Wieder eine kalte Dusche

Stand: 25.05.2010, 20:05 Uhr

Mit unverändertem Schwung hat der Dax am Dienstag seine Talfahrt fortgesetzt. Die Verstaatlichung einer spanischen Bank und die Furcht vor einem bewaffneten Konflikt auf der koreanischen Halbinsel belasteten die Kurse. Der Wall Street gelang es am Nachmittag nicht, die Stimmung zu drehen.

Nachdem der Dax schon am Montag schwach geschlossen hatte, mussten die Investoren auch am Mittwoch einen Verlust hinnehmen, immerhin den fünften Handelstag in Folge. Der Dax schloss zwar nicht auf dem Tagestief von nur knapp über 5.600 Punkten, doch ein Minus von 2,3 Prozent und ein Schlusskurs von 5.670 Zählern ist alles andere als zufriedenstellend.

Bei der Suche nach Gründen für den starken Kursverlust drängte sich am Dienstag die spanische Bankenbranche in den Vordergrund. Die Zwangsverstaatlichung der Caja Sur - um sie vor der Pleite zu retten - verunsicherte die Investoren erheblich. Vor allem amerikanische Händler zeigten sich von der Lage in Korea besorgt, nachdem Nordkorea seinem südlichen Nachbarn mit Krieg gedroht hatte.

Die Wall Street verbucht daher ebenfalls Verluste, der Dow fiel wirkungsvoll unter die runde 10.000-Punktemarke und notierte, als der Parketthandel in Frankfurt um 20 Uhr beendet wurde, zwei Prozent schwächer.

Stahlbranche unter Druck
Die ungünstige Rohstoffpreisentwicklung in der Stahlbranche nahm die UBS zum Anlass, ihre Kursziele für die Dax-Stahlkonzerne ThyssenKrupp und Salzgitter empfindlich zu senken. Zusätzlich gab Gisbert Rühl vom Stahlhändler Klöckner & Co. der "Financial Times Deutschland" ein Interview, in dem er sagte, dass es wegen der weltweiten Überkapazitäten zu einem Preisdruck kommen werde. Es werde schwierig, die angekündigten Preiserhöhungen durchzusetzen, sagte Rühl. Die Stahlaktien verloren am Dienstag kräftig, im Dax schlossen ThyssenKrupp und Salzgitter mehr als vier Prozent schwächer, Klöckner&Co-Papiere verloren fast sieben Prozent.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
15,13
Differenz relativ
+1,34%

Eine gute Nachricht von FMC, und eine für die Telekom
Die Deutsche Telekom profitierte von einem Analystenkommentar der DZ Bank, welche die Aktie von "Sell" auf "Buy" hochstufte. Die T-Aktie schloss fast unverändert. Und die Aktie des Dialysespezialisten Fresenius Medical Care legte, als einzige im Dax, minimal zu. Die Firma meldete, dass sie in Asien den dort größten Konkurrenten Asia Renal Care aus Singapur kaufen werde. Nach Nordamerika will FMC nun offenbar auch in Asien seine Marktmacht ausbauen.

SGL erhöht die Preise
Was den Stahlkonzernen nicht gelingt, macht der Grafitelektrodenhersteller SGL. Wegen der "stark gestiegenen Nachfrage und höherer Rohstoffkosten" erhöht der MDax-Konzern die Preise für seinen Grafitelektroden. Die Aussicht auf steigende Gewinne lässt die SGL-Aktionäre kalt, die Aktie verlor mehr als vier Prozent.

EADS muss Tiger nachbessern
Ein neues Debakel droht dem europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS. Das deutsche Verteidigungsministerium hat die Abnahme des Kampfhubschraubers Tiger gestoppt, wegen Problemen mit aufgescheuerten Kabeln, wie die Nachrichtenagentur Reuters schreibt. Die Auslieferung der je 40 Millionen Euro teuren Hubschrauber werde sich um mindestens sieben Monate auf November 2011 verzögern, heißt es in einem Bericht des Ministeriums. Die EADS-Aktie hielt sich dennoch ganz gut, sie verlor nur etwas mehr als zwei Prozent.

Anleger, hört die Analysten!
Die größten Verluste in Dax und TecDax gab es bei Infineon und Aixtron. Infineon-Aktien gaben 9,4 Prozent nach, nachdem JP Morgan das Kursziel leicht auf 5,50 Euro gesenkt und das Rating auf "Neutral" zurückgenommen hatte. Papiere des LED-Spezialisten Aixtron aus dem TecDax verloren 13,1 Prozent. Auch hier gab JP Morgan mit seinem Urteil, das Kursziel auf 20 Euro zu verringern, das Verkaufssignal.

Carl Zeiss freundlich besehen
Kleine Kursgewinne im ansonsten äußerst schwachen Markt verzeichnete die im TecDax notierte Aktie des Medizintechnikunternehmens Carl Zeiss Meditec. Die HSBC hatte die Firma mit einer "neutralen" Bewertung und einem freundlichen Kursziel von 12,50 Euro versehen.

Catoosee's Magersucht ist ungesund
Der IT-Dienstleister Caatoosee hat das erste Quartal des Jahres mit einem deutlich gesunkenen Umsatz abgeschlossen. Die Firma meldete Erlöse in Höhe von 2,27 Millionen Euro, nach 4,46 Millionen Euro vor einem Jahr. In diesen 2,27 sind wieder 1,81 Millionen aus dem bereits verkauften Geschäftsbereicht IT-Betrieb enthalten, was den Umsatz aus fortgeführten Bereichen auf rund 460.000 Euro schrumpfen ließ. Das Ergebnis profitierte nicht von der Schrumpfkur, der Ebitverlust verdreifachte sich 330.000 Euro, der Auftragsbestand ging von 13,5 auf knapp 2,5 Millionen Euro zurück.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"