Wenig Bewegung, wenig Aufregung

Stand: 02.06.2009, 19:55 Uhr

Der Dax absolvierte den Dienstag als Pflicht. Der Leitindex legte 1,5 Punkte zu, Nachrichten waren Mangelware. Immerhin sorgte die VW-Aktie für etwas Unruhe, und aus den USA kamen überraschend gute Zahlen zum Immobilienmarkt.

Die Zahlen zu den so genannten "schwebenden Hausverkäufen" in Amerika fielen außerordentlich gut aus: Die unmittelbar bevorstehenden Verkäufe kletterten im Monatsvergleich um 6,7 Prozent, was deutlich mehr war als erwartet. Die Aktienmärkte in New York und Frankfurt gingen daraufhin deutlich nach oben.

Der Dax hatte den Tag eher schwach begonnen, war dann aber durch die guten Vorgaben aus New York in die Pluszone zurückgekehrt und schloss am Ende 0,03 Prozent fester bei 5.144 Zählern.

Genauso unspektakulär wie das Ergebnis war die Nachrichtenlage. Die Anleger mussten ohne Kursbewegendes auskommen. Lediglich die HRE-Hauptversammlung, bei der es turbulent zu ging und wo es bis zum Abend zu keinem Ergebnis kam, sorgte für etwas Spannung. Dass der Bund bei der HRE die Regie übernimmt, gilt allerdings als sicher.

VW: Plus 10 Prozent
Auch die VW-Aktie zog am Dienstag erstaunte Blicke auf sich. Denn ohne konkrete Nachrichten kletterte die Stammaktie um erstaunliche zehn Prozent, was natürlich die Gerüchteküche heiß laufen ließ. Zum einen könnte es sein, mutmaßten Händler, dass VW-Großaktionär Porsche endlich einen Geldgeber gefunden hat, der die VW-Optionen für Porsche ausüben kann. Andere Händler sahen erneut einen Short-Squeeze bei der Aktie, drittens könnte VW auch von der GM-Insolvenz profitieren und seinen Marktanteil in Amerika ausbauen. Harte Nachrichten blieben aus.

Autoabsatzzahlen in den USA
Am Abend veröffentlichten die international tätigen Autohersteller ihre Absatzzahlen für Amerika. Daimler verkaufte dort im Mai ein Drittel weniger Autos (verglichen mit Mai 2008), Porsche 29 und BMW 27,7 weniger Fahrzeuge. Bei Ford fiel das Minus mit 24,3 Prozent geringer aus, gegenüber April setzte der amerikanische Hersteller sogar 20 Prozent mehr Autos ab. GM verkaufte 30 Prozent weniger Pkw.

Bankaktien unter Druck
Aktien von Banken und Versicherern gehörten am Dienstag nicht zu den Favoriten am Aktienmarkt. Sie notieren deutlich schwächer, das Papier der Münchener Rück verlor 3,4 Prozent, die Deutsche Bank schloss zwei Prozent schwächer. Belastend wirkte die Ankündigung von JP Morgan und American Express, ihr Kapital zu erhöhen und Staatshilfen zurückzuzahlen. Aktien von JP Morgan und American Express notieren in New York deutlich schwächer.

Lufthansa und Ryanair
Aktien der Lufthansa gewannen 1,8 Prozent. Am Morgen hatte der irische Billigflieger Ryanair erklärt, die Lufthansa im Visier zu haben. "Wir sehen uns Lufthansa ernsthaft an", sagte Konzernchef Michael O'Leary. "Wir könnten sie fast mit Barmitteln kaufen." Ob Ryanair das Angebot ernst meint, bezweifelten auf dem Parkett viele: Das deutsche Luftverkehrsnachweissicherungsgesetz gibt der Lufthansa ein mächtiges Instrument in die Hand, Übernahmen abzublocken. Ryanair hatte das vergangene Geschäftsjahr übrigens mit einem operativen Verlust von 222,5 Millionen Euro abgeschlossen, erwartet aber eine deutliche Erholung.

Gildemeister mit Auftragsplus
Der Werkzeugmaschinen- Hersteller Gildemeister hat für seinen Solarbereich mehr Aufträge verbucht. Auf der Messe Intersolar seien Bestellungen über 38,9 Millionen Euro eingegangen, teilte das Unternehmen mit. Im vergangenen Jahr waren es erst 21,6 Millionen Euro gewesen. Gildemeister erwartet weiterhin eine positive Entwicklung im Solargeschäft. Die Aktie setzte sich mit einem Plus von 11,8 Prozent souverän an die MDax-Spitze.

Leoni ist froh
Aktien des Autozulieferers Leoni stiegen um zwei Prozent. "Wir sind für Mai verhalten optimistisch", sagte ein Leoni-Unternehmenssprecher der Nachrichtenagentur dpa. Im Automobilgeschäft sehe es nicht mehr so schlecht aus. Außerdem begrüßt Leoni die Opel-Rettung, so der Sprecher. "Wir sind froh über die gefundene Lösung, da sie nach heutigem Stand den Fortbestand von Opel bedeutet und damit unser Geschäft mit Opel sichert".

Mehr Zeit für Cement
Die Einigung des angeschlagenen Baustoffkonzerns HeidelbergCement mit den Gläubigerbanken über ein Restrukturierungskonzept ist einen Schritt näher gerückt. "Wir bleiben zuversichtlich", sagte ein Banker der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir haben noch eine Reihe von Banken zu überzeugen, aber es geht sicher in die richtige Richtung." Die Kreditgeber hätten eine Woche mehr Zeit bekommen, um den Restrukturierungsplänen des Konzerns zuzustimmen, hieß es. Die Aktie stieg am Dienstag um 7,3 Prozent.

Catoil und Medion
Im SDax setzten sich die Aktien von Catoil und Medion an die Spitze. Das Papier des Ölfeldspezialisten Catoil legte um 14 Prozent zu. Neue aktuelle Nachrichten gibt es nicht. Vergangene Woche hatte Catoil noch eine schwache Bilanz veröffentlicht und auf den niedrigen Ölpreis und den schwachen Rubel verwiesen. Medion-Aktien stiegen um 6,4 Prozent. Die Deutsche Bank hatte am Morgen die Aktien des Elektronikhändlers zum Kauf empfohlen.

Zooplus im Plus
Der nach eigenen Angaben führende Internet-Händler für Tierfutter hat das erste Quartal mit einem leicht geringeren operativen Ergebnis von 0,4 Millionen Euro abgeschlossen. Die Erlöse stiegen um 63 Prozent auf 28,5 Millionen Euro. Vorstandschef Cornelius Patt sagte, dies sei der Expansion des Unternehmens im Ausland geschuldet. Die Aktie notiert bei schwachen Umsätzen leicht im Minus.

Tagestermine am Mittwoch, 19. Dezember

Unternehmen:
Softbank: IPO der Mobilfunktochter in Tokyo
Ceconomy: Q4-Zahlen, 07:00 Uhr, und Bilanz-PK, 10:00 Uhr
General Mills: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20:00 Uhr, PK mit Fed-Chef Powell, 20:30 Uhr
Japan: Außenhandel im November, 00:50 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im November, 08:00 Uhr
Großbritannien: Verbraucherpreise im November, 10:30 Uhr
USA: Leistungsbilanz Q3, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im November, 16:00 Uhr
USA: Wöchentlicher Ölbericht, 16:30 Uhr