Wie tief denn noch?

Stand: 20.05.2010, 20:02 Uhr

Das von der Bundesregierung erlassene Verbot bestimmter Leerverkäufe verursacht auch im zweiten Tag in Folge heftige Kursverluste. Angeführt von der Wall Street hat sich der Absturz der Aktienmärkte am Abend sogar weiter beschleunigt.

Der Dax rauscht im Parketthandel um 2,8 Prozent (170 Punkte) in die Tiefe und fällt auf 5.855 Punkte. Auf Xetra war der Dax bereits mit einem Minus von 120 Punkten (zwei Prozent) bei 5.867 Zählern aus dem Handel gegangen. Grund für die beschleunigte Talfahrt am Abend sind die hohen Verluste an der Wall Street. Der Dow Jones-Index fällt bis zum Börsenschluss in Frankfurt um 272 Punkte (2,6 Prozent) auf 10.180 Zähler, nachdem er zuvor zeitweise mehr als 330 Punkte verloren hatte. In den USA sind es die Sorgen vor den Auswirkungen der Schuldenkrise in Europa auf die US-Konjunktur, die den Markt abtauchen lassen.

Händlern zufolge sind die hohen Verluste Ausdruck des schwindenden Vertrauens der Anleger in die Bewältigung der Euro-Schuldenkrise. Manche Marktteilnehmer werteten gar den deutschen Alleingang beim Verbot bestimmter Leerverkäufe als ersten Schritt zu einer Auflösung der Euro-Zone.

Auch befürchten einige Investoren, dass auch andere Länder dem Beispiel Deutschlands beim Verbot der Leerverkäufe folgen könnten. Außerdem belastetet die Furcht vor einer schärferen Regulierung der Märkte wie sie vor allem von Deutschland gefordert wird. In den USA

US-Daten belasten
Zusätzlich gedrückt wurde der Markt von schlechten US-Daten. Erstmals seit Anfang April hat sich die Lage am US-Arbeitsmarkt wieder eingetrübt. Insgesamt meldeten 471.000 Menschen in der Woche zum 15. Mai zum ersten Mal Ansprüche auf Arbeitslosengeld an. Das sind 25.000 mehr als in der vorangegangenen Woche. Analysten hatten dagegen mit einem Rückgang auf 440.000 gerechnet.

Auch der viel beachtete Geschäftsklimaindex der Notenbank von Philadelphia ist im Mai weniger stark gestiegen als erwartet. Er verbesserte sich von 20,2 Punkten im Vormonat auf 21,4 Punkte Volkswirte hatten mit einem Anstieg auf 22,0 Punkte gerechnet.

Kurs des Euro stabilisiert
Der Kurs des Euro hat sich nach seiner Erholung am Vortag über der Marke von 1,23 Dollar stabilisiert. Die europäische Gemeinschaftswährung wird zur Stunde mit 1,2347 Dollar gehandelt. Gestern war der Euro noch zeitweise bis auf 1,2146 Dollar gefallen. Dies war der niedrigste Stand seit Anfang 2006. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,2334 Dollar fest.

"Offenbar hat es erneut Stützungskäufe der Schweizer Nationalbank gegeben", sagt Stephan Rieke, Devisenexperte bei der BHF-Bank. Die Käufe seien offenbar wie am Vortag "massiv" gewesen. Die Schweiz versucht durch die Käufe den Schweizer Franken zu schwächen, um eine Deflation, also den anhaltenden Rückgang des Preisniveaus, zu verhindern. Zudem leidet die Exportwirtschaft der Schweiz unter dem schwachen Euro.

Deutsche Börse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
109,40
Differenz relativ
-1,04%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,94
Differenz relativ
+5,61%

Konjunkturängste drücken MAN an Dax-Ende
Größte Verlierer im Dax sind die Aktien von MAN und Deutscher Börse. MAN verliert sogar mehr als fünf Prozent. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen und wieder aufkeimenden Konjunktursorgen, nach der Verabschiedung immer neuer Sparprogramme in der Euro-Zone. Dagegen schaffen es die Commerzbank und die Deutsche Telekom als die beiden einzigen Dax-Werte sich knapp ins Plus zu retten.

Merck erwartet Wachstumsschub
Relativ gut behaupten kann sich auch die Aktie des Darmstädter Chemie- und Pharmakonzerns Merck. Der Konzern will von den geplanten Sparmaßnahmen im Gesundheitssystem vieler Industriestaaten profitieren. Nach der Übernahme des US-Laborausrüsters Millipore biete Merck künftig das nötige Equipment, sagte der zuständige Vorstand Bernd Reckmann der Nachrichtenagentur Reuters.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
150,14
Differenz relativ
+2,77%

Deutsche Bank kann VW nicht stützen
Die VW-Aktie beendet den Handel ebenfalls mit einem kräftigen Minus. Dabei hatte die Deutsche Bank die Titel mit der Einschätzung "Hold" und dem Kursziel 75 Euro wieder aufgenommen. Zudem arbeitet VW laut einem Bericht der "FTD" an einer Übernahme des italienischen Autodesigners ItaldesignGiugiaro.

Pfeiffer Vacuum erwartet Umsatzplus
Der Spezialpumpen-Hersteller Pfeiffer Vacuum rechnet im laufenden Jahr wieder mit steigenden Umsätzen. Für 2010 rechne der Vorstand mit einem Umsatz auf dem Niveau des Jahres 2008, teilte das Unternehmen am Donnerstag im Anschluss an die Hauptversammlung mit. Die Marge fürs Betriebsergebnis erwartet Pfeiffer bei mehr als 22 Prozent.

Bilfinger & Berger sacken ab
Wegen der wieder aufkeimenden Konjunkturängste müssen die Titel des Bauunternehmens Bilfinger & Berger massive Verluste von über sieben Prozent hinnehmen. Die Titel sind damit die größten Verlierer im MDax.

Rheinmetall leiden unter Herabstufung
Im MDax gehört auch Rheinmetall zu den schwächsten Werten. Die Titel des Rüstungskonzerns und Autozulieferers fallen um mehr als fünf Prozent. Grund ist eine Herabstufung des Bankhauses Metzler. Dessen Analyst Jürgen Pieper ist der Meinung, dass Rheinmetall unter den geplanten Einsparungen der europäischen Staaten leiden wird. Er stufte die Aktie drastisch herab von "Buy" auf "Sell". Das neue Kursziel lautet 43 Euro nach zuvor 54 Euro.

Auch KlöCo mit Analystenmalus
Auch Klöckner & Co büßen überdurchschnittlich ein. Merrill Lynch hat die Titel in einem Doppelschritt von "Buy" auf "Underperform" abgestuft und das Kursziel von 26,00 auf 19,00 Euro gesenkt. Die konjunkturelle Unsicherheit und die für das dritte Quartal erwarteten Preisrückgänge für Stahl in Europa dürften den Stahlhändler spürbar belasten, hieß es.

Solarworld auf Jahrestief
Die im TecDax notierte Aktie des Solarunternehmens Solarworld ist heute auf ein neues Jahrestief gestürzt. Während der Vorstand auf der Hauptversammlung Zuversicht ausstrahlte, fiel der Aktienkurs um über sechs Prozent. Nach einem Gewinneinbruch im ersten Quartal machte das Management den Aktionären Hoffnung auf bessere Geschäfte. Konzernchef Frank Asbeck setzt im Preiskampf der Branche auf die Stärke der Marke Solarworld und zeigte sich optimistisch, mit den billigeren Solarmodulen der Konkurrenz aus Asien mithalten
zu können.

Auch Sixt geht auf Talfahrt
Die im SDax notierte Sixt-Aktie muss ihre Gewinne vom Vormittag vollständig abgeben und beendet den Handel mit einem Abschlag von mehr als drei Prozent. Dabei hat der Autovermieter im ersten Quartal wieder schwarze Zahlen geschrieben und die Erwartungen der Analysten erfüllt. Laut Firmenchef Erich Sixt hat dies mehrere Ursachen: "Wir verzichten konsequent auf nicht ausreichend profitable Umsätze, haben unsere Kosten im Griff und verfolgen eine vorsichtige Flottenpolitik."

Systaic rauschen in die Tiefe
Jenseits der großen Indizes machen Titel von Systaic mit tiefroten Quartalszahlen und einem Umsatzeinbruch auf sich aufmerksam. Daraufhin stürzen die Titel um bis zu 26 Prozent auf ein Rekordtief von 0,92 Euro ab und sind größter Verlierer im Handelssystem Xetra. Eine Studie der WestLB tat ihr Übriges: Danach kann Systaic frühestens 2012 mit einem Nettogewinn rechnen.

Vtion Wireless kann sich behaupten
Die Vtion-Wireless-Aktie kann sich dagegen nach den Quartalszahlen gut behaupten. Der chinesische Mobilfunkdienstleister hat im ersten Quartal seinen Umsatz verdreifacht auf 26,3 Millionen Euro. Trotz einer hohen Ebit-Marge von 29 Prozent schrumpfte der Gewinn wegen Währungseinflüssen auf 4,53 Millionen Euro.

IQ Power weiter in den Miesen
Dagegen muss die als Pennystock gehandelte Aktie des Batterienherstellers IQ Power deutlich abgeben. Der Grund: Die Firma hat auch im ersten Quartal erneut rote Zahlen geschrieben. Bei Erlösen von 1,6 Millionen Euro fuhr die Firma einen Verlust von 1,0 Millionen Euro ein.

Tagestermine am Donnerstag, 13. Dezember

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 11/18, 07:00 Uhr
Metro AG: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Tui: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Starbucks: Investor Day, 18:00 Uhr
BMW: Absatz 11/18
Bertrandt: Jahreszahlen
ThyssenKrupp: Investor Day

Konjunktur:
Deutschland: Konjunkturprognose Ifo-Institut, 10:00 Uhr
EU: EZB-Zinsentscheid, 13:45 Uhr, PK 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreis 11/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr