Weltbörsen nervös

von Detlev Landmesser

Stand: 25.07.2007, 20:37 Uhr

Ohne die Siemens-Aktie wäre es dem Dax zur Wochenmitte deutlich besser ergangen. Aber auch die Wall Street war keine große Hilfe. Neue Sorgen ließen den Dax unter 7.700 Punkte rutschen.

Der L-Dax schloss 1,6 Prozent tiefer bei 7.683 Punkten. Nachdem am Dienstag vor allem die Unsicherheit über die Hypothekenbranche auf den US-Börsen gelastet hatte, nannten Marktteilnehmer diesmal die Sorge über die Finanzierung von Übernahmen als Grund für den nervösen Handel. Offenbar hat der US-Finanzinvestor Cerberus Schwierigkeiten, die millardenschwere Übernahme von Chrysler zu "wuppen", das heißt die dafür nötigen Kreditzusagen zu erhalten.

Zur Stunde notieren die US-Indizes kaum verändert, nachdem sie bereits mehrmals die Vorzeichen gewechselt hatten. Starke Zahlen und Prognoseanhebungen bei Konzernen wie Boeing und Amazon hatten zunächst für Kauflaune gesorgt.

Die heute Nachmittag veröffentlichten Verkäufe bestehender Häuser weisen ebenfalls auf eine Abkühlung auf dem US-Immobilienmarkt hin. Im Juni gingen die Verkäufe auf das Jahr hoch gerechnet um 3,8 Prozent auf 5,75 Millionen Einheiten zurück. Volkswirte hatten nur mit einem leichten Rückgang auf 5,85 Millionen Einheiten gerechnet.

Fed sieht weiter "moderates" Wachstum

Am Abend brachte die Fed wieder etwas Ruhe in den Markt: Nach Einschätzung der US-Notenbank ist die US-Wirtschaft im Juni und Anfang Juli "moderat" weiter gewachsen. Insgesamt seien die Konsumausgaben leicht gestiegen, heißt es in dem um 20:00 Uhr veröffentlichten monatlichen Konjunkturbericht (Beige Book).

Milliardendeal zwischen Siemens und Conti
VDO bleibt deutsch: Siemens verkauft seine Autozuliefersparte komplett an Continental. Der Kaufpreis betrage 11,4 Milliarden Euro, teilte der Technologieriese am Nachmittag mit. Der Abschluss der Transaktion werde vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden noch für das laufende Jahr erwartet. Zugleich kündigte Siemens an, das US-Medizintechnikunternehmen Dade Behring für rund sieben Milliarden Dollar zu übernehmen.

Siemens präsentierte auch die Zahlen für das dritte Quartal des Geschäftsjahrs 2006/07: In den Monaten April bis Juni stieg das operative Ergebnis um 22 Prozent auf 1,50 Milliarden Euro, trotz eines Verlustes von 371 Millionen Euro von Nokia Siemens Networks (NSN). Der Umsatz sei um acht Prozent auf 20,18 Milliarden Euro gewachsen.

Siemens-Aktie kostet Dax 47 Punkte
Erst reagierte die Siemens-Aktie deutlich positiv, rutschte aber dann ans Dax-Ende ab. Marktteilnehmer monierten den hohen Kaufpreis für Dade Behring. Zuletzt habe der US-Konzern einen Börsenwert von 4,7 Milliarden Dollar gehabt. "Über 50 Prozent Prämie ist zuviel", meinte ein Händler.

Bei einem deutlichen Minus von sechs Prozent kostete das Index-Schwergewicht den Xetra-Dax alleine 47 Punkte. Die Conti-Aktie drehte nach einer Kurssaussetzung deutlich ins Plus. Zur Finanzierung des VDO-Kaufs sei eine "kleine Kapitalerhöhung" geplant, kündigte Finanzvorstand Alan Hippe an.

Mercedes treibt DaimlerChrysler-Ergebnis
Die DaimlerChrysler-Aktie drehte nach Vorlage der Quartalszahlen am frühen Nachmittag deutlich ins Plus. Die Mercedes-Pkw-Gruppe im Konzern hat im zweiten Quartal trotz Absatzeinbußen und des starken Euro-Wechselkurses einen deutlichen Renditeschub verzeichnet. Bei einem konstanten Umsatz von 12,56 Milliarden Euro sei das Ergebnis vor Steuern und Zinsen um 74 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro gestiegen, teilte DaimlerChrysler mit. Damit erreichte die operative Umsatzrendite der Markengruppe von Mercedes-Benz, Smart und Maybach 9,5 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es gerade 5,5 Prozent. Spätestens 2010 soll die Rendite auf zehn Prozent steigen, kündigte der Konzern an.

Lufthansa glänzt
Einen Tag früher als erwartet legte am Nachmittag auch die Lufthansa ihr Halbjahresergebnis vor, und erhöhte zugleich die Gewinnprognose für das Gesamtjahr, was die Aktie beflügelte. Das operative Ergebnis habe im ersten Halbjahr um 64 Prozent auf 486 Millionen Euro zugelegt, teilte Europas zweitgrößte Fluggesellschaft mit. Der Vorstand gehe nun für 2007 von einem operativen Ergebnis von "deutlich über einer Milliarde Euro" aus nach 845 Millionen Euro im Vorjahr. Der Halbjahresumsatz erhöhte sich um 4,6 Prozent auf 10,1 Milliarden Euro.

Tui Travel wird Wirklichkeit
Die Aktie von Tui drehte im Verlauf ins Plus, fiel dann aber wieder zurück. Die Aktionäre des britischen Reiseanbieters First Choice haben heute grünes Licht für die Fusion mit der Touristiksparte des Dax-Konzerns gegeben. An der neuen Tui Travel plc halten die deutsche Konzernmutter 51 Prozent und die First Choice-Eigner 49 Prozent. Die Fusion soll am 3. September mit der ersten Börsennotierung von Tui Travel in London vollzogen werden.

FMC top
Unangefochtener Dax-Gewinner war die Aktie von Fresenius Medical Care mit einem Plus von fünf Prozent. Am Dienstag hatte bereits die Meldung über die Einhaltung einer Richtlinie in den USA durch FMC die Aktie getrieben.

Merck nicht gut genug
Die Darmstädter Merck KGaA hat ihr operatives Ergebnis in den vergangenen drei Monaten auf 277,5 Millionen von 176,1 Millionen Euro gesteigert. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit 273 Millionen Euro etwas weniger erwartet. Die Gesamtumsätze lagen bei 1,795 Milliarden Euro, ein Plus von 66,5 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Der Dax-Titel verlor dennoch über zwei Prozent.

Praktiker legt einen drauf
Im MDax wurde die Aktie von Praktiker nach einem guten zweiten Quartal mit Kursaufschlägen von zeitweise über neun Prozent belohnt. Die Baumarktkette hat ihre Erwartung für das operative Ergebnis im Gesamtjahr auf 125 Millionen Euro nach oben geschraubt. Im zweiten Quartal lag das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) bei 69 Millionen Euro. Der Umsatz stieg um 26,9 Prozent auf 1,13 Milliarden Euro.

SGL leidet unter Gewinnmitnahmen
Der Aktie der SGL Group machten Gewinnmitnahmen zu schaffen. Dabei hat der Grafitspezialist ein hervorragendes Halbjahr hinter sich. Die hohe Nachfrage nach seinen Produkten hat ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 122 ermöglicht, eine Steigerung um mehr als 100 Prozent. Der Umsatz legte um 14 Prozent auf 647,5 Millionen Euro zu.

Krones lässt die Korken knallen
Die Krones-Aktie schaffte es dagegen nicht einmal in die Pluszone - obwohl auch der Maschinenbau-Konzern im ersten Halbjahr seine Ergebnisse deutlich gesteigert hat. Netto verdiente Krones 47,6 Millionen Euro, das entspricht einem Plus von 24,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das Ergebnis vor Steuern wuchs um 25,7 Prozent auf 75,7 Millionen Euro. Der Umsatz stieg um 14,5 Prozent auf 1,05 Milliarden Euro.

MTU schraubt Ergebnisprognose hoch
Die operative Ergebnissteigerung von 23,7 Prozent auf 181 Millionen Euro im ersten Halbjahr brachte der Aktie von MTU Aero Engines ein Plus von 1,4 Prozent. Der Umsatz legte von 1,17 auf 1,26 Milliarden Euro zu. Nach dem guten ersten Halbjahr erwartet MTU nun höhere Gewinne im Gesamtjahr. Das operative Ergebnis soll nun 385 Millionen Euro, statt der bisher erwarteten 365 Millionen Euro erreichen.

GPC unter zehn Euro
Das Negativ-Szenario ist also wahr geworden: GPC Biotech muss weiter auf eine Zulassung des Medikamentenkandidaten Satraplatin warten - womit auch die Unsicherheit anhalten wird, ob der Hoffnungsträger überhaupt zugelassen wird. Die Aktie verlor ein Drittel ihres Wertes. Am Dienstagabend hatte ein Beratergremium der US-Gesundheitsbehörde einstimmig empfohlen, vor einer Zulassungsentscheidung die endgültigen Ergebnisse einer laufenden Studie abzuwarten. Diese könnten möglicherweise erst in einem Jahr vorliegen. Eine Serie von Abstufungen für die Aktie folgte.

Balda unter Druck
Im SDax verlor die Balda-Aktie über zehn Prozent. Möglicherweise hatte das mit dem Streit zwischen dem taiwanesischen Elektrokonzern BenQ und dem Insolvenzverwalter seiner in die Pleite gestürzten deutschen Handy-Tochter BenQ Mobile zu tun. BenQ droht dem Insolvenzverwalter mit Schadensersatzforderungen wegen Rufschädigung. BenQ hatte die ehemalige Siemens-Handysparte im vergangenen Herbst in die Pleite geschickt. Zahlreiche Zulieferer wie Infineon und Balda waren davon betroffen.

DAB Bank abgestraft
Im SDax verlor die Aktie des Onlinebrokers DAB Bank 2,5 Prozent. Der Gewinnsprung im zweiten Quartal auf 6,48 Millionen Euro reichte Investoren offenbar nicht. Ein Rückgang im Zinsergebnis und deutlich höhere Abschreibungen könnten für den Rücksetzer verantwortlich sein.

Zapf zapft Börse an
Nach Börsenschluss gab Zapf Creation Details zu seiner geplanten Kapitalerhöhung bekannt. Der angeschlagene Puppenhersteller will bis zu 3,2 Millionen neue Aktien zu je 4,50 Euro ausgeben. Dadurch flössen Zapf bis zu 14,4 Millionen Euro an frischen Mitteln zu. Die Kapitalerhöhung ist Teil einer umfassenden Finanzierungsvereinbarung mit den Banken und Großaktionären wie dem US-Konzern MGA Entertainment, mit der Zapf vor der Insolvenz gerettet werden soll.

Tagestermine am Mittwoch, 19. Dezember

Unternehmen:
Softbank: IPO der Mobilfunktochter in Tokyo
Ceconomy: Q4-Zahlen, 07:00 Uhr, und Bilanz-PK, 10:00 Uhr
General Mills: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20:00 Uhr, PK mit Fed-Chef Powell, 20:30 Uhr
Japan: Außenhandel im November, 00:50 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im November, 08:00 Uhr
Großbritannien: Verbraucherpreise im November, 10:30 Uhr
USA: Leistungsbilanz Q3, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im November, 16:00 Uhr
USA: Wöchentlicher Ölbericht, 16:30 Uhr