Marktbericht 20:10 Uhr

Börsen im Höhenflug Weihnachts-Rally läuft weiter

Stand: 20.12.2013, 20:10 Uhr

Anleger können entspannt in die Weihnachtsferien fahren: Die letzte komplette Börsenwoche des Jahres ist mit einem deutlichen Plus zu Ende gegangen. Positive Konjunkturdaten trieben den Dax zum Hexensabbat über 9.400 Punkte. An der Wall Street gab es neue Rekordhochs.

Der Schock nach dem angekündigten schrittweisen Entzug der Billiggeld-Droge ist ausgeblieben. Im Gegenteil: Die von der Fed beschlossene Reduzierung der Anleihenkäufe hat die Anleger beruhigt. "Die Unsicherheit ist nun vom Tisch", meint die DZ Bank. Die unterbrochene Jahresend-Rally ist deshalb nun wieder in Gang gekommen. Der Dax machte in der abgelaufenen Börsenwoche einen Sprung von 4,4 Prozent nach oben. Am Freitag schloss er 0,7 Prozent fester und knackte die Marke von 9.000 Punkten. Damit fehlen nur noch 24 Punkte bis zum Anfang Dezember markierten Rekordhoch. Der L-Dax schloss bei 9.387 Zähler.

Rekordjagd an der Wall Street

An der Wall Street setzte sich die Rekordjagd ebenfalls fort. Der Dow stieg bis zwei Stunden vor Handelsschluss auf den neuen Höchststand von 16.287 Punkten. Der S&P 500 kletterte ebenfalls auf einen neuen Bestwert von 1.818 Zählern. Die Nasdaq zog noch stärker an und erreichte ein 13-Jahres-Hoch. Überraschend gute Konjunkturdaten gaben Auftrieb. Die US-Wirtschaft legte im dritten Quartal um 4,1 Prozent zu - so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr. Die frühere Schätzung von 3,6 Prozent wurde nach oben korrigiert.

Tapering scheint verkraftbar

Die Anleger sind nun überzeugt, dass die US-Konjunktur den eingeleiteten Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik verkraften kann. "Trotz der Drosselung der Wertpapierkäufe pumpt die Fed immer noch monatlich 75 Milliarden Dollar in die Märkte", erklärte Aktienhändler David Thebault von Global Equities. Da die Finanzkrise nun überwunden sei, die Notenbank weiter locker bleiben und die Konjunktur anziehe, rechnet er mit weiteren Kursgewinnen 2014 am Aktienmarkt.

Aktien? Nein danke!

Die Hausse geht jedoch an den meisten Privatanlegern vorbei. Laut einer Umfrage des Bundesverbands Deutscher Banken bevorzugen die meisten Bundesbürger Tagesgeld oder Festgeld, obwohl sie damit nach Abzug der Inflation überwiegend Geld verlieren. Nur 18 Prozent setzen auf Aktien. Auch die jüngsten Kurssteigerungen sorgen für kein Umdenken. 91 Prozent der Deutschen können sich nicht oder eher nicht vorstellen, bei der Geldanlage ein höheres Risiko einzugehen, um mehr Rendite zu erzielen.

Süßer die Kassen nie klingeln

Die Deutschen konsumieren lieber. Die Stimmung der Verbraucher ist so gut wie seit sechs Jahren nicht mehr. Die Nürnberger Gesellschaft für Konsumklima (GfK) sagt für Januar einen Anstieg ihres Konsumklima-Barometers auf 7,6 Punkte voraus nach 7,4 Punkten im November. Experten hatten einen unveränderten Wert erwartet.

Euro und Gold erholen sich

Der Euro konnte sich zu Wochenschluss etwas erholen nach den jüngsten Verlusten. Dass die Ratingagentur S&P der EU die Bestnote "AAA" entzog, wurde ignoriert. Die europäische Gemeinschaftswährung stieg auf 1,3677 Dollar. Am Morgen hatte der Euro noch mit 1,3625 Dollar den niedrigsten Stand seit zwei Wochen markiert. Das angekündigte Tapering hatte zuvor den US-Dollar beflügelt. Gegenüber dem Yen stieg der Greenback auf den höchsten Stand seit fünf Jahren. Derweil ging es mit dem Goldpreis wieder aufwärts. Das gelbe Edelmetall kostete wieder mehr als 1.200 Dollar je Feinunze.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1641
Differenz relativ
-0,15%
US-Dollar in Yen: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
112,86
Differenz relativ
-0,04%
Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.227,76
Differenz relativ
+0,13%

Die Hexen tanzen

Deutsche Börse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
120,25
Differenz relativ
+0,67%

Im Dax gab es am Freitag heftige Kursausschläge - wegen des so genannten "Hexensabbats". An den Terminmärkten waren heute Optionen und Futures auf Aktien und Indizes fällig. Profi-Anleger versuchten daher, die Kurse in eine für sie angenehme Richtung zu schieben. So hievten sie die Aktien der Deutschen Börse ganz nach oben. Mit einem Plus von drei Prozent war das Papier Spitzenreiter in der ersten deutschen Börsenliga.

Gute Nachrichten für K+S aus Russland

K+S

K+S: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,33
Differenz relativ
+0,80%

Die K+S-Aktie gehörte ebenfalls zu den Favoriten. Sie zog um über zwei Prozent an. An den Märkten keimt neue Hoffnung auf eine Wiederbelebung des Weißrussland-Kartells auf. Insidern zufolge steht der weltgrößte Kalihersteller Uralkali vor einem Chefwechsel. Dmitri Osipow vom Düngemittel-Hersteller Uralchem soll den vakanten Chefposten übernehmen - und den Streit mit Minsk beilegen. Helfen könnte dabei auch der Ausstieg von Großaktionär Suleiman Kerimow. Uralkali hatte das Bündnis mit Weißrussland im Sommer aufgekündigt und einen Preisrutsch am Kali-Markt ausgelöst.

Nike schiebt Adidas an

Adidas: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
189,25
Differenz relativ
+1,88%

Solide Nike-Zahlen beflügelten die Adidas-Aktie. Sie sprintete um über ein Prozent nach vorn. Der Sportartikel-Ausrüster aus den USA erhöhte im abgelaufenen Quartal den Umsatz um acht Prozent auf 6,4 Milliarden Dollar. Der Gewinn sprang um 40 Prozent auf 537 Millionen Dollar. Die Nike-Aktie gab allerdings nach. Anleger machten Kasse.

Deutsche Bank beendet Hypotheken-Streit

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,35
Differenz relativ
+1,83%

Die Papiere der Deutschen Bank zogen ebenfalls an. Das Geldinstitut hat seinen größten Rechtsstreit im Zusammenhang mit zweifelhaften Hypothekengeschäften beigelegt. Die Bank hat sich mit der amerikanischen Federal Housing Finance Agency auf einen Vergleich in Höhe von 1,4 Milliarden Dollar geeinigt.

Eon will sich aus Südeuropa zurückziehen

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,77
Differenz relativ
+0,85%

Nur knapp im Plus konnten sich die Versorgeraktien behaupten. Wie "Der Spiegel" berichtet, will sich Eon künftig auf wenige Kernmärkte wie Großbritannien, Schweden, Deutschland oder Russland konzentrieren. Zum Verkauf stünden nicht nur Kohle- und Gaskraftwerke, sondern auch große Erzeuger erneuerbarer Energien, darunter Wasserkraftanlagen in Italien, sowie Windparks und Solaranlagen in Spanien.

Millionen-Aufträge für Siemens

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
118,36
Differenz relativ
+1,02%

Der Elektrokonzern Siemens zog derweil zwei Großaufträge an Land. Für die finnische Staatsbahn liefern die Münchner mindestens 80 Lokomotiven mit einem Auftragsvolumen von mehr als 300 Millionen Euro. In den USA wird Siemens zwei Blöcke des Gas- und Dampfturbinenkraftwerks Patriot in Pennsylvania ausrüsten. Auftragswert: 400 Millionen Dollar. Die Siemens-Aktie gewann 0,6 Prozent.

Deal zwischen Telekom und Telefonica

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
13,78
Differenz relativ
+0,51%

Nahezu unverändert schlossen die T-Aktien. Die Deutsche Telekom hat seine Partnerschaft mit Telefonica Deutschland vertieft. Die Konzerne vereinbarten am Freitag eine Kooperation im Festnetz. Die Telefonica erhält so Zugang zum Hochgeschwindigkeits-Internet der Telekom, die Bonner wiederum können ihr Netz schneller ausbauen.

Kein Widerstand mehr gegen Rhön-Deal

Im MDax waren die Aktien von Rhön-Klinikum gefragt. Sie zogen um knapp fünf Prozent an. Der Weg für den Verkauf mehrerer Krankenhäuser an Fresenius ist frei. Die Aktionäre B. Braun und Asklepios haben ihre Blockade aufgegeben. Braun zieht eine Klage zurück. Im Gegenzug schließt Fresenius einen langfristigen Rahmenvertrag mit B. Braun. Die Aktien von Fresenius waren größter Verlierer im Dax.

Fresenius: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
69,60
Differenz relativ
+1,19%
Rhön-Klinikum: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
25,16
Differenz relativ
-0,55%

Vodafone will restliche Kabel-Aktionäre abfinden

Bei Kabel Deutschland endet derweil eine Ära. Vorstandschef Adrian von Hammerstein gab am Freitag seinen Rückzug für Ende März 2014 bekannt. Er hat offenbar keine Lust auf einen Machtkampf mit den Hedgefonds, darunter Elliott des New Yorker Investors Paul Singer. Vodafone will die verbliebenen Aktionäre, die noch 23 Prozent an Kabel, herausdrängen. Sie sollen für ihre Papiere je 84,53 Euro in bar oder eine jährliche Garantiedividende von 3,877 Euro erhalten. Beide Unternehmen schlossen am Freitag einen Beherrschungsvertrag.

Hornbach profitiert von Praktiker-Pleite

Hornbach Holding: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
59,50
Differenz relativ
+0,85%

Nachrichten gab es vor allem von Unternehmen aus dem SDax. So gab Hornbach seine Quartalszahlen bekannt. Die Baumarktkette profitierte von der Praktiker-Insolvenz. An einzelnen Standorten konnte sich Hornbach einen Teil des Umsatzes sichern. Der Umsatz im dritten Quartal erhöhte sich um fünf Prozent, das operative Ergebnis (Ebit) gar um 78 Prozent. Die Prognose für das Geschäftsjahr wurde bestätigt. Die Aktien schlossen knapp zwei Prozent fester.

MVV steigt ab, GfK warnt

Größter SDax-Verlierer war MVV mit einem Minus von sechs Prozent. Der Energieversorger steigt am Montag aus dem Kleinwerte-Index ab und wird ersetzt durch den Autozulieferer SHW. Zu den SDax-Verlierern zählte auch GfK. Die Aktie gab nach einer Gewinnwarnung um drei Prozent nach. Das Marktforschungs-Unternehmen schreibt Geschäfts- oder Firmenwerte im Volumen von 112,5 Millionen Euro ab und kann deshalb seine Geschäftsprognosen nicht halten.

CropEnergies dampft erneut Prognose ein

CropEnergies: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
4,86
Differenz relativ
-1,62%

Ein trüber Ausblick für das kommenden Geschäftsjahr 2014/15 bescherte der im Prime Standard notierten Aktie von CropEnergies heftige Verluste. Das Papier verlor rund 13 Prozent. Der Preisverfall auf dem europäischen Bioethanol-Markt werde das operative Ergebnis weiter belasten, warnte CropEnergies. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet die Südzucker-Tochter nur noch mit einem Ergebnis von 33 bis 43 Millionen Euro. In den ersten neun Monaten schrumpfte das operative Ergebnis deutlich von 70,2 auf 37,2 Millionen Euro.

Aurelius auf Verkaufstour

Die Beteiligungsgesellschaft stieß am Freitag mit der Healthcare-Sparte von brightOne eine zweite Beteiligung in dieser Woche ab. Käufer ist T-Systems, die IT-Tochter der Deutschen Telekom. Bereits am Dienstag hatte Aurelius diue Dfa Transport und Logistik an das Management um Geschäftsführer Michael Hulm veräußert. Die Aurelius-Aktie schloss etwas höher. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs verdoppelt. Da lassen sich auch die Probleme mit der Anleihe von MS Deutschland verschmerzen.

Solarworld-Verluste noch höher

Solarworld: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Der Solarkonzern hat weitere Wertberichtigungen für das Jahr 2012 vornehmen müssen. Der Verlust erhöhte sich so nachträglich um 130 Millionen auf 606 Millionen Euro. Damit summieren sich die Verluste von 2011 und 2012 auf mehr als 900 Millionen Euro. Die Solarworld-Aktie stürzte um erneut elf Prozent auf 39 Cent ab. Dank einer Vereinbarung mit den Gläubigern war der Solarkonzern knapp der Pleite entkommen.

Boeing und Blackberry im Aufwind

An der Wall Street stiegen die Aktien von Boeing um fast zwei Prozent. Der Airbus-Rivale erhielt einen sieben Milliarden Dollar schweren Großauftrag der Fluggesellschaft Cathay Pacific zur Lieferung von 21 Maschinen des Typs 777-9X. Die Aktien von Blackberry machten ihre Anfangsverluste wett und sausten um 17 Prozent nach oben. Zwar gab der Smartphone-Pionier einen Millionenverlust für das dritte Quartal ein. Die verkündete Kooperation mit dem Apple-Zulieferer Foxconn stimmte aber die Anleger zuversichtlich.

Aufstand bei der Telecom Italia

In Italien sorgten Aktionäre der Telecom Italia für Furore auf der Hauptversammlung. Der Antrag auf die Ablösung des gesamten Verwaltungsrats scheiterte nur ganz knapp. 50,3 Prozent stimmten gegen den Antrag. Der einflussreiche Investor Marco Fossati und die Kleinanleger-Vertretung Asati hatten sich für den Abgang des kompletten Gremiums unter Führung von Marco Patuano stark gemacht, weil sie ihre Interessen nicht ausreichend vertreten sehen.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr