Weiterer Schub am Abend

Mark Ehren

Stand: 31.01.2008, 20:33 Uhr

Der deutsche Aktienmarkt hat im späten Handel weiter an Boden gutgemacht. Rückenwind gab es auch den USA - und ausgerechnet von der schwer angeschlagenen Finanzbranche.

So teilte der Anleiheversicherer MBIA mit, dass das bestmögliche Rating AAA wegen seines Kapitalplans nicht von einer Herabstufung bedroht sei. Genau solche Sorgen hatten die Märkte noch zuvor belastet.

Der L-Dax beendete den Handel bei 6.877 Punkten und damit weitere 26 Zähler oberhalb des Xetra-Dax. Dieser notierte am Donnerstag lange Zeit mehr als 2,5 Prozent im Minus, bevor er sich nach Kursgewinnen an der Wall Street kräftig erholte. Vom Tagestief stieg der Index mehr als 150 Punkte. "Das Hin und Her zeigt, wie nervös die Anleger sind", sagte ein Händler. "Keiner weiß so recht, was er machen soll."

An der Dax-Spitze lag die Bayer-Aktie - ohne irgendwelche Nachrichten. Beim Branchenkollegen, der Darmstädter Merck KGaA, sorgte ein US-Unternehmen für Neuigkeiten. Merck habe seinen Umsatz mit dem Krebsmittel Erbitux im vierten Quartal auf 186 Millionen Dollar gesteigert, teilte der US-Partner ImClone mit - ein Plus von 48 Prozent zum Vorjahreszeitraum. "Wir finden es eher ungewöhnlich, dass ein anderes Unternehmen unsere Umsatzzahl bekanntgibt", sagte eine Merck-Sprecherin. Sie bestätigte aber, dass die Zahl "mehr oder weniger richtig" sei. Des Rätsels Lösung: Imclone erhält 9,5 Prozent des Umsatzes, den Merck mit Erbitux erwirtschaftet. Die Merck-Aktie profitierte.

Damit erging es dem Papier deutlich besser als den großen US-Pharmakonzerne wie Bristol-Myers Squibb und Wyeth, deren Geschäftszahlen und -aussichten an der Börse sehr schlecht ankamen. Deutlich erfreulicher entwickelten sich dagegen wie die Aktienkurse der beiden Konsumgüter-Giganten Colgate-Palmolive bzw. Procter & Gamble - nach der Bekanntgabe ihre Quartalsberichte.

Unter besonderem Druck standen den ganzen Tag über Bankaktien - allen voran die Deutsche Bank. Es hielten sich hartnäckige Gerüchte über eine baldige Gewinnwarnung. "Es heißt, dass die Deutsche Bank nächste Woche eine Gewinnwarnung herausgibt", sagte ein Händler. Andere Marktteilnehmer sprachen von Spekulationen auf einen sinkenden Gewinn. Die Deutsche Bank wollte keinen Kommentar abgeben. Sollte das Ergebnis tatsächlich schlechter als erwartet ausfallen, müsste die Bank eine Ad-hoc-Mitteilung veröffentlichen.

Société Générale mal auf der Sonnenseite

Gegen den schwachen Branchentrend lag die Aktie Société Générale im Plus. Der französische Konkurrent BNP Paribas will eine Übernahme des Instituts nicht ausschließen. Ein BNP-Sprecher sagte am Donnerstag, sein Institut prüfe entsprechende Schritte, "weil alle europäischen Banken dies prüfen".

Schwache US-Daten
Kräftigen Gegenwind gibt es durch die neuesten Informationen vom US-Arbeitsmarkt. In der vergangenen Woche lag der Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe bei 375.000. Volkswirte hatten im Schnitt nur mit 315.000 gerechnet. Der Einkaufsmanagerindex für den Raum Chicago fiel dagegen im Rahmen der Erwartungen aus.

Beiersdorf gelobt, bei KlöCo weicht die Fantasie
Den deutlichsten Kursaufschlag im MDax gab es bei Beiersdorf. Während die Beiersdorf-Aktie zulegte, nachdem sie von Merrill Lynch in eine Empfehlungsliste aufgenommen worden war, ging es beim Stahlhändler KlöCo leicht bergab. Hier zertreuen sich offenbar vage Übernahmegerüchte, die am Mittwoch noch für starke Kurszuwächse gesorgt hatten.

Epcos fällt in Ungnade
Die Epcos-Aktie geriet bis Handelsschluss stark unter Druck. Der Elektrokomponentenhersteller meldete am Morgen eine Steigerung beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) für das erste Geschäftsquartal um acht auf knapp 28,4 Millionen Euro. Analysten hatten nur mit 24 Millionen Euro gerechnet. Der Umsatz kletterte um rund zehn Prozent auf 367 Millionen Euro. Für die Zukunft ist das Unternehmen optimistisch gestimmt. "Wenn ich mir den Auftragseingang ansehe, sehe ich keinerlei Rückgang", sagte Vorstandschef Gerhard Pegam in einer Telefonkonferenz am Donnerstag. "Wir sehen keine Anzeichen für eine beginnende Schwäche des Geschäfts."

Rofin-Sinar obenauf
Der deutsch-amerikanische Laserhersteller Rofin-Sinar hat im ersten Quartal seinen Umsatz um 21 Prozent auf 135 Millionen US-Dollar nach oben geschraubt. Der Gewinn kletterte gar von 11,5 auf 16,9 Millionen Dollar. Die Rofin-Aktie gewann bis Handelsschluss mehr als 18 Prozent.

Zahltag bei Wirecard
TecDax-Mitglied Wirecard hat im vergangenen Jahr nach vorläufigen Zahlen 133,8 Millionen Euro umgesetzt. Das entspricht einem Anstieg von rund 63 Prozent. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg gegenüber dem Vorjahr um rund 78 Prozent von auf 33,1 Millionen Euro. Für 2008 erwartet Wirecard einen deutlichen Ergebnisanstieg auf Ebit-Basis um mehr als 45 Prozent. Das kam gut an der Börse an.

Heftige Abschläge gab es am Donnerstag wieder bei Solarwerten. Die TecDax-Mitglieder Centrotherm, Q-Cells und Solarworld büßten mehr als drei Prozent ein. Gut entwickelten sich die Aktien von Phoenix Solar. Das Unternehmen hat einen Großauftrag in Spanien mit einem Volumen von über 40 Millionen Euro erhalten.

Kleine Werte im Blick
Der Softwarehersteller Atoss hat das Geschäftsjahr 2007 mit einem Umsatzanstieg um elf Prozent auf 25,4 Millionen Euro abgeschlossen. Wie das Unternehmen mitteilte, konnte das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit um 34 Prozent auf 3,7 Millionen Euro gesteigert werden. Die Atoss-Aktie kann nicht davon profitieren, sie brach ein.

Der Internet-Reifenhändler Delticom hat im vergangenen Geschäftsjahr seinen Umsatz um 24 Prozent auf 214 Millionen Euro nach oben geschraubt. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) dürfte nach vorläufigen Berechnungen mit 12,0 bis 12,5 Millionen über dem Vorjahreswert von 10,2 Millionen Euro gelegen haben.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr