauses Bernstein als Ballast für den Kurs.

Bayer bleibt entspannt
Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer bekommt Konkurrenz bei seinem Verkaufsschlager, der Antibabypille Yasmin. Der US-Rivale Watson hat von der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA die Zulassung für sein Nachahmerpräparat Zarah erhalten. Die Auslieferung hat sogar schon begonnen, teilte Watson mit.

Bayer selbst gibt sich entspannt ob des Konkurrenten. "Wir erwarten durch die jetzige FDA-Entscheidung keine wesentlichen finanziellen Auswirkungen auf unser Geschäft", sagte ein Sprecher. Entsprechend besonnen reagieren auch die Anleger. Die Bayer-Aktie legt sogar leicht zu.

Banken mögen KlöCo
Stärkster Wert im MDax ist die Aktie des Stahlhändlers KlöCo. Der Titel wird von Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs erstmals bewertet und gleich mit dem Urteil "buy" geadelt. KlöCo solle dank seiner guten Positionierung von einem Aufschwung der Stahlpreise profitieren. Auch die UBS hat die Einstufung für Klöckner & Co angesichts bevorstehender Produktionskürzungen chinesischer Stahlkonzerne auf "Buy" belassen.

Zu den Gewinnern im MDax zählt auch die Fraport-Aktie. Laut Analysten der Royal Bank of Scotland (RBS) hat sich der Flughafenbetreiber im zweiten Quartal trotz der Vulkanasche-Wolke geschäftlich gut behauptet.

China-Auftrag befeuert Singulus
Größter TecDax-Gewinner ist auch am Nachmittag die Aktie von Singulus. Das Unternehmen hat Aufträge für seine Beschichtungsanlage Solar erhalten. Mit der Anlage können Solarzellen beschichtet und damit ihr Wirkungsgrad verbessert werden. Nach Unternehmensangaben kommen die neuen Kunden aus China.

Wettaktien im Freudentaumel
Die Aktien von Tipp24 springen nach der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes zu Sportwetten und Glücksspiel um 14,5 Prozent in die Höhe. Sie setzen sich damit an die Spitze des SDax. Noch kräftiger, nämlich um 47 Prozent, steigen die Aktien von Jaxx. Auch die Aktie des Wettanbieters bwin hebt ab.

Der Europäische Gerichtshof entschied, das deutsche Monopol für Sportwetten und Glücksspiele sei nicht mit dem EU-Recht vereinbar. Die deutsche Regelung verstoße gegen die Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit in der EU. Analyst Christoph Schmidt vom Vermögensverwalter NMF gibt zu bedenken, dass es dauern dürfte, bis die deutsche Justiz auf das Urteil reagieren werde.

Hurd entzweit HP und Oracle
Hewlett-Packard torpediert den Wechsel seines geschassten Chefs Mark Hurd zum Konkurrenten Oracle. Mit einer Klage will der Computerhersteller verhindern, dass Hurd seinen neuen Job antritt und Firmengeheimnisse ausplaudert. Der Streit geht ins Persönliche. Die Aktie von Oracle gibt leicht nach

Richemont hakt Krise ab
Von der Krise ist beim Schweizer Luxusgüterhersteller Richemont nichts mehr zu spüren. Die Gewinne des ersten Halbjahres dürften laut Unternehmenschef Johann Rupert im ersten Halbjahr "markant gestiegen" sein. Die Verkaufserlöse jedenfalls lagen in den ersten fünf Monaten um 37 Prozent über Vorjahr und damit auch deutlich über den Erwartungen der Analysten. Die Aktie aus dem Schweizer Leitindex SMI reagiert kaum.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 16. Juli

Unternehmen:
United Continental: Q2-Zahlen
America Movil: Q2-Zahlen, 22 Uhr

Konjunktur:
China: BIP Q2, 4 Uhr
China: Industrieproduktion, Juni, 4 Uhr
EU:Euro Zone-Handelsbilanz, Eurostat, Mai, 11 Uhr
USA: Empire State Index, Juli, 14:30 Uhr
USA: Einzelhandelsumsatz, Juni, 14:40 Uhr
Sonstiges:
Tokio Märkte wegen eines Feiertags geschlossen