Wieder ein neues Jahreshoch

Notker Blechner

Stand: 12.01.2012, 20:05 Uhr

Der bestandene Härte-Test von Spanien und Italien am Anleihemarkt hat die Börsianer am Donnerstag zuversichtlich gestimmt. Der Dax sprang auf den höchsten Stand seit Ende Oktober. Gewinnmitnahmen und schwache US-Konjunkturdaten bremsten aber den Anstieg. Im Blickpunkt stand die EZB.

Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, zeigte sich am Donnerstag zuversichtlich bei seinem ersten öffentlichen Auftritt im neuen Jahr. Die jüngsten Geldspritzen der Zentralbanken kämen allmählich in der Wirtschaft an, meinte er. Die Banken, die sich im Dezember für fast drei Jahre mit fast 500 Milliarden Euro Liquidität eingedeckt hätten, seien nicht dieselben, die derzeit hohe Summenbei der EZB parken, meinte der Italiener. Zudem sehe er vorsichtige Anzeichen für die Stabilisierung der Wirtschaft. Den Leitzins beließ die EZB wie erwartet bei einem Prozent. Die Tür für weitere Zinssenkungen in naher Zukunft ließ Draghi offen. "Wir sind jederzeit zum Handeln bereit."

EZB lässt weitere Zinssenkung offen
Manche Marktteilnehmer hatten sich da vielleicht etwas mehr versprochen. "Der eine oder andere hat mit dem Sahnehäubchen einer Zinssenkung der EZB gerechnet", mutmaßte Marktanalyst Robert Halver von der Baader Bank.

Diese kleine Enttäuschung und die leichten Kursverluste an der Wall Street mögen mit dazu beigetragen haben, dass der Dax seine fulminanten Kursgewinne nicht ganz halten konnte. Er beendete den Xetra-Handel 0,4 Prozent höher bei 6.179 Punkten. Im späten Parketthandel tat sich wenig. Der L/E-Dax schloss bei 6.185 Zählern.

Spanien und Italien mit Geld überschwemmt
Zuvor war der Dax deutlich über die Marke von 6.200 Punkten geklettert - dank der erfolgreichen Auktion der Süd-Länder Italien und Spanien. Sie konnten sich zu günstigen Konditionen Mittel am Geldmarkt besorgen. Italien musste nur noch halb so viele Zinsen zahlen wie bei der letzten Emission Ende 2011. Auch Spanien brauchte nur knapp 3,4 Prozent Zinsen zahlen - deutlich weniger als bei der letzten Emission. Das Land sammelte gar doppelt so viel Geld bei den Investoren ein wie geplant.

Gemische Signale kamen dagegen aus Griechenland. Die Verhandlungen zwischen den privaten Gläubigern und der griechischen Regierung laufen offenbar schleppend. Charles Dallara vom Bankenverband IIF warnte am Donnerstag: "Die Zeit für ein Abkommen wird knapp." Es seien immer noch "Kernpunkte ungelöst". Am Abend zeigten sich aber griechische Vertreter optimistisch, dass es eine Einigung bis Ende der kommenden Woche geben dürfte.

Schlappes Weihnachtsgeschäft in den USA
Für einen herben Dämpfer sorgten am Nachmittag schwache Konjunkturdaten aus den USA. Überraschend schwach verlief das Weihnachtsgeschäft im US-Einzelhandel. Die Umsätze stiegen im Dezember nur um 0,1 Prozent. Volkswirte hatten einen Anstieg von 0,3 Prozent erwartet. Die Daten zum wöchentlichen Arbeitsmarkt und zu den Lagerbeständen im November fielen ebenfalls schlechter aus als erhofft. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe erhöhte sich in der vergangenen Woche auf 399.000 - 24.000 mehr als prognostiziert. Die Lagerbestände der US-Unternehmen legten nur um 0,3 Prozent statt wie erwartet um 0,4 Prozent zu.

Der Euro stieg auf über 1,28 Dollar. Am Morgen lag er noch unter 1,27 Dollar. Aber auch Gold war wieder zunehmend gefragt. Der Preis für das Edelmetall kletterte auf über 1.650 Dollar je Feinunze.

Finanzwerte rauschen nach oben
Vor allem Finanzwerte gaben dem Dax Rückenwind. Die Commerzbank-Aktien lagen mit einem Plus von fast sechs Prozent einsam an der Spitze, gefolgt von der Deutschen Börse und der Deutschen Bank. Laut der Nachrichtenagentur Reuters will angeblich der Großaktionär Allianz der Commerzbank beispringen und sei zur Anpassung seiner stillen Einlage bereit.

BASF will besser werden
Die Ludwigshafener wollen im Spezialchemiebereich wachsen und dabei profitabler werden. Die bisherige Rendite von 17 Prozent soll mittelfristig auf 20 Prozent gesteigert werden. Auch weitere Zukäufe werden in Erwägung gezogen. 2010 wurde das Spezialchemieunternehmen Cognis, eine ehemalige Henkel-Tochter, von privaten Investoren gekauft. BASF-Aktien stiegen um über ein Prozent.

Metro auf Talfahrt
Schlusslicht im Dax war Metro. Die Aktien sackten um fast drei Prozent ab. Schuld war der britische Konkurrent Tesco. Der Einzelhändler gab schlechte Zahlen für das vergangene Jahr bekannt. Seit Anfang Dezember haben die Metro-Titel über 20 Prozent an Wert eingebüßt.

Kurssprung bei Douglas
Für Furore sorgte am Donnerstag Douglas. Die Aktie sprang um 26 Prozent nach oben und war mit Abstand größter MDax-Gewinner. Douglas-Chef Henning Kreke hat erklärt, dass seine Familie, die knapp 13 Prozent hält, das Unternehmen kaufen will. Die Familie ist mit der Oetker-Familie verbündet, die 25,8 Prozent kontrolliert. Nach Presseberichten will Kreke die Transaktion zusammen mit Finanzinvestoren stemmen, mit denen Gespräche ebenfalls bestätigt wurden. Die Aktien könnten möglicherweise von der Börse verschwinden.

Deutz baut auf China
Die Aktien von Deutz legten 3,5 Prozent zu. Der Kölner Motorenbauer hat ein weiteres Gemeinschaftsunternehmen zum Bau von Motoren unter vier Liter Hubraum bekannt gegeben. Für Deutz ist es bereits das dritte Joint Venture mit einem chinesischen Partner. Am neuen Unternehmen hält Deutz 70 Prozent. Das neue Unternehmen, das 2013 an den Start gehen soll, ist auf eine Produktion von 65.000 Motoren ausgelegt.

Goldman platziert GSW-Aktien
Die Aktien von GSW Immobilien standen im späten Parketthandel zeitweise unter Druck, erholten sich dann aber wieder. Am Abend wurde bekannt, dass Goldman Sachs 7,9 Millionen Aktien am Markt platzieren soll - in einer Spanne zwischen 21,409 Euro und dem Marktniveau. Laut Börsianer dürften die Bücher bereits in Kürze geschlossen werden, was auf gute Nachfrage hindeute.

Konkurrenz für Sky und Kabel?
Größter Verlierer im MDax waren Kabel und Sky Deutschland. Telekom-Konkurrent Vodafone will beim Bieten um die Fußball-Bundesligarechte mit machen. Damit entstünde ein neuer Konkurrent für Sky und Kabel Deutschland. Zudem drückte ein negativer Analystenkommentar die Aktien von Kabel.

China-Fantasie in der Solarindustrie
Im TecDax waren besonders Solarwerte begehrt. Händler verwiesen auf Pläne der chinesischen Energiebehörde, die Solarstrom-Leistung in den kommenden Jahren massiv zu erhöhen. Zudem gab es vage Spekulationen, dass RWE am Kauf von Solarworld interessiert sei. Beide Unternehmen wiesen die Gerüchte zurück. Die Aktien von Solarworld sprangen um rund zehn Prozent nach oben. Nur die Titel von Centrotherm legten noch stärker zu, nämlich gut elf Prozent.

Conergy löst Chef-Problem
Nach monatelanger Suche hat der angeschlagene Solarfirma Conergy einen neuen Chef gefunden. Aufsichtsratschef Philip Conberg übernimmt den vakanten Job ab sofort für ein Jahr. Ende 2012 werde er wieder in das Kontrollgremium zurückkehren, kündigte er an. Der Vorstandsposten war seit dem Abgang von Dieter Ammer im November 2010 unbesetzt. Die Aktie steigt um rund drei Prozent - bei hohen Umsätzen. Mit einer Umschuldung konnte Conergy im vergangenen Jahr die Gefahr einer Insolvenz abwenden.

Adva in Musterdepot
Zu den größten Gewinnern im TecDax gehörten auch die Aktien von Adva Optical. Sie legten rund 4,5 Prozent zu. Händler nannten als Grund die Aufnahme der Papiere in das Musterdepot eines Börsenmagazins. Zudem heizte das Blatt das Gerücht um eine Übernahme durch Juniper Networks an.

Adler kauft eigene Aktien zurück
Im Aufwind befanden sich die Aktien der Adler Modemärkte. Sie sprangen am Donnerstag um 13 Prozent nach oben. Das Unternehmen, das günstige Mode besonders für Menschen ab 45 Jahren anbietet, hat ein Rückkaufprogramm seiner eigenen Aktien angekündigt. Bis Ende Juni will Adler bis zu einer Million eigene Aktien zu einem maximalen Preis von zehn Euro pro Stück erwerben.

Helma im Häuslebau-Fieber
Der Eigenheimbauer berichtet über einen neuen Auftragsrekord im Geschäftsjahr 2011. Erstmals lag der Netto-Auftragseingang über 100 Millionen Euro. Für 2012 ist das Management weiter optimistisch, der Zuwachs soll prozentual zweistellig ausfallen. Helma bietet als Baudienstleister schlüsselfertige Ein- und Zweifamilienhäuser an. Die im Entry Standard notierte Aktie kletterte um knapp 13 Prozent nach oben.

Jobabbau bei Vestas
Aus dem Ausland meldete sich Vestas mit neuen Hiobsbotschaften. Der Windanlagenbauer hat den Abbau von 2.335 Stellen bekannt gegeben. Damit sollen rund 150 Millionen Euro bis zum Jahresende eingespart werden. Vorstandschef Ditlev Engel räumte ein Glaubwürdigkeitsproblem ein. Vergangene Woche hatte Vestas zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit eine Gewinnwarnung ausgesprochen. Die Vestas-Aktie purzelte um gut sechs Prozent nach unten.

Atempause für Petroplus
Um rund 17 Prozent schossen dagegen die Aktien von Petroplus nach oben - auf 1,14 Euro. Die Gläubiger haben dem hoch verschuldeten Raffineriebetreiber eine Atempause gegeben. Die Banken wollen die Mittel bereitstellen, die für kritische Aufwendungen und Aufrechthaltung eines sicher laufenden Betriebs in den Raffinerien im bayerischen Ingolstadt und in Coiryton in Großbritannien nötig sind. In der zweiten Januar-Hälfte sollen Verhandlungen über einen gesperrten Milliardenkredit abgeschlossen sein.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"