Welch ein spannender Börsentag!

Stand: 15.07.2011, 20:07 Uhr

Minus 0,1 Prozent - das kleine Minus im Dax klingt nach Langeweile. Doch weit gefehlt, die Quartalsbilanzen von Google und Citigroup rissen Anleger aus der Angststarre, zogen die Börsen ins Plus. Bis dann die Uni Michigan die Freude niederschlug.

Die heutigen Konjunkturdaten aus Amerika zeigen: Die Wirtschaft dort ist noch lange nicht über den Berg. Das Verbrauchervertrauen, allmonatlich ermittelt von der Uni Michigan, ist im Juli auf den tiefsten Stand seit März 2009 gefallen. Der Empire-State-Index, der die Stimmung des Verarbeitenden Gewerbes im Bundesstaat New York misst, enttäuschte ebenfalls. Und auch die Industrieproduktion fiel schlechter aus als erwartet.

Zwischen Konjunktursorgen und Liquiditätshoffnung
Und doch zuckten die Aktienkurse aufwärts nach den schlechten Daten und Indikationen von der Konjunkturfront. Ein Erklärungsansatz: An den Börsen blinkt ein klein bisschen Hoffnung mit: Liquiditätshoffnung. Es könnte ja sein, dass sich Ben Bernanke angesichts der schwachen Daten nun doch dazu durchringt, ganz bald ein drittes Konjunkturprogramm für die lahmende US-Wirtschaft auf den Weg zu schicken.

USA streiten weiter über Schuldenlimit
Doch noch ist Vorsicht angebracht. Schließlich tobt der Haushaltstreit in den USA noch weiter. Demokraten und Republikaner können sich nicht auf die Anhebung der Schuldengrenze verständigen. Doch das muss bald geschehen, sonst droht Amerika die Pleite; Renten oder Sozialhilfeleistungen könnten dann nicht mehr bezahlt werden, Ratingagenturen drohen mit drastischen Herabstufungen. Das alles hätte unvorstellbare Auswirkungen für die Wirtschaft und die Finanzmärkte.

Angesichts dieser Unsicherheit fällt es Anlegern schwer, Kauflaune zu entwickeln. Der amerikanische Leitindex Dow Jones notiert zur Stunde auf seinem Vortagsniveau. Der Dax verließ den elektronischen Xetrahandel beim Stand von 7.220 Punkten mit einem Plus von 0,1 Prozent. Im Parketthandel passierte nicht mehr viel, der L-Dax schloss beim Stand von 7.214.

Italien segnet Sparpaket ab
In der europäischen Schuldenkrise ist das letzte Kapitel noch längst nicht geschrieben. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy hat für kommenden Donnerstag zu einem EU-Sondergipfel eingeladen. Ob dann aber die rettende Lösung für Griechenland gefunden wird, ein Hilfspaket verabschiedet wird?

Immerhin dürfte Italien jetzt erst einmal aus der Schusslinie sein. Das Sparpaket wurde von den Abgeordneten abgesegnet.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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8,80
Differenz relativ
+1,62%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9,62
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+1,31%

Bankaktien im Stress
Auch der Bankenstresstest als Unsicherheitsfaktor ist nun vom Tisch. Am Abend wurden die Ergebnisse veröffentlicht. Sie zeigen: Acht Banken haben den Test nicht bestanden. Die deutschen Banken können allerdings jubeln, allen bescheinigte die Europäische Bankenaufsicht, dass sie krisenfest sind. Aktien von Commerzbank und Deutscher Bank notierten heute im Minus, auch wenn eigentlich klar war, dass sie nicht hätten zittern müssen.

Weitere Klage gegen Deutsche Bank
Die Deutsche Bank hat außerdem wegen umstrittener Hypothekengeschäfte in den USA eine neue Klage am Hals. Die französisch-belgische Finanzgruppe Dexia zitierte das Geldhaus vor ein New Yorker Gericht, wirft der Deutschen Bank Betrug vor: Während der Boomzeit auf dem amerikanischen Häusermarkt hat die Finanzgruppe von der Bank verbriefte Hypothekenpapiere über eine Milliarde Dollar gekauft, die wertlos wurden, als der Markt zusammenbrach.

Citigroup punktet mit Milliardengewinn
Die Citigroup hätte die Stimmung im Bankensektor eigentlich beleben können. Der Gewinn der drittgrößten Bank der USA schoss im zweiten Quartal auf 3,34 Milliarden Dollar und damit um fast ein Viertel nach oben. Das war überraschend viel, weshalb sich die Stimmung an der Börse aufhellte - aber eben nicht bei den deutschen Banktiteln.

Google-Aktie im Freudentaumel
Auch Google belebte die Börsenstimmung, die Aktie schießt 13 Prozent in die Höhe. Der Internet-Konzern Google überraschte Investoren mit überraschend guten Quartalszahlen. Erlöse und Gewinne sprangen rund ein Drittel in die Höhe.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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146,60
Differenz relativ
+1,82%

Autoaktien haben guten Lauf
Im Dax gehörten erneut Autoaktien zu den großen Gewinnern. VW und BMW legten zu. Die Wolfsburger glänzen mit ihrem Absatzrekord im ersten Halbjahr, 4,09 Millionen Autos wurden verkauft, so viele wie nie zuvor. BMW bekommt Rückenwind durch eine Kaufempfehlung von Goldman Sachs, zudem hob die Citigroup das Kursziel. Daimler kann auf eine bessere Bonitätsnote der Ratingagentur Standard & Poor's hoffen. In Aussicht gestellt wurde eine Hochstufung auf die Note "A-" von bisher "BBB+". Doch nach anfänglichen Kursgewinnen fiel die Aktie wieder auf ihren Vortagesstand zurück.

Henkel mit Icahn-Bonus
Praktiker-Aktie verliert neun Prozent
Am anderen MDax-Ende rangiert Praktiker. Schon seit Monaten ist die Aktie auf Talfahrt, beschleunigt seit der Gewinnwarnung Anfang Juli. Heute gab es keine neuen Nachrichten.
Henkel-Aktien bekamen Schub durch Übernahmenachrichten. Der bekannte amerikanische Milliardär und Großinvestor Carl Icahn greift nach der Macht beim Bleichehersteller Clorox und hat ein Übernahmeangebot gemacht.

Deutsche Börse kann nun mit Fusion scheint gesichert
Auch die Aktie der Deutschen Börse beendete den Handel im Plus. Das Unternehmen war am Vortag bei der Fusion mit der NYSE Euronext einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Mehr als 80 Prozent der Aktien waren bei der neu gegründeten Börsenholding eingereicht worden. Damit könnte die Elefantenhochzeit bis Ende des Jahres abgeschlossen werden. Die Commerzbank hat ihre Kaufempfehlung für den Titel bekräftigt.

Infineon wird abgekanzelt
Wie schon an den vergangenen Handelstagen verlor die Aktie des Chip-Unternehmens Infineon. Analysten von Morgan Stanley bemängeln das schwache Autozulieferer-Geschäft bei den Münchenern. Ihre Schätzungen für Umsatz und Ergebnis haben sie reduziert, die Einstufung lautet "equal-weight".

Hugo Boss-Aktie sehr kleidsam
Rund sieben Prozent Kursgewinn verbuchte das Papier des Modeunternehmens am Mittag und führt damit die MDax-Gewinnerliste an. Die Aktie springt auf ein Rekordhoch nach guten Quartalszahlen und Prognose-Erhöhung. Deutsche Bank und Credit Suisse haben bereits mit Kurszielerhöhungen reagiert.

Praktiker-Aktie verliert neun Prozent
Am anderen MDax-Ende rangiert Praktiker. Schon seit Monaten ist die Aktie auf Talfahrt, beschleunigt seit der Gewinnwarnung Anfang Juli. Heute gab es keine neuen Nachrichten.

Wincor Nixdorf unter Verkaufsdruck
Unter den großen MDax-Verlierern finden sich Wincor Nixdorf. Die Aktie sei unter die Tiefstände der vergangenen Monate gefallen, was den Verkaufsdruck erhöhte, begründet ein Händler den Abschlag.

ElringKlinger zum Verkauf empfohlen
Bei ElringKlinger belastet Goldman Sachs. Die Verkaufsempfehlung der Bank setzen einige Anleger gleich in die Tat um.

Software AG berappelt sich
Im TecDax geben die Aktien der Software AG weiter nach. Nach überraschend schwachen Quartalszahlen hatte der Titel gestern zweistellig verloren und sogar Branchenprimus SAP belastet. Heute ging es nach anfänglichen Gewinnen fünf Prozent abwärts.

Dividenden-Effekte drücken Phoenix Solar
Mit fast zehn Prozent ist die Aktie von Phoenix Solar größter Verlierer im Technologieindex. Ein Teil rührt vom Dividendenabschlag, ausgeschüttet wurden 0,35 Euro. Doch die Aktie hat heute insgesamt 1,55 Euro verloren.

Credit Suisse im Visier der Steuerfahnder
Die USA erhöhen den Druck auf die Schweizer Banken zur Herausgabe weiterer Namen von amerikanischen Steuersündern. Das US-Justizministerium leitete diese Woche eine formelle Untersuchung gegen Credit Suisse ein, wie die Bank heute mitteilte. Die Amerikaner wollen herausfinden, ob Credit Suisse ebenso wie UBS reichen Amerikanern von der Schweiz aus bei Steuerhinterziehung geholfen hat.

Invision wird gestraft

Außerhalb der Indizes fällt die Aktie von Invision Software mit herben Kursverlusten auf. Bei nahezu konstanten Umsätzen verbuchte die Gesellschaft im ersten Halbjahr ein negatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) -0,8 Millionen Euro.

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier