Wieder Kursverluste

Karsten Leckebusch

Stand: 18.01.2008, 20:15 Uhr

Die Börsianer im Abwärtsrausch. Fast 300 Punkte verlor der Dax in der vergangenen Handelswoche, auch am Freitag überwogen wieder die Kursverluste. Die Sorgen um die Entwicklung der US-Wirtschaft belastet die Märkte massiv.

Gute US-Konjunkturdaten richteten am Freitag letztendlich nichts aus. Der Verbrauchervertrauensindex der Uni Michigan sowie die US-Frühindikatoren, die beide am Nachmittag veröffentlicht wurden, fielen besser aus als erwartet und sorgten für steigende Kurse an der Wall Street. Auch gute Unternehmenszahlen von General Electric hoben die Stimmung. Aber nur für kurze Zeit.

Das angekündigte Konjunkturprogramm des US-Regierung, von dem sich die Anleger viel erhofft hatten, enttäuschte dann die Börse. Die US-Regierung will mit Steuererleichterungen auf breiter Basis in einem Umfang von etwa einem Prozent des US-Bruttoinlandproduktes die Rezessionsgefahren bannen.

Ein Prozent des BIPs entsprechen etwa 140 bis 150 Milliarden Dollar. Sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen sollen nach Worten von US-Präsident George W. Bush davon profitieren, Unternehmen mehr investieren, Verbraucher mehr ausgeben. Volkswirte befürchten, dass das Konjunkturprogramm aber nicht den gewünschten Effekt haben könnte, außerdem hat das Programm ohne die Zustimmung der Demokraten im Kongress keine Chance, jemals verwirklicht zu werden.

An der Wall Street wirkte die Vorstellung der Milliarden-Finanzspritze als herber Dämpfer. Die Indizes rutschten in den roten Bereich, und der Dax hinterher. Der deutsche Leitindex, der am Mittag noch bei knapp über 7.500 Punkten notiert hatte, verlor im Tagesvergleich 1,3 Prozent und beschloss die Woche bei 7.314 Punkten.

Tagesverlierer Allianz
Die Aktie des Dax-Versicherungskonzerns Allianz verlor am Freitag 5,7 Prozent. Gerüchte über eine Gewinnwarnung der Allianz-Tochter Dresdner Bank sorgten für die starken Kursverluste. Die anderen, im Dax notierten Banken, verzeichneten ebenfalls Kursverluste, am meisten die Commerzbank mit 3,7 Prozent. Ohne Auswirkung auf den Kurs blieb die Meldung der Allianz, dass der Konzern seine Tochter Allianz Leben komplett übernehmen werde.

BASF und eine Gewinnwarnung
Aktien des Chemiekonzerns BASF verloren nach einer Gewinnwarnung des finnischen Konkurrenten Kemira drei Prozent. Kemira hatte gemeldet, dass eine schwächere Geschäftsentwicklung im Dezember die Gesamtjahresbilanz belastet habe. Kemira. Händler verwiesen auch auf die bei wirtschaftlicher Unsicherheit übliche Schwäche zyklischer Werte.

Metro on top
Entgegen den negativen Trend gewannen die Aktien des Einzelhandelskonzerns Metro 2,8 Prozent. Die Firma hatte schon am Donnerstag gemeldet, sich von seinen 245 Extra-Märkten zu trennen, die von Rewe übernommen werden. Am Freitag gab es noch eine Kaufempfehlung von ABN Amro.

Deutsche Börse, Bayer und Thyssen
Die Aktie der Deutschen Börse erholte sich nach kräftigen Verlusten zu Wochenbeginn am Freitag um 1,6 Prozent. Die Aktie profitierte von dem Kauf des Börsenbetreibers American Stock Exchange durch NYSE-Euronext.

Bayer-Papiere stiegen um 0,1 Prozent, nachdem die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA ein Medikament des Bayer-Kooperationspartners ZymoGenetics zugelassen hatte.

ThyssenKrupp-Aktien verteuerten sich um 1,8 Prozent. Der Konzern hatte am Freitag Morgen einen deutlichen Gewinnrückgang im ersten Geschäftsquartal gemeldet. Das Vorsteuerergebnis fiel mit 700 Millionen Euro allerdings besser aus als die von Analysten erwarteten 677 Millionen Euro. Der Stahlkonzern gab zudem bekannt, dass Vorstandschef Ekkehard Schulz noch weitere zwei Jahre im Amt bleiben wird.

Solarbranche weiter unter Druck
Im TecDax verloren die Solarwerte wieder deutlich. Angeführt von Solon (minus 11,7 Prozent) und Centrotherm (minus 10,2 Prozent) setzte die Branche am Freitag ihre Korrektur fort.

Pfleiderer und die Gerüchte
Im MDax gewann die Aktie des Holzverarbeiters Pfleiderer 15 Prozent. Die Aktie profitierte von Spekulationen um eine mögliche Übernahme des Konzerns. Die Süddeutsche Zeitung hatte berichtet, dass der US-Finanzinvestor One Equity Partners damit begonnen habe, Pfleiderer-Aktien aufzukaufen. Der Investor bestritt dies nicht, betonte allerdings, keine "feindliche" Übernahme zu planen.

Der Anfang der Woche überraschend entlassene Finanzchef Derrick Noe äußerte sich in einem Zeitungsinterview zu den Vorwürfen, er habe seine Vorstandskollegen hintergegangen. "Ich habe zu keiner Zeit vertrauliche Unternehmensinformationen an dritte Personen unerlaubt weitergegeben", sagte Noe der Süddeutschen Zeitung.

Hochtief und Stada
Der Baukonzern Hochtief hat Bauaufträge über 250 Millionen Euro aus Chile und Südafrika erhalten, die Aktie stieg um 1,2 Prozent. Stada-Aktien gewannen 2,8 Prozent. Händler berichten, dass möglicherweise der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline an dem Generikahersteller interessiert sei. GSK wolle mit Stada seine bisher geringe Aktivität im Generikabereich verstärken, hieß es.

Arques wechselt Chef aus
15,4 Prozent verlor die Aktie des Beteiligungsunternehmens Arques. Der Konzern will im Februar abermals seinen Vorstandschef austauschen. Der bisherige Akquisitionschef Michael Schumann soll dann Martin Vorderwülbecke ersetzen. Dass Arques zugleich seine Umsatz- und Gewinnerwartung für 2008 bestätigte, hinderte die Aktionäre nicht daran, kräftig zu verkaufen.

IKB-Verkauf beginnt
Auch die Aktie der Mittelstandsbank IKB schloss mit Verlusten. Gut ein halbes Jahr nach der Fast-Pleite der Mittelstandsbank suchen sowohl die staatliche KfW (37,8 Prozent) als auch die Stiftung Industrieforschung (11,8) nach Käufern für ihre IKB-Anteile. Der Verkaufsprozess sei am Freitag gestartet worden, teilte die KfW mit. Die Aktie verlor 4,9 Prozent.

Chashlife-Aktie steigt, aber wieso?
Der im Prime Standard notiert Versicherungsmakler Cashlife hat seine Quartalszahlen veröffentlicht und damit eigentlich die Erwartungen enttäuscht. Der Umsatz lag zwölf Prozent unter dem Vorjahreswert, das Ebit war ebenfalls schwächer. Die Aktie drehte, nachdem sie deutlich im Minus gestartet war, kräftig ins Plus und schloss 14 Prozent fester.

Tagestermine am Donnerstag, 18. Oktober

Unternehmen:
SAP: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Thyssenkrupp Elevator: PK zu Launch Event
Hannover Rück: Investorentreffen
Kühne+Nagel: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Novartis: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Nestlé: Neunmonats-Umsatzzahlen, 07:00 Uhr
Tele 2: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Pernod Ricard: Umsatz Q1, 07:30 Uhr
Ericsson: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Unilever: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Yara: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Bank of New York: Q3-Zahlen, 12:30 Uhr
Philip Morris: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
American Express: Q3-Zahlen, nach US-Börsenschluss
PayPal: Q3-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Travelers: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Japan: Außenhandelsbilanz im September, 01:50 Uhr
EU: Rede von Österreichs Notenbank-Gouverneur Nowotny auf der Kleinanleger-Messe "Gewinnmesse" in Wien, 13:00 Uhr
USA: : Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: : Industrieindex Philly Fed im Oktober, 14:30 Uhr
USA: : Rede des Präsidenten der Notenbank von St. Louis, Bullard, über die US-Wirtschaft und Geldpolitik im Economic Club von Memphis, 15:15 Uhr
USA: Frühindikatoren für September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
EU-Gipfel in Brüssel (bis 19.10.)
Moody's: : Banken-Gipfel zum Thema "How to prepare for the future of banking" in Frankfurt
GDV: Konferenz zur Versicherungsregulierung in Berlin