Marktbericht 20:05 Uhr

Dax im Aufwind Weihnachtliche Vorfreude am Aktienmarkt

Stand: 22.12.2014, 20:05 Uhr

Kurz vor dem Fest haben die Anleger sogar die Marke von 10.000 Punkten in Augenschein genommen. Zu neuen Rekorden hat es zwar nicht gereicht, trotzdem wurde kräftig zugegriffen.

Bei niedrigen Umsätzen haben am Aktienmarkt zum Auftakt der verkürzten Weihnachtswoche die Bullen das bessere Ende für sich gehabt. Der Dax schloss bei 9.865 Punkten, ein Tagesgewinn von 0,81 Prozent. Kurzzeitig sah es am Nachmittag sogar danach aus, als könnte ein Angriff auf die Marke von 10.000 Punkten erfolgen.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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Aber der Attacke fehlte letztlich die Kraft, bei 9.924 Punkten war Schluss. "Die Umsätze sind ziemlich niedrig, von der Unternehmens- und Konjunkturseite gibt es kaum spannende Nachrichten", sagte Portfoliomanager Stefan de Schutter von Alpha Wertpapierhandel. Viele Investoren hätten sich bereits in den Urlaub verabschiedet.

Zumal auch die weitere Unterstützung der Wall Street fehlte, die ihre Anfangsgewinne zunächst nicht ausbauen konnte. Aktuell rückt der Dow Jones-Leitindex gut ein halbes Prozent Prozent vor.

Das Dax-Jahreshoch bei 10.093 Punkten bleibt bei noch drei Handelstagen in diesem Jahr gleichwohl weiter in Reichweite. Bisher haben zudem die Anleger Recht bekommen, die auf die statistisch gut belegbare Weihnachtsrally in den Handelstagen um das Fest gesetzt haben.

Russland und Griechenland bleiben Wackelkandidaten

Geopolitische Sorgen haben heute nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Obwohl vor allem die Nachrichten aus Russland wenig ermutigend sind.

Denn es gibt die erste Bankenpleite im Riesenreich. Die Trust Bank werde demnächst 30 Milliarden Rubel (rund 433 Millionen Euro) Stützgeld erhalten, teilte die Zentralbank am Montag in Moskau mit. Trust Bank ist damit das erste Opfer der Rubel-Krise. Gleichzeitig gab die Sberbank, die größte Bank im Land, bekannt, dass bis Februar keine Auto- und Hypothekenkredite für Privatleute mehr vergeben werden.

Mit einem besorgten Auge blicken die Akteure auch weiter nach Griechenland, wo ein neuer Staatspräsident gewählt werden muss. Die Mehrheit im Parlament ist aber bisher noch nicht zusammengekommen. Gelingt dies auch weiterhin nicht, muss neu gewählt werden. Euro-kritische Kräfte liegen in den Umfragen derzeit vorne.

Ölpreise wieder auf Talfahrt

Am Morgen wurde der Markt noch von einem Erholungsversuch beim Ölpreis gestützt, aber dann ging es wieder abwärts. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostet nur noch gut 60 Dollar, ein Minus von über drei Prozent. Im Tageshoch war die Notierung schon bis auf 62,94 Dollar gestiegen. Die Experten von Morgan Stanley warnen vor zu viel Optimismus und sehen noch keine Trendwende am Ölmarkt. Der Preis ist seit dem Sommer um rund 40 Prozent dramatisch gefallen.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Nach Einschätzung des Energieministers von Katar, Mohammed Saleh Al Sada, befindet sich der Ölmarkt in einer Korrekturphase. Derzeit sei nicht genau abzuschätzen, wie lange diese Phase andauern werde, hatte Al Sada am Wochenende auf einer Konferenz in Abu Dhabi gesagt. Ein zu starker Ölpreisverfall gilt bei manchen Experten als nicht erstrebenswert, weil dadurch ganze Volkswirtschaften destabilisiert werden könnten. Außerdem droht mittelfristig die Ölförderung deutlich zu sinken, da viele Förderprojekte nicht mehr rentabel sind.

Euro auf niedrigem Niveau stabil

Die Gemeinschaftswährung behauptet sich bei aktuellen Kursen von 1,2255 Dollar auf niedrigem Niveau. Die Stabilisierung an den Finanzmärkten in Russland stütze den Euro zum Dollar, da die Eurozone enger mit Russland wirtschaftlich verflochten ist, hieß es aus dem Handel. Der Rubel hatte sich zuletzt von seinen Tiefstkursen zu Dollar und Euro gelöst und etwas Boden gut gemacht. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2259 Dollar fest, nach 1,2279 Dollar am Vortag.

Telekom: T-Online vor Verkauf?

Zu den Dax-Gewinnern gehörte die T-Aktie, auch wenn sie ihr Tageshoch nicht behaupten konnte. Die Deutsche Telekom will laut Medienberichten ihr Portal T-Online verkaufen. Als Hauptinteressent gilt demnach der Medienkonzern Axel Springer. Die im MDax notierte Springer-Aktie legt ebenfalls zu. Auch die Deutsche Post und Fresenius sind ohne neue Nachrichten gefragt. Bei den Verlierern fielen die Verluste moderat aus. Schlusslicht war Eon mit einem Abschalg von 0,31 prozent.

Daimler schürt Dividenden-Hoffnungen

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Auch Daimler-Aktien fielen im handelsverlauf vom Hoch zurück, schlossen aber dennoch 0,54 Prozent höher. Finanzvorstand Bodo Uebber hatte in der "Börsen-Zeitung" angekündigt, dass die Aktionäre mit einer höheren Ausschüttung rechnen können. Nach seiner Einschätzung reichen die Rückstellungen des Autobauers zudem aus, um eine drohende Strafe wegen möglicher Kartellverstöße begleichen zu können.

Deutsche Bank muss drei Millionen zahlen

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Tochter DBSI ist von der Regulierungsbehörde CFTC zu einer Strafe von drei Millionen Dollar verurteilt worden. Die Banktochter soll im Jahr 2012 Kundengelder falsch verwaltet haben. Laut Gerichtsunterlagen hat die Bank den Vorwurf weder bestätigt noch abgestritten.

Bilfinger entkernt sich selbst

Der angeschlagene Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger verkauft einen Großteil seines Ingenieurbaugeschäfts, das in der Sparte Construction gebündelt ist. Käufer ist das Schweizer Bau- und Baudienstleistungsunternehmen Implenia. Nach Abzug der Kosten für den Verkauf rechnet Bilfinger mit einem Verkaufserlös von rund 230 Millionen Euro. Der Jubel der Börse hielt sich aber in Grenzen.

Airbus liefert ersten A350 aus

Großer Tag für den deutsch-französischen Flugzeugbauer. Nach langer Entwicklungszeit wird heute der erste Langstreckenjet A350 an Qatar Airways ausgeliefert. Firmenchef Fabrice Bregier sprach von einem "historischen Tag". Er hat zudem energisch Spekulationen zurückgewiesen, das A380-Projekt stünde vor dem Scheitern. Entsprechende Andeutungen hatte jüngst Finanzchef Harald Wilhelm gemacht und damit für Verunsicherung gesorgt. An der Börse zeigten die Anleger der im MDax notierten Airbus-Aktie jedoch die kalte Schnulter. Das Papier gab gegen den Markt nach.

Brenntag-Zukauf kommt gut an

Besser lief es heute für den Indexkollegen Brenntag. Der Chemiehändler will den schwedischen Konkurrenten Fred Holmberg übernehmen. Mit der Übernahme wollen die Deutschen ihr Produktangebot an Industriechemikalien in der Region ausbauen, wie Brenntag-Europachef Karsten Beckmann am Montag ankündigte. Unternehmensgründer und -eigentümer Fred Holmberg sieht in dem Zusammenschluss mit Brenntag Vorteile für beide Seiten. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht.

Gerry Weber kauft zu

Der Modekonzern kauft den Einzelhändler Hallhuber. Der Kaufpreis wurde nicht veröffentlicht, er soll durch Fremdmittel gestemmt werden. Bereits im laufenden Geschäftsjahr 2014/15 (bis 31.10.15) soll sich der Zukauf auf den Gewinn auswirken. Hallhuber erwartet 2014 einen Umsatz von 140 Millionen Euro und ein Ebitda von 14 Millionen Euro. Betrieben werden 94 eigene Geschäfte und zwölf Outlets mit 1.500 Mitarbeitern. Durch den Zukauf will Gerry Weber vor allem jüngere Kundinnen gewinnen. Auch im Geschäft mit Herrenmode will der MDax-Konzern zukaufen.

Sartorius mit Spartenverkauf

Im TecDax gehörten die Vorzugsaktien des Göttinger Laborausrüsters Sartorius zu den größten Gewinnern. Das Unternehmen verkauft seine Sparte Industrietechnologie (Intec) an den japanischen Konzern Minebea. Die Japaner zahlen das 7,5-fache des Ebitda der Sparte im Jahr 2014. Intec hatte im Vorjahr 102 Millionen Euro umgesetzt und eine operative Rendite von 10,1 Prozent erzielt.

Sartorius will sich zukünftig auf die Bereiche Bioprozess und Labor konzentrieren. Dabei ist man Zukäufen nicht abgeneigt, erklärte Firmenchef Joachim Kreuzburg gegenüber Analysten.

QSC bleibt gefragt

Tagessieger im deutschen Technologieindex waren QSC, die deutlich fast acht Prozent zulegten. Hintergrund sind Gerüchte, dass der Internetkonzern United Internet das DSL-Netz von QSC kaufen will. Darüber berichtete zuletzt das "Manager-Magazin". QSC hat Gespräche bestätigt, allerdings den Gesprächspartner bisher nicht genannt.

Mit den Erlösen könnte QSC sich neu ausrichten, nachdem die Entwicklung zuletzt ins Stocken geraten war. Bereits zweimal musste das Unternehmen in diesem Jahr schon die Prognosen senken.

Hornbach wächst

Die Baumarktkette Hornbach Holding hat ihren Umsatz im dritten Quartal um 2,9 Prozent auf knapp 876 Millionen Euro in die Höhe geschraubt. Das Betriebsergebnis wuchs um 3,6 Prozent auf 36,5 Millionen Euro. Im noch bis Ende Februar laufenden Geschäftsjahr 2014/15 soll der Umsatz im mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen. Das Betriebsergebnis soll ebenfalls über dem Vorjahreswert von 160 Millionen Euro liegen.

Catoil: Management schmeißt das Handtuch

Der Vorstand und der Aufsichtsrat der österreichischen Ölbohrfirma Catoil haben ihren Aktionären empfohlen, das Übernahmeangebot von Großaktionär Joma anzunehmen. Der Angebotspreis sei aus finanzieller Sicht für angemessen, teilte das im SDax notierte Unternehmen mit. Allerdings seien die Absichten der Bieterin nach wie vor in weitem Umfang unklar. Der Angebotspreis liegt bei 15,23 Euro je Catoil-Aktie.

Nicht mitziehen wird das Management der österreichischen Firma. Die Vorstandsmitglieder Anna Brinkmann, Manfred Kastner, Ronald Harder und Leonid Mirzoyan verlassen das Unternehmen spätestens zum 31. März 2015.

Zalando steigt auf

Der Internet-Bekleidungs-Versender Zalando ist ab heute Mitglied im SDax. Zalando ersetzt die Firma Centrotec, ein Spezialist für energieeffiziente Gebäudetechnik. Die Entscheidung zu dem Wechsel hatte die Deutsche Börse bereits Anfang Dezember verkündet.

Hohe Strafe für Alstom

Wegen eines Bestechungsskandals zahlt der französische Industrie-Konzern Alstom eine Rekord-Buße in den USA. Der Siemens-Rivale lege im Rahmen eines Vergleichs 772 Millionen Dollar auf den Tisch, teilte das US-Justizministerium am Montag mit. Alstom bekannte sich zudem der Korruption schuldig.

Großauftrag für Boeing

Der amerikanische Airbus-Erzrivale steht vor einem großen Auftrag für seinen Mittelstreckenjet Boeing 737 und die spritsparende Variante 737-MAX. Die chinesische Fluggesellschaft Air China will insgesamt 60 Exemplare der beiden Modelle bestellen. Der Auftrag hat ein Listenpreis-Volumen von über sechs Milliarden Dollar. Preisnachlässe sind in der Branche allerdings üblich. Boeing-Papiere liegen in New York derzeit 1,5 Prozent im Plus.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr