Welch ein Monat, welch ein Tag

Detlev Landmesser

Stand: 30.04.2009, 20:29 Uhr

Dieser April war für den Dax der viertbeste Börsenmonat seiner Geschichte - und der beste seit sechs Jahren. An diesem bewegten Tag fügte der Leitindex noch ein Stückchen zu dem Monatsgewinn von 16,8 Prozent hinzu.

Der Xetra-Dax notierte mit 4.769,45 Punkten nur noch 40 Punkte unter seinem Jahresschluss 2008. Der L-Dax ging wieder etwas tiefer bei 4.727,89 Punkten ins verlängerte Wochenende. Denn die Insolvenz des US-Autoriesen Chrysler machte die amerikanischen Börsen im Verlauf doch etwas nervös, was die starken Anfangsgewinne abschmelzen ließ.

Chrysler (vorerst) pleite

Die US-Regierung ließ den Traditionskonzern am Donnerstag tatsächlich in die Insolvenz gehen. Das Insolvenzverfahren soll aber zugleich die Sanierung Chryslers ermöglichen. Große Hoffnungen setzen die Amerikaner dabei auf Fiat. Beide Konzerne hätten sich darauf geeinigt, dass der italienische Autokonzern zunächst 20 Prozent der Anteile von Chrysler übernimmt, teilte die US-Regierung mit. Erst vorgestern hatte Daimler seinen Restanteil von knapp 20 Prozent an den Hauptaktionär Cerberus weitergereicht. Mit dem Einstieg von Fiat soll Chrysler weitere drei Milliarden Dollar an US-Staatshilfen erhalten.

US-Abschwung bremst ab
Wieder deutete ein amerikanischer Frühindikator darauf hin, dass der Abwärtstrend in der US-Konjunktur bremst. Der viel beachtete Stimmungsindex der Einkaufsmanager in der Region Chicago sprang von 31,4 Punkten im Vormonat auf 40,1 Punkte, während Beobachter nur mit 35,0 Punkten gerechnet hatten. Auch die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe war geringer als befürchtet. Dagegen schrumpften die persönlichen Ausgaben im März etwas stärker als von Volkswirten geschätzt.

Die US-Börsen hatten nach den Chicagoer Daten ihren Tagesgewinn ausgebaut, während die Bilanzen einiger Großkonzerne nach einem zweiten Blick doch zu Verkäufen genutzt wurden, wie die des Konsumgüterherstellers Procter & Gamble, des weltweit viertgrößten Handyherstellers Motorola sowie des weltgrößten börsennotierten Ölkonzerns Exxon Mobil.

BASF und MAN über Erwartungen
Bester Dax-Titel war die BASF-Aktie mit einem Plus von 7,4 Prozent. Der weltgrößte Chemiekonzern hat im ersten Quartal zwar deutlich weniger verdient, blieb damit aber klar über den Analystenerwartungen.

MAN erhielt ebenfalls Applaus, obwohl die Geschäfte krisenbedingt heftig zurückgingen. Da aber Experten mit noch schwächeren Zahlen gerechnet hatten, gewann die MAN-Aktie 2,4 Prozent.

Fresenius-Familie krisenresistent
Kaum Überraschungen boten die beiden Fresenius-Konzerne aus dem Dax. Der Dialysespezialist Fresenius Medical Care und seine Mutter Fresenius, mittlerweile ebenfalls im Dax notiert, verzeichneten im ersten Quartal leichte Geschäftszuwächse.

Zwei Argumente für Deutsche Börse
Um 4,7 Prozent legte die Aktie der Deutschen Börse zu. Händler verwiesen auf die ordentlichen Zahlen des Wettbewerbers NYSE Euronext. Dazu komme die Belebung der Handelsumsätze an den Börsen.

Wacker Chemie gefeiert
Mit respektablen 18,65 Prozent Plus führte Wacker Chemie mit Abstand die Gewinnerliste im MDax an. Auch der Solarzulieferer musste im abgelaufenen Quartal Geschäftseinbußen hinnehmen und erwartet nun auch für das Gesamtjahr 2009 ein deutlich schwächeres Geschäft. Doch übertraf Wacker die Analystenprognosen deutlich.

Fielmann lässt sich kaum beirren
Auch die Zahlen von Fielmann kamen gut an. Die Optikerkette gab für das erste Quartal ein leichtes Umsatzwachstum auf 226,3 Millionen Euro bekannt. Das Vorsteuerergebnis war leicht rückläufig. Fielmann will in diesem Jahr 25 neue Geschäfte eröffnen und prüft Übernahmemöglichkeiten.

Boss-Zahlen wohlwollend aufgenommen
Der Modekonzern Hugo Boss hingegen hat wegen der Krise im ersten Quartal weniger Umsatz erzielt. Die Erlöse gingen um fünf Prozent zurück, das Ebit um drei Prozent. Die Aktie legte trotzdem leicht zu.

Flowers geht auf Konfrontationskurs
J.C. Flowers, der Großaktionär der Immobilienbank Hypo Real Estate, will das staatliche Übernahmeangebot nicht annehmen. Flowers sagte, er sei davon überzeugt, dass die Aktie mehr wert sei als die 1,39 Euro, die der Bund den Aktionären bietet. Bundesfinanzminister Steinbrück erklärte, dann werde Flowers wohl enteignet werden: "Schade für ihn."

Vage Hoffnung für Infineon
Rund sechs Prozent gewann die Infineon-Aktie im TecDax. Der Chiphersteller meldete für das abgelaufene Quartal abermals weniger Erlöse sowie Millionenverluste. Wegen des schwachen Halbleitermarktes sei der Konzernumsatz um fast ein Drittel auf 747 Millionen Euro gefallen, den Verlust gab Infineon mit 258 Millionen Euro an. Für das laufende Quartal erwartet das Unternehmen aber wieder steigende Erlöse.

Wirecard bleibt bei seiner Prognose
Der im TecDax notierte Anbieter von elektronischen Zahlungssystemen Wirecard hat das erste Quartal mit Zuwächsen abgeschlossen. Der Umsatz stieg auf 49 Millionen Euro, das Ebit erreichte 11,9 Millionen Euro. Das Unternehmen rechnet weiterhin damit, in diesem Jahr das Ebit um 10 bis 25 Prozent zu verbessern.

Qiagen-Test taugt auch für Schweinegrippe
Die Qiagen-Aktie setzte ihren Erholungskurs fort. Der von Qiagen entwickelte Grippe-Test könne das Schweinegrippevirus zweifelsfrei nachweisen, meldete das TecDax-Unternehmen am Abend. Das sei nun auch in der klinischen Realität bestätigt worden.

SDax-Bilanzen von Krise geprägt
Die Beteiligungsgesellschaft Arques hat nach eigenen Angaben ihre Ziele für 2008 erreicht. Der Jahresumsatz betrug demnach 5,5 Milliarden Euro, das Ebitda 116 Millionen Euro. Der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer hat 2008 mit einen Verlust von 101 Millionen Euro abgeschlossen, der Umsatz sank um ein Zehntel auf 1,5 Milliarden Euro. Die Aktie notierte dennoch 3,1 Prozent höher.

Das Leasing-Unternehmen Grenkeleasing verzeichnete im ersten Quartal einen leichten Gewinnrückgang und sieht "große Herausforderungen" für die nächsten Quartale. Auch der Büroausstatter Takkt spürt die Krise deutlich. Im ersten Quartal sackte der Umsatz von 240,5 Millionen auf 186,4 Millionen Euro. Das Ebitda ging ummehr als ein Drittel auf 26,9 Millionen Euro zurück. Der Online-Reifenversender Delticom meldete dagegen ein für das erste Quartal ein kräftiges Umsatzplus auf 51 Millionen Euro.

HepaHope erfolgreich gestartet
Der erste Börsengang in Deutschland seit fast einem Jahr ist geglückt. Die Aktie des kalifornischen Biotechunternehmens HepaHope, die für 1,52 Euro ausgegeben wurde, begann den Handel bei 1,68 Euro, und notierte zum Xetra-Schluss bei 1,77 Euro. Weil das Emissionsvolumen aber recht bescheiden ist, ist auch die Signalwirkung des Börsengangs begrenzt.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 17. Oktober

Unternehmen:
ASML: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Roche: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Zooplus: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Danone: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Abbott: Q3-Zahlen, 13:45 Uhr
US Bancorp: Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Carrefour: Q3-Umsätze, 17:45 Uhr
Alcoa: Q3-Zahlen, 22:10 Uhr

Konjunktur:
Acea-Kfz-Neuzulassungen 09/18, 08:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 09/18, 11:00 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen, 09/18, 14:30 Uhr
USA: Ölbericht (Woche), 16:30 Uhr
USA: FOMC-Sitzungsprotopoll 26.9., 20:00 Uhr