Wenigstens war es spannend...

Detlev Landmesser

Stand: 19.11.2008, 20:23 Uhr

Der Dax ist schon fast wieder dort, wohin er im Oktober gestürzt war - zu schwer wog am Mittwoch die Sorge um die Unternehmensgewinne, diesmal angefacht von BASF. Aber auch sonst war eine Menge los.

Der L-Dax schloss 3,5 Prozent tiefer bei 4.366,97 Punkten. Denn auch die Wall Street schlug nach einer Unsicherheitsphase bis zum Abend den Weg nach unten ein.

Erst nahm der Markt die um 11:37 Uhr verbreitete Meldung von Solarworld gar nicht ernst. Danach will der Bonner Solarkonzern dem US-Autoriesen General Motors das Angebot unterbreiten, die vier deutschen Werke und das Rüsselsheimer Entwicklungszentrum der Adam Opel GmbH zu übernehmen. Doch als Solarworld-Chef Frank Asbeck das "seriöse" Angebot bekräftigte, war es um den TecDax-Titel schon geschehen - die Aktie brach trotz aller industrie- und umweltpolitischer Fantasien zweistellig ein. Die Europa-Zentrale von General Motors erklärte dagegen umgehend, Opel stehe nicht zum Verkauf. Experten waren ohnehin skeptisch, ob Solarworld eine solche Transaktion überhaupt stemmen könnte.

BASF schockt

Ein weiterer Paukenschlag kam von BASF. Der weltgrößte Chemiekonzern teilte kurz nach 13:00 Uhr mit, seine Produktion weltweit zu drosseln. Wegen der deutlich zurückgehenden Nachfrage nahm BASF zudem das Gewinnziel für dieses Jahr erneut zurück. Das Ergebnis des Vorjahres vor Zinsen, Steuern und Sondereinflüssen in Höhe von 7,6 Milliarden Euro werde 2008 nicht erreicht. Der Dax-Konzern hatte erst Ende Oktober die Gewinnerwartung für das laufende Jahr gesenkt und dabei einen Gewinn auf Vorjahreshöhe in Aussicht gestellt. Laut einem Analysten kam die Nachricht nicht übermäßig überraschend, sie sei aber dennoch enttäuschend. Die BASF-Aktie brach um bis zu 19,2 Prozent auf ein Tagestief von 20,54 Euro ein.

Weitere Rezessionssignale aus den Staaten
Die Lage am US-Immobilienmarkt hat sich weiter eingetrübt. Die Zahl der Baugenehmigungen brach im Oktober überraschend deutlich ein. Die Zahl sei um 12,0 Prozent auf 708.000 Häuser abgesackt, teilte das US-Handelsministerium mit. Volkswirte hatten lediglich einen Rückgang auf 780.000 prognostiziert. Bei den Baubeginnen fiel die Zahl mit minus 4,5 Prozent auf 791.000 nicht ganz so kräftig wie befürchtet.

Die US-Verbraucherpreise sanken indessen im Oktober mit Rekordgeschwindigkeit. Auf Monatssicht fielen sie um 1,0 Prozent. Das ist der stärkste monatliche Rückgang seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1947. Im Jahresvergleich stiegen die Verbraucherpreise im Oktober um 3,7 Prozent, nach einem Plus von 4,9 Prozent im Vormonat. Das macht weitere Zinssenkungen wahrscheinlicher, was auch das am Abend veröffentlichte Sitzungsprotokoll der US-Notenbank vom 29. Oktober nahelegte.

Microsoft erteilt Yahoo-Spekulation Absage
Die US-Marktteilnehmer zeigten sich auch enttäuscht von einer Aussage des Softwareriesen Microsoft. "Lassen Sie mich etwas klarstellen: Wir sind durch mit Kaufgesprächen bei Yahoo", sagte Microsoft-Chef Steve Ballmer auf der Hauptversammlung am Mittwoch. Noch im Frühjahr war der Konzern bereit gewesen, 47,5 Milliarden Dollar für Yahoo zu zahlen. Nach dem Rücktritt von Yahoo-Chef Jerry Yang waren die Übernahmespekulationen zuletzt erneut aufgeflammt.

HRE-Kursziel 50 - aber Cent
Die Aktie der angeschlagenen Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) sorgte mit einem Kurseinbruch von 21,6 Prozent wieder einmal für Gesprächsstoff. Die Analysten der Commerzbank gaben für den Dax-Titel ein bemerkenswertes Kursziel von 50 Cent aus. Bisher lag das Kursziel immerhin bei 4,00 Euro.

Will die Deutsche die Postbank ganz?
Am Ende verblieb die Deutsche Postbank als einziger Dax-Gewinner, mit einem bescheidenen Aufschlag von 1,1 Prozent. Zeitweise hatte die Post-Tochter 15,9 Prozent höher notiert. Auslöser war ein Vorabbericht des Wirtschaftsmagazins "Capital": Das Blatt meldete unter Berufung auf einen ranghohen Manager der Deutschen Bank, dass sich diese über Optionsgeschäfte weitere Aktien an der Postbank sichern wolle. "Wir planen, die Postbank so schnell es geht komplett zu übernehmen", zitierte das Magazin den Banker. Ein Sprecher der Deutschen Bank erklärte dagegen am Nachmittag: "Die Deutsche Bank hat keine Pläne für eine schnelle und komplette Übernahme der Postbank." Der deutsche Branchenprimus hatte sich im September den Zugriff auf die Postbank gesichert. Die Großbank erwirbt 29,75 Prozent für 2,8 Milliarden Euro - mehr, als die Postbank jetzt insgesamt noch an der Börse wert ist. Die Transaktion soll im ersten Quartal 2009 abgeschlossen werden.

Kuka: Wichtiger Kunde pleite
Zeitweise sackte die Kuka-Aktie ans MDax-Ende ab. Der Roboter- und Anlagenbauer wird wegen eines verlorenen Auftrags im laufenden Geschäftsjahr weniger verdienen und umsetzen als bislang erwartet. Durch die Insolvenz eines Kunden könnte der Umsatz mit bis zu 23 Millionen Euro und das operative Ergebnis (Ebit) in gleicher Höhe belastet werden, teilte Kuka ad hoc mit. Nach einer Handelsaussetzung brach das Papier um bis zu 16,4 Prozent ein.

Arcandor sieht "normales" Weihnachtsgeschäft
Mehr als neun Prozent verlor die Aktie von Arcandor. Dabei läuft das wichtige Weihnachtsgeschäft für den Touristik- und Handelskonzern nach den Worten des stellvertretenden Vorstandschefs Marc Sommer "normal". Von Rezessionsstimmung unter den Verbrauchern sei nichts zu spüren. 2009 werde angesichts der Finanzkrise und ihrer Folgen eher ein schwierigeres Jahr. Arcandor gehe aber für sein im Oktober begonnenes Geschäftsjahr 2008/09 von "deutlich steigenden Gewinnen in allen drei Unternehmensbereichen" aus.

Weitere Umwelttitel in Ungnade
Im TecDax brach die Conergy-Aktie noch stärker ein als Solarworld. Am Dienstag hatte der Solartitel allerdings massiv zugelegt. Die Nordex-Aktie litt unter einer Verkaufsempfehlung der französischen Bank Cheuvreux. Es gebe Zweifel, ob das Unternehmen in der Lage sei, vorläufige Verträge in bindende umzuwandeln, meinten die Analysten.

United Internet: Kein Geschäft mit Freenet
Der Internetanbieter United Internet bietet nach eigenen Angaben nicht mehr für die DSL-Sparte seiner Beteiligung Freenet. Das Unternehmen sei bereits im Oktober mit einem an Freenet gerichteten Schreiben aus dem Bieterverfahren ausgeschieden, teilte United Internet mit.

Colonia hat neuen Großaktionär
Die Aktie von Colonia Real Estate kann sich trotz guter Nachrichten nicht im Plus halten. Das Immobilienunternehmen hat einen neuen Großaktionär. Die Liechtensteinische Landesbank hat sich über eine Tochtergesellschaft 19 Prozent an dem SDax-Mitglied gesichert.

Alstria schreibt Verluste
Das Immobilienunternehmen Alstria hat in den ersten neun Monaten seinen Umsatz um 25 Prozent auf 75,8 Millionen Euro nach oben geschraubt. Das operative Ergebnis stieg 35 Prozent auf 29,9 Millionen Euro. Allerdings rutschte das Unternehmen wegen Abschreibungen nach Steuern mit 55,5 Millionen Euro in die Verlustzone.

Sino meldet nur leichte Einbußen
Die Zahlen des kleinen Online-Brokers Sino kamen gut an. Im Geschäftsjahr 2007/08 (bis Ende September) erzielte das Unternehmen einen Jahresüberschuss von 2,79 Millionen Euro, was einem Rückgang von sieben Prozent entsprach. Die Gesamterlöse sanken um 8,7 Prozent auf 13,1 Millionen Euro. Dabei stieg die Zahl der Depotkunden um 1,5 Prozent auf 615.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr