Marktbericht 20:06 Uhr

Dax-Gewinne bröckeln ab Wie gewonnen, so zerronnen

Stand: 16.09.2015, 20:06 Uhr

Ein moderates Plus von 0,4 Prozent ist am Mittwoch im Dax noch übrig geblieben. Am Morgen hatte es deutlich besser ausgesehen. Alles wartet jetzt auf den Zinsentscheid der US-Notenbank. Erst dann dürften die Karten neu gemischt werden.

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Bis auf 10.336 Punkte war es am Morgen schon bergauf gegangen im Leitindex Dax, eher die Anleger sich wieder zurückzogen. Der Markt blieb auch heute ganz im Bann der bevorstehenden Zinsentscheidung der US-Notenbank und entwickelt bis dahin kaum ein wirkliches Eigenleben. Am Ende stand dann aber trotzdem noch ein moderater Tagesgewinn von 0,38 Prozent auf 10.227 Zähler.

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 19.00 Uhr

Abwarten heißt also die Devise, bevor Fed-Chefin Janet Yellen dann morgen ab 20:00 Uhr MEZ den Entscheid des Zinsausschusses der Fed bekannt geben wird. Schon seit Monaten elektrisiert eine mögliche erstmalige Zinserhöhung seit über neun Jahren die Märkte.

Pro und Contra Zinserhöhung

Diskutiert wird insbesondere, was für oder gegen einen ersten Zinsschritt der Fed spricht. Vor allem die aktuell eher mauen Konjunkturdaten bestärken derzeit diejenigen, die auf eine Verschiebung ins vierte Quartal setzen. Auch die heutigen Preisdaten zeigen, dass die Inflation mäßig bleibt. Gute Nachrichten gab es hingegen vom Hausmarkt, wo der NAHB-Hausmarktindex im September um einen Punkt auf 62 Punkte stieg und damit den höchsten Stand seit fast zehn Jahren erreichte.

Viele Experten gehen aber mehrheitlich von einer Verschiebung einer Zinserhöhung in das vierte Quartal aus. "Unsere Volkswirte gehen davon aus, dass die US-Notenbank die Zinserhöhung verschieben wird, um die Risiken für die Konjunktur nach den jüngsten Kursturbulenzen zu analysieren", schrieben die Experten der Barclays Bank in einem Kommentar.

Nur ein Viertelpünktchen

Gebäude der US-Notenbank Fed in Washington

US-Notenbank Fed in Washington. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Sollte die Fed wirklich noch zögern, dürfte die Börse aber zumindest auf ein klares Signal der Notenbanker hoffen. Die Unsicherheit über den Kurs der Fed belastet seit Wochen die Märkte und verstärkt zudem die Probleme in den Schwellenländern. Dort werden in Erwartung höherer Zinsen derzeit Mittel abgezogen, wodurch sich Konjunkturkrisen verschärfen. Eine schwierige Situation also für die Notenbanker, die seit Ende 2008 im Zuge der Finanzkrise ihren Leitzins zwischen 0,00 und 0.25 Prozent gehalten haben.

Zur Erinnerung: Es geht um ein mageres Viertelpünktchen auf immer noch sehr niedrige 0,5 bis wohl maximal 0,625 Prozent. Von restriktiver Notenbankpolitik oder gar einer "Zinswende" kann also trotz der teilweise dramatischen Kommentare keine Rede sein.

US-Märkte tendieren freundlich

Die Wall Street ist erwartungsfroh in den Tag gestartet. Der Leitindex Dow Jones liegt derzeit ein halbes Prozent im Plus, auch die anderen Märkte legen zu. Gesprächsthema ist eine mögliche Megafusion auf dem Biermarkt, die derzeit die Altria-Aktie treibt. Der US-Tabakkonzern ist mit über einem Viertel an dem britischen Brauer SABMiller beteiligt und dürfte daher von dessen Übernahme durch den Branchenprimus Anheuser-Busch InBev profitieren. Am Rentenmarkt geht es derweil unaufgeregt zu. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentieren unverändert bei 2,28 Prozent.

Euro dreht komplett

Spiegelbildlich zum Aktienmarkt ist der Euro am Nachmittag nach oben geschossen und notiert bei 1,13 Dollar. Im Tagestief war die US-Währung bis auf 1,1215 Dollar gefallen, ehe nach den Daten zu den Verbraucherpreisen in Amerika die Trendwende einsetzte. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1228 Dollar fest nach 1,1320 Dollar am Vortag. Der Devisenmarkt geht nach den schwachen Preisdaten somit nicht davon aus, dass eine Zinserhöhung in Amerika ansteht. Die Aussicht auf eine Fortsetzung der Nullzinspolitik belastete den Dollar und gab dem Euro etwas Auftrieb.

Eon und RWE schon wieder am Dax-Ende

Aktien von Eon und RWE haben nach anfänglichen Kursgewinnen ins Minus gedreht. Mit Verlusten von 6,4 beziehungsweise 4,8 Prozent setzte sich das Kursmassaker der vergangenen Handelstage fort. Die Börse sorgt sich, dass die milliardenschweren Rückstellungen der Versorger für den gesetzlich angeordneten Rückbau der Atomkraftwerke sowie für die Endlagerung des strahlenden Mülls nicht ausreichen könnten. Die Lage ist derzeit völlig unklar. Auch die gestrigen Beruhigungspillen der Politiker, die allerdings nur vage ausgefallen waren, halfen nicht.

Medienberichte über noch höhere finanzielle Belastungen aus dem Atomausstieg haben nun auch Ingo Becker von der Investmentbank Kepler Cheuvreux zum Umdenken gebracht: Er nahm seine Hochstufung von RWE auf "Hold" wieder zurück und rät nun, sowohl RWE-Aktien als auch Eon-Papiere zu meiden.

K+S fällt zurück

Die Berg- und Talfahrt der Aktie des Kasseler Kali-Produzenten ging auch heute weiter. Zunächst heizte ein Analystenkommentar die Aktie an. "Es kommt Bewegung in den Übernahme-Poker um die K+S-Aktie, und unseres Erachtens dürfte es auf eine feindliche Übernahme durch die Potash Corp hinauslaufen", schrieb Marc Gabriel vom Bankhaus Lampe in einer Studie.

Die Hoffnungen des Experten wurden am späten Nachmittag dann aber enttäuscht. Der kanadische Potash-Konzern erklärte, man stehe derzeit nicht aktiv mit K+S in Kontakt wegen einer Übernahme. Die Aktie, die lange Zeit fester notierte, fiel daraufhin zurück und schloss am Ende mit einem Abschlag von 0,15 Prozent bei 33,58 Euro. Das ist deutlich weniger als der in Finanzkreisen immer wieder genannte Übernahmepreis von 41 Euro. Zuletzt waren sogar Spekulationen im Markt, dass Potash über die 41 Euro sogar noch draufsatteln würde. Danach sieht es derzeit also nicht aus.

Lufthansa baut um

Die Kranichairline hat auf ihrer heutigen Aufsichtsratssitzung eine neue Führungsstruktur beschlossen. Ziel ist es, rund 500 Millionen Euro aus Kostensenkungen und Erlössynergien zu erzielen. Vor allem die Führungsstruktur des Konzerns wird verschlankt, unterhalb dieser Ebene gibt es keine weiteren Anpassungen. So wird die Zahl der Führungskräfte um 15 Prozent reduziert werden, auch der Bereichsvorstand für das Kerngeschäft Lufthansa fällt weg.

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Dafür soll die Billigflugline Eurowings aufgewertet werden, die künftig im Wettbewerb gegen Ryanair & Co. antreten wird. Im Vorstandsteam um den Chef Carsten Spohr wird zukünftig Karl Ulrich Garnadt für Eurowings verantwortlich sein. Auch andere Top-Positionen wurden neu besetzt. Die Änderungen sollen zum Jahreswechsel in Kraft treten. Die Jahresprognose eines operativen Ergebnisses von 1,5 Milliarden Euro wurde trotz der Streikkosten von 150 Millionen Euro bestätigt. Lufthansa-Papiere legten mit dem Markt um 0,54 Prozent zu.

Neue Dynamik bei SAP

Die SAP-Aktie war nach einem positiven Analystenkommentar ebenfalls über die Maßen gefragt. Der Konzern gewinnt aus Sicht der US-Bank JPMorgan neue Kraft. Analystin Stacy Pollard honorierte mit einer Kaufempfehlung und einem von 65 auf 75 Euro erhöhten Kursziel die ihrer Meinung nach aufkommende Geschäftsdynamik bei dem Dax-Konzern. Der Software-Hersteller biete eine breitere Palette an innovativen Produkten als je zuvor.

Tagessieger Adidas

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Gute Nachrichten trieben die Adidas-Aktie, an die Dax-Spitze mit einem Aufschlag von 2,22 Prozent. Der Sportartikel-Hersteller wird ab der Saison 2017/18 offizieller Ausrüster der US-Eishockeyliga NHL. Der Vertrag, dessen finanzielle Details nicht bekannt wurden, soll nach Angaben der NHL sieben Jahre laufen. Der Herzogenauracher Konzern stattet die NHL bereits seit Jahren aus - allerdings mit Produkten seiner Marke Reebok. Nun übernimmt das die Hauptmarke Adidas.

Deutz: Dramatische Kursverluste

Im SDax brach die Deutz-Aktie dramatisch um rund 30 Prozent ein. Der Motorenbauer teilte am Dienstagabend nach Xetra-Schluss mit, er werde wegen schleppender Geschäfte weder bei Umsatz noch Gewinn seine Prognose fürs laufende Jahr erreichen.

TF Bank bläst den Börsengang ab

Eigentlich sollte das Papier des schwedischen Online-Finanzierers am Freitag erstmals im Prime Standard notiert werden. Daraus wird nun nichts, wie am Nachmittag bekannt wurde. Als Begründung hieß es, der Markt sei derzeit "zu nervös". Man werde seine IPO-Pläne aber fortlaufend prüfen, heiß es weiter. Aufgehoben ist also nicht aufgeschoben.

Immofinanz verdient weniger

Die Wirtschaftskrise in Russland belastet den Gewinn des österreichischen Immobilienkonzerns Immofinanz. Im vergangenen Geschäftsquartal sei das operative Ergebnis auf 53,6 Millionen Euro von 90,9 Millionen vor Jahresfrist gesunken, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Zukünftig will sich Immofinanz verstärkt auf andere Märkte konzentrieren. Die Wirtschaftskrise in Russland hatte dem Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr bereits einen Verlust von 361,4 Millionen Euro eingebrockt.

Zara-Mutter Inditex mit Gewinnsprung

Der spanische H&M-Konkurrent Inditex hat im ersten Geschäftshalbjahr Umsatz und Gewinn kräftig gesteigert. Dabei profitierten die Spanier von ihren vielen neuen Läden. In den vergangenen fünf Jahren hat Inditex durchschnittlich mehr als 400 Geschäfte pro Jahr eröffnet. Der Gewinn stieg um 26 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro, die Erlöse legten um 17 Prozent auf 9,42 Milliarden Euro zu.

FedEx senkt Jahresprognose

Die Aktie des Post-Rivalen verliert derzeit an der New Yorker Börse über drei Prozent. Das Unternehmen hatte zuvor seine Jahresprognose gesenkt von bisher 10,60 bis 11,10 Dollar je Aktie auf 10,40 bis 10,90 Dollar. Gründe seien der starke Dollar, höhere Kosten als erwartet und ein schwaches Frachtgeschäft, erklärte das Unternehmen am Mittwoch.

Dabei legte der Konzern in seinem ersten Geschäftsquartal beim Umsatz gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozent auf 12,3 Milliarden Dollar zu und beim Überschuss von 653 auf 692 Millionen Dollar. Im Vorfeld waren jedoch höhere Zahlen erwartet worden. Fed Ex strebt nun verstärkt nach Europa, wo man für 4,4 Milliarden Dollar den Konkurrenten TNT Express übernehmen will.

Glencore macht Kasse

Glencore hat durch die Ausgabe neuer Aktien 2,5 Milliarden Dollar eingesammelt, die zur Schuldentilgung verwendet werden sollen. Der Rohstoffkonzern, der hart unter den gefallenen Rohstoffpreisen leidet, hat rund 30 Milliarden Dollar Schulden. Glencore hatte bereits angekündigt, die Investitionen zurückzufahren, Beteiligungen zu verkaufen und die Dividende auszusetzen.

Übernahme in der Brauereibranche?

Bewegung in der Bierbranche. Der weltgrößte Brauereikonzern Anheuser-Busch InBev hat bestätigt, dass er an den Konkurrenten SABMiller, die Nummer 2 der Branche, wegen einer Fusion herangetreten ist. Es gebe allerdings keine Gewissheit, dass dieser Vorstoß zu einer Einigung führen werde. Nichtsdestotrotz steigen Aktien von SABMiller um mehr als 20 Prozent. Auch Anheuser-Aktien sind gefragt.

Im Schlepptau der möglichen Elefantenhochzeit steigt auch die Heineken-Aktie. Die Niederländer sind die Nummer 3 im Markt. Spekuliert wird nun darauf, dass bei einer Fusion der beiden Giganten sich diese von Teilen ihres Geschäftes trennen müssen. Davon könnte Heineken profitieren.

Amazon-Gründer Bezos: Völlig losgelöst…

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Amazon-Gründer Jeff Bezos nimmt noch einmal eine Menge Geld in die Hand, um seinen Weltraum-Träumen näherzukommen. Die von ihm gegründete Firma Blue Origin werde Raketen bauen und sie von Florida aus in den Orbit schicken, teilte der passionierte Weltraum-Enthusiast und Milliardär mit. Blue Origin habe bereits in Cape Canaveral einen historischen Startplatz gemietet.

rm

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Umkämpfte Märkte zwischen Google und Amazon Showdown im Internet

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Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr